DOSBox

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DOSBox
DOSBox Logo
Screenshot
DOSBox 0.73
Basisdaten
Aktuelle Version 0.74
(12. Mai 2010)
Betriebssystem Windows, Windows Mobile, Linux, FreeBSD, BeOS, OS/2, Mac OS X, Palm OS, Android
Kategorie Emulator
Lizenz GNU GPL
Deutschsprachig ja
www.dosbox.com

DOSBox ist ein freier x86-Emulator, der das Betriebssystem DOS und die in dessen Ära gebräuchliche Hardware nachbildet. Ziel ist das Ausführen älterer, DOS-basierter Software, die mit modernen Computersystemen nur eingeschränkt oder gar nicht kompatibel ist.

Funktionen[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur mitgelieferten Virtual DOS Machine bei Windows-Betriebssystemen oder zu Emulatoren wie DOSEMU unter Linux emuliert DOSBox nicht nur die Hardwareumgebung eines IBM-PC, sondern auch den Hauptprozessor und im Regelfall auch das Betriebssystem. Das erlaubt eine bessere Kontrolle über den Ablauf des emulierten Programmes. Außerdem kann die Software DOS auch auf Computern ohne x86-Prozessor emulieren. Zwar kann ein echtes DOS-Betriebssystem (z. B. MS-DOS oder DR-DOS) innerhalb von DOSBox ausgeführt werden, notwendig ist das jedoch selten.

Auch Erweiterungsspeicher (EMS) und besondere EXE-Ladeprogramme (etwa bei dem Spiel Jazz Jackrabbit) werden seit Version 0.61 unterstützt. Zudem ist DOSBox portabel oder mobil, das heißt, es ist keine Installation in das bestehende Betriebssystem nötig, da DOSBox lediglich über eine einfache Textdatei konfiguriert wird.

Die DOSBox-Entwickler haben hauptsächlich das Emulieren einer Plattform für ältere Computerspiele im Sinn, die unter Win32-Betriebssystemen entweder gar nicht oder nur fehlerhaft ausgeführt werden können. DOSBox ermöglicht aufgrund der vollständigen Emulation des Hauptprozessors das Ausführen von DOS-Anwendungen auch unter den 64-Bit-Versionen von Windows, die selbst keine Unterstützung für 16-Bit-Software mehr anbieten. So können auch 16-Bit-Windows-Anwendungen ausgeführt werden, wenn Windows 3.x innerhalb von DOSBox installiert wurde.

Da DOSBox Simple DirectMedia Layer (SDL) verwendet, ist es vergleichsweise einfach, es auf andere Betriebssysteme oder Rechnerarchitekturen zu portieren.

Einschränkungen[Bearbeiten]

Geschwindigkeit[Bearbeiten]

DOSBox benötigt eine hohe Rechenleistung, um das emulierte System in der originalen Geschwindigkeit nachzubilden. Abhängig von der eingesetzten Software sind Prozessoren mit Taktfrequenzen im Gigahertz-Bereich erforderlich, um ursprünglich für die 80486- oder Pentium-Familie geschriebene Programme flüssig ablaufen zu lassen.

Abhilfe kann der Einsatz des rekompilierenden CPU-Kerns von DOSBox schaffen, der den Programmcode direkt vom Prozessor des Hosts ausführen lässt, statt die einzelnen Befehle in Software nachzubilden. Bislang steht dieser Kern jedoch nur für wenige Prozessorarchitekturen zur Verfügung und gilt als weniger ausgereift als die Software-Variante.

Eine weitere Möglichkeit zur teilweise drastischen Beschleunigung von Protected-Mode-Software ist das Ersetzen des häufig verwendeten DOS/4GW Protected Mode Memory Extenders durch das kompaktere und schnellere Open-Source-Derivat DOS/32A.

Parallele Schnittstelle[Bearbeiten]

In der offiziellen Version von DOSBox fehlt eine Unterstützung der parallelen Schnittstelle, die von den meisten älteren Druckern und auch manchen Steuergeräten in der produzierenden Industrie verwendet wird. Mittlerweile existiert eine inoffizielle DOSBox-Version, die die Unterstützung der parallelen Schnittstelle beinhaltet.

Zeichensatz[Bearbeiten]

Die Zeichensätze von eingehängten Partitionen auf Dateisystem-Ebene werden durch den Emulator nicht in den DOS-Zeichensatz[1] übersetzt (siehe auch FAT – ohne Unicode-Unterstützung). Das führt dazu, dass Dateien und Ordner (z. B. mit deutschen Umlauten im Namen, die auf NTFS-Partitionen gespeichert sind) im Emulator nicht immer korrekt dargestellt werden und somit derartige Dateien (wie z. B. Bibliotheken) auch nicht von den in DOSBox ausgeführten Programmen verwendet werden können.

Emulierte Systemeigenschaften und -Funktionen[Bearbeiten]

Benutzeroberflächen für DOSBox[Bearbeiten]

DOSBox bietet für die Konfiguration keinerlei grafische Benutzeroberfläche, sondern lediglich eine vom Benutzer zu bearbeitende Textdatei. Obwohl diese mit Hinweisen zur Konfiguration versehen ist, sind weniger versierte Anwender damit oftmals überfordert. Einige Programmierer haben hier Abhilfe geschaffen, indem sie eine grafische Oberfläche (Frontend) als externes Programm nachgeliefert haben.

Auch für erfahrene Benutzer können solche Frontends interessant sein, weil damit einige Arbeitsschritte unnötig werden. Ein Beispiel dafür ist das Erstellen von individuellen Konfigurationen für verschiedene Spiele.

Inzwischen ist die Mehrzahl der Frontends für die meisten Betriebssysteme erhältlich. Sie werden auch direkt auf der offiziellen Homepage von DOSBox beworben.

Entwicklerversionen und Erweiterungen[Bearbeiten]

DOSBox wird von den Entwicklern in englischer Sprache (als Voreinstellung) ausgeliefert. Neben Deutsch sind noch weitere Sprachen verfügbar, welche als Sprachmodule von der DOSBox-Webseite (zu finden unter „Translations“) heruntergeladen werden können.[2]

Neben der offiziellen Version von DOSBox gibt es noch zahlreiche Erweiterungen (in Form von Quellcode-Patches), die fehlende Systemfunktionen als Emulation nachrüsten oder bestehende verbessern. Auch finden sich zahlreiche Portierungen auf nicht vom offiziellen DOSBox-Entwicklerteam unterstützte Betriebssysteme und Plattformen.

Diese Erweiterungen beziehen sich in den meisten Fällen auf eine Entwicklerversion (SVN-Version) des Projekts und sind damit auf dem aktuellen Stand der Weiterentwicklung durch die DOSBox-Entwickler. Es gibt jedoch auch verbesserte Versionen, deren Entwicklung vom betreffenden Autor eingestellt wurde und die damit nicht mehr aktuell sind. Auch ist es nicht immer eindeutig, welche Qualität die zusätzlichen Programmteile aufweisen und ganz allgemein, ob sie aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammen.[3]

Einige Beispiele für Erweiterungen sind:

Mit diversen zusätzlichen Emulationen wird DOSBox zu einer annähernd vollwertigen virtuellen Maschine für DOS-basierte Betriebssysteme – beispielsweise ist es mittels spezieller Erweiterungen sogar möglich, Windows 95 innerhalb von DOSBox auszuführen. Da jedoch eine vollständige Emulation niemals die Intention der DOSBox-Entwickler war, werden diese Erweiterungen vermutlich nie in den offiziellen Entwicklerzweig aufgenommen werden.

Palm OS[Bearbeiten]

Am 23. September 2006 schrieb die englische Palm-Infoseite TamsPalm über die Alpha-Version eines neuen X86-Emulator für Palm OS.[5] Entwickelt wurde sie vom Emuboards.com-Forenmitglied voda, der bereits andere Emulatoren auf die Palm OS-Plattform portiert hatte. Unter anderem wurden QBasic, Microsoft Word 5.5 und DOS Shell erfolgreich getestet. Während die Maus über den Touchscreen des PDAs gesteuert werden konnte, gab es keine Möglichkeit zur Texteingabe. Somit konnte man mit dieser Version die erste direkte x86-Emulation unter Palm OS präsentieren; eine produktive Nutzung war jedoch kaum möglich.

Anfang 2008 stellte der deutsche Softwareentwickler Henk Jonas eine erweiterte Version der PalmDosBox vor.[6] Wichtigste Neuerung war, dass nun die eingebaute Tastatur von Treo-Telefonen zur Eingabe genutzt werden konnte; für andere Geräte stand eine Bildschirmtastatur zur Verfügung. Auch diese aktuelle Version kann nicht als stabil angesehen werden, da sie auf manchen Geräten nur sporadisch funktioniert.

Eine weitere Besonderheit bei der Emulation auf Palm OS-Geräten besteht darin, dass neuere Modelle nur sehr wenig dynamischen Speicher haben und die Emulatoren oft nicht ausgeführt werden können. Programme wie UDMH (Unlimited Dynamic Memory Hack) oder das Open Source-Tool MMH (More Heap Hack) geben auf Kosten des restlichen Datenspeichers mehr dynamischen Speicher frei und ermöglichen so das Ausführen speicherintensiver Anwendungen.

Wine[Bearbeiten]

Die Entwickler der Windows-kompatiblen Laufzeitumgebung Wine begannen bei Version 1.3.12 mit der Integration von DOSBox in Wine.[7][8]

Bundle mit DOS-Software[Bearbeiten]

Um DOS-basierte Software wie Spiele unter neueren Betriebssystemen lauffähig zu machen, wird die DOSBox von Digitaldistributoren mit der Software als Paket verteilt. So werden beispielsweise bei Steam[9][10] und Good Old Games[11][12] ältere Spiele mittels DOSBox ausgeführt, wobei jedoch nicht immer die neueste Version des Emulators beiliegt.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeichensätze: Synopse von DOS und ANSI mit ASCII-Teil – Übersicht von Olaf Nensel, vom 25. Juli 2005
  2. Downloads (englisch) – Seite bei DOSBox.com
  3. DOSBox CVS Builds (englisch) – offizieller Forenbeitrag bei Vogons, vom 4. Juli 2005
  4. SW Emulation des Voodoo Graphics Chipsatzes, welche auch Voodoo Unterstützung für Spiele ermöglicht, die direkt ohne Glide Bibliothek auf die Hardware zugreifen
  5. A true x86 emulator for Palm - first facts and pics (englisch)
  6. PalmDosBox – the resurrection (englisch)
  7. Änderungshistorie zur Wine Entwicklerversion 1.3.12
  8. Pro-Linux: Wine 1.3.12 startet DOSbox-Integration
  9. Rob Purchese: id sorts GPL Steam issue. Eurogamer. 7. August 2007. Abgerufen am 29. März 2014.
  10. Statement von id Software. Abgerufen am 6. September 2011
  11. gog.com: We would like to thank.... gog.com. 16. November 2012. Archiviert vom Original am 16. November 2012. Abgerufen am 29. März 2014.
  12. a b DOSBox-Wiki: GOG games that use DOSBox. Permanentlink vom 3. Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: DOSBox – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien