DDR-Fußball-Oberliga 1973/74

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Saison 1973/74 war die 25. Auflage der DDR-Oberliga. Meister wurde zum zweiten Mal der 1. FC Magdeburg. Die Saison begann am 18. August 1973 und endete am 6. April 1974. Im Anschluss traten alle Oberligisten noch einmal innerhalb der DFV-Toto-Sonderrunde an.

Vor der Saison[Bearbeiten]

Durch den Aufstieg der BSG Energie Cottbus war der Bezirk Cottbus erstmals seit dem Abstieg des SC Aktivist Brieske-Senftenberg 1963 wieder in der Oberliga vertreten. In gewisser Weise bedeutete Cottbus' Aufstieg eine Rückkehr von Aktivist, da der Sportclub mit dem Beginn der Saison 1963/64 in den SC Cottbus integriert worden war, aus dem 1966 die BSG Energie Cottbus ausgegliedert wurde.

Entscheidung im Abstiegskampf: Chemie Leipzig verliert zuhause gegen Rot-Weiß Erfurt am 25. Spieltag.

Saisonverlauf[Bearbeiten]

Auf den Medaillenrängen landeten die gleichen Mannschaften wie im Vorjahr, aber Dresden und Magdeburg tauschten die Plätze, womit der 1. FC Magdeburg seine zweite Meisterschaft gewann. Jena blieb erneut nur die Vizemeisterschaft. Die Meisterschaft war geprägt vom Dreikampf dieser Teams, die bis zum 24. Spieltag nur durch einen Punkt getrennt waren. Ein Vorentscheidung stellten die direkten Duelle zwischen Magdeburg und Jena (24. Spieltag) bzw. Dresden (25. Spieltag) dar, die beide auswärts von den Magdeburgern gewonnen wurden. Für Jena war das 1:2 gegen Magdeburg die erste Heimniederlage seit der Saison 1968/1969. Durch ein abschließendes 3:2 zuhause gegen den Tabellenvierten Vorwärts Frankfurt sicherte sich Magdeburg den Meistertitel. Für den FC Vorwärts war Platz vier die beste Platzierung seit dem Umzug nach Frankfurt (Oder).

Die Spielstärke des Neulings Energie Cottbus erwies sich als unzureichend und mit nur einem Saisonsieg stieg die Mannschaft postwendend wieder ab. Am Ende fehlten Cottbusern neun Punkte zum nächsten Nichtsabstiegsplatz. Auch der Vorjahresaufsteiger Chemie Leipzig schaffte den Klassenerhalt nicht. Nach einer 0:1-Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten Rot-Weiß Erfurt am vorletzten Spieltag stand der zweite Abstieg in der Geschichte der Leutzscher fest.

DDR-Fußball-Oberliga 1974.jpg
Abschlusstabelle
Platz Mannschaft Sp S U N Tore Diff. Punkte
1. 1. FC Magdeburg (P) 26 16 7 3 50:27  +23 39-13
2. FC Carl Zeiss Jena 26 16 4 6 55:26  +29 36-16
3. SG Dynamo Dresden (M) 26 15 5 6 55:40  +15 35-17
4. FC Vorwärts Frankfurt 26 13 8 5 48:27  +21 34-18
5. 1. FC Lokomotive Leipzig 26 11 8 7 49:35  +14 30-22
6. Berliner FC Dynamo 26 12 3 11 42:41  +1 27-25
7. FC Hansa Rostock 26 10 5 11 37:35  +2 25-27
8. BSG Sachsenring Zwickau 26 10 5 11 37:41  -4 25-27
9. FC Karl-Marx-Stadt 26 7 10 9 42:46  -4 24-28
10. BSG Wismut Aue 26 7 8 11 29:38  -9 22-30
11. BSG Stahl Riesa (N)* 26 7 9 10 25:42  -17 21-29
12. FC Rot-Weiß Erfurt 26 5 9 12 27:39  -12 19-33
13. BSG Chemie Leipzig 26 3 9 14 22:39  -17 15-37
14. BSG Energie Cottbus (N) 26 1 8 17 16:58  -42 10-42
Legende
DDR-Meister und Teilnehmer am Europapokal der Landesmeister 1974/75
DDR-Pokalsieger und Teilnehmer am Europapokal der Pokalsieger 1974/75
Teilnehmer am UEFA-Pokal 1974/75
Absteiger in die Liga
(M) Meister der letzten Saison
(P) Pokalsieger der letzten Saison
(N) Aufsteiger der letzten Saison
* Stahl Riesa wurden wegen eines ungenehmigten Trainingslagers zwei Punkte abgezogen.
Aufsteiger aus der DDR-Fußball-Liga 1973/74: Hallescher FC Chemie, ASG Vorwärts Stralsund

Statistik[Bearbeiten]

Meistermannschaft[Bearbeiten]

1. FC Magdeburg
Ulrich Schulze (26 Spiele / Tore -)

Manfred Zapf (23/1)
Detlef Enge (14/-), Wolfgang Abraham (18/2), Klaus Decker (26/-)
Jürgen Pommerenke (26/8), Wolfgang Seguin (26/3), Axel Tyll (26/3)
Siegmund Mewes (16/4), Jürgen Sparwasser (24/12), Martin Hoffmann

Trainer: Heinz Krügel
außerdem: Hans-Jürgen Hermann (21/5), Jürgen Achtel (8/-), Helmut Gaube (8/-), Detlef Raugust (7/2), Wolfgang Steinbach (6/-), Bodo Sommer (5/-), Norbert Pysall (4/-), Jörg Ohm (3/-), Peter Kohde (1/-)

Tore[Bearbeiten]

Torschützenkönig 1973/74:
Hans-Bert Matoul

In den 182 Punktspielen fielen 534 Tore, im Schnitt 2,93 pro Spiel. Das torreichste Spiel mit neun Treffern war Rot-Weiß Erfurt – Dynamo Dresden mit 4:5 am 20. Spieltag. Die höchsten Siege waren jeweils ein 7:0 gegen Energie Cottbus von Lokomotive Leipzig (achter Spieltag in Cottbus) und Dynamo Dresden (23. Spieltag in Dresden).

Hans-Bert Matoul von Lokomotive Leipzig wurde zum ersten Mal Torschützenkönig der Oberliga. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere, beendete aber darauf auf familiären Gründen seine Karriere im höherklassigen Fußball. Der Torschützenkönig der letzten drei Jahre Hans-Jürgen Kreische wurde in dieser Spielzeit von Verletzungen zurückgeworfen.

Spieler Mannschaft Tore
1. Hans-Bert Matoul 1. FC Lokomotive Leipzig 20
2. Joachim Streich FC Hansa Rostock 14
3. Jürgen Sparwasser 1. FC Magdeburg 12
4. Peter Kotte SG Dynamo Dresden 12
5. Heinz Dietzsch BSG Sachsenring Zwickau 11

Zuschauer[Bearbeiten]

Insgesamt sahen 2.161.500 Zuschauer die 182 Oberligaspiele, das ergibt einen Schnitt von 11.876 Zuschauern pro Spiel. Zum fünften Mal in Folge hatte Dresden den höchsten Zuschauerschnitt (27.231). Dahinter lag der Meister aus Magdeburg mit 16.154. Der Tabellenvierte Vorwärts Frankfurt dagegen zog im Schnitt nur 5.538 Zuschauer im Schnitt an und lag damit wie schon in den Vorjahren am Ende der Zuschauertabelle hinter Stahl Riesa (7.000) und dem BFC Dynamo (7.538).

Mannschaft \varnothing Zuschauer
BSG Wismut Aue 000000000008231.00000000008.231
Berliner FC Dynamo 000000000007538.00000000007.538
BSG Energie Cottbus 000000000008692.00000000008.692
SG Dynamo Dresden 000000000027231.000000000027.231
FC Rot Weiß Erfurt 000000000011231.000000000011.231
FC Vorwärts Frankfurt 000000000005538.00000000005.538
FC Carl Zeiss Jena 000000000009615.00000000009.615
FC Karl-Marx-Stadt 000000000013846.000000000013.846
BSG Chemie Leipzig 000000000012462.000000000012.462
1. FC Lokomotive Leipzig 000000000011885.000000000011.885
1. FC Magdeburg 000000000016154.000000000016.154
BSG Stahl Riesa 000000000007000.00000000007.000
FC Hansa Rostock 000000000013692.000000000013.692
BSG Sachsenring Zwickau 000000000009462.00000000009.462
Fußballer des Jahres 1974:
Bernd Bransch

Fußballer des Jahres[Bearbeiten]

Nach der Saison wurde Bernd Bransch vom FC Carl Zeiss Jena zum zweiten Mal nach 1968 als Fußballer des Jahres 1974 ausgezeichnet. Bransch errang mit Jena in dieser Saison den Vize-Meistertiel und Pokalsieg. Außerdem wurde er als Kapitän der Fußballnationalmannschaft der DDR bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in allen Spielen eingesetzt.

Spieler Mannschaft
1. Bernd Bransch FC Carl Zeiss Jena
2. Jürgen Sparwasser 1. FC Magdeburg
3. Jürgen Croy BSG Sachsenring Zwickau

FDGB-Pokal[Bearbeiten]

Der FDGB-Pokal wurde in dieser Spielzeit von Carl Zeiss Jena gewonnen. Jena gewann seinen dritten Pokaltitel im Finale gegen den Vorjahresmeister Dresden. Der Titelverteidiger aus Magdeburg schied im Viertelfinale aus.

Internationale Wettbewerbe[Bearbeiten]

Die Europapokalsaison 1973/74 brachte für den DDR-Fußball den größten Erfolg im internationalen Klubfußball aller Zeiten. Der 1. FC Magdeburg schaffte es im Europapokal der Pokalsieger bis ins Finale und traf dort auf den Titelverteidiger AC Mailand. Mit einem 2:0-Sieg gewann Magdeburg den Cup. Aber auch in den anderen Wettbewerben konnten die DDR-Teilnehmer beeindrucken. Dynamo Dresden setzte sich in der ersten Runde des Europapokals der Landesmeister gegen Juventus Turin (2:0 im Hin- und 2:3 im Rückspiel) und schied gegen den späteren Cup-Gewinner FC Bayern München nur äußerst knapp aus (3:4 und 3:3). Im UEFA-Pokal kam es ebenfalls zum Duell DDR gegen Italien. Und auch hier blieb der ostdeutsche Vertreter der Sieger, denn Lokomotive Leipzig setzte sich in der ersten Runde gegen den AC Turin durch. Im weiteren Verlauf des Wettbewerbs besiegte Leipzig weitere namhafte Gegner (nacheinander Wolverhampton Wanderers, Fortuna Düsseldorf und Ipswich Town), bevor man im Halbfinale gegen Tottenham Hotspur ausschied. Der zweite DDR-Teilnehmer Carl Zeiss Jena hatte weniger Erfolg und schied in der zweiten Runde gegen Ruch Chorzów aus. Auf eine Teilnahme am Intertoto-Cup 1973 verzichtete die DDR erneut.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]