Cymbeline

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Imogen von Herbert Gustave Schmalz

Cymbeline ([ˈsɪmbɨliːn], engl. Cymbeline bzw. The Tragedie of Cymbeline; dt. Titel auch: Cymbelin; König Zymbelin; Kymbelin) ist ein Theaterstück von William Shakespeare in fünf Akten. Das Stück wird von Kritikern häufig zusammen mit Perikles, Prinz von Tyrus, Der Sturm und Ein Wintermärchen zu Shakespeares späten Romanzen gezählt.

Die Figur des Königs Cymbeline basiert auf dem britischen Anführer Cunobelinus, der vor der römischen Invasion im heutigen Colchester (Essex) regierte.

Obwohl das Stück früher sehr beliebt war, hat es im 20. Jahrhundert an Popularität verloren. Einige Szenen wie beispielsweise die Geisterszene, in der die wahre Identität von Posthumus geklärt wird, wirken für ein heutiges Publikum unfreiwillig komisch. Es gibt Stimmen, die Cymbeline, Shakespeares letztes Werk, für eine Parodie seiner früheren Stücke halten, worauf auch die sehr verwirrende Handlung hinweisen könnte.

Cymbeline gehörte zu den Lieblingsstücken von William Hazlitt und John Keats. Herder benutzte Teile aus Cymbeline in seinen Stimmen der Völker in Liedern.[1]

Handlung[Bearbeiten]

Imogen, die Tochter des Königs Cymbeline, war verlobt mit Cloten, dem Sohn der neuen Königin. Statt seiner hat sie jedoch heimlich Posthumus, einen Mann niederen Standes, der große Verdienste erworben hat, geheiratet. Der verärgerte Cymbeline verbannt Posthumus daraufhin aus seinem Königreich. Letzterer gibt Imogen beim Abschied ein Armband und erhält einen Ring von ihr. Posthumus' treuer Diener Pisanio bleibt am Hofe.

In Italien wettet Iachimo (oder „kleiner Iago“), ein Soldat der römischen Armee, mit dem exilierten Posthumus, dass er Imogen zum Ehebruch verführen kann; gelingt ihm dies, dann soll Posthumus ihm den Ring geben. In Britannien hat die Königin dem Doktor Cornelius aufgetragen, ihr ein tödliches Gift zu besorgen; der gibt ihr aber nur ein Schlafmittel, das den Anschein des Todes hervorruft. Dieses Mittel, das sie als Beruhigungsmittel ausweist, übergibt sie Pisanio. Der aus Italien angereiste Iachimo versucht Imogen für sich zu gewinnen, wird jedoch zurückgewiesen. Er gibt scheinbar auf und bittet, eine große Truhe in Imogens Zimmer abstellen zu dürfen, die seinen wertvollsten Besitz enthalte, was Imogen gewährt. In der Nacht entsteigt Iachimo der Truhe, mustert das Schlafgemach und die schlafende Imogen, die ein Muttermal auf der linken Brust hat, und streift das Armband von ihrem Handgelenk. Zurück in Italien behauptet er gegenüber Posthumus, die Wette gewonnen zu haben, schildert Imogens Schlafgemach und präsentiert das Armband. Dem zunächst ungläubigen Posthumus beschreibt er dann das Mal auf Imogens Brust, worauf Posthumus ihm den Ring gibt.

In Britannien weigert sich Cymbeline gegenüber dem römischen Botschafter Caius Lucius, die Tributzahlung fortzusetzen, die Julius Caesar erzwungen hatte. Pisanio hat einen Brief von Posthumus erhalten mit der Aufforderung, Imogen aus London zu bringen und sie zu ermorden. Er gibt ihr einen zweiten Brief von Posthumus mit der Bitte, sie möge sich nach Milford Haven an der Küste von Wales begeben, wo sie ihn treffen werde. In Milford Haven gesteht Pisanio seine Täuschung und zeigt Imogen den ersten Brief, in dem Posthumus ihr Untreue vorwirft. Er schlägt Imogen vor, Knabenkleidung anzulegen und in die Dienste des Caius Lucius einzutreten, wodurch sie nach Italien kommen könne, und gibt ihr als Stärkungsmittel für die Reise das von der Königin erhaltene Mittel. Am Hofe ist unterdessen Imogens Abwesenheit aufgefallen, der zurückgekehrte Pisario gibt Cloten einen falschen Aufenthaltsort an, wohin dieser sich mit einem Anzug von Posthumus aufmacht. Imogen hat sich in der Wildnis verirrt und stößt auf „Polydore“ und „Cadwell“, die, was sie nicht weiß, ihre eigenen Brüder Guiderius and Arviragus sind. Zwanzig Jahre zuvor hatten zwei britische Edelmänner Meineide geschworen, indem sie den Edelmann Belarius des Zusammenwirkens mit den Römern beschuldigten, woraufhin er von Cymbeline aus dem Königreich verbannt wurde. Belarius entführte aus Rache Cymbelines Söhne, damit dieser keinen Thronerben haben solle. Die Söhne wurden von der Amme Euriphile aufgezogen, die sie für ihre Mutter halten. Auf der Jagd treffen Belarius und die Söhne auf den mit Posthumus´ Anzug bekleideten Cloten, der von Guiderius in einem Duell getötet und enthauptet wird. Imogen hat inzwischen das Mittel genommen[2] und die zurückkehrenden Männer halten sie für tot. Sie lassen Clotens kopflosen Körper bei ihr und verlassen sie so. Nach einiger Zeit erwacht Imogen wieder und hält den toten Körper neben sich für denjenigen ihres Mannes. Als Caius Lucius mit seinem Heer auftaucht, stellt sie sich als Fidele vor und wird als Page in die Dienste des Römers aufgenommen.

Der Kampf zwischen dem römischen und dem britannischen Heer gestaltet sich für dieses zunächst ungünstig, obschon Posthumus, mit den Römern nach Britannien gekommen, die Römer verlässt und für die Britannier kämpft. Dann aber tauchen auf britannischer Seite Belarius, Guiderius und Arviragus auf – die Römer werden besiegt, Caius Lucius und Posthumus, der römische Kleidung trägt, gefangengenommen. Um den schlafenden Posthumus versammeln sich Geister seiner verstorbenen Ahnen und bitten Jupiter, mit ihrem Nachfahren Mitleid zu haben; darauf erscheint Jupiter und verkündet, er werde Posthumus´ Glück zuwege bringen. Tatsächlich kommt wenig später ein Bote mit der Order, ihn zu Cymbeline zu bringen.

Im Finale des Schauspiels treten fast alle Personen nochmals auf, um die Bruchstücke der verwirrenden Handlung zusammenzufügen. Der Hofarzt Cornelius überrascht alle mit der Nachricht, dass die Königin, Imogens Stiefmutter, gestorben sei. Mit ihrem letzten Atemzug gestand sie ihm ihre finsteren Taten: Sie liebte Cymbeline nicht, sie ließ Imogen unwissentlich durch Pisanio vergiften und hatte die Absicht, Cymbeline ebenfalls zu vergiften, damit ihr Sohn Cloten den Thron besteigen könne. Die noch verkleidete Imogen fragt Iachimo, woher er den Ring an seinem Finger habe, und dieser gesteht sein schelmisches Tun. Imogen gibt sich zu erkennen, sie und Posthumus umarmen einander. Belarius offenbart seine wahre Identität und diejenige von Arviragus und Guiderius als Söhne Cymbelines. Cymbeline schließt mit einer großen Rede an die Götter und erklärt Frieden zwischen Britannien und Rom. Die Römer dürfen unbehelligt abziehen und erhalten ihren geforderten Tribut. Zum Abschluss eröffnet Cymbeline ein großes Fest in Luds Stadt (London) und schließt mit den Worten „Nie hatt ein Krieg, eh noch die Hände / Vom Blut sich wuschen, solch ein schönes Ende.“

Die vermutlich beliebtesten Verse des Stückes stammen aus dem Begräbnislied in Akt IV, Szene 2, die mit den folgenden Worten beginnen:

Fürchte nicht mehr Sonnenglut,
Noch des Winters grimmen Hohn!
Jetzt dein irdisch Treiben ruht,
Heim gehst, nahmst den Tageslohn.
Jung Mann und Jungfrau, goldgehaart,
Zu Essenkehrers Staub geschart.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Herder: Stimmen der Völker in Liedern, herausgegeben von Christel Käschel, Leipzig, 1968, S. 385.
  2. Tabor nimmt an, dass es sich bei der Pflanze, die Imogen einen totenähnlichen Schlaf versetzt, um Gämswurz handeln könne, Edward Tabor, Plant Poisons in Shakespeare. Economic Botany 24/1, 1970, 86

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: The Tragedy of Cymbeline – Quellen und Volltexte