Raida (Jemen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Dār ar Raydah)
Wechseln zu: Navigation, Suche
arabisch ‏ريدة
Raida
Raida (Jemen)
Raida
Raida
Koordinaten 15° 49′ N, 44° 2′ O15.82333333333344.038611111111Koordinaten: 15° 49′ N, 44° 2′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

ʿAmrān
Höhe 2200 m
Einwohner 15.489 (Berechnung 2012[1])
Jemenitische Juden im Flugzeug nach Israel

Raida (auch: Raydah, arabisch ‏ريدة‎, DMG Raida) ist eine jemenitische Stadt im Gouvernement ʿAmrān im Westen des Landes. Die Regionalhauptstadt ʿAmrān liegt knapp 20 km südwestlich. Die Stadt besteht im Wesentlichen aus einer langgestreckten Marktstraße, die das Zentrum bildet.

Geschichte[Bearbeiten]

Begründet wurde Raida noch vor der Zeitenwende als bakīlische Stadt in der altsüdarabischen Zeit Sabas.[2][3] Die Bakīlen gehen auf Bakīl (Bruder Haschids), Begründer der größten Stammeskonföderation des Jemen, zurück.

Später bestand in Raida mit dem Suq al-ahud ein großer jüdischer Markt.[4] Mit den Emigrationswellen zwischen 1881 und 1950 - insbesondere zu erwähnen ist die größte Fluchtwelle des Magic Carpet - verblieb nur noch eine sehr kleine jüdische Minderheit in der Stadt. 2009 zählte die jüdische Gemeinschaft noch 266 Personen[5] und unterhielt drei Synagogen sowie zwei Schulen für die Pflege ihres jüdischen Brauchtums.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Während des Gaza-Konflikts 2008-2009 verschärften sich die Spannungen der jeminitisch-jüdischen Diaspora mit den örtlich ansässigen Muslimen. Diese eskalierten schließlich in der Weise, dass ein jüdischer Lehrer von islamistischen Extremisten erschossen wurde.[6] Weitere Übergriffe mit Toten folgten in den 1980er Jahren. Die stetig sich wiederholenden Anschläge der al-Qaida führten letztlich dazu, dass eine Mehrzahl von Familien im Juni 2009 nach Israel emigrierte[7] und die jüdische Gemeinde ihre Siedlungen vollends aufgab.[8]

Moshe Ya'ish al-Nahari[Bearbeiten]

Ende des Jahres 2008 wanderten die wenigen verbliebenen Juden vollends aus. Den entscheidenden Anlass bildete der Mord des jüdischen Hebräisch-Lehrers der Stadt, Moshe Ya'ish al-Nahari. Der Aufforderung eines muslimischen Extremisten, unverzüglich zum Islam zu konvertieren, wollte Moshe Ya'ish al-Nahari nicht nachkommen, weshalb sofort das Feuer mittels eines Maschinengewehrs gegen ihn eröffnet wurde. Moshe Ya'ish al-Nahari erlag seinen schweren Verletzungen durch den Kugelhagel noch am Tatort.[9][10] Dem Täter, Abdul Aziz Yahya Al-Abdi, wurde der Prozess gemacht. Dessen Anwälte plädierten auf Schuldunfähigkeit aufgrund schizophrener Persönlichkeitsstörungen. Im jüdischen Lager wurde das als ungeheure Schmach bewertet. Aufklärungen in der Sache führten aber letztlich dazu, dass dieses Merkmal möglicher Schuldunfähigkeit obsolet wurde. Das anschließende Urteil im Jahr 2009 führte zur Schadenersatzpflicht des Täters (umgerechnet $ 27.500), statt zur erhofften Todesstrafe. Dies wurde als ungerecht, der muslimischen Mehrheit "geschuldet" und schlicht skandalös erachtet. Erst im Berufungsverfahren wurde die Todesstrafe verhängt[11], welche jedoch nicht mehr vollzogen werden konnte, da der Täter es verstand, die Gefangenenaufsicht im April 2011 zu bestechen und zu fliehen.[12]

Umgebung[Bearbeiten]

Typische Landschaft im Westlichen Gebirgshang

Raida liegt am Ostrand des Westlichen Gebirgshangs. Die Region gilt als spektakulärste Landschaft des Jemen. Tief eingeschnittene Täler trennen die steilen Bergstöcke und vermitteln das Bild extremer Vertikalen. Charakteristisch für diesen Naturraum sind die Kleinkammerung und Unzugänglichkeit der Bergwelt. Oft fehlt es an Wegsamkeit. Das westliche Bergland bildete damit eine natürliche kulturräumliche Grenze zwischen dem Berg- und dem Tiefland, was Schutz gebot gegen eindringende Feinde. Diesen Umständen ist zu verdanken, dass dich die Stammesgesellschaft im Hochland über Jahrhunderte hinweg autochthon entwickelte.

Um den raren fruchtbaren Böden Landwirtschaftserzeugnisse abgewinnen zu können, ist die Bevölkerung seit je her auf den Terrassenfeldbau angewiesen. Die landschaftliche Umgebung ʿAmrāns weist vornehmlich Terrassenlandschaften beziehungsweise durch mit Steinwällen abgegrenzte Felder auf, um Erosionen des fruchtbaren Ackerbodens entgegenzuwirken. Jeder Zentimeter fruchtbaren Bodens wird hier genutzt.[13] Dazu wurden seit der Antike artenreiche Trockenwälder gerodet. Natürliche Vegetation bildet eine Mehrzahl von sukkulenten Euphorbien, beispielsweise die Euphorbia ammak. Dort, wo sich die Täler aufspreizen, ist Kaffeeanbau möglich.[14]

In der Umgebung liegt die antike Stätte, Na'it.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aviva Klein-Franke: Die Juden im Jemen in Werner Daum Jemen, Umschau-Verlag, Frankfurt/Main, ISBN 3-7016-2251-5
  • Aviva Klein-Franke: Tradition und Neuerung in der Schmuckherstellung im Jemen im 20. Jahrhundert, in: Simurgh 1, S. 19-29, 2005
  • Horst Kopp (Herausgeber): Länderkunde Jemen, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, 2005, ISBN 3-89500-500-2
  • Ester Muchawsky-Schnapper: The Yeminites: Two Thousand Years of Jewish Culture, Jerusalem 2000
  • Hermann von Wissmann: Zur Geschichte und Landeskunde von Alt-Südarabien (Sammlung Eduard Glaser, Nr. 3 = Österreichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte, Band 246) Böhlaus, Wien 1964, besonders S. 276 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:@1 @2 Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deWorld Gezatteer Bevölkerungsdaten 2012
  2. Hermann von Wissmann: Zur Geschichte und Landeskunde von Alt-Südarabien (Sammlung Eduard Glaser), S. 361
  3. Andrey Korotayev, Pre-Islamic Yemen. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 1996. ISBN 3-447-03679-6.
  4. Vogel, Dieter. Yemen, Insight Guides, 1997. pg. 197. ISBN 9-62421-091-8
  5. Blood money for Killing Yemeni Jew Abgerufen am 23. März 2011
  6. Yemen - Appeals Court Sentences Muslim to Death for Killing Jewish Teacher
  7. Tobias Kühn in der Jüdischen Allgemeinen
  8. Juden im Jemen bitten: "Rettet uns!"
  9. Verdict in murder of Jewish citizen due March 2
  10. Prosecution seeks death for Yemeni Jew’s murder
  11. Yemeni who killed Jew gets death sentence
  12. Report: Yemeni Jew's killer escapes jail
  13. kommentiertes Bild
  14. Kopp, S. 36-37 (s. Lit.)
  15. siehe Karte; In: Kopp, (s. Lit.)

Weblinks[Bearbeiten]