Dār ar Raydah

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arabisch ‏ريضه
Dār ar Raydah
Dār ar Raydah (Jemen)
Dār ar Raydah
Dār ar Raydah
Koordinaten 15° 29′ N, 44° 2′ O15.4944.038611111111Koordinaten: 15° 29′ N, 44° 2′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

ʿAmrān
Höhe 2200 m
Einwohner 15.489 (Berechnung 2012[1])
Jemenitische Juden im Flugzeug nach Israel

Dār ar Raydah (auch: Raydah, Rayd̨ah, Raida oder (arabisch ‏ريضه‎)) ist eine jemenitische Stadt im Gouvernement ʿAmrān im Westen des Landes. Die Regionalhauptstadt ʿAmrān liegt knapp 20 km südwestlich. Die Stadt besteht im Wesentlichen aus einer langgestreckten Marktstraße, die das Zentrum bildet.

Geschichte[Bearbeiten]

Früher bestand in Dār ar Raydah mit dem Suq al-ahud ein großer jüdischer Markt.[2] Mit den Emigrationswellen zwischen 1881 und 1950 - insbesondere zu erwähnen ist die größte Fluchtwelle des Magic Carpet - verblieb nur noch eine sehr kleine jüdische Minderheit in der Stadt. 2009 zählte die jüdische Gemeinschaft noch 266 Personen[3] und unterhielt drei Synagogen sowie zwei Schulen für die Pflege ihres jüdischen Brauchtums.

Jüngere Geschichte[Bearbeiten]

Während des Gaza-Konflikts 2008-2009 verschärften sich die Spannungen der jeminitisch-jüdischen Diaspora mit den örtlich ansässigen Muslimen. Diese eskalierten schließlich in der Weise, dass ein jüdischer Lehrer von islamistischen Extremisten erschossen wurde.[4] Weitere Übergriffe mit Toten folgten in den 1980er Jahren. Die stetig sich wiederholenden Anschläge der al-Qaida führten letztlich dazu, dass eine Mehrzahl von Familien im Juni 2009 nach Israel emigrierte[5] und die jüdische Gemeinde ihre Siedlungen vollends aufgab.[6]

Moshe Ya'ish al-Nahari[Bearbeiten]

Ende des Jahres 2008 wanderten die wenigen verbliebenen Juden vollends aus. Den entscheidenden Anlass bildete der Mord des jüdischen Hebräisch-Lehrers der Stadt, Moshe Ya'ish al-Nahari. Der Aufforderung eines muslimischen Extremisten, unverzüglich zum Islam zu konvertieren, wollte Moshe Ya'ish al-Nahari nicht nachkommen, weshalb sofort das Feuer mittels eines Maschinengewehrs gegen ihn eröffnet wurde. Moshe Ya'ish al-Nahari erlag seinen schweren Verletzungen durch den Kugelhagel noch am Tatort.[7][8] Dem Täter, Abdul Aziz Yahya Al-Abdi, wurde der Prozess gemacht. Dessen Anwälte plädierten auf Schuldunfähigkeit aufgrund schizophrener Persönlichkeitsstörungen. Im jüdischen Lager wurde das als ungeheure Schmach bewertet. Aufklärungen in der Sache führten aber letztlich dazu, dass dieses Merkmal möglicher Schuldunfähigkeit obsolet wurde. Das anschliessende Urteil im Jahr 2009 führte zur Schadenersatzpflicht des Täters (umgerechnet $ 27.500), statt zur erhofften Todesstrafe. Dies wurde als ungerecht, der muslimischen Mehrheit "geschuldet" und schlicht skandalös erachtet. Erst im Berufungsverfahren wurde die Todesstrafe verhängt[9], welche jedoch nicht mehr vollzogen werden konnte, da der Täter es verstand, die Gefangenenaufsicht im April 2011 zu bestechen und zu fliehen.[10]

Umgebung[Bearbeiten]

Typische Landschaft im Westlichen Gebirgshang

Dār ar Raydah liegt am Ostrand des Westlichen Gebirgshangs. Die Region gilt als spektakulärste Landschaft des Jemen. Tief eingeschnittene Täler trennen die steilen Bergstöcke und vermitteln das Bild extremer Vertikalen. Charakteristisch für diesen Naturraum sind die Kleinkammerung und Unzugänglichkeit der Bergwelt. Oft fehlt es an Wegsamkeit. Das westliche Bergland bildete damit eine natürliche kulturräumliche Grenze zwischen dem Berg- und dem Tiefland, was Schutz gebot gegen eindringende Feinde. Diesen Umständen ist zu verdanken, dass dich die Stammesgesellschaft im Hochland über Jahrhunderte hinweg autochthon entwickelte.

Um den raren fruchtbaren Böden Landwirtschaftserzeugnisse abgewinnen zu können, ist die Bevölkerung seit je her auf den Terrassenfeldbau angewiesen. Die landschaftliche Umgebung ʿAmrāns weist vornehmlich Terrassenlandschaften beziehungsweise durch mit Steinwällen abgegrenzte Felder auf, um Erosionen des fruchtbaren Ackerbodens entgegenzuwirken. Jeder Zentimeter fruchtbaren Bodens wird hier genutzt.[11] Dazu wurden seit der Antike artenreiche Trockenwälder gerodet. Als natürliche Vegetation haben sich sukkulente Euphorbien (beispielsweise die Euphorbia ammak) etabliert. Dort, wo sich die Täler sich aufspreizen, ist Kaffeeanbau möglich.[12]

In der Umgebung liegt die antike Stätte, Na'ait.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aviva Klein-Franke: Die Juden im Jemen in Werner Daum Jemen, Umschau-Verlag, Frankfurt/Main, ISBN 3-7016-2251-5
  • Aviva Klein-Franke: Tradition und Neuerung in der Schmuckherstellung im Jemen im 20. Jahrhundert, in: Simurgh 1, S. 19-29, 2005
  • Horst Kopp (Herausgeber): Länderkunde Jemen, Dr. Ludwig Reichert Verlag Wiesbaden, 2005, ISBN 3-89500-500-2
  • Ester Muchawsky-Schnapper: The Yeminites: Two Thousand Years of Jewish Culture, Jerusalem 2000

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deWorld Gezatteer Bevölkerungsdaten 2012
  2. Vogel, Dieter. Yemen, Insight Guides, 1997. pg. 197. ISBN 9-62421-091-8
  3. Blood money for Killing Yemeni Jew Abgerufen am 23. März 2011
  4. Yemen - Appeals Court Sentences Muslim to Death for Killing Jewish Teacher
  5. Tobias Kühn in der Jüdischen Allgemeinen
  6. Juden im Jemen bitten: "Rettet uns!"
  7. Verdict in murder of Jewish citizen due March 2
  8. Prosecution seeks death for Yemeni Jew’s murder
  9. Yemeni who killed Jew gets death sentence
  10. Report: Yemeni Jew's killer escapes jail
  11. kommentiertes Bild
  12. Kopp, S. 36-37 (s. Lit.)
  13. siehe Karte; In: Kopp, (s. Lit.)

Weblinks[Bearbeiten]