Dahlewitz

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52.32222222222213.43944444444442Koordinaten: 52° 19′ 20″ N, 13° 26′ 22″ O

Dahlewitz
Wappen von Dahlewitz
Höhe: 42 m ü. NN
Fläche: 10,33 km²dep1
Einwohner: 2097 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15827
Vorwahl: 033708

Dahlewitz ist ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Blankenfelde-Mahlow im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg). Dahlewitz war bis zum 25. Oktober 2003 eine selbständige Gemeinde.[1]

Lage[Bearbeiten]

Dahlewitz liegt ca. 6 km südlich der Stadtgrenze von Berlin und ca. 10 km westlich vom Flughafen Berlin-Schönefeld.

Geschichte[Bearbeiten]

Die mittelalterliche bis frühneuzeitliche Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Dahlewitz wird vom slawischen Dolovica oder Dolovec, Ansiedlung im Tal abgeleitet (Schlimpert, 1972). 1305 übereignete Markgraf Hermann das Patronatsrecht über die Kirche in „Dolwitz“ dem Benediktinerinnen-Kloster Spandau. 1318 verkaufte Markgraf Waldemar 8 Hufen in Dahlewitz an Walter von Havelland, von dem sie dann in den Besitz der Berliner Marienkirche übergingen (s. u.).

Nach dem Landbuch Karls IV. von 1375 hatte das Dorf 50 Hufen, davon 4 Pfarrhufen, von denen aber nur 2 Freihufen waren. Cuno Wederingen hatte 6 Freihufen und musste dafür dem Markgrafen Vasallendienste leisten. Der Schulze hatte ebenfalls 6 Freihufen, er hatte dafür aber das Lehnspferd für Cuno Wederingen zu halten. Herr Johannes Albi, Geistlicher in der Marienkirche in Berlin hatte für den Altar, dem er vorstand, 8 Freihufen „mit allen Rechten“ („habet ... 8 mansos liberos cum omni iure, ...“), aber nicht den Wagendiensten. Aber Nicolaus Sunde und Jacob Sunde durften den Zins der 8 Hufen des Johannes Albi kassieren. Einem Altar in der Nikolaikirche in Berlin gehörten 5 Freihufen. Jede zinspflichtige Hufe musste 8 Scheffel Roggen und 8 Scheffel Hafer an Pacht und 2 Schillinge an Zins geben sowie 5 Schillinge Bede (Steuer), die an die Burg Wusterhausen gingen. Dem Nicolaus Sunde, Bürger in Berlin, standen die Pacht und der Zins von 12 Hufen zu, von denen 6 Hufen ein Lehen der Schenken von Teupitz(?) („der Pincera“), und 6 Hufen ein Lehen der von Luckenwalde waren. Jacob Sune von Teupitz hatte Pacht und Zins von 11 Hufen. Es gab 8 Kossätenhöfe, von denen aber nur einer besetzt war. Dieser gab der Bauernschaft 1 Schilling. Der Krug musste dem Schulzen an Abgaben 15 Schillinge und ein halbes Talent Pfeffer liefern. Der Markgraf hatte die hohe und niedere Gerichtsbarkeit, die Bede und die Wagendienste. Jede Hufe musste einen halben Scheffel Roggen, einen halben Scheffel Gerste und einen halben Scheffel Hafer an jährlicher Bede zur Burg Wusterhausen liefern. Die Mühle endlich musste 10 Schillinge an die markgräfliche Burg in Wusterhausen geben.

Anfang des 15. Jahrhunderts war das Dorf als Lehen an den Konrad v. Schlieben gekommen, dann noch vor 1428 an die v. Wilmersdorf. 1450 waren noch einige Abgaben im Besitz des Markgrafen, der sie in diesem Jahr seinem Küchenmeister Ullrich Zeuschel verpfändete. 1450 und 1480 sind die v. Willmersdorf Besitzer des Dorfes und eines inzwischen auf 10 Hufen angewachsenen Rittergutes. Das Patronat stand in den Jahren 1527/29 immer noch dem Kloster in Spandau zu. Nach der Reformation und der Auflösung des Klosters kam das Patronatsrecht an die Familie v. Otterstedt, die im 16. Jahrhundert auch das Dorf als Lehnsbesitz hatte (bis 1785). Nach 1785 folgten dann mehrere rasch wechselnde Besitzer.

Die mittelalterliche Dorfkirche[Bearbeiten]

Die mittelalterliche Dorfkirche in Dahlewitz

Die rechteckige Feldsteinkirche mit Querwestturm und später angebauter Herrschaftsloge und Gruft an der Chorsüdseite steht auf dem Dorfanger. Mit großer Wahrscheinlichkeit stand das heutige Kirchengebäude (und nicht etwa ein Vorgängerbau) bereits um 1305, als die Kirche in Dahlewitz erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der Baubeginn von Langhaus und Westturm (bis Traufhöhe) ist daher wohl noch in das ausgehende 13. Jahrhundert zu datieren. Vermutlich im 15. wurde der Westturm in zwei Phasen bis zu seiner heutigen Höhe aufgemauert. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde an die Südseite eine Herrschaftsloge mit darunterliegender Gruft angebaut. 1861 wurde der Innenraum mit Altar, Gestühl, Kanzel und Taufstein renoviert. 1895 musste das Holzwerk des Turms erneuert werden. Der Turm hatte damals noch einen spitzen, ca. 8,60 m hohen Dachreiter auf dem abgewalmten Querdach. 1943/4 wurde die Kirche bei Luftangriffen schwer beschädigt, das Dach wurde zerstört. Bis 1948 waren aber die schlimmsten Schäden wieder beseitigt. 1964 wurde der Altarraum neu gestaltet, 1975 wurden die Buntglasfenster in die barocken Fensteröffnungen der Ostseite eingesetzt. 1998 wurde die Kirchhofmauer wieder instand gesetzt.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Wohnhaus von Bruno Taut

Der expressionistische Architekt Bruno Taut wohnte vor seiner Emigration einige Zeit in Dahlewitz in einem von ihm entworfenen Wohnhaus.

Im Jahr 2005 wurde in Dahlewitz die Elternpartei gegründet, die bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt 2006 mit 1,6 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielte.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet. Es zeigt in seiner Mitte den um 1900 erbauten Wasserturm des Gutes, der vermutlich vom damaligen Gutsbesitzer, dem Architekten Wilhelm Böckmann entworfen wurde.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Waldgasthaus am alten "Königsweg", heute Bahnhofsstraße

Das Gewerbegebiet Dahlewitz liegt verkehrstechnisch günstig unmittelbar nördlich des Autobahnanschlusses (Rangsdorf). Es bietet auf etwa 60 ha Fläche ca. 1.800 Arbeitsplätze. Das größte Unternehmen dort ist Rolls-Royce Deutschland (Flugzeugtriebwerke). Außerdem ist die Großbäckerei Dahlback ansässig. Zudem hat das Schallplattenlabel Wannsee Records (Lola Angst, Digital Factor, Angelzoom) des Blind Passengers-Gründungsmitglieds Nik Page seinen Sitz in Dahlewitz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Erich Kubach, Joachim Seeger: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Mark Brandenburg, Kreis Teltow. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1941.
  • Liselott Enders, Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil IV: Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976.
  • Arbeitsgruppe Historisches Dorf Dahlewitz (Hrsg.): Dahlewitz in Wort und Bild. Dahlewitz 1996.
  • Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 3: Die Ortsnamen des Teltow. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dahlewitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien