Dänen-Ampel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SPD
B'90/Grüne
SSW

Das Schlagwort Dänen-Ampel (teilweise auch Schleswig-Holstein-Ampel[1], rot-grün-blaue Koalition [2] oder Gambia-Koalition in Anlehnung an den Farben der Flagge Gambias[3] genannt) bezeichnet die derzeitige Regierungskoalition in Schleswig-Holstein, bestehend aus der SPD und dem Bündnis 90/Die Grünen unter Einbeziehung der Partei der dänischen und nationalen friesischen Minderheit in Schleswig-Holstein, dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW). Die Bezeichnung ist umstritten, da sie nach Meinung von Kritikern an alte Ressentiments gegenüber der dänischen Minderheit appelliert.[4]

Ihr Name wurde von der Ampelkoalition von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP abgeleitet, wobei der SSW an die Stelle der FDP tritt. Weil gelb und blau den Farben Schleswigs entsprechen, sind dies auch die Parteifarben des SSW (siehe Logo der Partei oben rechts). In Südschleswig vertritt der SSW sowohl die dänische als auch den Teil der nordfriesischen Volksgruppe, der sich selbst als nationale Minderheit versteht (Nationale Friesen).

Erstmals ins Gespräch kam dieses Modell nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2005,[5] bei der die bisher regierende rot-grüne Koalition unter der SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis ihre Mehrheit im Landtag verloren hatte. Allerdings war auch eine schwarz-gelbe Koalition unter CDU-Führung unmöglich. Somit wurde der SSW zum Zünglein an der Waage und nahm sowohl mit CDU als auch SPD Sondierungsgespräche auf.[6] Anke Spoorendonk und Lars Harms entschieden sich schließlich zur Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung. Bei der Wahl des Ministerpräsidenten enthielt sich aber ein Abgeordneter einer der drei Parteien und Heide Simonis wurde nicht Ministerpräsidentin. Daraufhin nahm die SPD Koalitionsverhandlungen mit der CDU auf, deren Kandidat Peter Harry Carstensen wurde anschließend Ministerpräsident.

Vor der Landtagswahl 2009 war die Dänen-Ampel erneut im Gespräch. Laut den Umfragen schien ein derartiges Bündnis allerdings nur unter Einbeziehung der Linken eine Mehrheit haben zu können. Der SSW schloss ein Bündnis mit den Linken jedoch aus.[7] Nach der Landtagswahl bekam eine Dänenampel, die von der Linken toleriert werden würde, keine Mehrheit.[8] Im Landtagswahlkampf 2012 wurde die Dänen-Ampel zu einem zentralen Slogan der CDU.[9] Diese Kampagne wurde wie schon 2009 kritisiert, da sie Ressentiments gegen die dänische Minderheit befördere.[10]

Nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012 bildeten SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der SSW eine sogenannte Dänen-Ampel. Die rot-grün-blaue Koalition besitzt im Kieler Landtag nur eine Stimme Mehrheit. Am 12. Juni wurde Torsten Albig von der SPD mit zwei Stimmen mehr zum Ministerpräsidenten gewählt, als der Koalition zur Verfügung stehen. Damit ist die Partei der dänischen Minderheit erstmals an einer Regierung beteiligt. Gleichzeitig ist das die erste Dänen-Ampel auf Landesebene in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Anke Spoorendonk vom SSW übernahm das Ministerium für Justiz, Europa und Kultur, damit besetzt die Partei der dänischen Minderheit erstmals ein Ministeramt. Gleichzeitig ist Spoorendonk Zweite Stellvertreterin des Ministerpräsidenten Torsten Albig.

Auf kommunaler Ebene gibt es seit 2008 in der Kieler Ratsversammlung eine der Dänen-Ampel vergleichbare Konstellation, da die dortige rot-grüne Kooperation vom SSW toleriert wird.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. ++Wahl in Schleswig-Holstein im LIVE!-Ticker++: CDU knapp vorn, SPD will regieren. 6. Mai 2012, abgerufen am 6. Mai 2012.
  2. Kopf an Kopf. Hamburger Abendblatt, abgerufen am 10. Mai 2012.
  3. http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Mist!-und-Ampelmaennchen
  4. Stephan Richter: Neues Regierungsbündnis. KOMMENTAR: Neue Vielfalt statt Einfalt. In: shz.de, 16. Mai 2012. Abgerufen am 25. September 2014.
  5. Weg frei für die Dänen-Ampel. In: Der Spiegel 15. März 2005 (abgerufen 7. Mai 2012)
  6. Deutschlandfunk Interview. 24. Februar 2005, abgerufen am 14. Juni 2010.
  7. Anke Spoorendonk: Mit den Linken kein Bündnis denkbar. Pressemitteilung des SSW, 24. September 2009, abgerufen am 14. Juni 2010.
  8. Schleswig-Holstein: Rechtsstreit um Schwarz-Gelbe Mehrheit droht. 28. September 2009, abgerufen am 14. Juni 2010.
  9. Wahlplakattext: Stabile Regierung statt Dänen-Ampel. Am 6. Mai CDU wählen.
  10. Mit Dänen regiert Ihr nicht! Der Spiegel, 6. Mai 2012, abgerufen am 7. Mai 2012.