Dänische Streitkräfte

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DanemarkDänemark Dänische Streitkräfte
Det Danske Forsvar
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
Margrethe II. Königin von Dänemark
Oberbefehlshaber de facto: Der Verteidigungsminister
Verteidigungsminister: Nicolai Wammen seit dem 9. August 2013[1]
Militärischer Befehlshaber: Der Chef der Streitkräfte (Forsvarschefen) General Peter Bartram Stand März 2012
Sitz des Hauptquartiers: Kopenhagen
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 18.000 (2011)[2]
Reservisten: 12.000 + 51.000 Freiwillige der Heimwehr
Wehrpflicht: 4–12 Monate
Wehrtaugliche Bevölkerung: 1.088.751
Wehrtauglichkeitsalter: 18. – 49. Lebensjahr
Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: 0,33 %
Haushalt
Militärbudget: 4,518 Mrd. USD (2011)[2]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,4 % (2011)[2]
Geschichte

Die Dänischen Streitkräfte (dänisch Det Danske Forsvar, kurz Forsvaret) sind die Streitkräfte des Königreichs Dänemark und Grönlands. Die Dänischen Streitkräfte haben außerdem die Verteidigungsaufgabe auf den Färöern.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe der Streitkräfte ist die Verteidigung der dänischen Souveränität, die Gewährleistung der Existenz und Integrität eines unabhängigen Dänemarks sowie die Sicherstellung einer friedlichen Weiterentwicklung des Staates und der Welt in Hinblick auf die Menschenrechte.[3] Die Hauptaufgaben sind:

  • Zusammenarbeit mit anderen Staaten im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft
  • Kontrolle der Grenzen Dänemarks, Grönlands und Färöers
  • Zusammenarbeit mit Nicht-NATO-Mitgliedern in Mittel- und Osteuropa
  • Konfliktprävention durch internationale Friedensmissionen
  • Aufbau einer Total-Verteidigung durch Zusammenarbeit mit zivilen Organisationen

Oberkommando und Organisation[Bearbeiten]

Der König oder die Königin ist de jure Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Derzeitiges Staatsoberhaupt ist Königin Margrethe II. Praktisch hat der Verteidigungsminister die Befehlsgewalt inne. Oberster militärischer Vorgesetzter ist der Forsvarschefen im Rang eines Generals oder Admirals.

Die Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften:

Geschichte[Bearbeiten]

Dänischer Soldat, Aquarellstudie von Emil Hünten (1827–1902)

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Dänemark eine nordeuropäische Großmacht mit einem entsprechenden Heer und einer großen Flotte. Die Übertragung des Amtes eines Flottenvorstehers durch König Johann I. im Jahre 1510 an den Adeligen Henrik Krummedike sieht man in Dänemark als Gründung der Dänischen Marine. Seither organisierte man eine Flotte mit eigenen Kriegsschiffen und einer festen Besatzung.[4] Während des 15.–17. Jahrhunderts waren die dänischen Heere üblicherweise Söldnerheere. Erst nach dem Ende des Zweiten Nordischen Krieges (1655–1660) kam es im Zusammenhang mit der Einführung des Absolutismus (lex regia von 1665) zur Aufstellung eines stehenden Heeres, das auch in Friedenszeiten nicht aufgelöst wurde. Das Offizierkorps und große Teile der Mannschaften stammten in dieser Zeit aus dem deutschsprachigen Raum; bis 1772 war deshalb die offizielle Kommandosprache im dänischen Heer das Deutsche. Lediglich die im 18. Jahrhundert phasenweise aufgestellten „nationalen“ Regimenter bestanden überwiegend aus Einheimischen (Dänen, Norweger, Schleswig-Holsteiner). Die Regimenter im Königreich Norwegen waren bis auf zwei „geworbene“ Regimenter ebenfalls aus einheimischen Norwegern zusammengesetzt. Die Kriegsmarine war eine Domäne der Dänen und Norweger, ein deutsches Element wie im Heer und der zivilen Verwaltung gab es kaum.[5]

In den Napoleonischen Kriegen versuchte Dänemark zunächst, bewaffnete Neutralität zu wahren, wurde jedoch von Großbritannien angegriffen und verlor seine Flotte in der Seeschlacht von Kopenhagen. Die danach wieder aufgebaute Flotte wurde, nachdem Dänemark eine Allianz mit Frankreich eingegangen war, von der Royal Navy in der Zweiten Seeschlacht von Kopenhagen erneut vernichtend geschlagen und musste an Großbritannien ausgeliefert werden. Das Heer nahm 1813 an zwei Gefechten im heutigen Schleswig-Holstein bei Bornhöved und Sehestedt gegen die alliierten Truppen teil, in Norwegen wurde noch 1813/14 gegen schwedische Truppen Widerstand geleistet. Nach dem Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 wurden Heer und Marine wieder aufgebaut, wobei das nunmehr schwedische Norwegen aus dem Militärsystem des dänischen Gesamtstaates herausfiel. Bis zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851) führte das dänische Heer keinen Krieg mehr. Mit einer halbherzigen Reform im Jahre 1842 versuchte man, das Militärsystem und insbesondere die Heeresergänzung den neueren Entwicklungen anzupassen. Doch erst der Erhebungskrieg zwischen Dänen und Schleswig-Holsteinern führte 1849 zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Nach der Niederlage im zweiten Deutsch-Dänischen-Krieg 1864 begann für Dänemark eine Epoche der Neutralität.

Erster Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg war die Neutralitätspolitik, gestützt insbesondere auf die Sicherung durch die Marine, erfolgreich. In der Zwischenkriegszeit rüstete Dänemark ab, zeitweise wurde sogar die Auflösung von Heer und Marine diskutiert. Die Befestigung der Hauptstadt Kopenhagen blieb zwar erhalten, sie entsprach aber nicht mehr modernen Anforderungen an eine Festung. Einige Forts wunden in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgelassen, so die landseitigen Forts ab 1920 und das Fort Trekroner 1932.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Obwohl Dänemark und das Deutsche Reich 1939 einen Nichtangriffspakt geschlossen hatten, wurde Dänemark von der Wehrmacht am 9. April 1940 besetzt. Heer und Marine blieben zunächst erhalten. Aus Furcht vor einer alliierten Invasion Jütlands verlangte die Besatzungsmacht die Räumung der Halbinsel von dänischen Truppen. Das dänische Oberkommando lehnte ab, die Truppen blieben. Die deutsche Anfrage, ob sich die Truppen im Invasionsfall neutral verhalten würden, wurde mit Wir werden das tun, was für Dänemark richtig ist beantwortet.

Auf deutschen Druck hin mussten 1941 fünf abgerüstete Torpedoboote an die deutsche Kriegsmarine ausgeliefert werden. Als Zeichen des Protestes wurde auf Befehl König Christians X. die Flagge auf der Sixtus-Bastion in Kopenhagen, die Symbol der dänischen Souveränität ist, am Tag der Auslieferung halbmast gesetzt. Alle Schiffe der dänischen Marine folgten diesem Beispiel. Am 29. August 1943 wurde durch die Besatzungsmacht der Ausnahmezustand verhängt. Das dänische Heer wurde – nach kurzer Gegenwehr, die vor allem dem Unbrauchbarmachen von Waffen und Gerät diente – entwaffnet; die Offiziere wurden von der Wehrmacht interniert. Die dänische Flottenführung hatte ein Übergreifen der Besatzungsmacht auf die Flotte vorhergesehen und einen entsprechenden Operationsplan vorbereitet. Die Schiffe sollten versuchen, das neutrale Schweden zu erreichen, oder, wenn dies nicht möglich war, durch ihre Besatzungen selbst versenkt werden, um zu verhindern, dass sie den Deutschen in die Hände fielen. Die meisten Schiffe wurden selbst versenkt, einigen Einheiten gelang die Flucht nach Schweden. Das größte Schiff der dänischen Marine, das Panzerschiff Niels Juel, befand sich am 29. August 1943 auf Ausbildungsfahrt im Isefjord. Die Niels Juel erhielt im Hafen von Holbæk per Funk den Befehl, schwedische Hoheitsgewässer aufzusuchen. Das Schiff wurde in volle Gefechtsbereitschaft versetzt und lief mit Höchstfahrt nordwärts Richtung Kattegat. Am Ausgang des Isefjords wurde die Niels Juel von deutschen Flugzeugen angegriffen – das dänische Schiff erwiderte das Feuer. Es begann die Schlacht im Isefjord: Angriffe wurden mit Bordwaffen abgewehrt, aber bei einem weiteren Bombenangriff fiel die Feuerleitanlage auf der Niels Juel aus und das Schiff musste bei Seeland auf Grund gesetzt werden. Heer und Flotte wurden durch die Besatzungsmacht aufgelöst.

1944 wurde in Schweden die Dänische Brigade als Polizeieinheit aufgestellt und aus den nach Schweden geflohenen Schiffen und Booten der Marine die Dänische Flottille gebildet. Die Brigade (rund 5.000 Mann) setzte am 5. Mai 1945 nach Dänemark über und übernahm gemeinsam mit britischen Truppen die Kontrolle über das Land.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges führten zur Aufgabe der Neutralität. Dänemark ist Gründungsmitglied der NATO. 1950 wurde aus den Fliegerkräften der Marine und dem Heeresfliegerkorps die Luftwaffe als eigenständige Teilstreitkraft organisiert. In den 1990er-Jahren wurde die dänische Armee umstrukturiert, um das Einsatzszenario der Krisenbewältigung und dem Einsatz von Schnellen Eingreiftruppen für Friedensmissionen der UN, OSZE oder der NATO besser umsetzen zu können.

Die dänischen Streitkräfte waren die ersten und einzigen, die während des Kalten Krieges seit 1962 – zusammen mit der westdeutschen Bundeswehr – Teile der jeweiligen Streitkräfte unter einem gemeinsamen multinationalen Hauptquartier der Alliierten Landstreitkräfte Schleswig-Holstein und Jütland als Korpsstab der NATO zusammenfassten. Nach seiner Außerdienststellung 1999 ging dieser Stab im Multinationalen Korps Nord-Ost auf.

Unter einem ISAF-Mandat ist seit 2002 die dänische Armee in Afghanistan mit bis zu 750 Soldaten engagiert. 2003 nahm die dänische Armee als Bestandteil der so genannten Koalition der Willigen am Irakkrieg teil. Das Engagement begann dabei im April 2003 und umfasste maximal 545 Angehörige der Armee. Bis Dezember 2007 wurden die letzten Einheiten abgezogen. Das unter dem Namen Dancon/Irak (Danish Contingent) bekannte Kontingent war in Al Qurnah und bei Basra stationiert und mit der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte sowie der Sicherung des Flughafens Basra beauftragt. Während des Einsatzes kamen sieben dänische Soldaten ums Leben, davon drei durch Sprengfallen, zwei bei Gefechten und je einer durch Friendly Fire und bei einem Autounfall.

Zu Repräsentationszwecken unterhält das dänische Heer – wie in England auch – zwei Gardeeinheiten, die Den Kongelige Livgarde (zu Fuß) und die Gardehusarregimentet (zu Pferd). Diese sind normale Kampfverbände und mit Gefechtsgerät wie Kampfpanzern ausgerüstet.

Für triphibische Kommandoeinsätze unterhält die dänische Marine das Frømandskorpset, eine Kampfschwimmereinheit.

Die territoriale Sicherung des dänischen Staatsgebietes obliegt der Dänischen Heimwehr Hjemmeværnet. Dieser untersteht die Fernspähkompanie Hjemmeværnets Særlig Støtte og Rekognosceringskompagni (deutsch: Heimwehr-Spezialunterstützungs- und Aufklärungskompanie).

Zur Verteidigung der Färöerinseln dient das 2012 gebildete Arktische Kommando, das auch für Grönland zuständig ist.

Zudem ist Dänemark laut Autonomiestatus für die Verteidigung Grönlands zuständig. Aus diesem Grund wurden 60 Soldaten des Grönland-Kommandos der dänischen Streitkräfte in Kangilinnguit (dänisch Grønnedal) stationiert. In Daneborg unterhält das dänische Militär mit der Sirius-Patrouille eine Hundeschlitten-Patrouille.[6] [7]

Nach dem Abzug der US-amerikanischen Iceland Defense Force aus Island 2006 zeichnet sich ein stärkeres Engagement der dänischen Marine bei der Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit Islands ab.

Personal und Ausrüstung[Bearbeiten]

Personalstärke[Bearbeiten]

  • 2002: 21.300 (Heer 12.800, Luftstreitkräfte 4.500, Marine 4.000)[8]

zum Vergleich:

  • 1984: 31.400 (Heer 18.100, Luftstreitkräfte 7.400, Marine 5.900)[9]
  • 1966: 49.000 (Heer 32.000, Luftstreitkräfte 10.000, Marine 7.000)[10]

Ausrüstung des Heeres[Bearbeiten]

Gepanzerte Fahrzeuge[Bearbeiten]

Dänischer Leopard 2 A5DK

Artillerie[Bearbeiten]

Ausrüstung der Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dänische Luftstreitkräfte
Kampfflugzeug vom Typ F-16 der dänischen Luftwaffe (2005)

Flugzeuge[Bearbeiten]

Hubschrauber[Bearbeiten]

Ausrüstung der Marine[Bearbeiten]

Die HDMS Iver Huitfeldt der Iver-Huitfeldt-Klasse

Die Marine ist einem Erneuerungsprozess unterworfen. 2004 wurden alle fünf übriggeblieben U-Boote ersatzlos gestrichen, dafür aber neue Überwassereinheiten gebaut.[12]

Kriegsschiffe und Boote[Bearbeiten]

Außerdem gehören die königliche Yacht Dannebrog (A 540), die drei dänischen Eisbrecher A551 Danbjørn, A552 Isbjørn, A553 Thorbjørn sowie die dänischen Umweltschutz- und Seenotrettungsschiffe bzw. -boote und eine Reihe weiterer Unterstützungsschiffe bzw. -boote zur Marine.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nicolai Wammen new minister of defence. Dänisches Verteidigungsministerium, abgerufen am 9. August 2013 (englisch).
  2. a b c Financial and Economic Data Relating to NATO Defence. Press Release Communique PR/CP(2012)047, NATO Public Diplomacy Division, 12. April 2012 (PDF, 99 kB)
  3. Aim and Tasks“ Danish Defence, 24. April 2008 (abgerufen 1. Dezember 2008)
  4. Journal 4/2010 der dänischen Post anlässlich der Briefmarken-Jubliäumsausgabe 500 Jahre Marine
  5. Vgl. ausführlich zur dänischen Armee bis 1863 im Allgemeinen sowie in Schleswig-Holstein im Besonderen: Eva Susanne Fiebig, Jan Schlürmann: Handbuch zur nordelbischen Militärgeschichte. Heere und Kriege in Schleswig, Holstein, Lauenburg, Eutin und Lübeck 1625–1863/67. Husum 2010, ISBN 978-3-89876-317-2.
  6. Grønlands kommando: Historie (dänisch)
  7. Grønlands kommando: Opgaver (dänisch)
  8. International Institute for Strategic Studies: The Military Balance. 2002
  9. Streitkräfte 1984/85. Die „Military Balance“ des Internationalen Instituts für Strategische Studien, Koblenz 1985, S. 84 ff.
  10. Friedrich Wiener: Fremde Heere. Die Armeen der NATO-Staaten. Wien 1966, S. 105, 106.
  11. forsvaret.dk Panserbrovogn Leopard 1 Biber, pdf 1,13 MB, abgerufen am 8. Januar 2011
  12. SCHLAPPHÜTE STATT U-BOOTE Dänen suchen Agenten per Anzeige“, SPIEGEL-Online, 15. März 2005 (Abgerufen 10. Dezember 2008)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dänische Streitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien