Cynotilapia afra

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Cynotilapia afra
Cynotilapia afra

Cynotilapia afra

Systematik
Ordnung: Cichliformes
Familie: Buntbarsche (Cichlidae)
Unterfamilie: Pseudocrenilabrinae
Tribus: Haplochromini
Gattung: Cynotilapia
Art: Cynotilapia afra
Wissenschaftlicher Name
Cynotilapia afra
(Günther, 1894)

Cynotilapia afra (Syn.: Hemichromis afer, Paratilapia afra) ist ein im Malawisee endemisch lebender, sogenannter Mbuna und gehört somit zur Familie der afrikanischen Buntbarsche (Cichliden). Heimisch ist die Art im zentralen und nördlichen Teilen des Malawisee. Jedoch unterscheiden sich die Standortvarianten zum Teil sehr stark, so dass es üblich ist den Tieren einen Beinamen zu geben um ihrer unterschiedlichen Ausfärbung Rechnung zu tragen. Bei dem Beinamen handelt es sich entweder um einen nahegelegenen Ort am Malawisee oder um eine Küsten- oder Inselregion, an denen die Tiere erstmals gefunden wurden. Aufgrund der vielen Variationen lässt sich erkennen, dass die Tiere sehr standorttreu sind. Cynotilapia afra ernähren sich überwiegend von Aufwuchs und darin lebenden Kleinstlebewesen.

Lebensraum[Bearbeiten]

Cynotilapia afra bewohnt das obere Felslitoral mit seinen zum Teil sehr steil abfallenden Uferzonen. Es handelt sich um Geröllzonen in denen die Felsen Höhlen und Nischen bilden und erst ab größeren Wassertiefen von mehr als 15 Metern in sandigen Boden übergehen. Diese Felsen sind mit Algenaufwuchs bewachsen die von den Tieren als Nahrung genutzt werden. Er bildet dort große Gruppen bei denen die Männchen Reviere von etwa einem Quadratmeter besetzen. Die semi-adulten Tiere leben nicht nach Geschlechtern getrennt oberhalb des Felslitorals.

Systematik[Bearbeiten]

Cynotilapia afra ist leicht mit der Gattung Pseudotropheus zu verwechseln, da beide annähernd die gleiche Körperzeichnung besitzen. Dies beinhaltet die Körperform und die Körperstreifen. Der Unterschied liegt aber in der Bezahnung des Gebisses begründet, bei denen Cynotilapia eine weiter auseinander stehende, einspitzige Bezahnung zeigt, wohingegen Pseudotropheus Arten zweispitzige und engere Bezahnung aufweist. Die Färbung der schwarzen Pigmente in den Körperstreifen, sowie die auffallenden unterschiedlichen Farben der Rückenflossen, sind ein typisches Merkmal bei Cynotilapia afra. Die Männchen sind durchweg größer (etwa 7cm) als die Weibchen (etwa 5cm) mit einer hellblauen Körpergrundfarbe und dunkelblauen Querstreifen beim Männchen und den beige-braun bis hellblau gefärbten Weibchen. Die Art gilt als omnivor.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Otter Point mit Felsenküste am Cape Maclear

Cynotilapia afra ist ein maternal, ovophiler Maulbrüter, bei der das Weibchen die Brut im Maul ausbrütet. Die Paarbildung ist lediglich auf den Vorgang des Ablaichens beschränkt. Danach trennen sich die Geschlechter wieder. Während des Brutvorgangs werden die Reviere von den Männchen aggressiv verteidigt. Die Art ist nicht sehr produktiv, etwa 20-30 Jungfische, was jedoch bei Maulbrütern nicht ungewöhnlich ist. Nach etwa 21 Tagen entlässt das Weibchen voll entwickelte Jungfische. Während der Brutzeit stellt das Weibchen die Nahrungsaufnahme ein. Männliche Cynotilapia sind polygam und halten sich einen Harem von mehreren Weibchen.

Varianten[Bearbeiten]

Nhkata Bay, Malawisee

Bekannte Cynotilapia afra-Morphen mit ihren Vorkommen im See sind:

  • Cynotilapia afra (Chewere)
  • Cynotilapia afra (Chiloelo)
  • Cynotilapia afra (Chinuni)
  • Cynotilapia afra (Chitande)
  • Cynotilapia afra (Chuanga)
  • Cynotilapia afra (Cobue)
  • Cynotilapia afra (Jalo Reef)
  • Cynotilapia afra (Likoma)
  • Cynotilapia afra (Lumbila)
  • Cynotilapia afra (Lundu)
  • Cynotilapia afra (Lupingu)
  • Cynotilapia afra (Mbenji)
  • Cynotilapia afra (Mbweca)
  • Cynotilapia afra (Metangula)
  • Cynotilapia afra (Minos Reef)
  • Cynotilapia afra (Msobo)
  • Cynotilapia afra (Ndumbi)
  • Cynotilapia afra (Njambe)
  • Cynotilapia afra (Nkhata Bay)
  • Cynotilapia afra (Nkolongwe)
  • Cynotilapia afra (Nkhungu Reef)
  • Cynotilapia afra (Ntekete)
  • Cynotilapia afra "Hai Reef" (Puulu)
  • Cynotilapia afra "Thumbi Point" (Thumbi)
  • Cynotilapia afra "Tumbi Point" (Thumbi)
  • Cynotilapia afra (Undu Reef)

Cynotilapia Arten bei denen eine genaue Zuordnung noch fehlt:

Cynotilapia sp. mbamba
  • Cynotilapia sp. "Black Dorsal"
  • Cynotilapia sp. "Black Eastern"
  • Cynotilapia sp. "Blue and Blue"
  • Cynotilapia sp. "Chinyankwazi"
  • Cynotilapia sp. "Lion" (Lion's Cove)
  • Cynotilapia sp. "Lion" (Magunga)
  • Cynotilapia sp. "Maleri" (Nakantenga)
  • Cynotilapia sp. "Mbamba" (Lion's Cove)
  • Cynotilapia sp. "Mbamba" (Nkhata Bay)
  • Cynotilapia sp. "Ndumbi"

Entwicklung[Bearbeiten]

Blick von Likoma Island am Malawisee

Während üblicherweise viele tausend Jahre benötigt wird um eine neue Art zu entwickeln, sind die Umstände bei den im Malawisee vorkommenden Arten völlig anders. Laut Studien haben sich hier über 1000 Fischarten in nur 500.000 Jahren entwickelt. Diese rasende Evolution ist an und für sich schon ein Rätsel, jedoch sind die Südostafrikanischen Malawiseebewohner der Art Cynotilapia afra hier als echte Ausnahmen zu betrachten. Innerhalb von nur 20 Jahren haben sich bei dieser Art zwei genetisch völlig unterschiedliche Arten entwickelt! Der amerikanische Biologe Todd Streelman wies nach, das im Jahre 1960 an der Insel Thumbi (West), nahe Mitande, eine versehentlich freigesetzte Cynotilapia afra-Population, die sich dort seit 1983 nicht fortbewegt hatte, bei einem erneuten Besuch im Jahre 2001 immer noch dort vorzufinden waren, sich aber mittlerweile zu zwei völlig unterschiedlichen Arten weiterentwickelt hatten. Die eine Art lebt südlich der Insel, die andere nördlich davon. Da gerade bei Mbunas die Farbmuster bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle spielen, kann man bei beiden Arten erhebliche Unterschiede im Farbkleid feststellen. [1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dr. Rüdiger Riehl, Hans Baensch: Aquarien Atlas. 2. Band. Mergus Verlag., Melle 1997, ISBN 3-88244-011-2.
  • Ad Konings, Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum. 3. Auflage. Dähne Verlag., Ettlingen 2001, ISBN 3-935175-00-0.
  • Herbert R. Axelrod, Warren E. Burgess, Neal Pronek, Jerry G. Walls: Dr. Axelrod's Atlas der Süßwasser Aquarienfische. Bede Verlag., Ruhmannsfelden 2001, ISBN 3-9801265-4-4.
  • Erwin Schraml: African Cichlids I Malawi: Mbuna-Arten und Varianten. Aqualog Verlag., 1998, ISBN 3-931702-79-0.
  • Erwin Schraml: Korallenfische des Süßwassers. Aqualog Verlag., 1998 ISBN 3-931702-48-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Science Daily.com Study Suggests Humans Can Speed Evolution

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cynotilapia afra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien