Döllersheim (Gemeinde Pölla)

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Döllersheim (Einzelsiedlung)
Ortschaft
Katastralgemeinde Döllersheim
Döllersheim (Gemeinde Pölla) (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Zwettl (ZT), Niederösterreich
Gerichtsbezirk Zwettl
Pol. Gemeinde Pölla
Koordinaten 48° 37′ 13″ N, 15° 18′ 33″ O48.62013888888915.3092Koordinaten: 48° 37′ 13″ N, 15° 18′ 33″ Of1
Einwohner d. Ortsch. 0 (2001)
Gebäudestand 2 (2001)
Fläche d. KG 5,48 km²
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 01311
Katastralgemeindenummer 24010
Zählsprengel/ -bezirk Döllersheim (32520 005)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS
Döllersheim mit Spital und Kirche
Ruine der Volksschule von Döllersheim

Döllersheim ist seit dem 1. Jänner 1964 eine Katastralgemeinde von Pölla in Niederösterreich[1] mit einer Grundfläche von 548,06 Hektar.[2] Um den Truppenübungsplatz Döllersheim anlegen zu können, wurden ab 1938 die Bewohner ausgesiedelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die haufendorfähnliche Straßensiedlung Döllersheim lag in einem Kessel am Fuße des Donabergs und bildete den Kreuzungspunkt zahlreicher Straßen.[3]

Indirekt wird Döllersheim erstmals um 1143 erwähnt, als ein Chunradus de Tolersheim auf einer Urkunde von Herzog Heinrich von Bayern als Zeuge aufscheint. Als weiterer Zeuge tritt 1272 ein Rapoto de Tolrshaim, dessen Burg vermutlich auf dem Berg neben der Pfarrkirche von Döllersheim stand, in Erscheinung. Wann Döllersheim zum Markt erhoben wurde, ist nicht bekannt.

1427 wurde Döllersheim von den Hussiten erobert und zerstört. 1620 wurde der Markt neuerlich niedergebrannt.[4]

Da die eigentliche Grabstätte von der in Strones wohnhaften Anna Maria Schicklgruber, der Großmutter Adolf Hitlers, auf dem Friedhof von Döllersheim nicht mehr eruierbar war, errichtete die Gemeinde ein viel besuchtes Ehrengrab. Der Hauptplatz von Döllersheim wurde nach dem Vater von Adolf Hitler als Alois-Hitler-Platz benannt. Im Juli 1939 wurde Adolf Hitler zum Ehrenbürger des Marktes ernannt.

Die von der Pfarre Döllersheim seit 1632 geführten Kirchenbücher für Geburten und seit 1634 für Trauungen und Todesfälle wurden nach der Aufhebung der Pfarre jener von Rastenfeld zur Aufbewahrung übergeben.[3]

Um den Truppenübungsplatz Döllersheim errichten zu können, war die Aussiedlung der Bevölkerung bis zum 1. April 1940 vorgesehen; dieser Termin wurde jedoch zweimal verschoben bis zum 31. Oktober 1941.[1] Als letzte von drei deutsch-kroatischen Divisionen wurde 1943 die 392. Infanterie-Division in Döllersheim aufgestellt.[5]

Seit 1981 befinden sich die ehemalige Pfarrkirche von Döllersheim, der Friedhof und das Spital nicht mehr im militärischen Sperrgebiet und können besucht werden.[6] Die Kirche erhielt am 13. September 1986 durch Bischof Franz Žak die einfache kirchliche Weihe. Sie steht wieder unter dem Patrozinium der Apostel Petrus und Paulus, erhielt jedoch den Namen Friedenskirche.[1]

Bauwerke[Bearbeiten]

Als bemerkenswerte Bauwerke des früher eigenständigen Marktes Döllersheim werden von der Österreichischen Kunsttopographie die Pfarrkirche zu den heiligen Petrus und Paulus, das Bürgerspital und der 1903 abgebrochene und als Schotter für den Straßenbau verwendete Galgen genannt. Ebenfalls erwähnt wird ein kapellenartiger Bildstock am westlichen Ortseingang mit einer polychromierten Statue Johannes Nepomuks. Die Gemeinde hatte sich 1735 zur Errichtung und Erhaltung dieser Darstellung des Heiligen im Bezirk Zwettl verpflichtet.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Buberl: Die Denkmale des politischen Bezirkes Zwettl in Niederösterreich (ohne Stift Zwettl). Teil 1: Gerichtsbezirk Allentsteig (= Österreichische Kunsttopographie. Bd. 8, 1). In Kommission bei Anton Schroll & Co, Wien 1911.
  • Johannes Müllner: Die entweihte Heimat. 2. Auflage. Verein Information Waldviertel, Allentsteig 1998, ISBN 3-9500294-0-0.
  • Margot Schindler: Wegmüssen. Die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938–1942. Volkskundliche Aspekte (= Veröffentlichungen des Österreichischen Museums für Volkskunde 23). Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien 1988, ISBN 3-900359-38-5.
  • Ernst Werner Techow: Die alte Heimat. Beschreibung des Waldviertels um Döllersheim. Herausgegeben von der Deutschen Ansiedlungsgesellschaft Berlin. Sudetendeutsche Verlags- und Druckerei-G.m.b.H., Eger 1942.

Weblinks[Bearbeiten]

www.doellersheim.at - Details über Döllersheim im Waldviertel

Döllersheim im Buch: Die entweihte Heimat von Johannes Müllner

 Commons: Döllersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Müllner: Die entweihte Heimat.
  2. Statistik Austria: Ortsverzeichnis Niederösterreich 2001.
  3. a b Techow: Die alte Heimat.
  4. a b Buberl: Österreichische Kunsttopographie.
  5. Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Bd. 3: Deutscher Bevollmächtigter General in Kroatien und Zeuge des Untergangs des „Tausendjährigen Reiches“ (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 76). Böhlau, Wien u. a. 1988, ISBN 3-205-08749-6, S. 235, 348–349.
  6. Friedenskirche in Döllersheim.