Dachpappe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Entfernen von Dachpappe

Dachpappe (umgangssprachlich häufig nach der Teerdachpappe falsch als Teerpappe bezeichnet) ist eine mit Bitumen getränkte Pappe, die als Feuchtigkeitssperre in Bauteilen dient. Teilweise wird in die Dachpappe grobkörniger Sand, feiner Kies oder Schiefersplitter eingewalzt, um eine höhere Abriebfestigkeit und UV-Resistenz zu erreichen. Hauptverwendung findet Dachpappe als zweite Dachhaut unter Dachziegeln. Teilweise wird sie als erste und einzige Dachhaut bei der Bedeckung einfacher Holzdächer von Gartenlauben, Gerätehäuschen und Ähnlichem eingesetzt, was die Haltbarkeit aber herabsetzt.

Dachpappe ist nicht zu verwechseln mit der Bitumen-Schweißbahn, welche wesentlich dicker ist und nicht lose verlegt, sondern verschweißt wird.

Verwendung[Bearbeiten]

Verlegung von Schweißbahnen

Dachpappe wird quer zur Dachneigung und an den längs und quer Stößen überlappend verlegt und mit Dachpappennägeln oder Heftklammern auf der Dachschalung befestigt.

Als formgestanzte Preolitschindeln waren sie lange Jahre eine in der DDR typischerweise verwendete Dachdeckung, die anstelle von Dachziegeln oder Schiefer verwendet wurde. Diese wurden in den frühen 1970er Jahren in Steinkohlenteer getränkt, welcher sich zwar als effektiv gegen Feuchtigkeit, aber auch als krebserregend und somit extrem gesundheits- wie umweltgefährdend herausstellte. Die teerhaltige Dachpappe wird nach einem EU-weiten Verwendungsverbot nicht mehr hergestellt.

Erfindung[Bearbeiten]

1842 erschien von dem Neustrelitzer Baumeister Friedrich Wilhelm Buttel die Monografie Praktische Erfahrungen über Dornsche Dächer nebst ausführlicher Beschreibung, Kostenberechnung und Zeichnung solcher Constructionen, welche denselben größere Dauer und Dichtigkeit geben, und einem Anhange über die flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden. Darin beschrieb er erstmals die geteerte Dachpappe für die Abdeckung klassizistischer Flachdächer und kann demzufolge wohl als deren Erfinder betrachtet werden.

Stoff[Bearbeiten]

Teerpappe wurde in den frühen 1970er Jahre verwendet und in Steinkohlenteer getränkt. Steinkohlenteer gilt auf Grund seiner Inhaltsstoffe wie polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe (z.B.Toluol oder Benzol) als krebserregend. Deshalb und wegen der ökologischen Belastung kommt Steinkohlenteer seit Jahrzehnten in Dachpappen nicht mehr zum Einsatz und ist verboten.

Seit Anfang der 1970er Jahre wird Bitumen beziehungsweise Polymerbitumen verwendet. Seitdem sind Dachbahnen völlig frei von Teer. Teerdachbahnen werden in Europa nicht mehr hergestellt.

Entsorgung[Bearbeiten]

Auch heute findet man noch weltweit Dächer alter Industriegebäude oder leerstehender Lagerhallen, welche mit teergetränkten Dachbahnen überzogen sind. Auf Grund der verschiedenen, teils giftigen Stoffe ist bitumenhaltige, aber vor allem teerhaltige Dachpappe ein Sonderabfall und erfordert eine fachgerechte Entsorgung. [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Entsorgung von Dachpappe bei www.müllwirtschaft.de. Abgerufen am 22. November 2013.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Buttel: Praktische Erfahrungen über Dornsche Dächer nebst ausführlicher Beschreibung, Kostenberechnung und Zeichnung solcher Constructionen, welche denselben größere Dauer und Dichtigkeit geben, und einem Anhange über die flachen Dächer bei ökonomischen Gebäuden. Barnewitz, Neubrandenburg 1842.
  • E. Luhmann, R. Eßlinger: Die Fabrikation der Dachpappe und der Anstrichmasse für Pappdächer. 3. Auflage. Hartleben, Wien 1929 (Chemisch-technische Bibliothek. Band 106).
  • Bernd Binné u.a.: Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, abc der Bitumenbahnen, 3., überarbeitete Auflage, vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-9801831-4-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dachpappe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen