Dakien

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Südosteuropa zwischen 118 bis 271 n. Chr in einem historischen Atlas von 1886. Die Grenzverläufe stimmen teilweise nicht mit dem heutigen Forschungsstand überein.
Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.)
Karte von Dakien 82 v. Chr
Die römischen Militäranlagen nach der Besetzung Dakiens.

Dakien (lateinisch Dacia) war von 106 bis 271 eine Provinz des Römischen Reiches.

Geografie[Bearbeiten]

Der Name der Provinz Dakien beruht auf dem dort wohnhaften Volk der Daker, das zusammen mit den Geten das Gebiet der Provinz besiedelte. Nach der Eroberung im Zuge der Dakerkriege durch Trajan im Jahr 106 wurde dem neu eroberten Gebiet die offizielle Bezeichnung Dacia verliehen. Kaiser Hadrian unterteilte sie um 118 in zwei Teile: Dacia superior und Dacia inferior. Fünf Jahre später ließ Hadrian erneut eine Teilung vornehmen und trennte von Dacia superior ein Gebiet ab, das als Dacia Porolissensis bezeichnet wurde. Von 167 bis 169 strukturierte Mark Aurel die Provinz wieder neu: Es gab nun Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis. Diese Struktur blieb bis zum römischen Rückzug unter Aurelian bestehen. Hauptstadt war Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa.

Begrenzt wurde die Provinz an allen Grenzen von den Barbaren. Nur im Süden grenzte die Provinz an Moesia. In späterer Zeit gab es auch eine kleine gemeinsame Grenze mit Pannonia. Die Grenzziehungen wurden meist durch Flussverläufe bestimmt: Im Süden die Donau, im Westen Tisa, Mureș und Criș. Insgesamt bestand Dakien größtenteils aus dem Gebiet des heutigen Rumäniens (resp. Siebenbürgen) und Moldawien.

Die römische Provinz Dacia in der Zeit zwischen Kaiser Trajan (106) bis zur Räumung der Provinz im Jahr 271

König Burebista[Bearbeiten]

Die Daker hatten bereits vor Christi Geburt die Schwelle einer traditionellen Kultur von Ackerbauern und Viehzüchtern überschritten. Neben einem hochentwickelten Kunsthandwerk, im speziellen bemalte Keramik, hatten sich die Menschen auch auf Eisen-, Silber- und Goldverarbeitung spezialisiert. Die Menge an Münzfunden und Münzprägungen sowie die Aneignung zunächst der griechischen und später auch lateinischen Sprache lassen auf teilweise enge Kontakte mit den damals dominanten Kulturen Europas schließen. Bereits früh hatte sich im Bergland von Siebenbürgen bei Broos ein Machtzentrum gebildet, das starken Einfluss auf das Land besessen haben muss. Inwieweit Strukturen staatlicher Ordnung jedoch wirklich bestanden, ist in der Fachwelt umstritten. Zu Caesars Zeiten hatte der dakische König Burebista eine erste wirkliche Machtdemonstration gezeigt, als er seinen Einflussbereich zeitweise über die Nachbarstämme der Geten und Thraker ausdehnen konnte. Obwohl diese Expansion nach Burebistas Tod keinen Bestand hatte, erschienen die dakischen Möglichkeiten den Verantwortlichen des in unmittelbarer Nachbarschaft, am Südufer der Donau, angrenzenden Römischen Reiches als derart bedrohlich, dass wiederholt eine präventive militärische Zerschlagung der dakischen Machtstrukturen anvisiert wurde.[1]

Nach Burebista konnte über einen längeren Zeitraum nicht mehr von einem zentral regierten Dakien gesprochen werden. Verselbständigte größere dako-getische Gruppen fielen immer wieder zu Plünderungen und Zerstörungen in die Grenzräume der mösischen Provinzen ein und die römische Truppen waren gezwungen, in stellenweise massiven Gegenstößen die Ordnung wiederherzustellen. Eine Reaktion der dakischen Herrschaftsschicht auf die römische Präsenz war der umfangreiche militärstrategische Ausbau der Residenz Sarmizegetusa Regia mit dem dazugehörigen religiösen Zentrum im Bergland zwischen den Siebenbürger Westkarpaten und den Südkarpaten. Auch die Römer waren um Sicherungsmaßnahmen bemüht, so waren um 20 n. Chr. die Ansiedlung der einwandernden sarmatischen Reiterkrieger der Jazygen im östliche und nördlich der Donau liegenden Barbaricum des pannonischen Beckens gefördert worden, um die Ostflanke der Provinz Pannonien zu entlasten.[1] Die Römer hatten die Hoffnung, dass die Jazygen und später auch die im Banater Großraum siedelnden sarmatischen Roxolanen als östliche Nachbarn der Daker deren eventuelle Expansionswünsche und Übergriffe vor den Provinzgrenzen abfangen sollten. Doch die Sarmaten waren sehr unzuverlässige Bündnispartner, die zeitweilig nicht nur zu den erbitterndste Gegnern Roms zählten, sondern auch teilweise mit den Dakern paktierten. Weitere Umsiedlungen von Transdanuviern im Zuge der römischen Strategie folgten. Kaiser Vespasian (69–79) verstärkte die Truppen Mösiens und ließ eine Donauflotte aufbauen.[1]

König Decebalus und die Donaukriege (85–89)[Bearbeiten]

Im Winter 85/86 drangen starke dakische Kriegerhorden in Mösien ein und trafen die Römer völlig unerwartet. Ihr Statthalter, Gaius Oppius Sabinus, fiel im Kampf und die Angreifer konnten fast zügellos Plündern und Brandschatzen. Offensichtlich war für den regierenden Kaiser Domitian (81–96) nun der Zeitpunkt gekommen, zunächst den Gegner aus dem Land zu werfen und anschließend eine Strafexpedition auszusenden. Domitian begab sich selbst mit frischen Kräften nach Mösien, doch dauerten die Kämpfe gegen den hartnäckigen Gegner das ganze Jahr 86. Da der alte regierende dakische König Diupaneus die Folgen des römischen Einmarsches fürchtete, trat er zugunsten seines Neffen Decebalus zurück. Mit diesem Mann kam eine politisch und militärisch hoch qualifizierte Persönlichkeit auf den Thron, die großes Verhandlungsgeschick und charismatische Züge trug. In der Zwischenzeit hatte auf römischer Seite der Prätorianerpräfekt Cornelius Fuscus die Leitung der Operationen übernommen. Seine Armee wurde von Decebalus jedoch vernichtend geschlagen. Ein Jahr später versuchte der Legat Tettius Julianus vom Banat aus nach Sarmizegetusa vorzustoßen, musste jedoch aufgrund von zu hohen Verlusten die Offensive abbrechen. Auch die Versuche des nachfolgenden Kaisers Nerva (96–98) Decebalus in die Knie zu zwingen, blieben erfolglos.[2]

Dakien wird römische Provinz[Bearbeiten]

Erst der römische Kaiser Trajan (98–117) konnte nach einem blutigen Krieg (101–102) die dakischen Kräfte zerschlagen. Der bereits von Trajan, bedingt durch die dakischen Niederlagen von 98 zum Klientelkönig gemachte Decebalus versuchte, seine Getreuen zu einem Racheschlag zu sammeln. Trajan reagierte mit einem heftigen Angriff (105–106), an dessen Ende der auf der Flucht befindliche Decebalus Selbstmord beging und die Eroberung der dakischen Gebiete stand (siehe Dakerkriege). In einem auf den 11. August 106 datierten Militärdiplom (in Porolissum gefunden) wird Dacia als römische Provinz genannt. Die von Trajan nach Rom geschleppte Kriegsbeute soll 331 Tonnen Silber und 165 Tonnen Gold betragen haben, eine höchst willkommene Finanzspritze, die unter anderem für den Bau des Trajansforums genutzt wurde.

Bis auf die Markomannenkriege des Mark Aurel blieb die Provinz weitestgehend friedlich, bis 235 starke barbarische Kontingente sich wieder zum Angriff auf die Provinz sammelten. Nach ihrem Angriff 238 wurden fast ununterbrochen heftige Kämpfe geführt. Schlussendlich sah Kaiser Aurelian sich gezwungen, im Jahr 271 die römischen Streitkräfte und die Verwaltung südlich der Donau zurückzuziehen. Da Aurelian und sein Vorgänger Claudius II. zuvor einige Siege über die Goten, die hauptsächliche Bedrohung der römischen Donauprovinzen während der Zeit der Reichskrise, errungen hatten, konnte der Kaiser die Räumung aus einer Position der relativen Stärke anordnen. Mit dem Rückzug auf die Donaugrenze wurde von den Römern auch die Trajansbrücke zerstört, die die längste Brücke der antiken Welt gewesen war. Der römische Abzug war vermutlich eine bewusste Entscheidung, denn er erfolgte zu einem Zeitpunkt, als Rom die Lage in Dakien nach einigen Siegen wieder unter Kontrolle hatte: Durch den Abzug der Truppen wollte Aurelian offenbar eine Pufferzone schaffen, und in der Tat brauchten die Goten und andere Germanen einige Jahrzehnte, um das Gebiet in Besitz zu nehmen; zugleich bildeten sie danach einen gewissen Schutz des Imperiums gegen nachrückende "Barbaren".

Unter Konstantin I. wurden Teile Dakiens zeitweilig wieder zurückerobert; diese gingen jedoch bald wieder verloren bzw. man kehrte zu Aurelians Taktik zurück, das militärisch unhaltbare Gebiet lieber als Puffer zu behandeln. Dennoch gab es auch später noch Provinzen mit Namen Dakien (beispielsweise Dacia Mediterranea), die aber nur den Namen mit Dakien gemeinsam hatten und südlich der Donau lagen.

Ein ungeklärtes Phänomen betrifft übrigens die Sprache in der römischen Provinz Dakien: Da das Gebiet nach Trajan von Menschen aus dem gesamten Imperium Romanum besiedelt wurde, die sich nur auf Latein miteinander verständigen konnten, wurde diese Sprache dort rasch vorherrschend. Unklar ist hingegen, ob man nördlich der Donau auch nach dem Abzug der Römer weiter Latein sprach und wie die gesicherte Existenz der späteren rumänischen Sprache ab dem 13. Jahrhundert in diesem Gebiet zu erklären ist. Nach Ansicht vieler Forscher blieben große Teile der ganz oder teilweise romanisierten Siedler nach 271 im Land und behielten die lateinische Sprache bei, während andere Gelehrte dies entschieden bestreiten.

Siehe auch: Dako-romanische Kontinuitätstheorie

Verwaltung und Militär[Bearbeiten]

Nach der Beendigung des ersten trajanischen Dakerkrieges 102 wurden die eroberten Gebiete zunächst militärisch verwaltet; ab 106 wurde Dakien als kaiserliche Provinz anerkannt. Dies bedeutete, dass der Kaiser selbst die Statthalter aus den Reihen des Senats rekrutierte. Die in Dakien stationierten Truppen unterstanden sowohl dem Befehl des Kaisers als auch dem des Statthalters.

Während des Barbarenansturms der Jahre 117 und 118 wurde in Rom erwogen, Dakien aufzugeben und sich wieder hinter die besser zu verteidigende Donau zurückzuziehen. Hadrian entschied sich allerdings dagegen, da er die dakischen Bodenschätze sowie die strategische Bedeutung der Provinz für zu wichtig erachtete. Als Reaktion auf die Kämpfe leitete er jedoch eine Neuorganisierung der Provinzverwaltung ein, da die bisherige Strukturierung den heftigen Kämpfen nicht gewachsen war: Die südlich der Donau gelegenen Länder wurden in der Provinz Dacia inferior (Niederdakien) zusammengefasst, wohingegen die eigentlich dakischen Gebiete zu Dacia superior (Oberdakien) wurden. Als später auch noch Dacia Porolissensis entstand, existierten nun drei voneinander unabhängige Provinzen mit Oberdakien als der höchstrangigen, die jedoch militärisch eng kooperierten.

Als Dakien 168 erneut unter einem heftigen Ansturm germanischer Stämme zu leiden hatte, erkannte Kaiser Mark Aurel, dass ein einheitliches Kommando dringend benötigt wurde. Also ließ er die Grenzen neu ziehen (in Dacia Apulensis, Dacia Porolissensis und Dacia Malvensis). Die neuen Gebiete wurden einheitlich wieder in der Provinz Dacia unter einem einzigen Statthalter zusammengefasst; die einzelnen Provinzteile spielten hauptsächlich steuertechnisch eine Rolle.

Militärisch wurde Dakien durch zwei Legionen, der V Macedonica (Sitz: Potaissa, das heutige Turda), sowie der XIII Gemina (Sitz: Apulum, das heutige Alba Iulia) abgesichert. Zusätzlich standen zahlreiche Hilfstruppen an den Grenzen zu den barbarischen Gebieten. Insgesamt wird die Anzahl der in Dakien stationierten Soldaten auf etwa 30.000 geschätzt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Während seiner Besatzung war Dakien für die Römer stets ein wichtiger wirtschaftlicher Standort. Dies begründete sich vor allem auf zahlreiche Bodenschätze sowie eine florierende Landwirtschaft. Aus unzähligen Bergwerken bezogen die Römer neben großen Mengen an Gold und Silber – die später äußerst wichtig für die römische Münzprägung wurden - Blei, Kupfer, Eisen, Marmor und Salz. Ein weiterer wichtiger Posten war die florierende dakische Land- und Forstwirtschaft; so wurde viel Holz, Wolle, Vieh, Häute etc. exportiert. Importe dürften hauptsächlich Olivenöl, Wein, Luxuswaren und ähnliches gewesen sein. Der florierende Handel, der meist über die Donau abgewickelt wurde, lag vermutlich größtenteils in der Hand von Kaufleuten aus dem Orient. Doch vor allem die Produktion an Edelmetallen machte die Provinz sehr wichtig auch für die Politik. So ist zu vermuten, dass beim römischen Rückzug 271 der Großteil der Ressourcen bereits erschöpft war, da anderenfalls Aurelian diese niemals aufgegeben hätte.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C. H. Beck Verlag, München 1995. ISBN 3-406-36316-4. S. 271.
  2. Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. C.H. Beck Verlag, München 1995. ISBN 3-406-36316-4. S. 272.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dakien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

45.726.5Koordinaten: 46° N, 27° O