DDR-Fußball-Oberliga 1975/76

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Die Meistermannschaft von Dynamo Dresden.

Die Saison 1975/76 war die 27. Auflage der DDR-Oberliga. Meister wurde zum vierten Mal die SG Dynamo Dresden. Die Saison begann am 23. August 1975 und endete am 15. Mai 1976. Im Anschluss traten alle Oberligisten noch einmal innerhalb der DFV-Toto-Sonderrunde an.

Vor der Saison[Bearbeiten]

Durch den gleichzeitigen Abstieg von Hansa Rostock und Vorwärts Stralsund in der Vorsaison war der Norden der DDR in dieser Saison erstmals seit 1957 nicht in der Oberliga vertreten. Gleichzeitig kehrte mit Energie Cottbus ein Vertreter des Bezirks Cottbus in die Oberliga zurück.

Saisonverlauf[Bearbeiten]

Dynamo Dresden gewann nach zwei dritten Plätze in Folge die vierte Meisterschaft nach 1953, 1971 und 1973. Dynamo war dabei noch dominanter als 1973, sammelte 43 Punkte (einen mehr als vor drei Jahren) und erzielte 70 Treffer (neun mehr als 1973). Am 24. Spieltag sicherten sich die Dresdner mit einem 4:0 über den Vizemeister der Vorjahre Carl Zeiss Jena den Titel. Zweiter wurde der BFC Dynamo, womit sich erstmals nach drei Jahren eine andere Mannschaft als Dresden, Magdeburg und Jena auf den ersten drei Rängen platzieren konnte. Auf Platz drei und damit noch im UEFA-Pokal landete der Meister von 1974 und 1975 Magdeburg. Hinter Magdeburg platzierte sich Lokomotive Leipzig.

Ebenso wie der Meisterschaftskampf war auch der Abstieg relativ frühzeitig entschieden. Wie schon zwei Jahre zuvor konnte Energie Cottbus auch dieses Mal zu keiner Zeit mithalten und schloss mit nur drei Siegen und acht Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz als Letzter ab. Chemie Leipzig mühte sich ebenfalls vergeblich und stand am 24. Spieltag mit vier Punkten und 14 Toren Rückstand auf Karl-Marx-Stadt und Vorwärts Frankfurt praktisch als Absteiger fest.

Für den FC Vorwärts war der zwölfte Tabellenplatz die schlechteste Platzierung seit dem Wiederaufstieg 1954. Es deutete sich in dieser Saison eine Negativentwicklung an, die im Abstieg 1978 gipfelte. Auch für Jena war es eine enttäuschende Saison. Platz fünf ist die schlechteste Platzierung seit 1967. Dagegen überrascht Wismut Aue als Tabellensechster.

DDR-Fußball-Oberliga 1976.jpg
Abschlusstabelle
Platz Mannschaft Sp S U N Tore Diff. Punkte
1. SG Dynamo Dresden 26 19 5 2 70:23  +47 43-9 
2. Berliner FC Dynamo 26 17 3 6 67:24  +43 37-15
3. 1. FC Magdeburg (M) 26 15 6 5 59:33  +26 36-16
4. 1. FC Lokomotive Leipzig 26 13 5 8 40:34  +6 31-21
5. FC Carl Zeiss Jena 26 11 7 8 50:43  +7 29-23
6. BSG Wismut Aue 26 9 9 8 30:35  -5 27-25
7. FC Rot-Weiß Erfurt 26 8 10 8 44:36  +8 26-26
8. Hallescher FC Chemie 26 9 7 10 37:35  +2 25-27
9. BSG Sachsenring Zwickau (P) 26 7 8 11 29:43  -14 22-30
10. BSG Stahl Riesa 26 7 7 12 35:46  -11 21-31
11. FC Karl-Marx-Stadt 26 7 7 12 25:41  -16 21-31
12. FC Vorwärts Frankfurt 26 8 4 14 41:57  -16 20-32
13. BSG Chemie Leipzig (N) 26 4 6 16 25:62  -37 14-38
14. BSG Energie Cottbus (N) 26 3 6 17 23:63  -40 12-40
Legende
DDR-Meister und Teilnehmer am Europapokal der Landesmeister 1976/77
DDR-Pokalsieger und Teilnehmer am Europapokal der Pokalsieger 1976/77
Teilnehmer am UEFA-Pokal 1976/77
Absteiger in die Liga
(M) Meister der letzten Saison
(P) Pokalsieger der letzten Saison
(N) Aufsteiger der letzten Saison
Aufsteiger aus der DDR-Fußball-Liga 1975/76: Hansa Rostock, 1. FC Union Berlin

Kreuztabelle[Bearbeiten]

Die Kreuztabelle stellt die Ergebnisse aller Spiele dieser Saison dar. Die Heimmannschaft ist in der linken Spalte aufgelistet und die Gastmannschaft in der obersten Reihe.

1975/1976 SG Dynamo Dresden Berliner FC Dynamo 1. FC Magdeburg 1. FC Lokomotive Leipzig FC Carl Zeiss Jena BSG Wismut Aue FC Rot-Weiß Erfurt Hallescher FC Chemie BSG Sachsenring Zwickau BSG Stahl Riesa FC Karl-Marx-Stadt FC Vorwärts Frankfurt BSG Chemie Leipzig BSG Energie Cottbus
1. SG Dynamo Dresden 5:1 2:0 3:2 4:0 5:1 3:1 2:4 3:0 3:0 3:0 2:0 5:0 3:0
2. Berliner FC Dynamo 3:4 4:0 6:0 3:0 1:0 1:1 3:0 2:2 1:1 4:0 7:1 1:0 6:1
3. 1. FC Magdeburg 2:2 2:1 3:1 5:2 6:0 3:1 1:1 3:1 5:1 1:0 5:2 5:1 3:0
4. 1. FC Lokomotive Leipzig 0:2 1:0 2:1 1:1 1:0 3:0 3:1 2:1 2:2 2:0 4:0 0:0 1:2
5. FC Carl Zeiss Jena 1:1 3:0 1:1 1:1 2:0 1:1 2:0 2:2 4:1 5:0 5:2 4:0 3:3
6. BSG Wismut Aue 0:0 1:0 3:1 1:1 0:3 1:1 2:1 1:1 3:0 3:0 2:1 1:1 3:1
7. FC Rot-Weiß Erfurt 1:0 1:3 1:1 2:2 2:0 5:2 1:2 1:1 1:1 0:0 1:1 4:1 5:0
8. Hallescher FC Chemie 0:1 0:2 1:2 2:3 2:1 1:1 1:1 2:0 2:0 0:0 3:2 4:0 2:0
9. BSG Sachsenring Zwickau 1:1 0:5 1:0 0:1 2:1 1:2 2:0 2:1 1:0 2:2 0:2 2:0 2:0
10. BSG Stahl Riesa 0:6 0:1 0:1 1:0 3:4 1:1 0:1 1:1 4:1 0:0 2:2 7:1 1:0
11. FC Karl-Marx-Stadt 0:2 0:3 2:2 2:1 3:0 0:0 2:1 0:2 5:2 1:2 0:1 1:2 0:0
12. FC Vorwärts Frankfurt 2:3 1:2 1:3 0:1 5:1 1:0 1:7 2:2 2:1 2:0 0:1 4:1 4:0
13. BSG Chemie Leipzig 1:1 0:2 0:1 3:3 1:2 0:0 4:1 2:2 0:0 2:4 1:3 2:0 1:4
14. BSG Energie Cottbus 3:4 0:5 2:2 0:2 0:1 0:2 0:3 1:0 1:1 0:3 2:3 2:2 1:1

Statistik[Bearbeiten]

Meistermannschaft[Bearbeiten]

SG Dynamo Dresden
Claus Boden (26 Spiele / Tore -)

Hans-Jürgen Dörner (25/8)
Gerd Weber (24/1), Udo Schmuck (26/2), Klaus Müller (18/2)
Reinhard Häfner (25/2), Hartmut Schade (22/4), Hans-Jürgen Kreische (26/24)
Dieter Riedel (26/7), Peter Kotte (22/4), Gert Heidler (25/6)

Trainer: Walter Fritzsch
außerdem: Rainer Sachse (12/8), Siegmar Wätzlich (10/2), Frank Richter (9/-), Christian Helm (7/-), Matthias Müller (6/-), Frank Ganzera (1/-), Claus Lichtenberger (1/-)

ohne Einsatz: Dietmar Urbanek (Tor)

Tore[Bearbeiten]

Der BFC Dynamo besiegt Vorwärts Frankfurt mit 7:1.
Torschützenkönig Kreische (links) erzielt gegen Zwickau eins seiner 24 Saisontore.

In den 182 Punktspielen fielen 575 Tore, im Schnitt 3,15 pro Spiel. Die torreichsten Spiele mit jeweils acht Treffern waren BFC Dynamo – Vorwärts Frankfurt 7:1 (erster Spieltag), Vorwärts Frankfurt – Rot-Weiß Erfurt 1:7 (10. Sp.) und Stahl Riesa – Chemie Leipzig 7:1 (13. Sp.). Dies waren gleichzeit auch die höchsten Siege.

Hans-Jürgen Kreische von Dynamo Dresden wurde zum vierten Mal Torschützenkönig der Oberliga. Nachdem Kreische in den Vorjahren verletzt war und daher seinen Hattrick von 1971–1973 nicht verteidigen konnte, war er in dieser Saison wieder fit und eroberte sich sofort die Torjägerkrone zurück. Insgesamt zeichneten sich 152 Spieler als Torschützen aus, hinzu kamen acht Eigentore.

Mehreren Spielern gelangen drei Tore (kein Hattrick) in einem Spiel: Hoffmann (Magdeburg) gegen Riesa (1. Sp.), Vogel (Jena) gegen Karl-Marx-Stadt (2. Sp.) und Frankfurt (17. Sp.), Streich (Magdeburg) gegen Frankfurt (9. Sp.), Runge (Riesa) gegen Zwickau (9. Sp.), Sparwasser (Magdeburg) gegen Aue (10. Sp.) und Frankfurt (22. Sp.), Schnuphase (Erfurt) gegen Frankfurt (10. Sp.), Riediger (BFC) gegen Karl-Marx-Stadt (20. Sp.) und Lok Leipzig (24. Sp.), Hoffmann (Magdeburg) gegen Chemie Leipzig (21. Sp.) sowie Steinbach (Magdeburg) gegen Jena (26. Sp.). Es wurden 78 Strafstöße verhängt, wovon 54 verwandelt wurden. Vogel aus Jena traf 7mal, Kreische aus Dresden und Runge aus Riesa trafen je 4mal ins Schwarze. Torhüter Croy aus Zwickau parierte vier und Krahnke aus Karl-Marx-Stadt drei Strafstöße.

Torschützenliste
Spieler Mannschaft Tore
1. Hans-Jürgen Kreische SG Dynamo Dresden 24
2. Eberhard Vogel FC Carl Zeiss Jena 19
3. Hans-Jürgen Riediger BFC Dynamo 18
4. Joachim Streich 1.FC Magdeburg 13
Jürgen Sparwasser 1.FC Magdeburg 13

Zuschauer[Bearbeiten]

Die Dresdner hatten erneut die meisten Anhänger im Schnitt zu ihren Heimspielen.

Insgesamt sahen 2.283.200 Zuschauer die 182 Oberligaspiele, das ergibt einen Schnitt von 12.545 Zuschauern pro Spiel. Den höchsten Zuschauerschnitt verzeichneten der Meister Dresden (28.384) vor Magdeburg (19.115). Frankfurt war Schlusslicht mit durchschnittlich 4.784 Zuschauern. Die größte Zuschauerkulisse bedeuteten 40.000 zum Leipziger Stadtderby zwischen Chemie und Lokomotive am ersten Spieltag. Am wenigsten Zuschauer (2.500) waren beim Heimspiel von Vorwärts Frankfurt gegen den FC Karl-Marx-Stadt (26. Spieltag).

Mannschaft Gesamt \varnothing Heim \varnothing Auswärts \varnothing
SG Dynamo Dresden 000000000582000.0000000000582.000 000000000022384.000000000022.384 000000000369000.0000000000369.000 000000000028384.000000000028.384 000000000213000.0000000000213.000 000000000016384.000000000016.384
Berliner FC Dynamo 000000000369000.0000000000369.000 000000000014192.000000000014.192 000000000215000.0000000000215.000 000000000016538.000000000016.538 000000000154000.0000000000154.000 000000000011846.000000000011.846
1. FC Magdeburg 000000000443500.0000000000443.500 000000000017058.000000000017.058 000000000248500.0000000000248.500 000000000019115.000000000019.115 000000000195000.0000000000195.000 000000000015000.000000000015.000
1. FC Lokomotive Leipzig 000000000427500.0000000000427.500 000000000016442.000000000016.442 000000000211000.0000000000211.000 000000000016231.000000000016.231 000000000216500.0000000000216.500 000000000016654.000000000016.654
FC Carl Zeiss Jena 000000000312500.0000000000312.500 000000000012019.000000000012.019 000000000114500.0000000000114.500 0000000000008807.00000000008.807 000000000198000.0000000000198.000 000000000015231.000000000015.231
BSG Wismut Aue 000000000254500.0000000000254.500 0000000000009788.00000000009.788 000000000112500.0000000000112.500 0000000000008654.00000000008.654 000000000142000.0000000000142.000 000000000010923.000000000010.923
FC Rot-Weiß Erfurt 000000000294500.0000000000294.500 000000000011327.000000000011.327 000000000155500.0000000000155.500 000000000011961.000000000011.961 000000000139000.0000000000139.000 000000000010692.000000000010.692
Hallescher FC Chemie 000000000351500.0000000000351.500 000000000013500.000000000013.500 000000000192000.0000000000192.000 000000000014769.000000000014.769 000000000159500.0000000000159.500 000000000012269.000000000012.269
BSG Sachsenring Zwickau 000000000276200.0000000000276.200 000000000010623.000000000010.623 000000000117500.0000000000117.500 0000000000009038.00000000009.038 000000000158700.0000000000158.700 000000000012207.000000000012.207
BSG Stahl Riesa 000000000235500.0000000000235.500 0000000000009057.00000000009.057 000000000092000.000000000092.000 0000000000007077.00000000007.077 000000000143500.0000000000143.500 000000000011038.000000000011.038
FC Karl-Marx-Stadt 000000000288500.0000000000288.500 000000000011096.000000000011.096 000000000141500.0000000000141.500 000000000010884.000000000010.884 000000000147000.0000000000147.000 000000000011307.000000000011.307
FC Vorwärts Frankfurt 000000000200200.0000000000200.200 0000000000007700.00000000007.700 000000000062200.000000000062.200 0000000000004784.00000000004.784 000000000138000.0000000000138.000 000000000010615.000000000010.615
BSG Chemie Leipzig 000000000292000.0000000000292.000 000000000011231.000000000011.231 000000000148500.0000000000148.500 000000000011423.000000000011.423 000000000143500.0000000000143.500 000000000011038.000000000011.038
BSG Energie Cottbus 000000000227000.0000000000227.000 0000000000008731.00000000008.731 000000000097500.000000000097.500 0000000000007500.00000000007.500 000000000129500.0000000000129.500 0000000000009961.00000000009.961

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • 295 Spieler kamen zum Einsatz, davon waren 32 in allen Punktspielen dabei.
  • Es gab 90 Heimsiege, 45 Unentschieden und 47 Auswärtssiege.
  • 5 Feldverweise und 306 Verwarnungen verhängten die Unparteiischen, wobei 42 Spieler nach der dritten bzw. sechsten gelben Karte pausieren mussten.

Fußballer des Jahres[Bearbeiten]

Nach der Saison wurde Jürgen Croy von der BSG Sachsenring Zwickau zum zweiten Mal als Fußballer des Jahres 1976 ausgezeichnet. Der Torhüter hatte es damit in den vergangenen sechs Jahren fünf Mal unter die besten drei geschafft.

Spieler Mannschaft Punkte
1. Jürgen Croy BSG Sachsenring Zwickau 453
2. Hans-Jürgen Dörner SG Dynamo Dresden 366
3. Konrad Weise FC Carl Zeiss Jena 218

FDGB-Pokal[Bearbeiten]

Der FDGB-Pokal wurde in dieser Spielzeit von Lokomotive Leipzig gewonnen. Die Leipziger besiegten im Endspiel Vorwärts Frankfurt und gewannen ihren ersten Pokaltitel. Lok hatte zuvor u. a. Jena und Dresden ausgeschaltet, während Vorwärts Pokalverteidiger Zwickau und Magdeburg besiegt hatte.

Internationale Wettbewerbe[Bearbeiten]

Die große Überraschung dieser Europapokalsaison gelang Sachsenring Zwickau. Die Mannschaft besiegte im Europapokal der Pokalsieger nacheinander Panathinaikos Athen, den AC Florenz und Celtic Glasgow und unterlag erst im Halbfinale dem späteren Pokalsieger RSC Anderlecht. Enttäuschung gab es dagegen beim 1. FC Magdeburg, der in der ersten Runde des Europapokals der Landesmeister Malmö FF im Elfmeterschießen unterlag. Carl Zeiss Jena schied im UEFA-Pokal ebenfalls im Elfmeterschießen aus. Nachdem man in der ersten Runde noch Olympique Marseille besiegt hatte, war in der zweiten Runde FKS Stal Mielec zu stark. Dynamo Dresden schaffte es bis ins Viertelfinale und unterlag dort dem späteren UEFA-Cup-Sieger FC Liverpool. Der Intertoto-Cup 1975 fand erneut ohne DDR-Teilnehmer statt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Baingo, Michael Horn (2003): Die Geschichte der DDR-Oberliga, Verlag Die Werkstatt, ISBN 3-89533-428-6
  • Hanns Leske (2007): Enzyklopädie des DDR-Fußballs, Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-556-3
  • FUWO: Jahrgänge 1975-1976, Sportverlag Berlin, ISSN 0323-8407