Dagblaðið Vísir

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dagblaðið Vísir, meist kurz DV, ist eine isländische Zeitung im Tabloid-Format. Sie gehörte früher zum Medienunternehmen Birtingur, das seinerseits Bestandteil der Baugur Group war. 2010 wurde DV von einer Investorengruppe um die Kunsthändlerin Lilja Skaftadóttir und DV-Chefredakteur Reynir Traustsson gekauft, die aus der Boulevardzeitung eine unabhängige Alternative im isländischen Zeitungsmarkt schaffen wollen.[1][2] Das Motto der Zeitung lautet Þorir meðan aðrir þegja (etwa: mutig wenn andere schweigen).

In der Vergangenheit heizte DV die öffentliche Debatte in Island immer wieder mit einer aggressiven Redaktionspolitik an. So wurden etwa häufig die vollen Namen, Adressen und Bilder von noch nicht rechtskräftig verurteilten Strafverdächtigen veröffentlicht. DV verteidigte sich damit, dass die Öffentlichkeit ein Recht auf die Veröffentlichung dieser Daten habe.

Im Januar 2006 rückte besonders die Berichterstattung über einen früheren Grundschullehrer in das öffentliche Interesse. Dieser hatte angeblich zumindest zwei Jungen in seiner Heimatstadt Ísafjörður sexuell missbraucht. Am Tag der Veröffentlichung des ersten Berichtes darüber in der DV beging der Beschuldigte Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief erklärte er, den durch die Berichterstattung erzeugten Druck nicht ertragen zu können.[3] Daraufhin wurde der öffentliche Druck auf die Zeitung, derartige Berichte zukünftig sensibler zu gestalten, größer. Eine Online-Petition wurde von 30.000 Personen unterschrieben (etwa 10 % der isländischen Bevölkerung). Mehrere Redakteure verloren ihren Arbeitsplatz. Als direkte Reaktion darauf wurden die Gesetze zum Schutz vor Diffamierung in den Medien verschärft. Zukünftig müssen Medienunternehmen in einem solchen Fall hohe Summen an Schadenersatz zahlen (im anglo-amerikanischen Rechtssystem unter Punitive damages bekannt).

Im März/April 2010 hat eine Gruppe von Investoren, die vom isländischen Nachrichtenportal IceNews als leidenschaftliche Verfechter unabhängiger Medien bezeichnet werden, die Zeitung DV und die Domain dv.is von der Birtingur-Gruppe erworben und zu diesem Zweck die neue Aktiengesellschaft DV ehf. gegründet[2] Die neuen Eigentümer haben festgelegt, dass kein Aktionär, unabhängig von seinem Aktienanteil, über mehr als 26 % der Stimmen verfügen kann, und eine deutlichere Unterscheidung zwischen Management und Redaktion eingeführt.[2]

Am 28. April 2006 wurde bekanntgegeben, dass DV künftig nur mehr am Wochenende publiziert würde, da eine tägliche Ausgabe wirtschaftlich unrentabel war. Mit Stand Ende Juli 2010 erscheint die Zeitung dreimal wöchentlich.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Daniela Zinser: Islands Medienlandschaft: Zombies und eine Retterin. In: taz.de. 30. Juli 2010. Abgerufen am 31. Juli 2010.
  2. a b c Iceland’s DV newspaper sold (Englisch) In: IceNews. 20. März 2010. Abgerufen am 31. Juli 2010.
  3. Suicide sparks outrage (Englisch) In: Iceland Review Online. 12. Januar 2006. Abgerufen am 31. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten]