Daddy Langbein

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Dieser Artikel behandelt den Roman Daddy Langbein. Für die Verfilmung von Jean Negulesco mit Fred Astaire und Leslie Caron aus dem Jahr 1955 siehe Daddy Langbein (1955)
Mary Pickford Mai 1919

Daddy Langbein (Originaltitel: Daddy-Long-Legs) ist ein 1912 erschienener Briefroman der amerikanischen Schriftstellerin Jean Webster.

Handlung[Bearbeiten]

Heldin des Romans ist das Waisenmädchen Jerusha Abbott, das bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr im John-Grier-Heim gelebt hat und nun von einem der reichen Aufsichtsräte der Anstalt aufgrund ihrer literarischen Begabung aufs College geschickt wird. Der Mann möchte unerkannt bleiben, erwartet aber eine Gegenleistung von Jerusha: Dafür, dass sie ins College gehen darf, soll sie jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben, ohne dass diese je beantwortet würden. Mit dem Eintritt ins College beginnt für Jerusha eine Entdeckungsreise in die ihr vollkommen unbekannte Welt außerhalb des Waisenhauses. Alles, was sie erlebt, schildert sie dem Aufsichtsrat, den sie liebevoll Daddy Langbein (amer. ‚daddy longlegs‘= Weberknecht) nennt, da sie von dem Mann lediglich seinen Schatten kennt, der seine Beine unverhältnismäßig lang aussehen ließ. Während ihres Lebens auf dem College lernt sie Jervis Pendleton, den Onkel einer Mitstudentin kennen, dem sie auf ihrem Lebensweg, wie es scheint, zufällig immer wieder begegnet. Im Laufe der Zeit kommen sie einander näher. Als sie am Ende ihrer Collegezeit Daddy Langbein kennenlernen darf, stellt sich heraus, dass Jervis Daddy Langbein ist.

Wirkung[Bearbeiten]

Die Motive des Buches zeigen Jean Websters Interesse an sozialen Fragen und der Frauenbewegung. Das Buch wurde zu ihrem bekanntesten und später zu einem Bühnenstück umgearbeitet.

Das Buch ist seinem Leser gewidmet. Heute wird es oft der Jugend- oder gar Kinderliteratur zugeordnet. Zum Zeitpunkt seines Erscheinens war es allerdings Muster einer größeren Anzahl von Mädchen- oder Studentinnenromanen, deren Protagonistinnen sich an der Schwelle zum Erwachsenenleben mit Themen wie Studium, Beruf und Heirat beschäftigten. Diese Bücher waren der zeitgenössischen Sicht auf das Heranwachsen voraus. Andere Autoren dieses Genres waren Lucy Maud Montgomery, Louisa May Alcott und später Mary Stoltz.

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Daddy-Long-Legs. New York, NY, : Grosset & Dunlap 1912 (engl.)
  • Daddy-Long-Legs. Stuttgart : Philipp Reclam jun. 1995. ISBN 3-15-009205-1 (engl.)
  • Daddy Langbein. Übers.: Margret Boveri. Berlin : Minerva-Verlag, 1947
  • Daddy Langbein. (Tb.). Frankfurt : Fischer, 1995. ISBN 3-596-22410-1

Verfilmungen[Bearbeiten]

In den Jahren 1919, 1931, und 1955 wurde die Geschichte verfilmt, der Film Daddy Langbein von 1955 mit Fred Astaire und Leslie Caron in den Hauptrollen.

Unter dem Titel Watashi no Ashinaga Ojisan (私のあしながおじさん) wurde 1990 im japanischen Fernsehen eine 40 Folgen umfassende Zeichentrickserie auf Basis des Romans erstausgestrahlt. Dieser Anime entstand im Animationsstudio Nippon Animation als Teil der World Masterpiece Theater-Reihe. Als Das Geheimnis von Daddy Langbein wurde er auch im deutschsprachigen Fernsehen auf RTL 2 ausgestrahlt.

Fortsetzung[Bearbeiten]

Unter dem Titel Dear Enemy (Lieber Feind) knüpfte Webster an Daddy Langbein an. In Lieber Feind überträgt Jerusha ihrer Collegefreundin Sallie McBride die Leitung des John-Grier-Heims. Lieber Feind ist ebenfalls ein Briefroman, im Unterschied zu Daddy Langbein gehen die Briefe aber nicht nur an eine Person. Das Buch beinhaltet sowohl die Briefe Sallies an Jerusha, als auch die Briefe an den Arzt der Anstalt, Dr. Robin McRae, und die an Sallies Verlobten, den Politiker Gordon Hallock.