Curt Bondy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Curt Werner Bondy (* 3. April 1894 in Hamburg; † 17. Januar 1972) war ein deutscher Psychologe und Sozialforscher.

Leben[Bearbeiten]

Bondy wuchs in Hamburg in einer großbürgerlichen jüdischen Familie als der jüngere Bruder des Reformpädagogen Max Bondy auf.

Er begann ein Medizinstudium und nahm als Sanitäter am Ersten Weltkrieg teil. Danach studierte er Psychologie in Hamburg und promovierte dort bei William Stern 1921 über „Die Proletarische Jugendbewegung in Deutschland“. Er engagierte sich schon während des Studiums sozialpädagogisch, insbesondere im Gebiet der Strafvollzugsreform, und unternahm 1921/22 zusammen mit Walter Herrmann in der Jugendstrafanstalt Hahnöfersand bei Hamburg den „bis heute als bahnbrechend“ geltenden[1] ersten deutschen Versuch einer Reform des Jugendstrafvollzugs[2]. Dieser scheiterte an politischem Widerstand. 1923 wurde Bondy Leiter des Jugendgefängnisses in Eisenach. Parallel hierzu wurde er 1925 in Hamburg habilitiert und lehrte dann an der Universität Göttingen Sozialpädagogik als Lehrbeauftragter, später als Honorarprofessor. Zusammen mit Wilker und Herrmann gilt Bondy als „Vorkämpfer für die Erneuerung der Fürsorgeerziehung und die Pädagogisierung des Jugendstrafvollzugs“[3].

1933 wurde er aus diesen Positionen vertrieben, arbeitete eine Zeit lang mit Martin Buber im Jüdischen Hilfswerk in Frankfurt am Main und wurde 1936 von der Reichsvertretung der Deutschen Juden zum Leiter des Ausbildungslehrgutes Groß Breesen in Schlesien berufen, einer Institution, die deutsche Jugendliche aus jüdischen Familien auf die Auswanderung vorbereitete.

Nach den Novemberpogromen 1938 wurde Bondy mit den andern Groß Breesenern ins KZ Buchenwald verschleppt, aus dem die meisten der Gruppe im Dezember mit internationaler Hilfe zur sofortigen Emigration entlassen wurden. Bondy hielt sich zuerst in England und Holland auf; 1939 konnte er in die USA emigrieren, wo er im Bundesstaat Virginia eine Professur für Psychologie erhielt.

1949 nahm er die Berufung auf die Professur für Psychologie der Universität Hamburg an.

Leistungen[Bearbeiten]

Curt Bondy leitete in Hamburg das Institut für Psychologie bis zu seiner Emeritierung 1959 und trug wesentlich zur Angleichung des Studienganges an internationale Standards bei: Er führte die Studienfächer „Sozialpsychologie“ und „Psychologische Methodenlehre“ ein und referierte in seinen Vorlesungen auch die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Unter Bondys Leitung wurden die ersten Intelligenztests für deutsche Erwachsene und Kinder standardisiert - der bekannteste ist der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE, 1956). Er initiierte an der Universität Hamburg den Studiengang „Sozialpädagogik“ und entwickelte ein Konzept des Ineinandergreifens akademischer und praktischer Ausbildung an einer von ihm geschaffenen Erziehungsberatungsstelle, das die Entwicklung der Klinischen Psychologie beeinflusste.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Pädagogische Probleme im Jugendstrafvollzug, 1925; Neuausgabe mit einem Vorwort von Klaus Eyferth und einem Nachtrag von Jörg Ziegenspeck, Lüneburg: Verlag Erlebnispädagogik 1997
  • Bindungslose Jugend, München: Juventa 1952
  • mit Braden, Jan, Cohen, Rudolf und Eyferth, Klaus: Jugendliche stören die Ordnung. Bericht und Stellungnahme zu den Halbstarkenkrawallen, München 1957.
  • Einführung in die Psychologie, Frankfurt a.M: Ullstein 1967, 16. Aufl 1990; zuletzt Köln: Anaconda 2007

Literatur[Bearbeiten]

  • Gertrud Herrmann: Die sozialpädagogische Bewegung der 20er Jahre, Weinheim 1956
  • Walter Herrmann: Das Hamburgische Jugendgefängnis Hahnöfersand. Ein Bericht über Erziehungsarbeit im Strafvollzug, Hamburg 1923; Neuausgabe mit einem Vorwort von Klaus Eyferth und einem Nachtrag von Jörg Ziegenspeck, Lüneburg 1997
  • Paul Probst: Geschichte des Fachbereichs Psychologie an der Universität Hamburg. In: K. Pawlik (Hrsg.): Bericht über den 39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Bd. 2, Göttingen: Hogrebe 1995.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dörner: S. 93
  2. Herrmann
  3. Simonsohn, Rücktitel