Kulmerland

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Altpreußische Landschaften und Stämme: Kulmer Land im Weichselknie
Altpreußische Landschaften und Stämme: Kulmer Land im Weichselknie

Das Kulmerland, auch Kulmer Land, Culmerland oder Culmer Land (poln. Ziemia chełmińska), ist eine historische Region in Polen. Die Hauptstadt war Culm oder Kulm (poln. Chełmno nad Wisłą). Das Kulmerland liegt östlich der Weichsel und wird begrenzt von den beiden Flüssen Drewenz (polnisch Drwęca) im Süden, und Ossa im Norden. Der Name Kulm kann wahlweise vom prußischen "chelmo" (die Sumpfpflanze Kalmus) abgeleitet werden, oder von lateinisch culmen (auch in englisch culminating erhöhen, ebenso im slawischen chlm (bewaldeter Hügel, vgl. Begriffsklärung Kulm; der Ort lag zunächst am wenige Kilometer entfernten Lorenzberg (poln. Gora sw. Wawrzynca).)

[Bearbeiten] Geschichte

Quellenangaben
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Die ersten slawischen Siedlungen im Gebiet des heutigen Kulmerlandes werden aufgrund archäologischer Funde ins 8. Jahrhundert datiert, und wurden von sog. lechischen Stämmen errichtet. Es handelt sich um befestigte Wallanlagen mit zugehörigen frei stehenden Behausungen. Im 10. Jahrhundert wurde das Kulmerland durch den polnischen Herzog Mieszko I erobert, und somit in den polnischen Staat integriert. Dies führte im Rahmen der sogenannte Taufe Polens 966 zur Christianisierung der bis dahin heidnischen Stämme, die in diesem Gebiet lebten.

Hellgrau: Herzoglich Preußen.Farbig: Königlich-Preußen mit seinen Wojewodschafen in Personalunion mit dem Königreich Polen und Litauen
Hellgrau: Herzoglich Preußen.
Farbig: Königlich-Preußen mit seinen Wojewodschafen in Personalunion mit dem Königreich Polen und Litauen

1215 nahm Christian von Preußen, der erste Bischof Preußens seinen Sitz in Kulm, von wo aus er regierte und Versuche der Christianisierung der Prußen unternahm. Da dieses einst prußisches Land war, in das die Polen vorgedrungen waren, wurde es, wie auch Masowien, zu umkämpften Grenzgebiet. Anfang des 13. Jahrhunderts fielen prußische Stämme in das Kulmer Land ein und plünderten die dortigen Siedlungen. Da der damalige polnische Herzog Konrad von Masowien selbst nicht Herr dieser Überfälle werden konnte, und die Prußen auch andere Regionen seines Reiches bedrohten, holte er den Deutschen Ritterorden zu Hilfe. Der Orden erhielt 1231 das Kulmerland, von wo aus er begann die Prußen durch Christianisierung zu unterwerfen. In einem Dokument vom 28. Juli 1243 wurde Preußen vom päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena in vier Bistümer aufgeteilt. Diese waren Kulmerland, Pomesanien, Ermland und Samland, welche dem Erzbistum Riga unterstellt wurden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass 2/3 der durch den Deutschen Ritterorden eroberten prußischen Gebiete dem Deutschen Ritterorden, 1/3 den Kulmer Bischöfen gehören sollte. Der Deutsche Orden erhielt 1308 auch vom Kaiser die Regierung Pomerellens und Danzigs, an Stelle Brandenburgs. Nach dem Dreizehnjährigen Krieg (1454-1466) zwischen Polen und dem Deutschen Ritterorden kam das Kulmerland im 2. Thorner Frieden als Teil des Preußen königlichen Anteils wieder zu Polen. Es wurde, erweitert um das Michelauer Land, eine der drei Woiwodschaften (und damit einer der vier Landesteile) von Königlich-Preußen. Dieses wurde 1569 Teil der polnisch-litauischen Rzeczpospolita.

Im 18. Jahrhundert siedelten im (zur damaligen Zeit polnischen) Kulmerland zahlreiche protestantische Exulanten (Glaubensflüchtlinge) aus dem Salzburger und Berchtesgadener Land, aus Norddeutschland und dem heutigen Holland. Sie erhielten Länderreien nach dem sog. Holländerrecht, welches sie vom Frondienst und vom Zehnten befreite, ihnene Glaubensfreiheit und eine Reihe weiterer Privilegien einräumte. Sie prägten noch bis vor dem Zweiten Weltkrieg auch die hier gesprochene Mundart.

Nach der Ersten Teilung Polens 1772 wurde das Kulmerland in die Provinz Westpreußen eingegliedert, und blieb dort mit kurzen Unterbrechungen bis 1920. Am 20. Januar 1920 wurde das Kulmerland wieder Teil des neu geschaffenen polnischen Staates. Zwischen 1939 und 1945 gehörte das Kulmerland wieder zum Deutschen Reich und kam 1945 zu Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Das Kulmerland wechselte in seiner Geschichte mehrfach die politische Zugehörigkeit. Hier eine kurze Zusammenfassung;

Das Kulmer Recht (Culmer Recht) oder die Kulmer Handfeste galten für das ganze Preußenland.

[Bearbeiten] Literatur

  • Dr. Franz Schulz: Geschichte der Stadt und des Kreises Kulm, Danzig 1876
  • Brauns: Geschichte des Culmerlandes bis zum Thorner Frieden. Thorn: 1881
  • Hans Maerker: Geschichte der ländlichen Orte und der drei kleinen Städte des Kreises Thorn, Danzig 1899/1900
  • Lęga: Das Kulmerland z.Z. des Übergangs von der Bronze- zur Eisenzeit, in: Rocznik Grudziądzki, 1960
  • Ziemia Chełmińska w przeszłości: wybór tekstów źródłowych, pod red. Mariana Biskupa. Toruń 1961 (Digitalisat)
  • Albrecht Duwe: Damerau, Essen

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary
 Wiktionary: Kulmerland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Koordinaten: 53° 25' N, 18° 50' O

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