Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt des Kardinals
Altarbild in Pfarrkirche Gaibach um 1745, es zeigt drei einflussreiche Generationen aus dem Hause Schönborns, darunter vorne links Damian Hugo Philipp

Damian Hugo Philipp Reichsgraf von Schönborn-Buchheim (* 19. September 1676 in Mainz; † 19. August 1743 in Bruchsal) war ab 1721 Kardinal und Fürstbischof von Speyer und ab 1740 Fürstbischof von Konstanz.

Herkunft - Das Haus Schönborn[Bearbeiten]

Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim stammte aus dem Geschlecht der von Schönborn. Er wurde als dritter Sohn von 18 Kindern des kurmainzischen Staatsministers Melchior Friedrich Graf von Schönborn-Buchheim geboren. Sein Onkel war Kurfürst-Erzbischof Lothar Franz von Schönborn, seine Brüder die Fürstbischöfe Franz Georg von Schönborn-Buchheim, Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim und Johann Philipp Franz von Schönborn und der Politiker Rudolf Franz Erwein von Schönborn.

Leben[Bearbeiten]

Geistliche Laufbahn[Bearbeiten]

Obwohl er eine tief religiöse Erziehung erhielt, war er zunächst nicht für den geistlichen Stand ausersehen. Nach Studien in den Universitäten in Würzburg, Mainz, Rom, Leiden und Löwen war er 1699 Kompanieführer im Heer Kaiser Leopolds I.. Zwischen 1699 und 1706 wirkte er darüber hinaus auch als Komtur der Deutschordenskommende St. Aegidius in Aachen. Danach war er tätig als Gesandter am Wiener Hof und unternahm diplomatische Missionen. Auf Vorschlag des polnischen Wahlkönigs August des Starken wurde er 1713 von Papst Clemens XI. ins Kardinalskollegium berufen, obwohl er noch nicht die Weihen erhalten hatte. 1721 war er Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere. Trotz seiner Teilnahme an zwei Konklaven blieb Hugo Damian an der Kurie ohne Einfluss. 1719 erfolgte durch Vermittlung seines Onkels Lothar Franz die Wahl zum Fürstbischof von Speyer. Zu diesem Zeitpunkt war er Landkomtur des Deutschen Ordens in Alden-Biesen und Marburg.

Bischof von Speyer[Bearbeiten]

Seine über zwanzigjährige Zeit als Bischof von Speyer war eine friedliche Epoche, verbunden mit einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Damian Hugo Philipp bemühte sich um eine Konsolidierung des Finanzhaushaltes, dazu führte er verschiedene Verwaltungsreformen durch und gründete Musterbetriebe zur Belebung der Wirtschaft. 1722 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Trotz größerer Bauaktivitäten hinterließ er seinem Nachfolger 1,8 Millionen Gulden in der Staatskasse.

Nach heftigen Streitereien mit dem Rat der protestantischen Reichsstadt Speyer verlegte er 1723 seine Residenz nach Bruchsal, wo er das prächtige Schloss Bruchsal durch den genialen Baumeister Balthasar Neumann bauen ließ. In Waghäusel ließ er ab 1724 von Johann Michael Ludwig Rohrer das Jagdschloss Eremitage erbauen, das ab 1737 von Neumann erweitert wurde.

Als Bischof von Speyer nahm Kardinal Schönborn 1730 am viermonatigen Konklave in Rom teil, in dem Clemens XII. zum Papst gewählt wurde.[1]

Späte Jahre[Bearbeiten]

Unter Mithilfe seiner Brüder wurde er bereits 1722 zum Koadjutor des Bistums Konstanz gewählt, erlangte aber erst 18 Jahre später Besitz über das Hochstift und konnte dort keinen Einfluss mehr ausüben. Hugo Damian von Schönborn starb an den Folgen einer Malaria-Erkrankung, die er sich in seiner Zeit in Rom zugezogen hatte. In seine Lebens- und Regierungszeit fällt der Höhepunkt des Einflusses der Schönborn-Familie auf die Geschicke des Reichs.

Wappen[Bearbeiten]

Prunkwappen des Fürstbischofs

Fürstbischöfe führten üblicherweise ein gemehrtes persönliches Wappen, das sich aus Elementen des Familienwappens und dem Wappen des Bistums zusammensetzt. Das Prunkwappen von Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim an der Fassade des von ihm errichteten Schlosses Bruchsal beinhaltet die folgenden drei Wappenschilde: Der (optisch) linke Wappenschild ist geviert. Im Wechsel findet sich jeweils in Blau ein silbernes Kreuz (für das Hochstift Speyer) sowie in Rot eine silberne Burg mit Tor und zwei Türmen, darüber eine goldene Krone (für die Fürstpropstei Weißenburg). Diese Vierung deutet auf die länger andauernde Personalunion der beiden Ämter hin. Der rechte Schild zeigt das Familienwappen der Schönborn: in Rot ein auf drei silbernen Spitzen schreitender zweischwänziger goldener Löwe, der blau gekrönt ist. In der Mitte findet sich ein kleinerer Wappenschild mit einem doppelten schwarzen Tatzenkreuz in Silber, der für die beiden Landkomtureien des Deutschen Ordens Alden-Biesen und Marburg steht (siehe auch Liste der Kommenden des Deutschen Ordens). Die drei Einzelwappen sind unter einem Fürstenhut angeordnet. Verziert mit weiteren Herrschaftsinsignien wird das Wappen von einer goldenen Fassung eingerahmt, die nach oben mit einem Kardinalshut abschließt. Hinweise auf das Bistum Konstanz fehlen in dieser Darstellung, weil Damian Hugo es erst deutlich später übernahm.

Varia[Bearbeiten]

Aus seinem Umfeld soll die Redewendung „Das ist alles für Hugo“ stammen. Wenn seine Bediensteten Dinge für ihn sortierten, sollen sie mit dieser Redewendung die Sachen in den Ofen geworfen haben.

Schlösser des Fürstbischofs Damian Hugo[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle zur Teilnahme am Konklave von 1730
Vorgänger Amt Nachfolger
Heinrich Hartard von Rollingen Fürstbischof von Speyer und
Fürstpropst von Weißenburg

1719–1743
Franz Christoph von Hutten zum Stolzenberg
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Franz II. von Stauffenberg Fürstbischof von Konstanz
1740–1743
Kasimir Anton von Sickingen
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich von Renesse Komtur der Kommende in Aachen
1699–1706
Bertram Anton von Wachtendonk