Dachziegel

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Tiled roof in Dubrovnik-edit.jpg
Dachziegel (Romanziegel, einfachgedeckt)
Ziegel-grun.jpg
Grüne Dachziegel auf einer Burg in Portugal (Biberschwanzplatten)
Roof fragment of the roman bath in Bath, UK.jpg
Dachfragment des römischen Bades in Bath (England)
Harzer Pfanne - Gesamtbild.jpg
Dachstein "Harzer Pfanne"

Dachziegel sind flächige grobkeramische Bauelemente aus gebranntem Ton, die zum Eindecken von geneigten Dächern dienen. Diese wird dann Ziegeldeckung genannt und ist ein Teil der Dachentwässerung. Die Ziegeldeckung kann aus traditionellen, unverfalzten Dachziegeln wie Hohlpfannen, oder Mönch und Nonnen-Ziegeln oder aus modernen Falzziegeln wie Doppelmuldenfalzziegeln, Reform- oder Flachdachziegeln bestehen. Die Qualität bezüglich der Regensicherheit des Ziegelmodells und die Art der zweiten Entwässerungsebene entscheiden über die Dachneigung.

Neben Dachziegeln gibt es weitere, natürliche Bedachungsmittel, z. B. fein gespaltene Schieferplatten, mit denen die althergebrachte Schieferdeckung hergestellt wird.

Neben den natürlichen gibt es auch künstliche Dachdeckungswerkstoffe wie z. B. Betondachsteine oder Elemente aus Kupfer oder Zink für die Herstellung von Metalldächern.

Abgrenzung zum Dachstein und zu anderen Bedachungsmaterialien[Bearbeiten]

Dachziegel und Dachstein unterscheiden sich hauptsächlich in Material und Herstellung: Während ein Dachziegel aus natürlichen Mineralien, meist tonigen Massen i.d.R. ohne Zusätze hergestellt wird, werden Dachsteine aus Beton gefertigt. Heutige, moderne Dachziegelproduktionen verfügen über geeignete Mittel, um früher vorkommende Unregelmäßigkeiten, wie Farbabweichungen oder Verformungen, entgegenzuwirken. Der Unterschied in der Herstellung hat auch Einfluss auf die Farbgebung: Die Farbe eines Dachziegels kann leicht chargieren. Dies ist dem natürlichen Rohstoff geschuldet. Die Farbe resultiert aus dem Rohstoff und der angewandten Brenntechnik. Engoben und Glasuren bestehen ebenfalls aus Mineralien, werden eingebrannt und sind aus diesem Grund UV-beständig und absolut dauerhaft.

Bei einem Dachstein wird die Farbe beigemischt und ist somit regelbar.[1]

Je nach der Region erfolgte die Eindeckung geneigter Dächer ursprünglich mit örtlich vorkommenden Baustoffen wie Gräsern, Schilf (Reet), Holz und Schieferplatten. Abgelöst wurden diese Naturbaustoffe im Laufe der Baugeschichte im südlichen und nördlichen Europa durch die von den Römern angewendete Baukunst, die besonders auf die Verarbeitung von Trassmörtel und Tonziegeln ausgerichtet war.

Geschichte des Dachziegels[Bearbeiten]

Feierabendziegel aus Württemberg (15.–19. Jh.)
Dachziegeln aus Hessen (18. Jahrhundert).

Wann genau und von wem der aus Ton gebrannte Dachziegel erfunden wurde, ist nicht überliefert. Es gibt jedoch einen Bericht des griechischen Schriftstellers Pindar, in welchem er die Erfindung des Dachziegels im Jahre 450 v. Chr. den Korinthern zuschreibt. Zu der Geschichte der Ziegelproduktion und des Mauerziegels siehe den Artikel Backstein. Die Historie des Mauerziegels ist in zahlreichen Schriften antiker Schreiber festgehalten und durch Ausgrabungen belegt. Rund 7.000 Jahre Geschichte sind dokumentiert. Zum Dachziegel dagegen gibt es außer von Originalstücken (z. B. aus Bodenfunden) nur spärliche Informationen, sogar die heutigen Hersteller verfügen kaum über dokumentierte Belege oder Fotos aus der Frühzeit – gemeint ist ein Zeitraum von etwa 150 Jahren – der Dachziegelproduktion. Die Gründe dafür liegen in der Anfangszeit der Industrialisierung, als viele kleine Produktionsstätten existierten. Viele Bauern betrieben die Dachziegelproduktion als zusätzliche Einnahmequelle und als Überbrückung der Winterzeit.

In der Zeit der handgefertigten Ziegel gab es eine Besonderheit, den sog. Feierabendziegel[2] (auch als Glücks- oder Sonnenziegel bezeichnet). Es waren die letzten Ziegel eines Tagwerks, in die auf der Rückseite mit dem Finger, einem Kamm oder einem anderen spitzen Gegenstand Ornamente, Jahreszahlen, Zeichen und auch Texte hineingeritzt wurden. Die ältesten bekannten Feierabendziegel stammen aus der Zeit zwischen 1100 und 1300 n. Chr. Davon zu unterscheiden sind zufällig entstandene Abdrücke auf römischen Ziegeln: Sie wurden vor dem Brand zum Trocknen auf dem Boden ausgelegt und häufig liefen dabei Tiere oder Kinder darüber, so dass Fuß- bzw. Pfotenabdrücke entstanden.

Die einsetzende Industrialisierung veränderte auch die Produktion von Ziegeln: Durch die Erfindung der Dampfmaschine wurde es möglich, Dachziegel industriell im großen Rahmen zu fertigen. Man kann Wilhelm Ludowici (Ludowici Ziegelwerke) als Erfinder (1881 Anmeldung seines Patentes für den Falzziegel Z1) des maschinell gefertigten Dachziegels bezeichnen. Die ersten industriell gefertigten Dachziegel wurden auf Pferdefuhrwerken und in Stroh verpackt ausgeliefert.

Die Öfen wurden bis in die 1960er Jahre mit Schweröl betrieben und dann nach und nach auf das saubere Erdgas umgestellt. Seit jener Zeit gab es bei vielen Werken Probleme mit der Frostsicherheit der hergestellten Dachziegel, was dann zu einem Massensterben der alten Dachziegelindustrie und zu einem Boom der Betonindustrie und ihren billiger herzustellenden Pfannen führte. Diese Phase überlebten nur ganz wenige Werke. Einige der ältesten Produktionsstätten liegen am Niederrhein an der niederländischen Grenze. Der Ort Tegelen, bei Kaldenkirchen direkt hinter der niederländischen Grenze gelegen, verrät durch seinen Namen schon die alte Tradition aus der Römerzeit (Tegelen lässt sich auf das römische „tegula“ = Ziegel zurückführen).

Zusammensetzung der Dachziegel[Bearbeiten]

Frisch gepresste Tondachziegel bestehen zu etwa 60 Vol.-% aus festen Bestandteilen (Tone und Lehme) und zu etwa 40 Vol.-% aus mit Wasser gefüllten Poren. Tone und Lehme sind natürliche Bestandteile der Erdkruste und bestehen größtenteils aus Tonmineralen und Quarz. Einen kleinen Anteil nehmen auch Feldspäte und Eisenminerale ein. Die Farbe des Tondachziegels entsteht durch die jeweilige Brenntemperatur und im Rohstoff vorhandene Eisenoxidanteile.

Herstellung[Bearbeiten]

Handfertigung[Bearbeiten]

Herstellermarke einer Lübecker Ziegelei.

In den von Römern eroberten Siedlungsbereichen Europas fanden sich Dachziegel (Tegulae und Imbrices) auf den Dächern der römischen Befestigungsanlagen, in Städten, dorfartigen Ansiedlungen (Vici) und in Villen auf dem Land. Im Mittelalter wurden zunächst vor allem Kirchendächer und andere öffentliche Bauwerke (Burgen, Schlösser) mit Ziegeln gedeckt. Nur hohe Würdenträger konnten es sich anfangs in den Siedlungen finanziell erlauben, ihre Dachflächen mit Tondachziegeln einzudecken. So schrieb beispielsweise Karl der Große auf der Synode von Frankfurt 794 für seine Wirtschaftshöfe Tondachziegel als allgemeine Dachdeckung fest. Bischof Bernward von Hildesheim richtet zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine Ziegelbrennerei ein, um Flach- und Hohlziegel für seine Gebäude brennen zu lassen. Von den römischen Legionen übernahm er dabei die Namensstempelung der Ziegel.

Etwa ab dem 12. Jahrhundert setzte die ökonomische Verwertung der Ziegelherstellung ein, bei der auf Vorrat gebrannt werden konnte. Die Herstellung war noch sehr mühsam und langwierig: Man grub den Ton unter Humusschichten aus, sumpfte ihn in Gruben ein oder schichtete ihn in Hügeln auf und ließ ihn einen Winter durchfrieren. In manchen Gegenden lagerte der Ton sogar zwei Winter hindurch, um anschließend erhitzt, zerstampft, zerkleinert und mit Wasser durchgeknetet zu werden. Diesen halbplastischen Tonkuchen drückte man mit der Hand in eine Holzform und strich diese mit einem Brett ab. Der so entstandene Rohling trocknete dann mindestens einen Sommer lang an der Luft im Schatten. Danach wurde er in Feldbrandöfen gestapelt und darin allmählich auf hoher Temperatur gebrannt. Nach dem Brand wurde das Material langsam abgekühlt – so hatte man nur eine relativ beschränkte Anzahl Dachziegel zur Verfügung. Dieser beschriebene Arbeitsablauf zog sich über einen Zeitraum von mehr als eineinhalb Jahren hin. Bei Großbauten musste daher zunächst auf ausreichenden Vorrat gebrannt werden, ehe mit dem Bauwerk begonnen wurde. Zusätzlich war eine große Zahl von Handwerkern und Hilfskräften notwendig.

Nur reiche Bauherren konnten sich einen solchen aufwendig hergestellten Baustoff leisten. So entstanden Ziegelbauten entweder im fürstlichen Auftrag oder wurden von Klöstern und Bischöfen beauftragt. In der später folgenden Blütezeit der Hanse bauten bürgerliche, reiche Kaufmannsfamilien ihre Häuser oft prunkvoll aus Backsteinen und deckten sie mit farbig glasierten Dachziegeln ein (Backsteingotik).

Bereits im 12. Jahrhundert kannte man neben den Vorteilen auch die Grenzen der Dachziegel. So hatte beispielsweise der Ministeriale Cuno von Würzburg um 1165 seine Burg Wetterau mit unterschiedlichen Dachziegelformen eingedeckt. Der repräsentative Bereich erhielt eine Eindeckung aus Biberschwänzen, die Wirtschaftsbauten deckte man mit grob geschlämmten Hohlziegeln und das Kegeldach des Bergfrieds mit Schieferdeckung. In den Siedlungen des „normalen“ Volkes herrschten Stroh-, Ried- und Holzschindeln vor. Erst im Laufe des 14./15. Jahrhunderts wurde in den engen Städten wegen des Brandschutzes häufiger mit Ziegeldächern gebaut. So vereinbarte 1342 Kaiser Ludwig als Stadtherr von München mit dem Stadtrat, Neubauten nur noch mit gebrannten Tondachziegeln einzudecken. Den Bürgern im Schweizer Bern wurde dafür sogar mit Ratsbeschluss von 1405 die Hälfte der Baukosten von der Stadtkasse erstattet.

Moderne Herstellung[Bearbeiten]

Moderne Dachziegelpresse
Schematische Darstellung des Herstellungsprozesses

Die Ziegelherstellung hat sich im Prinzip nicht wesentlich geändert. Während man früher die Ziegeleien aus Kostengründen in der Nähe von Ziegelgruben errichtete, spielt das Transportproblem heute eine untergeordnete Rolle. Die Formgebung ist im Wesentlichen automatisiert worden. Die einzelnen Herstellungsschritte sind:

  • Abbau
  • Aufbereitung
  • Sumpfen oder Mauken
  • Formgebung
  • Trocknen
  • Brennen
  • Güteprüfung

Beim Sumpfen oder Mauken wird der Feuchtegehalt der Ton/Lehm-Mischung auf den gewünschten Wert eingestellt. Die abgebauten Tone und Lehme haben beim Abbau unterschiedliche Feuchtegehalte, die ausgeglichen werden müssen. Wichtig ist auch der Trocknungsprozess. Der Rohling muss trocken sein, denn Wasser vergrößert bei Verdampfung sein Volumen auf das 1500-fache. Der geringste eingeschlossene Wasseranteil im Rohmaterial würde also den Scherben beim Brand zerstören.

Farbgebung[Bearbeiten]

Dachziegel werden in unterschiedlichen Farben und Oberflächen hergestellt. Man unterscheidet:

  • Naturrote Dachziegel
  • Gedämpfte Dachziegel (durchgefärbt)
  • Engobierte Dachziegel
  • Glasierte Dachziegel

Naturrote Dachziegel erhalten ihre Farbe durch das im Ton enthaltene Eisenoxid. Naturrot ist keine Beschichtung; deshalb ist der Dachziegel durch und durch naturrot. Natürlich rot heißt changierend.

Gedämpfte Dachziegel sind in der oberflächennahen Schicht oder -ebenso wie naturrote Dachziegel- komplett durchgefärbt. Durch Sauerstoffentzug beim zweiten Brandvorgang wird die Bildung von Eisenoxyd unterdrückt; der Ziegel bleibt dem abgebauten Rohstoff farblich ähnlich. Durch Zugabe bestimmter Dämpfmittel sind auch bläuliche, silbrige oder anthrazitfarbene Grautöne möglich, häufig auch changierend.[3]

Engobierte Dachziegel gibt es im erdfarbenen Bereich. Üblich sind rote, braune, umbrafarbene (altfarben), graue und schwarze Oberflächen. Engoben sind Tonschlämme, welche durch mineralische Zusätze, z. B. Eisenoxyd oder Mangan, farbig ausbrennen. Anders als beim Farbauftrag, z. B. bei Faserzementplatten oder Betonsteinen, wird die Engobe vor dem Brand auf die Sichtfläche des Rohlings aufgetragen und eingebrannt. Durch diese Technik entsteht ein inniger Kapillarverbund. Engoben sind UV-beständig und absolut dauerhaft.

Glasierte Dachziegel erhalten einen transparenten oder farbigen Überzug aus geschmolzenem Glas. Die Oberfläche ist glashart, glatt und in der Regel glänzend. Sie neigt dazu weniger schnell zu verschmutzen. Eine selbstreinigende Aktivität wird durch verglaste Oberflächen jedoch nicht erreicht. Fast alle Farben sind denkbar. Es gibt transparente, schwarze, rote, grüne, blaue, braune, selbst gelbe und lila Glasuren. Auch Glasuren sind UV-beständig, dauerhaft und weitestgehend unempfindlich gegen mechanische Einflüsse. Krakeleen sind aufgrund der unterschiedlichen Materialien unvermeidbar. Glasierte Dachziegel haben eine lange Tradition. Ein neuer Trend ist die Herstellung solcher glasierter Dachziegel ohne Glanz und Reflexion. Solche Oberflächen werden als satiniert bezeichnet.

Die kombination aus Engobe und Glasur stellt die Edelengobe dar. Gibt man der Engobe Glaskörper hinzu, entsteht eine sogenannte Edelengobe. Die Oberfläche ist dann härter und verbindet die bauphysikalischen Merkmale der diffusionsfähigen und krakeleefreien Engobe meist mit dem Glanzgrad einer Glasur. Aber auch hier zeigt sich der Trend zu den matten Edelengoben.

Alle diese Oberflächen haben optisch architektonische Beweggründe. Die Lebensdauer der Dachkeramik wird hierdurch nicht positiv beeinflusst.

Einteilung der Dachziegel[Bearbeiten]

Historischer Pressdachziegel, der Schuppenfalzziegel Ludowici Z2, rot engobiert
Dachziegel Mönch und Nonne.

Dachziegel sind aus Ton gebrannte, kleinformatige Bedachungselemente für die harte, regensichere Steildachdeckung. Heute kommen i.d.R. industriell hergestellte Dachziegel nach DIN EN 1304 zum Einsatz welche auch bei flachen Dachneigungen (ab 10°) eingesetzt werden können.

Unterschieden werden Strangdachziegel und Pressdachziegel.

Strangdachziegel[Bearbeiten]

Strangdachziegel werden in einem endlosen Tonstrang hergestellt[4] und in der gewünschten Länge mit einem Drahtabschneider auf Maß geschnitten.[5] Da diese Ziegel normalerweise keine Falz besitzen und so bei der Dachdeckung nicht ineinandergreifen können, eignen sie sich besonders für Dächer mit einer Neigung von über 30 Grad. So kann der Regen schneller abfließen und es wird kein größerer Niederschlagsschutz notwendig. Das Herstellungsverfahren wurde von Jacob Schmidheiny 1880 in der Ziegelei in Heerbrugg entwickelt.

Pressdachziegel[Bearbeiten]

  • Doppelmuldenfalzziegel
  • Reformziegel
  • Glattziegel und Sonderformen
  • Romanische Ziegel
  • Flachdachziegel
  • Mönch und Nonne, siehe Foto. Die konkaven Dachziegel heißen Nonne, die auf ihnen liegenden Ziegel Mönch.

Zur Herstellung von Pressdachziegeln gelangt das Ziegelgut in die Strangpresse und wird anschließend in gleichmäßige Blöcke geschnitten. In der Schlittenpresse oder der Revolverpresse werden die Rohlinge im Pressvorgang mit Ober- und Unterform in ihre endgültige Form gebracht. Pressdachziegel sind i. d. R. rundum verfalzt und bieten somit einen besonders hochwertigen Schutz gegen Regen. Auch aus wirtschaftlichen Gründen werden heute immer häufiger großformatige Dachziegel gewünscht und hergestellt. Die traditionellen Formate mit 15 Dachziegeln pro Quadratmeter erhalten immer weniger Bedeutung. Mittel- und Großformate mit 12 oder 10 Dachziegeln pro Quadratmeter liegen im Trend. Auch noch größere Formate bis hin zu lediglich 5 Dachziegel pro Quadratmeter werden angeboten.

Formziegel[Bearbeiten]

Verschiedene Arten von Formziegeln

Formziegel sind grobkeramische Ziegel mit besonderer Formgebung, die in Ergänzung zum Flächenziegel das vollkeramische Dach bilden. Für die beschriebenen Dachziegelmodelle gibt es Formziegel für Dachränder; z. B. Ortgangziegel sowie First- und Gratziegel, außerdem Durchgangsziegel, Lüfterziegel und eine Reihe anderer Formziegel, welche für alle heutigen Belange detailsichere und optisch korrekte Lösungen bieten.

Als der älteste, in Griechenland und dem römischen Imperium verbreitete Ziegel gilt der Leistenziegel Tegula, dessen Stoßfugen von Imbrices (Hohlziegeln) überdeckt werden (Romanischer Ziegel). Diese Art der Deckung war in römischer Zeit auch in den nördlichen Provinzen verbreitet. Später jedoch galt sie für das raue Klima nördlich der Alpen als ungünstig. So schreibt Palladio in seinen „Vier Büchern über Architektur“ um 1570: „In Germanien macht man wegen der großen Mengen Schnees, die dort fällt, die Dächer sehr steil und bedeckt sie mit kleinen Holztafeln, Schindeln oder dünnen Dachziegeln.“

Um der Witterung besser zu trotzen, wurden im Mittelalter die flach geneigten Leistenziegeldächer der Römer nördlich der Alpen durch die Hohlziegel- oder die Flachziegeldeckung ersetzt. Im heutigen Süddeutschland setzte sich der Flachziegel, im Spätmittelalter mit bunter Glasur versehen, in vielen Formen und Gestaltungsarten bis ins späte 19. Jahrhundert durch. Dagegen bevorzugte man in Norddeutschland den Krempziegel, eine Weiterentwicklung aus der Leisten-Hohlziegeldeckung. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Massenproduktion des Dachziegels einsetzte, übernahm der Falzziegel die traditionellen Deckungen.

Glasierte Ziegel[Bearbeiten]

In der Deutschen Bauzeitung von 1883 wird das Glasieren der Ziegel beschrieben:

„Schon die Aegypter, Babylonier und Assyrier suchten die schnelle Verwitterung der Ziegel durch Aufbringung von Glasur zu verzögern, und benutzten das Schutzmittel zugleich als Verschönerung der Ware. Aus den angestellten Untersuchungen geht hervor, dass man bereits vor Erfindung des Ziegelbrennens die Glasierung kannte und übte; und zwar scheint man zuerst die fertig gestrichenen und lufttrocken gemachten Ziegel in derselben Reihe, die sie auf dem Dach einnehmen sollen, flach auf den Boden gelegt und in dieser Lage bemalt, resp. mit den Schmelzfarben und sonstigen Glasurmassen überzogen, dann aber auf ihnen ein Feuer entzündet zu haben. Solche Glasierung bewahrte nun zwar die Oberfläche, aber auch nur diese vor der schnellen Zerstörung. Gebrannte glasierte Ziegel kannte man sicher im zweiten oder neuen babylonischen Reich; auch die Griechen, Etrusker und Römer scheinen sie gekannt zu haben, obschon uns keine glasierten Ziegel von diesen drei Völkern erhalten sind. Die Langobarden wendeten sie im siebten, die Byzantiner vielleicht schon früher an und im Mittelalter fanden sie fast überall, wo der Ziegelbau gepflegt wurde, ja zur Dachdeckung auch in Hausteingegenden vielfach Anwendung. Das Verfahren zur Herstellung der Glasur scheint schon von Alters her sehr verschieden gewesen zu sein, sowohl bezüglich der Mischungen für die Schmelzfarbe, als bezüglich der Zeit und der Art der Aufbringung derselben, und ist es jetzt in demselben Grad. Manche Fabriken färben den Ton vor dem Streichen, andere tragen die Schmelzfarbe, resp. die beim Brennen eine farbige Glasierung erzeugende Mischung auf den lufttrockenen Ton auf, noch andere färben erst nach der ersten Brennung mittels solcher Mischung. – Eine von Leipzig aus beim Verband deutscher Architekten- und Ingenieurvereine angeregte Enquête über Verfahren, Herstellungsweise, Mischung, Erfolg etc. der Glasur ist noch nicht abgeschlossen.“

Deutsche Bauzeitung, 1883

Dachdeckerarbeiten[Bearbeiten]

Dachstein auf Lattung.

In der „Anleitung für Bautechniker“ aus dem Jahre 1881 heißt es:

„Die Ausführung der Dachdeckerarbeiten wird nach den, zur Verwendung gelangenden Materialien unterschieden, und theils von freien, theils von einem Gewerke angehörigen Arbeitern ausgeführt.“

Anleitung für Bautechniker, 1881

Zu diesem Zeitpunkt hatte man bereits die spätere Entwicklung in der Europäischen Union vorweggenommen, denn heute arbeiten auch „andere Gewerke“ mit auf dem Dach.

Auszugsweise heißt es weiter im Kapitel „Die Ziegeldächer“:

„Die Eindeckung mit Flachziegeln (Biberschwänze, Flachwerken, Ochsenzungen usw.): Flachziegel oder Flachwerke haben die Form eines länglichen, an der einen kurzen Seite abgerundeten oder zugespitzten, an der anderen mit einer Nase versehenen Rechtecks von etwa 36 bis 39 cm Länge, 15 bis 15,6 cm Breite und 0,6 bis 1,2 cm Stärke. Die Haupterfordernisse guter Flachwerke sind Leichtigkeit, Wetterfestigkeit und eine durchaus ebene gerade Form; als Zeichen ihrer Güte gelten scharfer Brand, heller Klang, von Rissen und Sprüngen freie Flächen und ein geringes Wasseraufsaugungsvermögen. Um eine recht dichte und dauerhafte Eindeckung zu erzielen, müssen die Steine in ihrer ganzen Fläche aufliegen und dürfen, besonders an ihren unteren Enden, nicht klaffen, was nur bei vollständig ebenen Ziegeln und bei der Verwendung gleichmässig starker Latten möglich ist.

Die Eindeckung mit Dachpfannen beansprucht Dachneigung und Sparrenweite der einfachen oder Splissdächer; die ersten von der Form eines liegenden S, kommen in drei verschiedenen Grössen zur Anwendung. Das grösste Format hat mit der Nase durchschnittlich 42 cm Länge, 26 cm Breite; die Mittelsorte 39 cm Länge, 26 cm Breite und die Länge der kleinsten, der so genannten holländischen Pfannen, beträgt 34 cm bei 26 cm Breite.

Die Bedachung mit Krempziegel erfolgt mit sorgfältig an den konisch auf- resp. abgebogenen Rändern zusammengepassten Steinen, auf Lattung, bei 8 bis 10 cm betragender Ueberdeckung. Krempziegel machen, in Mörtel verlegt, ein besonderes Verstreichen überflüssig.

Die Wöterkeimer Dachsteine, eine Erfindung von E. von Kobilinsky, sind dem Prinzip und der Deckart nach, den Dachpfannen und Krempziegel gleich; sie halten sich ihrer geraden Formen wegen beim Trocknen und Brennen gerader. In Mörtel verlegt, ist ein Verstreichen derselben überflüssig, sie haben aber den Nachtheil, das sich das Wasser auf ihnen in einer Rinne sammelt und abfliesst, welche unmittelbar an der Stossfuge liegt und deren Undichtwerden befördert.

Die Falzziegeldächer sind ihrem Namen nach Dachziegel, an deren Ränder sich Falze befinden, welche passend ineinander greifen, um auch, ohne Mörtel verwendet, eine dichte Eindeckung des Daches liefern. Möglichste Ebenheit der Ziegel und genaues Ineinandergreifen der Falze sind unerlässliche Bedingungen zur Erfüllung dieser Aufgabe. Unter den mannigfaltigen Formen, in welchen die Falzziegel zur Verwendung gelangt sind, haben sich in Lothringen (Gebrüder Couturier, Forbach) hergestellten Falzziegel (welche auch von den Werken zu Siegersdorf in Schlesien gefertigt werden) bewährt. Ferner sind in Ludwigshafen, Durlach, Karlsruhe, Hanau und Horrem bei Cöln die bedeutendsten Fabrikorte für Falzziegel.“

Anleitung für Bautechniker, 1881

Als wesentliche Vorteile der Falzziegeldeckung, „welche bei der Verwendung eines wetterfesten Materiales, als Ideal eines guten Ziegeldaches anzusehen ist“, sind nach der Deutschen Bauzeitung (Jahrgang 1876) hervorzuheben:

  • Geringere Dachneigung als beim gewöhnlichen Ziegeldach,
  • Geringeres Gewicht,
  • Wesentlich geringerer Preis,
  • Schnelle, einfache und bequeme Ausführung der Eindeckung,
  • Guter Abfluss der Niederschläge und daher schnelleres Trocknen und größere Dauerhaftigkeit als beim Ziegeldache;
  • Außerordentlich leichte Ausführung von Reparaturen (der zerbrochene Stein wird hinaus und der neue vom Dachboden aus hineingeschoben);
  • Kann man Dachfenster einfach dadurch ersetzen, dass man einzelne Steine, aus Glas angefertigt, an beliebiger Stelle eindeckt. In Forbach fertigt man für diesen Zweck Falzziegel, welche mit einer eingekitteten Glasscheibe versehen werden können. In neuester Zeit ist eine Construction von Falzziegeln mit Einschnitten und Stiften patentiert worden, welche eine noch leichtere Eindeckung derselben ermöglichen soll.“

Verlegearten[Bearbeiten]

Teilweise wird die Deckung mit unverfalzten Dachziegeln, teilweise auch die Falzziegeldeckung, unter Verwendung von Kalkzementmörtel ausgeführt. Dabei unterscheidet man Innenverstrich, Querschlag und Längsfuge.

Beim Innenverstrich werden die Querfugen, zum Teil auch die Längsfugen, nach erfolgter Eindeckung von innen mit Mörtel verstrichen. Wenn die Ziegel im Bereich der Höhenüberdeckung in Mörtel verlegt werden, spricht man von Querschlag. Bei der Längsfuge werden die Ziegel seitlich mit Mörtel versehen.

Grundregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks[Bearbeiten]

In der „Anleitung für die Ausbildung von Dachdeckerlehrlingen“ von 1926/27 heißt es zu Ziegeldeckungen:[6]

„Die Eindeckung der Dächer mit Dachziegeln ist über ganz Europa verbreitet. Man unterscheidet zwei große Familien der Ziegel, die der Flachziegel und der Formziegel. Zu den Flachziegeln gehören die Biberschwänze, zu den Formziegeln die Falzziegel, die Pfannen, die Krempziegel und die Mönchnonne. In Deutschland sind die Biberschwänze die meist verbreiteten.

Ein Biberschwanzdach wird auf Latten (oder Schalung und Leisten) hergestellt und kann eingedeckt werden als: a) Kronendach, b) Doppeldach oder c) einfaches Dach mit Splissen (Schindeln), Splißdach. Die Eindeckung erfolgt in der Regel von rechts nach links.

Ein S-Pfannendach (Hohlpfannendach) wird auf Latten eingedeckt. Pfannen werden entweder mit Querschlag und Innenverstrich oder Trocken mit Innenverstrich eingedeckt. An der Traufschicht, Firstschicht und an Stellen, wo ein Innenverstrich unmöglich ist, werden die Pfannen in Kalk-Mörtel gedeckt. Statt des Verstrichs können Pappstreifen, Pappdocken oder Strohdocken (unter den Ziegeln verlegt) zur Anwendung kommen.

Ein Mönchnonnendach wird auf Latten eingedeckt. Die Nonnen werden nicht enger und nicht weiter aneinander verlegt, als es die Breite der Mönche bei sachgemäßer Mörtelbettung erfordert. Die Nonnen erhalten oben dicht über der Nase einen Querschlag, auf dem die Nonnen der nächsten Schicht so aufgerieben werden, daß der Mörtel nach innen herausquillt. Die Mönche werden nicht voll in Kalkmörtel gebettet, sondern hier werden zwei schmale Längsschläge gegeben, nur der Kopf des Mönches wird vor dem Aussetzen mit Mörtel gefüllt.

Eine Eindeckung mit Falzziegeln wird auf Latten und je nach Form des Ziegel als a) gewöhnliches Falzziegeldach (Muldenfalzziegel), b) Strangfalzziegeldach, c) Mönchnonnendach (kombiniert) oder d) Falzpfannendach hergestellt. Alle Falzziegeldächer werden trocken eingedeckt, können von innen verstrichen oder auch mit Pappstreifen, Strohdocken oder Pappdocken unterlegt werden. Zur Verhütung von Sturmschäden können Falzziegel, sofern sie mit entsprechenden Oesen versehen sind, durch Verdrahtung gesichert werden. Ist eine solche Sturmsicherung besonders vereinbart, so gilt sie für ausreichend, wenn durchschnittlich mindestens der Dritte aller Steine mit den Latten verknüpft wird.“

Anleitung für die Ausbildung von Dachdeckerlehrlingen, 1926/27

Sonstige Nutzung[Bearbeiten]

Ziegel als Dekoration

Durch die ansehnliche, natürliche Erscheinungsform des Materials wird der Dachziegel heute auch gern als Dekorationsgegenstand eingesetzt, wie beispielsweise als Wand-Kerzenhalter innerhalb einer harmonisch abgestimmten Innenarchitektur.

Als Gestaltungselement und Witterungsschutz wurden Dachziegel früher auch zur Fassadenbekleidung auf Lattung – besonders in den Mittelgebirgsregionen – verarbeitet. Diese Art der Anwendung verlor ihre Bedeutung durch den Einsatz großflächiger Fassaden mit Metall-, Faserzement- oder Kunststoffbekleidungen. In den letzten Jahren kann man eine gewisse Wiederentdeckung dieser Ziegelfassaden in der Architektur beobachten.

Zukunft[Bearbeiten]

Es gibt heute für das moderne Steildach eine Vielzahl von Materialien, die sich zur Dacheindeckung eignen und bewährt haben. Der Ziegel aus Ton nimmt dabei nach wie vor eine besondere Stellung ein, wie die Hersteller behaupten.

Neben der Eindeckung mit Tondachziegeln werden auch Betondachsteine, Bitumendachschindel, Naturstein (z.B. Schiefer), Holzdachschindeln und Metalldachpfannen sowie großformatige Dachtafeln wie Faserzementplatten und Metall-Profilblech (Wellblech, Trapezblech, Dachplatten mit eingeprägtem Dachziegelprofil) verarbeitet. Modulplatten haben den Vorteil, dass sie leicht sind und je nach Werkstoff witterungsbeständig sein können. Sie besitzen ein geringeres Eigengewicht als klassische Dacheindeckungen und müssen auf einer Schalung verschraubt werden, um windsogsicher zu sein.

Hersteller[Bearbeiten]

Einer der weltweit größten Hersteller von Dachziegeln ist der österreichische Ziegelhersteller Wienerberger, der mit den Marken Koramic und Tondach der Marktführer bei Tondachziegeln in Europa ist.[7] In Deutschland sind die mittlerweile größten Hersteller die Creaton AG, die sich als unangefochtener Marktführer in Deutschland betrachtet[8] sowie die Monier Braas GmbH.

Neben den o.g. großen Herstellern gibt es eine Vielzahl mittelständischer Ziegelhersteller, welche nicht nur regionale Bedeutung haben, sondern auch in ganz Deutschland liefern und zum Teil auch größere Produktionsmengen exportieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ziegel/Dachsteine Bildungsserver DACH
  2. Feierabendziegel: Gestaltete Ziegel, Helmut Herbst/Susanne Jenisch, 100-seitiger Ausstellungskatalog des Museums Waiblingen, 1988.
  3. Detaillierte Ausführungen über gedämpfte Dachziegel beim Ingenieurbüro LKG
  4. Geschichte. Detlef Stauch, W. Jaegers, abgerufen am 7. Februar 2013 (PDF; 1,8 MB).
  5. Günter Neroth, Dieter Vollenschaar (Hrsg.): Wendehorst Baustoffkunde: Grundlagen - Baustoffe - Oberflächenschutz. 2011, S. 507.
  6. Anleitung für die Ausbildung von Dachdeckerlehrlingen. Reichsverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Berlin 1926/27
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPTA-News: Wienerberger AG: Wienerberger schließt Übernahme von Pipelife ab. FinanzNachrichten.de, abgerufen am 12. Juli 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKurzporträt zur CREATON AG Aktie. OnVista.de, abgerufen am 12. Juli 2012.

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Engel: Die Bauausführung. Paul Parey, Berlin 1885.
  • Illustriertes Bau-Lexikon. Otto Spamer, Leipzig 1883.
  • Elke Herbst: Dachziegel. Rudolf Müller, Köln 1997, OCLC 246449054, (DDH-Edition).
  • Krolkiewicz/Hopfenperger/Spöth: Der Instandhaltungsplaner. Haufe Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-448-08794-9.
  • Hans Jürgen Krolkiewicz: Das geneigte Dach. In: db deutsche bauzeitung. 2/86, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.
  • Hans Jürgen Krolkiewicz: Dachziegel. Geschichte der Baustoffe. In: baustoff-technik. Gert Wohlfarth, Duisburg 2003, ISSN 0721-7854.
  • Hans Jürgen Krolkiewicz: Der Dachziegel – eine historische Betrachtung. In: DDH Das Dachdecker Handwerk. Rudolf Müller, Köln 2004/2005, ISSN 0172-1003.
  • Willi Bender: Lexikon der Ziegel. 2. Auflage. Bauverlag, Berlin 1995, ISBN 3-7625-3156-0.
  • M. Kornmann und CTTB: Clay bricks and roof tiles, manufacturing and properties. LaSim, Paris 2007, ISBN 978-2-9517765-6-2.
  • Karl-August Wirth: Feierabendziegel (Feierabendstein). In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 7, Sp. 1000 f.
  • Zi International – Ziegelindustrie International. Bauverlag, Gütersloh, ISSN 0341-0552.
  • Zi Jahrbuch. Bauverlag, Gütersloh, ISBN 978-3-7625-3625-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dachziegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien