Dünne Linse
Eine dünne Linse ist eine optische Linse kleiner Dicke. Die Krümmung ihrer Grenzflächen ist gering, so dass beide Flächen nahe beieinander liegen.
In der paraxialen Optik ist die dünne Linse ein Konzept, nach dem die endlich dicke reale Linse durch eine Ebene ersetzt wird. Die beiden Brechvorgänge an den Grenzflächen werden zu einem Brechvorgang, der in dieser Ebene angenommen wird, zusammengefasst. Wenn die reale dünne Linse symmetrischen Querschnitt hat (bikonvex oder bikonkav), so wird ihre Mittelebene zur brechende Ebene. Ein Lichtstrahl, der auf den Mittelpunkt der Ebene trifft, geht mit unveränderter Richtung und ohne Parallelversatz hindurch.
Das Konzept der dünnen Linse ist eine Idealisierung der endlich dicken realen Linse und eine gute Näherung bei großen Brennweiten. Die formale Reduktion auf eine Ebene bedeutet nicht, dass die Linse keinen Brechungsindex und keine gekrümmten Grenzflächen habe. Von beidem hängen ihre Brennweiten ab.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Optische Abbildung mittels einer dünnen Linse
Die zwei Hauptebenen
und
eines allgemeinen optischen Systems fallen bei der dünnen Linse in ihrer Ersatzebene (Mittelebene) zusammen. Die dünne Linse hat nur eine Hauptebene
. Beide Brennweiten
und
werden von der Hauptebene
aus gemessen. Die strahlenoptische Konstruktion der optischen Abbildung ist etwas einfacher und geschieht wie folgt.
Der Bildpunkt B' wird mit Hilfe von zwei der drei Hauptstrahlen Parallelstrahl (1), Mittelpunktstrahl (3) oder Brennpunktstrahl (2) (in Abbildung 1 von oben nach unten), die vom Gegenstandspunkt B ausgehen, gefunden. Die Strahlen werden nur einmal - nämlich an der Mittel/Haupt-Ebene - gebrochen (Strahl (3) bleibt ungebrochen). Der Parallelstrahl wird so gebrochen, dass er durch den bildseitigen Brennpunkt F' geht. Der Brennpunktstrahl geht durch den gegenstandsseitigen Brennpunkt F und wird an der Mittelebene so gebrochen, dass er zum Parallelstrahl auf der Bildseite wird.
[Bearbeiten] Theorie für dicke Linsen
und
auf die sich die Brennweiten
und
beziehen. Von links kommende Strahlen (durchgezogene rote Linien) werden zweimal gebrochen, an jeder sphärisch gekrümmten Grenzfläche. Die Hauptebenen gehen durch den Schnittpunkt der Verlängerung des Parallelstrahls der einen Seite und der Verlängerung des Brennpunktstrahls der anderen Seite (gestrichelte Linien 1 und 3).Eine (dicke) Linse besteht aus einem durchsichtigen Material mit Brechungsindex
. Die Linse bildet mit seiner Umgebung zwei Grenzflächen. Im Normalfall ist die Umgebung Luft und damit der Brechungsindex
. Ein Lichtstrahl von links kommend (siehe Abbildung 2) wird an jeder der beiden Grenzflächen gemäß dem Snelliusschen Brechungsgesetz gebrochen. Um die Brennweite einer Linse zu berechnen werden die beiden Brechungen des Lichtstrahls sukzessive betrachtet.
[Bearbeiten] Brechung an einer gekrümmten Fläche
Zuerst wird die Brechung des Lichtstrahls an der linken Grenzfläche betrachtet (Abbildung 3).
Rein geometrisch gilt
.
Für achsennahe Strahlen sind die Winkel
klein und es gilt näherungsweise
sowie
. Außerdem gilt
. Dadurch ergibt sich
Mit dem Snelliusschen Brechungsgesetz
sowie
ergibt sich
.
Die Brennweite
einer gekrümmten Grenzfläche für achsennahe Strahlen hängt demnach nur von den Brechungsindizes der beiden Materialien und der Krümmung der Fläche ab. Stellt man sich nun vor, dass das Licht von rechts kommend, nach links läuft und dann gebrochen wird, so kann man obige Formel auch anwenden. Die Brechungsindizes in der Formel müssen nun umgetauscht werden, da der Lichtstrahl aus dem Medium mit
kommend nach
läuft.
wird gegenstandsseitige Brennweite genannt.
Es lässt sich nun auch eine Beziehung zwischen der Bildweite
und der Gegenstandsweite
herleiten.
Es gelten folgende Winkelbeziehungen:
sowie
. Daher gilt in der Kleinwinkelnäherung für das Snelliusche Brechungsgesetz:
.
Außerdem gilt


.
Einsetzen in das genäherte Snelliussche Brechungsgesetz ergibt
.
Die rechte Seite kann nun über die oben hergeleitete Brennweite ausgedrückt werden:
.
[Bearbeiten] Brechung an einer dicken Linse
Die Brechung von achsennahen Strahlen an einer Linse entspricht zwei nacheinander folgenden Brechungen an gekrümmten Grenzflächen. Es wird angenommen, dass das Licht von links einfällt. Wenn es sich um eine Konvexlinse handelt (in oberer Abbildung gezeigt), dann ist der Krümmungsradius der 1. Grenzfläche positiv, der Krümmungsradius
der 2. Grenzfläche dagegen negativ. Bei einer Zerstreuungslinse (Konkavlinse) ist der Sachverhalt genau umgekehrt.
Für die zweite Brechung nimmt man das Bild der ersten Brechung als Gegenstand. Es ist
die Gegenstandsweite der 1. Brechung und
die Gegenstandsweite der 2. Brechung. Gleiche Vereinbarung gilt für die Bildweiten
und die Krümmungsradien
.
Für die Bildweite
nach der ersten Brechung gilt:
.
Nun setzt man die Bildweite
als Gegenstandsweite
in die Formel für die 2. Brechung ein:
mit
die Dicke der Linse (wie in der 1. Abbildung angegeben). Die Verschiebung um
muss durchgeführt werden, da die Herleitung oben davon ausgegangen ist, dass die gekrümmte Fläche durch den Ursprung geht. Natürlich müssen die Brechungsindizes wieder umgekehrt werden. Für die 2. Brechung gilt:
.
Einsetzen von
ergibt
.
Addition der beiden Brechungen ergibt:

.
Dabei wird nun
von der linken Seite der Linse und
von der rechten Seite der Linse gezählt.
[Bearbeiten] Näherung für dünne Linse
Man kann nun die Gegenstandsweite
und die Bildweite
für die gesamte Linse einführen:
,
. Man bezeichnet eine Linse als dünn, wenn
und
gilt. Dadurch vereinfacht sich obige Formel zu
.
Dies ist die wohlbekannte Linsengleichung und beschreibt die Abbildung achsennaher Strahlen mit einer dünnen Linse. Für achsenparallele Strahlen gilt
(der Gegenstand liegt im unendlichen). Auf der Bildseite müssen nun die Strahlen durch den Brennpunkt gehen. Daher ist de Brennweite
einer dünnen Linse:
.
Für eine bikonvexe Linse mit
gilt
.
Einsetzen in die Abbildungsgleichung ergibt die Abbbildungsgleichung dünner Linsen
.
Im Endeffekt wurde nun auch die Linsenschleiferformel hergeleitet:
.
.
.
.

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.