Cusco-Quechua

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Cusco-Quechua (Qusqu Qhichwa)

Gesprochen in

Peru
Sprecher 1.500.000  
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Peru (als Qusqu-Qullaw)
Sprachcodes
ISO 639-1:

qu

ISO 639-2:

que

ISO 639-3:

quz, que (Makrosprache)

Cusco-Quechua (auch: Cuzco-Quechua; Quechua: Qusqu Runasimi oder Qusqu Qhichwa) ist die insbesondere im peruanischen Departement Cusco einschließlich der Stadt Cusco gesprochene Quechua-Varietät, welche zur Quechua-Dialektgruppe Qusqu-Qullaw gehört.

Verbreitung und Status[Bearbeiten]

Laut SIL International wird das Cusco-Quechua von 1,5 Millionen Menschen, darunter 300.000 bis 500.000 Einsprachigen, in der Region Cusco, im östlichen Apurímac, etwa der Hälfte von Puno und in der Provinz Caylloma in der Region Arequipa gesprochen.[1]

Cusco-Quechua innerhalb des Südlichen Quechua. Laut Ethnologue (SIL) sind Ost-Apurímac-Quechua und La-Unión-Quechua eigene „Sprachen“, doch werden sie in der linguistischen Forschung meist dem Cusco-Quechua (Adelaar, Muysken) und dieses wiederum der „Südlichen Quechua-Sprache“ (Cerrón Palomino, Coronel Molina) zugeordnet.

Das Cusco-Quechua genießt in vielen Kreisen das höchste Ansehen unter allen Quechua-Varianten, was auf die Geschichte der Stadt Cusco als Inka-Hauptstadt zurückzuführen ist. Die Academia Mayor de la Lengua Quechua (AMLQ) in Cusco propagiert diese Mundart als schriftsprachlichen Standard, wobei nach spanischem Vorbild die fünf Vokale a, e, i, o, u zu verwenden seien (bei ihr heißt es z. B. Qosqo Qheswa).[2] Das peruanische Bildungsministerium verwendet jedoch als offiziellen Standard für das Qusqu-Qullaw (Cuzco-Collao), das auch das Cusco-Quechua umfasst, für ererbte Quechua-Wörter nur die drei Vokale a, i, u,[3] so wie es Rodolfo Cerrón Palomino für das Südliche Quechua vorsieht.[4] Serafín Coronel Molina, dessen Muttersprache das Wanka-Quechua ist,[5] stellt in seinem Sprachführer (Quechua Phrasebook, 2002) von Lonely Planet das Cusco-Quechua vor und verwendet dabei die drei Vokale a, i, u.[6]

Charakteristika[Bearbeiten]

Das Cusco-Quechua bildet innerhalb der Regionalvariante Qusqu-Qullaw im Dialektkontinuum einen Übergang zwischen dem Chanka-Quechua und dem Collao-Quechua bzw. Quechua in Bolivien.

Hinsichtlich des Wortschatzes steht Cusco-Quechua dem Chanka-Quechua am nächsten, mit dem es laut Ethnologue 96% lexikalische Ähnlichkeit hat,[7] während die Varianten von Puno und Bolivien mehr Wörter und auch Strukturen aus dem Aymara[8] und Spanischen entlehnt haben (z.B. das Diminutiv-Suffix -ita, -itu, -sita, -situ anstelle von -cha: vgl. „Steinchen“: rumisitu in Bolivien vs. rumicha in Cusco und Ayacucho). Wie alle Qusqu-Qullaw-Mundarten, aber im Gegensatz zu Chanka-Quechua weist Cusco-Quechua subordinierende Konjunktionen auf, z.B. imaraykuchus (weil) und sichus (wenn, falls), ebenso Relativpronomen, z.B. pitachus (wen, den) oder imachus (was, das). Diese Subordinatoren sind jedoch in den Mundarten Boliviens bei weitem am häufigsten.[9]

Cusco-Quechua hat einige Besonderheiten im Wortschatz, die es von seinen Schwestermundarten abhebt (z. B. unu statt yaku für „Wasser“ oder ukuku statt ukumari für „Bär“) sowie einige wenige in der Grammatik (z. B. die Endung -rqan statt -rqa für die 3. Person der einfachen Vergangenheit).

Varianten im östlichen Apurímac und in Arequipa (La Unión)[Bearbeiten]

Laut Ethnologue sind Ost-Apurímac-Quechua[10] und La-Unión-Quechua[11] eigene „Sprachen“ und haben deshalb eigene ISO-Codes 639-3, da diese ebenso wie der Ethnologue von SIL International verwaltet werden. In der linguistischen Forschung wird dies jedoch überwiegend anders gesehen. Willem Adelaar und Pieter Muysken führen diese beiden Varianten nicht auf, sondern ordnen deren Sprachgebiet dem Sprachgebiet des Cusco-Quechua zu.[12] Serafín Coronel Molina fasst wiederum ebenso wie Rodolfo Cerrón Palomino das Cusco-Quechua mit dem Chanka-Quechua und dem Puno-Quechua zur „Südperuanischen Quechua-Sprache“ zusammen,[13] während laut Alfredo Torero die südperuanischen und bolivianischen Quechua-Varianten einen „Supralekt“ bzw. eine „Sprache“ Südliches Quechua bilden.[14]

Literatur[Bearbeiten]

  • Academia Mayor de la Lengua Quechua (AMLQ): Diccionario Quechua-Español-Quechua/Qheswa-Español-Qheswa Simi Taqe. Cusco: AMLQ/ Municipalidad del Qosqo, 1995.
  • Serafín M. Coronel-Molina: Quechua Phrasebook. 2nd Edition. Lonely Planet, Footscray 2002, ISBN 1-86450-381-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ethnologue report for language code: quz (Quechua, Cusco - A language of Peru)
  2. Nancy Hornberger & Kendall King (1998): Authenticity and Unification in Quechua Language Planning. Language, Culture and Curriculum 11 (3), S. 390-410.
  3. Nonato Rufino Chuquimamani Valer. Yachakuqkunapa Simi Qullqa - Qusqu-Qullaw Qhichwa Simipi (Quechua-Quechua-Spanish dictionary). Lima: Ministerio de Educación, 2005.
  4. Rodolfo Cerrón-Palomino: Quechua sureño, diccionario unificado quechua-castellano, castellano-quechua [Südliches Quechua, vereinheitlichtes Wörterbuch Quechua-Spanisch, Spanisch-Quechua]. Biblioteca Nacional del Perú, Lima 1994.
  5. Serafin M Coronel-Molina: About Me. Indiana University (online). Abgerufen am 27. Oktober 2014.
  6. Coronel-Molina 2002, S. 10f.
  7. Ethnologue report for language code: quy (Quechua, Ayacucho)
  8. Ethnologue report for language code: qxp (Quechua, Puno)
  9. Siehe Google-Suche für "imaraykuchus" auf der Website bible.is, die Bible-Übersetzungen ins Quechua von Cusco, Nordbolivien und Südbolivien einschließt, ebenso wie Chanka (Ayacucho), wo es jedoch keine Treffer gibt.
  10. Ethnologue report for language code: qve (Quechua, Eastern Apurímac)
  11. Ethnologue report for language code: qxu (Quechua, Arequipa-La Unión)
  12. Willem F.H. Adelaar, Pieter C. Muysken: The Languages of the Andes. Cambridge University Press, Cambridge 2004.
  13. Serafin M. Coronel-Molina (1996): Corpus Planning for the Southern Peruvian Quechua Language. Working Papers in Educational Linguistics 12 (2), pp. 1-27.
  14. Alfredo A. Torero Fernández de Córdova: Idiomas de los Andes: lingüística e historia. Instituto Francés de Estudios Andinos, Lima 2002. S. 85.