Strahlflugzeug

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He 178 als erstes Strahlflugzeug
Me 262 mit außenliegenden Strahltriebwerken am Flügel
Modernes Geschäftsreiseflugzeug mit außenliegenden Strahltriebwerken

Strahlflugzeuge sind Flugzeuge, die durch Strahltriebwerke angetrieben nach dem Prinzip des Strahlantriebs fliegen.

Düsenflugzeug, Düsenjet und Jet sind umgangssprachliche Bezeichnungen. Dabei ist Düsenjet ein pleonastisches Kompositum, da dem Wort Jet mit der Bedeutung Strahlflugzeug zusätzlich noch einmal die Antriebsart Düsen vorangestellt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Das erste Flugzeug mit einer Mischung aus Strahl- und Kolbentriebwerk, Coanda-1910, wurde 1910 vom rumänischen Ingenieur Henri Marie Coandă gebaut. Es wurde auf der zweiten internationalen Luftfahrtausstellung in Paris im Oktober 1910 vorgestellt, verunglückte jedoch im Dezember 1910. Das Konzept wurde daraufhin zunächst nicht weiter verfolgt.

Die ersten Strahlflugzeuge wurden ab 1936 nach Ideen von Hans von Ohain für das Militär entwickelt. Sie flogen erstmals in Deutschland (Heinkel He 178 am 27. August 1939 in Rostock-Marienehe), in Italien am 28. August 1940 (Campini-Caproni C.C.2) und in Großbritannien am 15. Mai 1941 (Gloster E.28/39). Es handelte sich hierbei ausnahmslos noch um Unterschallflugzeuge. Der erste Düsenjäger der Welt, der militärisch eingesetzt wurde, war die in Deutschland entwickelte Messerschmitt Me 262. Der von Albert Speer mit diesem Flugzeug im Frühjahr 1945 beabsichtigte erste Passagierflug der Welt in einem Strahlflugzeug (von Berlin nach Essen) wurde aufgrund der hohen Gefährdung durch feindliche Flieger nicht durchgeführt. [1]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach 1945 wurden Strahlflugzeuge auch für die zivile Luftfahrt konstruiert. Als erste Fluggesellschaft setzte die BOAC die De Havilland DH 106 Comet ein, die am 27. Juli 1949 ihren Erstflug hatte. Nach einer Unfallserie musste das Muster überarbeitet und das Feld Flugzeugen wie der Tupolew Tu-104 und der Boeing 707 überlassen werden. Das erste zivile deutsche Strahlflugzeug war die 1958–1961 in Dresden entwickelte 152, welche aber wegen wirtschaftlicher, politischer und technischer Probleme nie über den Prototypenstatus hinaus kam.

Am 26. April 1948 gelang der erste Überschallflug mit einem strahlgetriebenen Jagdflugzeug. Der erste Überschallflug überhaupt gelang am 12. Oktober 1947, allerdings mit einem Raketenflugzeug. Seit dieser Zeit werden Jagdflugzeuge in der Regel als strahlgetriebene Überschallflugzeuge konzipiert.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Jüngere Entwicklungen sind beispielsweise die Boeing 747, welche unter dem Namen Jumbojet 1970 das Zeitalter der Großraumflugzeuge einleitete; die dreistrahligen (jeweils ein Triebwerk an jedem Flügel und eines im Seitenleitwerk) Großraumflugzeuge der Typen McDonnell Douglas DC-10 und Lockheed L-1011 TriStar oder der zweistöckige Airbus A380. Die französisch-britische Concorde und die sowjetische Tupolew Tu-144, die bereits am 31. Dezember 1968 und damit zwei Monate vor der Concorde ihren Erstflug absolvierte, waren die einzigen zivilen Überschallflugzeuge.

Besonders große Stückzahlen erreichen Modelle für den Kurz- und Mittelstreckenverkehr, wie historisch die Französische Caravelle, die Boeing 727 oder die Douglas DC-9 (inklusive der aus ihr hervorgegangenen McDonnell Douglas MD-80); oder heute Boeing 737 und Airbus A320.

Im Passagierverkehr mit kurzen Distanzen haben Strahlflugzeuge die Propellerflugzeuge noch nicht vollständig verdrängt; dort werden mit modernen Turboprop-Antrieben ausgestattete Passagierflugzeuge (z. B. Bombardier Q Series) weiterhin eingesetzt und auch gebaut.

Auch im Geschäftsreiseverkehr sind die kleinen „Jets“ seit Jahrzehnten vertreten, beispielsweise mit dem Learjet. Dort sind Varianten in praktisch allen Größen erhältlich; sogar interkontinentale Flüge können durchgeführt werden (Gulfstream G500, Bombardier Global, Falcon 7X).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Speer, Spandauer Tagebücher, 22. Oktober 1952