DTP-Impfstoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der DTP-Impfstoff, wegen der „azellulären“ Pertussis-Komponente auch DTPa genannt, ist ein Impfstoff, der per Injektion zur Grundimmunisierung und Auffrischimpfung gegen drei unterschiedliche Infektionskrankheiten eingesetzt wird: Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (Pertussis). Empfohlen werden Kombinationsimpfstoffe, weil sie die Handhabung vereinfachen, die Zahl der Injektionen sowie der Impftermine verringern und die Kosten senken. Wie mit allen Impfstoffen unterliegen Langzeitwirkungen und Wirksamkeit kontinuierlicher Forschung.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Die Infektionskrankheiten Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten sind alle gefährliche Krankheiten, welche vor dem umfassenden Einsatz von Impfstoffen gegen diese Krankheiten etliche Opfer gefordert haben.

Bei der Diphtherie handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae. Gefürchtet sind lebensbedrohende Komplikationen durch Bakteriengifte (Toxine), welche unter anderem zu Herzmuskelentzündung und Nervenentzündung führen können. Die früher häufige Erkrankung ist in den westlichen Industrieländern erheblich zurückgegangen. Durch die hohen Impfraten im Kindesalter seit 1984 werden nur noch Einzelfälle durch Meldung in Deutschland erfasst. In weiten Teilen der Dritten Welt hingegen ist die Diphtherie noch immer endemisch, beispielsweise in Asien, Afrika und Südamerika. Dass die Diphtherie sich jedoch bei Absinken der Impfrate auch schnell wieder ausbreiten kann, war in der ehemaligen Sowjetunion zu beobachten, wo nach deren Zusammenbruch 1994 48.000 Fälle auftraten.

Eine andere Erkrankung, welche durch ein Bakterientoxin ausgelöst wird, ist der Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt. Die resistenten Sporen des Bakteriums Clostridium tetani kommen überall, auch im Straßenstaub oder der Gartenerde, vor. Die Infektion erfolgt durch das Eindringen dieser Sporen in Wunden. Das Bakterium vermehrt sich und sondert Giftstoffe (Toxine) ab: Das Toxin Tetanospasmin schädigt die muskelsteuernden Nervenzellen und verursacht dadurch die typischen Lähmungen und Muskelkrämpfe, welche auch zum Tod führen können. Tetanus ist mit großen regionalen Unterschieden weltweit verbreitet. Vor allem in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung erkranken und sterben auch heute noch viele Menschen an dieser Krankheit. In Asien und Afrika liegt die Inzidenzrate bei 10–50 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich über eine Million Menschen an Tetanus.

Pertussis oder Keuchhusten ist eine durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöste hochansteckende Infektionskrankheit mit untypischen Hustenattacken, die v. a. bei Säuglingen lebensbedrohlich verlaufen kann. Bedrohlich ist Keuchhusten auch wegen schwerwiegender Komplikationen wie Lungenentzündungen, Mittelohrentzündung, Apnoen und Gehirnentzündung. Weltweit erkranken etwa 20 bis 40 Millionen Menschen an Keuchhusten; Todesfälle – meist bei Säuglingen unter 6 Monaten – sind etwa 200.000 bis 300.000 jährlich zu verzeichnen. Die Erkrankungsrate nimmt auch in Deutschland aufgrund der allgemeinen Impfmüdigkeit wieder zu.

Anwendung und Wirkung des DTP-Impfstoffs[Bearbeiten]

Der DTP-Impfstoff wird von ausgebildetem Personal intramuskulär injiziert und verursacht in der Regel eine nicht wahrgenommene, nicht übertragbare Anregung des Immunsystems gegen die zuvor genannten Infektionskrankheiten. Ab dem zweiten Lebensmonat werden zur Grundimmunisierung drei Dosen mit einem Zeitabstand von mindestens einem Monat verabreicht. Das Immunsystem des Menschen bildet bei 90–100 % der Geimpften (je nach Komponente) Antikörper gegen die entsprechenden Krankheiten. Da jedoch der Antikörper-Titer über die Jahre nachlässt, sollte alle 10 Jahre die Impfung aufgefrischt werden.

Nebenwirkungen[Bearbeiten]

Als Nebenwirkung können wie bei allen Impfungen lokale Impfreaktionen wie Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle vorkommen und sind als harmlos zu betrachten. In seltenen Fällen kann sich hier eine bleibende Verhärtung – bzw. ein Hämatom oder ein Abszess – an der Applikationsstelle entwickeln, v. a. dann, wenn der Impfstoff in die oberen Schichten der Subkutis verabreicht wurde.

Da es sich bei der DTP-Impfung um einen Totimpfstoff handelt, können die entsprechenden Infektionskrankheiten durch die Impfung selbst nicht ausgelöst werden. Dennoch wird hierbei das Immunsystem aktiviert, so dass in der Folge Allgemeinreaktionen wie Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Fieber und auch Gliederschmerzen entstehen können. Diese Auswirkungen sind üblicherweise leichter und kurzfristiger Natur; allergische Reaktionen sind selten. Die heutigen DTP-Impfstoffe sind in letzter Zeit stark verbessert worden und werden mit ihrer azellulären Pertussiskomponente generell sowohl lokal als auch systemisch viel besser vertragen als frühere DTP-Präparate mit Ganzkeim-Pertussisantigen (komplettem Keuchhustenerreger). Obwohl also bekannte mögliche Nebeneffekte existieren, ist nach vorherrschender Expertenmeinung die Impfung einer „natürlichen“ Infektion bei weitem vorzuziehen.

Seit dem 1. Januar 2001 gilt für Ärzte in Deutschland die im Infektionsschutzgesetz (IfSG) verankerte „Meldeverpflichtung eines Verdachtes einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung“.[1] Gemeldet wird jeder Verdacht, unabhängig davon, ob ein Zusammenhang zwischen Impfung und mutmaßlicher Reaktion besteht. In den Jahren 2001 bis 2003 entfielen 31 der 3329 gemeldeten Impfreaktionen auf die DTP-Impfstoffe, wobei mit einer höheren Dunkelziffer gerechnet wird.[2]

Handelsnamen[Bearbeiten]

Folgende Dreifach-Impfungen sind im Handel[3][4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldeverpflichtung PEI
  2. B. Keller-Stanislawski et al.: Verdachtsfälle von Impfkomplikationen nach dem Infektionsschutzgesetz und Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach dem Arzneimittelgesetz vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2003. (Version vom 29. September 2007 im Internet Archive) In: Bundesgesundheitsblatt 47/2004. S. 1151–1164.
  3. ABDA-Datenbank (Stand: 26. August 2008) des DIMDI
  4. Austria-Codex (Stand: 26. August 2008)
Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!