Dänischer Staatsbankrott von 1813

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Dänischer Staatsbankrott wird in der dänischen Währungsgeschichte die radikale Währungsreform vom 5. Januar 1813 bezeichnet, die den dänischen Gesamtstaat betraf. Die währungspolitischen Maßnahmen beinhalteten eine offizielle Herabsetzung des staatlichen Einlösungsanspruchs von Papiergeld in Silber im Verhältnis 6:1 und die Einführung einer Zwangssteuer auf Immobilienvermögen. Neben bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden staatlichen Haushalts- und Währungsschwierigkeiten wurde der dänische Staatsbankrott insbesondere von den Auswirkungen der Napoleonischen Kriege auf Dänemark verursacht.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Geschichte Dänemarks

Zu Beginn der Feldzüge Napoleons war Dänemark wohlhabend. Der Einflussbereich der dänischen Krone umfasste u.a. auch Island, Grönland, die Färöer, Helgoland, Holstein sowie Teile von Niedersachsen und Pommern. Außerdem wurde der norwegische Teil von Dänemark-Norwegen seit 1390 von Kopenhagen aus in Personalunion regiert. Dänemark versuchte zunächst, neutral zu bleiben und verweigerte allen Kriegsparteien die Durchfahrt durch die Ostsee. Dies wollte die britische Flotte nicht hinnehmen und es kam 1801 zur ersten Seeschlacht von Kopenhagen. Dänemark wurde vernichtend geschlagen.

Bis 1807 war die dänische Flotte wieder aufgebaut und England hegte die Befürchtung, Napoleon würde sich mit Dänemark verbünden und dann auch die dänische Flotte gegen England richten. Die Befürchtung war nicht ganz unbegründet, da Napoleon mit Zar Alexander I. in einem geheimen Zusatzabkommen zum Frieden von Tilsit vereinbart hatte, Dänemark-Norwegen, Schweden und Portugal zum Beitritt zur Kontinentalsperre zu zwingen. In Dänemark selbst hegte man jedoch keine derartigen Bestrebungen.

England verlangte im Sommer 1807 von Dänemark, sich mit ihm zu verbünden. Als dies verweigert wurde, kam es vom 2. bis 5. September 1807 zur Bombardierung Kopenhagens durch die Engländer. Daraufhin ging Dänemark ein Bündnis mit Napoleon ein, da es nun in England die größte Gefahr sah und der Versuch, neutral zu bleiben, mehrfach misslungen war. Somit erreichte England durch sein eigenes Handeln das, wovor es sich fürchtete, nämlich ein Bündnis Frankreich – Dänemark. Am Ende der Napoleonischen Kriege fand sich Dänemark auf der Verliererseite wieder.

Währungsreform[Bearbeiten]

Die Englandkriege speziell ab 1807 belasteten die Wirtschaft erheblich; auch die seit 1807 in Dänemark einquartierten Truppen Napoleons mussten versorgt werden. Selbst die 1810 eingeführte progressive Einkommensteuer war nicht in der Lage, das Haushaltsdefizit zu decken. In dieser Situation gab der dänische Staat zur Bezahlung seiner Verpflichtungen Banknoten und Schuldverschreibungen heraus, die auf vollwertiges Münzgeld in Rigsdaler courant lauteten. Der erhöhte, durch Sachwerte nicht gedeckte Geldumlauf führte zu einer Inflation von mehr als 100 %.

Schließlich wurde am 5. Januar 1813 eine Währungsreform durchgeführt und das alte Rigsdaler "Kurantgeld" durch eine neue Währung der - neu gegründeten - Nationalbank ersetzt. Vereinfacht ausgedrückt könnte man sagen, dass die alte Währung im Verhältnis 6:1 auf die neue Währung umgestellt wurde, so dass Bankguthaben plötzlich nur noch ein Sechstel wert waren. Auch Staatsanleihen wurden im selben Verhältnis abgewertet. Zusätzlich wurde eine Steuer von sechs Prozent auf jeglichen Immobilienbesitz erhoben, die sofort in Silber zu begleichen war. Wer dies nicht konnte, musste mit der Zwangsversteigerung seines Eigentums rechnen.

Die neue Währung genoss kein Vertrauen, so dass der Schwarzhandel mit anderen Bezahlungsmitteln florierte. Obwohl offiziell niemals das Wort Bankrott verwendet wurde, waren die Maßnahmen des Jahres 1813 nur durch einen Staatsbankrott zu erklären: Ein Staatsbankrott ist derjenige Zustand der Staatswirtschaft, bei welchem der Staat, sei es mit, sei es ohne ausdrückliche Erklärung, seine Schuldverbindlichkeiten nicht erfüllt oder sich Einnahmen verschafft, welche mit der Verfassung oder doch mit einer gesunden Finanzverwaltung im Widerspruch stehen.[1] Genau dies traf hier zu.

Eine Währungsumstellung im Verhältnis 6:1 bedeutet bei den heute üblichen, durch einen Metallwert nicht gedeckten Fiat-Währung als solches keinen Staatsbankrott. Den ausgegebenen Scheidemünzen, Banknoten und Schuldverschreibungen liegt ja kein Einlösungsanspruch in vollwertigem Münzgeld (=Edelmetall) zu Grunde. Alle Schuldverhältnisse, Preise und Geldstücke werden einfach umgestellt, ohne dass sich an den Eigentumsverhältnissen etwas substantiell ändert. Dies ist jedoch bei einer Edelmetall-gedeckten Währung anders: Der dänische Staat honorierte ein Auszahlungsversprechen über 1 Rigsdaler (~ 26 g Silber) nur noch mit gut 4 g Silber.

Die Bemühungen, den Kurs von auf Rigsbankdaler herausgegebenen Banknoten (siehe Abbildung) zu stabilisieren, waren nur mäßig erfolgreich. So betrug das Disagio auf die Banknoten im September 1813 91% in Vergleich zu vollwertigen Silbermünzen. Der Kurs schwankte insgesamt stark.[2]

Der Frieden von Kiel am 14. Januar 1814 markierte für Dänemark den Abschluss der Napoleonkriege. Das Land brauchte jedoch noch lange, um sich zu erholen.

Auswirkungen in Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

1813 waren Schleswig-Holstein und Norwegen Teile des dänischen Gesamtstaates. Beide Gebiete waren daher vom dänischen Staatsbankrott betroffen.

Schleswig-Holstein[Bearbeiten]

Die eigene schleswig-holsteinische Währung, das schleswig-holsteinische Courantgeld, war von den Währungswirren um dem Rigsdaler Courant zunächst nicht betroffen. Gleichzeitig mit den faktischen dänischen Staatsbankrott wurden am 5. Januar 1813 alle Banken in Schleswig und Holstein auf Anweisung geschlossen. Das Courantgeld wurde offiziell außer Wert gesetzt und als Währung die neuen Rigsbankdaler eingeführt. Die ausgegebenen Banknoten waren zwar prinzipiell durch eigene, ein Altona lagernde Bestände von silbernen Speciestalern gedeckt. Im Vorfeld des Staatsbankrotts hatte die dänische Regierung die Silberbestände jedoch von Altona nach der dänischen Regierungsfestung in Rendsburg und damit unter unmittelbare Kontrolle bringen lassen. Der Wert der Banknoten brach daher sofort ein.

Wie im dänischen Kernland wurde eine sofort fällige, sechs prozentige Immobiliensteuer erhoben, die in Silbermünzen zu begleichen war. Als Folge flossen die offiziell außer Kurs gesetzten „guten“ Silbermünzen des schleswig-holsteinischen Courantgeldes an die neue dänische Reichsbank. Für Unmut unter der Bevölkerung über die dänische Herrschaft sorgte die Härte, mit der die Steuer – im Gegensatz zum Kernstaat – von der Bevölkerung einschließlich der Bauern eingetrieben wurde. Während den dänischen Bauern ein großer Teil der Steuer erlassen wurde, mussten die Herzogtümer Schleswig-Holstein 5 Millionen Rigsbankdaler zusätzlich aufbringen.[3] Da die Bevölkerung die Rechnung im hergebrachten schleswig-holsteinischen Courantgeld bevorzugte, ließ die dänische Regierung den Courantwert ab 1841 auf Münzen zusätzlich angeben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Konversations-Lexikon von 1888
  2. 1813: The monetary reform known as the bankruptcy of the state. Englisch. Online auf nationalbanken.dk vom 4. Mai 2011; abgerufen am 13. August 2013.
  3. Dieter Kienitz: Der Kosakenwinter. Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co, Heide 2000.

Weblinks[Bearbeiten]