Daguerreotypie
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Als Daguerreotypie oder auch Daguerrotypie wird ein fotografisches Verfahren des 19. Jahrhunderts bezeichnet, das von dem französischen Maler Louis Jacques Mande Daguerre zwischen 1835 und 1839 entwickelt und nach ihm benannt wurde. Sie ist das erste ausgereifte fotografische Verfahren, das veröffentlicht wurde. Von der französischen Regierung angekauft, wurde es am 14. August 1839 für die allgemeine Nutzung freigegeben. Daguerre hatte seit 1829 mit Nicephore Niepce, dem Erfinder der Heliografie, in Partnerschaft zusammengearbeitet. Sein Verfahren war jedoch eine eigenständige Entwicklung, die auf völlig anderen Grundlagen beruhte. Die Daguerreotypie basiert auf der Lichtempfindlichkeit von Silberhalogeniden. Sie lieferte gut nuancierte, sehr fein strukturierte Bilder, die sogar mit der Lupe betrachtet noch kleinste Details zeigten. Der Bildton, ursprünglich grau bis blaugrau, konnte nach Einführung der Goldtonung goldfarbig, purpurn bis sepiafarbig sein. Schwächen des Verfahrens waren die geringe Lichtempfindlichkeit sowie die seitenverkehrte Abbildung. Außerdem war eine Daguerreotypie ein Unikat, das nicht ohne weiteres vervielfältigt werden konnte. Es bestand auch eine Einschränkung bei der Bildbetrachtung. Je nach Betrachtungswinkel - ob sich in den blanken, spiegelnden Schattenpartien Licht oder Dunkelheit spiegelt - sieht man die Daguerreotypie negativ oder positiv. Diese Unbequemlichkeit bei der Betrachtung war ein Hauptgrund für den raschen Erfolg späterer, verbesserter Verfahren. Schon in den Jahren um 1860 verschwanden denn auch die Daguerreotypien recht schnell aus dem Angebot der Fotografenateliers, sie wurden abgelöst vor allem durch das preiswerte Visitenkartenporträt.
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[Bearbeiten] Plattengrößen
Die fabrikmäßig hergestellten Platten wurden, ausgehend von der ganzen Platte, vom Fotografen auf die jeweils benötigte Größe zugeschnitten.
| Ganze Platte | 16,5 x 21,5 cm | Whole Plate | 6,5 x 8,5 Zoll |
| Halbe Platte | 11 x 14 cm | Half Plate | 4,25 x 5,5 Zoll |
| Viertel Platte | 8 x 11 cm | Quarter Plate | 3,25 x 4,25 Zoll |
| Sechstel Platte | 7 x 8 cm | Sixth Plate | 2,75 x 3,25 Zoll |
| Neuntel Platte | 5 x 6 cm | Ninth Plate | 2 x 2,5 Zoll |
| Sechzehntel Platte | 3,5 x 4 cm | Sixteenth Plate | 1,375 x 1,625 Zoll |
[Bearbeiten] Verfahren
Für die Herstellung einer Daguerreotypie verwendete man versilberte, polierte Kupferplatten, die mit Iod- und später auch Bromdämpfen lichtempfindlich gemacht wurden. Dabei bildete sich an der Oberfläche lichtempfindliches Silberiodid bzw Silberbromid. Die Platte musste vor der Herstellung des Fotos im Dunkeln aufbewahrt werden. Zur Belichtung setzt man sie an der Rückseite eines Fotoapparates dem durch das Objektiv der Kamera einfallenden Licht aus. Wegen der geringen Lichtempfindlichkeit des Jodsilbers dauerte eine Belichtung an der Sonne anfangs 8-10 Minuten! Dabei wird an den belichteten Bildstellen das Silberhalogenid zu metallischem Silber reduziert. Anschließend wird mit Hilfe von Quecksilberdämpfen entwickelt, wobei sich metallisches Quecksilber an das sehr schwache Silberbild anlagert. Nach der Entwicklung und Fixierung in einer Seesalz-, „Hyposulfit-“(Thiosufat) oder Cyankali-Lösung, entsteht ein positives, jedoch seitenverkehrtes, lichtbeständiges Bild aus grauem Quecksilber, das allerdings nur unter bestimmten Betrachtungswinkeln optimal zu erkennen ist.
Daguerreotyp-Kameras für das Daguerreotypie-Verfahren wurden bereits 1839 von der Firma Susse Frères und Wochen später von Daguerres Schwager Giroux unter Daguerres Lizenz in Serie hergestellt.
[Bearbeiten] Popularität
Die Daguerreotypien waren als Porträts sehr beliebt, da sie preiswerter als Gemälde waren. Man präsentierte diese (wegen der Empfindlichkeit der Bildschicht) hinter Glas, in hübschen Schutzetuis. Sie erfreuten sich vor allem in den 1840er und 1850er Jahren großer Beliebtheit. Hauptsächlich bezüglich Schärfe und der Detailgenauigkeit überragte die Daguerreotypie das Negativ-Positiv Verfahren von William Henry Fox Talbot, das bald darauf in England gebräuchlich wurde. Das Verfahren wurde bis etwa Mitte der 1850er Jahre verwendet und dann durch die Kollodium-Verfahren und die darauf beruhenden preiswerteren Positiv-Verfahren wie die Ambrotypien und Ferrotypien verdrängt.
Die womöglich einzige noch erhaltene und bekannte Daguerreotype-Schiebekastenkamera des Pariser Herstellers Susse Frères aus dem Jahr 1839 und damit älteste in Serienfertigung hergestellte Kamera wurde im Mai 2007 für 576.600 € versteigert. Von der wenig jüngeren Daguerreotype-Kamera des Herstellers Giroux existieren weltweit etwa zehn Stück in Museen.
[Bearbeiten] Literatur
- Wolfgang Baier: Geschichte der Fotografie; Quellendarstellung zur Geschichte d. F., Schirmer/Mosel Verlag, München 1980
- Fritz Kempe: Photographie zwischen Daguerreotypie und Kunstphotographie (Bilderhefte des Museums für Kunst und Gewerbe; Nr. 14), Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe 1977/87
- René Perret: "Kunst und Magie der Daguerreotypie, Collection W. & T. Bosshard", Brugg 2008
- Jochen Voigt: Der gefrorene Augenblick. Daguerreotypie in Sachsen 1839-1860, Chemnitz 2004
- Jochen Voigt: Spiegelbilder. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie 1840-1860, Chemnitz 2007
[Bearbeiten] Siehe auch
Andere frühe Photographieverfahren:
- Heliografie (1826)
- Talbotypie (auch Kalotypie bzw. Argyrotypie; um 1835)
- Ambrotypie (um 1850)
- Ferrotypie (auch eindeutschend Blechphotographie; um 1850)
- Kollodium-Nassplatte (um 1850)
- Pannotypie (um 1860)
[Bearbeiten] Weblinks
- Prof. Diether Münzberg (1974): Anfertigung von Daguerreotypien oder die Fotografie auf Silberplatten, Studienarbeit
- Daguerreotype-gallery.de: Geschichte, Technik, Sammlungen, Restaurierung u.a., ständige Aktualisierung
- The Daguerreian Society: Umfangreiche Galerie, Datenbank, Literatur im Faksimile (englisch)
- Datenbank für Photoliteratur Stichwort „Daguerreotypie“