Cymbidium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cymbidium
Cymbidium lowianum (Lows Kahnorchis)[1], blühend.

Cymbidium lowianum (Lows Kahnorchis)[1], blühend.

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Cymbidieae
Untertribus: Cyrtopodiinae
Gattung: Cymbidium
Wissenschaftlicher Name
Cymbidium
Sw.

Die Gattung Cymbidium gehört zur Familie der Orchideen (Orchidaceae) und umfasst eine Vielzahl exotischer Arten. Der botanische Name leitet sich von dem griechischen Wort kymbós (κυμβος; zu dt. wörtl. „Nachen“ oder „Kahn“) ab und beschreibt die elegant geschwungene, kräftige Blütenlippe. Im deutschen Sprachraum werden diese Orchideen deshalb auch „Kahnorchis“ bzw. „Kahnorchidee“ genannt.[1]

Cymbidium ist vor allem als Zierpflanze bekannt und beliebt, besonders die unzähligen, großblumigen Hybriden erfreuen sich weltweiter Bekanntheit und wachsender Nachfrage. Millionen von Topfpflanzen werden jährlich in Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern und als Schnittblumen in Floristikgeschäften verkauft. Reine Arten gelten zum Teil als begehrte Sammlerobjekte. Ursprünglich stammen Cymbidien aus Asien und Nordost-Australien. In China werden sie seit mindestens 500 v. Chr. kultiviert und gezüchtet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Cymbidien wachsen als autotrophe oder mykotrophe, krautige Pflanzen mit oder ohne Pseudobulben, die Triebe entspringen sehr kurzen Rhizomen. Die Bulben sind eiförmig, ellipsoid oder spindelförmig und oft von den Blattbasen umschlossen. Die wenigen bis vielzähligen Laubblätter sind zweizeilig angeordnet, ihre Form ist linear oder lanzettlich, seltener schmal-elliptisch. An ihrer Basis ist bei den meisten Arten ein Trenngewebe vorhanden.[2][3]

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Cymbidium-Blüte im Detail (im Bild: Cymbidium ensifolium).

Die Blütenstängel erscheinen an der Basis der Pseudobulben, seltener aus den Blattachseln. Sie sind aufrecht oder überhängend als vielblütige Infloreszenzen, seltener erscheinen einzelne Blüten. Die Blüten sind mittelgroß oder groß, die floralen Hochblätter überdauern. Die Sepalen und Petalen sind freistehend und verschieden lang. Die Lippe ist ebenfalls freistehend oder an ihrer Basis um 3–6 mm mit der Säule verwachsen, dreilappig und die Seitenlappen stehen oft aufrecht. Die Mittellobe ist meist zurückgebogen, die hintere Platte weist zwei Längslamellen auf, die von der Basis der Lippe bis zum Zentrum der Mittellobe verlaufen, manchmal sind die Lamellen zur Spitze hin aufgeblasen, oder in der Mitte gebrochen. Die Blütensäule ist ziemlich lang, oft leicht bogenförmig und eng geflügelt. Die wachsartigen Pollinien setzen sich entweder aus zwei gleichen Säckchen oder vier - dann in zwei ungleichen Paaren - zusammen, an ihrer Basis sind sie an einem kurzen Stielchen miteinander verwachsen.[2][3] Die Fruchtkapseln sind eiförmig und weisen an ihrer Oberfläche mehrere Längsfurchen auf.[4]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Zu den zahlreichen Bestäuber-Insekten gehören unter Anderem Honigbienen, Wespen, Holzbienen und Hummeln.[5] Nach erfolgreicher Bestäubung erscheinen die Samenkapseln, deren Entwicklung bis zu neun Monate andauern kann.[6] Bei einigen wenigen Arten, wie zum Beispiel Cymbidium lowii, konnte ein besonderes Phänomen beobachtet werden, das auch bei anderen Orchideengattungen wie Phalaenopsis und Vanda auftritt: Nach erfolgreicher Bestäubung verwelken die Blütenblätter nicht und fallen auch nicht ab, sie bilden sich lediglich etwas zurück, vergrünen und verbleiben bis zur vollständigen Reife der Samen. Es wird vermutet, dass diese Blütenmetamorphose mittels zusätzlicher Photosynthese das Reifen der Samen begünstigen soll.[7][6]

Verbreitung und Habitat[Bearbeiten]

Die Gattung Cymbidium ist in den Tropen und Subtropen bis in alpine Regionen Asiens und Nord-Australiens beheimatet: China, Nepal, Nord-Indien, Japan, Malaysia, Borneo, Sri Lanka, Neuguinea und die Salomon-Inseln.[6] Die Pflanzen leben überwiegend terrestrisch oder epiphytisch, seltener lithophytisch[6], wobei die Anzahl epiphytischer Arten im waldreichen Tiefland überwiegt.[8]

Botanische Geschichte[Bearbeiten]

Erstbeschreibung[Bearbeiten]

Die erste systematische Einordnung und Beschreibung der Gattung Cymbidium erfolgte 1799 durch den schwedischen Botaniker Olof Peter Swartz in seinem Werk Nova Acta Regiae Societatis Scientiarum Upsaliensis.[9]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Die Gattung Cymbidium gehört zu den ältesten kultivierten Orchideen der Menschheitsgeschichte. Bereits der chinesische Dichter, Philosoph und Gelehrte Konfuzius (551-478 v.Chr.) pries den Duft und die Schönheit von Kymbidien. Er nannte die Orchidee Lánhuā (chin. 蘭花; zu dt. „anmutige Blume“), das für Lán verwendete Schriftzeichen steht in der chinesischen Kalligrafie für Anmut, Eleganz und Reinheit. Während der Sung-Dynastie (960–1279) galten Kymbidien in der Zen-Malerei als besonders begehrtes Motiv. Die älteste Monografie über Orchideen in Gärten und Parks wurde von Choa Shinkong unter dem Titel Xín-Chǎng Lán Pŭ (chin. 型厂兰谱; zu dt. „Abhandlungen über Orchideen in Chin-Chang“) um 1233 verfasst. In seinem Werk beschreibt Choa die botanischen Details sowie die korrekte Kultur von über 22 Orchideenarten, vornehmlich der Gattungen Calanthe, Phaius und eben Cymbidium.[6]

Noch heute werden in Asien bestimmte Arten, zum Beispiel Cymbidium ensifolium, zu medizinischen Zwecken verwendet: In China werden die Pseudobulben gegen Magenschmerzen und Venenleiden eingesetzt. In Kambodscha, Laos und Vietnam werden die Blüten zum Auswaschen der Augen genutzt, die Blätter zur Förderung der Urinausscheidung und die Wurzeln werden bei Atemwegsproblemen verwendet.[10]

Im südasiatischen Bhutan werden die Pseudobulben und Blüten von Cymbidium hookerianum gesammelt und entweder verzehrt oder auf dem Markt verkauft. Sie gelten dort als Delikatesse und werden von den Einheimischen „Olachoto“ genannt.[11][12]

Cymbidium war die erste Orchideengattung, bei der die Vermehrung durch die sogenannte Pflanzliche Gewebekultur im Jahr 1960 erfolgreich gelang.[13]

Moderne[Bearbeiten]

Heute werden unzählige, namenlose Cymbidium-Hybriden in Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern und als Schnittblumen in Floristikgeschäften verkauft. Dabei wurden die Hybriden vor Allem auf Großblumigkeit, Blühfreudigkeit und Robustheit gezüchtet. Topfpflanzen werden überwiegend im Freiland (z.B. auf Balkon und Terrasse) gehalten, da sie frische, bewegte Luft brauchen. Manche Arten sind sogar frosthart. Reine Arten, wie z.B. Cymbidium lowii und Cymbidium aloifolium, gelten als Raritäten und sind überwiegend bei Sammlern sehr gefragt.

Systematik[Bearbeiten]

Das Artenregister des Royal Botanic Gardens, Kew listet folgende 71 Arten und 12 Naturhybriden auf:[14]

Artenliste[Bearbeiten]

Cymbidium erythraeum
Cymbidium erythrostylum
Cymbidium hookerianum
Cymbidium iridioides
Cymbidium kanran
Cymbidium tracyanum

Naturhybriden[Bearbeiten]

Kulturhybriden[Bearbeiten]

Cymbidium-Hybride.
  • Cymbidium × eburneo-lowianum (= C. eburneum × C. lowianum)
  • Cymbidium × lowio-grandiflorum (= C. lowii × C. grandiflorum)[15]

Gattungshybriden[Bearbeiten]

  • Cymphiella Hort. (= Cymbidium Sw. × Eulophiella Rolfe)
  • Bifrenidium Hort. (= Cymbidium Sw. × Bifrenaria Lindl.)
  • Cymasetum Hort. (= Cymbidium Sw. × Catasetum Rich. ex. Kunth)[16]

Mehrgattungshybriden[Bearbeiten]

  • Thompsonara Hort. (= Cymbidium Sw. × Grammatophyllum Blume × Catasetum Rich. ex. Kunth)
  • Cymaclosethum G.F.Carr & J.M.H.Shaw (= Cymbidium Sw. × Clowesia Lindl. × Catasetum Rich. ex. Kunth)
  • Kalakauara G.F.Carr & J.M.H.Shaw (= Cymbidium Sw. × Grammatophyllum Blume × Clowesia Lindl. × Catasetum Rich. ex. Kunth)[16]

Wirtschaftsfaktor[Bearbeiten]

Heute werden Millionen von Cymbidium-Schnittblumen weltweit vermarktet, Hauptabnehmer sind Länder mit gemäßigtem Klima. Hauptproduktionsländer sind Singapur, Thailand, Neuseeland und die Niederlande. In Neuseeland findet die Blumenernte von Mai bis August statt, in Thailand von Oktober bis März. Hauptimportländer sind Italien, Deutschland, Holland, Frankreich und England. Aus Indien stammt die derzeit größte in vitro-Produktion von Cymbidium-Hybriden, ebenso der Handel mit sogenannten Alt-Bulben-Teilungen.[17]

Krankheiten und Schädlinge[Bearbeiten]

Besonders bekannt ist das Cymbidium-Mosaikvirus (CymMV), auch Cymbidium-Schwarzstreifen-Virus oder schlicht Orchideen-Mosaikvirus genannt, eine Virose, bei der die Blätter fleckig und schwarz werden und der Stängel der Pflanze von innen heraus verfault. Das Virus ist besonders bei asiatischen Orchideenfarmern gefürchtet, da eine Infektion mit hohen Verlustzahlen einhergeht und der wirtschaftliche Schaden groß ist.[7]

Gefährdung und Artenschutz[Bearbeiten]

Die Arten Cymbidium defoliatum und Cym. nanulum werden von der IUCN als „gefährdet“ eingestuft.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • David P. Banks: Tropical Orchids: Of Southeast Asia. Periplus Editions, Hong Kong (China) 1999, ISBN 9625931562.
  • Yibo Luo, Chén Xīnqǐ, Jízhàn Hé: Native Orchids of China in Colour. Elsevier/Science Press, Beijing 1999, ISBN 7030069633.
  • Eng-Soon Teoh: Orchids of Asia. Marshall Cavendish, Singapur 2005, ISBN 9812610154.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutscher Name der Kymbidien im Verzeichnis des Potsdamer Botanischen Gartens (Deutsch); zuletzt aufgerufen am 4. November 2012.
  2. a b Vegetative Beschreibung in „Flora of China“ auf www.efloras.org (englisch)
  3. a b Jisaboru Ohwi: Flora of Japan. Smithonian Institute, Washington DC. 1965, Seite 354–355. (Online-Version; Englisch.)
  4. H. Lecomte: Flore générale de l'Indo-Chine. In : Boulevard Saint-Germain, Bd. 6. Masson et Cie, Paris 1908–1942, Seite 411. (Online-Version; Französisch)
  5. Robert L. Dressler: Phylogeny And Classification Of The Orchid Family. Cambridge University Press, London 1993, ISBN 0521450586. S.166.
  6. a b c d e Eng-Soon Teoh: Orchids of Asia. S. 36–38 & 96–97.
  7. a b Tiiu Kull, J. Arditti, Sek Man Wong: Orchid Biology. S. 43–52 & 252–253.
  8. David P. Banks: Tropical Orchids. S. 22.
  9. Cymbidium in der IPNI-Datenbank; Englisch
  10. Christophe Wiart: Medicinal Plants of China, Korea, and Japan: Bioresources for Tomorrow's Drugs and Cosmetics. CRC Press, Boca Raidon (FL) 2012, ISBN 1439899118. S. 101.
  11. Thomas Caspari: Nahi Gewog. In: Bhutan-German Sustainable RNR Developement Project April/May 2002, S. 1 & 2 (PDF; englisch).
  12. Laxmi Thapa: The research project on edible wild plants of Bhutan and the associated traditional knowledge. In: Journal of the Faculty of Agriculture, Bd. 45, Nr. 1, Februar 2009, S. 43 & 45. Shinshu-University, Nagano (Japan) 2009. (PDF; englisch)
  13. Joseph Arditti: Micropropagation of Orchids, Band 1. Wiley & Son, London 2009, ISBN 1444300407. S.349.
  14. World Checklist of Cymbidium. In: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.
  15. James Herbert Veitch: Hortus Veitchii. S. 169–170.
  16. a b Gattungshybriden von Cymbidium in der IPNI-Datenbank; Englisch.
  17. V. B. Singh, K. Akali Sema, Pauline Alila, Y. Y. Kikon, C. S. Maiti: Horticulture for Sustainable Income and Environmental Protection: Advances in horticultural practices fruits and ornamentals (= Horticulture for Sustainable Income and Environmental Protection, Horticulture for Sustainable Income and Environmental Protection, Bd. 1). Concept Publishing Company, New Delhi 2006, ISBN 8180692213. S. 342–343.
  18. Cymbidium defoliatum und Cym. nanulum in der IUCN-Datenbank; Englisch

Weblinks[Bearbeiten]