Damis

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Damis (früher irrig Damis von Ninive genannt) war angeblich ein Gefährte des neupythagoreischen Philosophen Apollonios von Tyana, der im späten 1. und frühen 2. Jahrhundert lebte. Er soll Apollonios auf dessen Reisen begleitet und darüber Aufzeichnungen (Hypomnemata) angefertigt haben, die nicht erhalten sind. Als Augenzeuge ist er sicher eine fiktive Gestalt, doch besteht die Möglichkeit, dass es tatsächlich ein verlorenes Werk aus dem 2. Jahrhundert gab, dessen Verfasser sich als Philosophengefährte Damis ausgab.

Damis soll aus Hierapolis Bambyke gestammt haben.[1] Damit die Taten des Apollonios nicht vergessen würden, soll er seine Aufzeichnungen angefertigt haben, die dann im 3. Jahrhundert als Quelle für die Apolloniosbiographie des Flavius Philostratos gedient haben sollen.[2]

Von der Existenz des Damis wissen wir nur durch Philostratos, der ihn mehrmals in seiner Apolloniosbiographie erwähnt. Das Werk des Philostratos ist von der modernen Forschung als größtenteils unglaubwürdig erwiesen worden. Bereits im 19. Jahrhundert wurde daher bezweifelt, dass es sich bei Damis überhaupt um eine reale Person handelt,[3] zumal Philostratos, der im frühen 3. Jahrhundert schrieb, behauptet, das Werk des Damis sei zuvor nicht veröffentlicht worden, sondern erst damals wiederaufgetaucht und durch einen Verwandten des Damis der Kaiserin Julia Domna zugekommen. Diese habe dann Philostratos die Aufgabe übertragen, es neu zu bearbeiten.

Eduard Meyer veröffentlichte 1917 in der Fachzeitschrift Hermes einen Aufsatz, in dem er die sehr einflussreiche These vertrat, dass es sich hierbei um eine reine Fiktion handele.[4] Viele moderne Gelehrte gehen davon aus, dass Damis eine von Philostratos selbst erfundene Gestalt ist.[5] Es wurde gemutmaßt, dass der fiktive Damis ein literarisches Hilfsmittel gewesen sein könnte, ähnlich wie der höchstwahrscheinlich fiktive Aelius Cordus dem anonymen Autor der spätantiken Historia Augusta als Sündenbock für ganz unglaubhafte Episoden gedient hat.[6] Doch selbst wenn es sich bei Damis um das Pseudonym eines realen Autors des 2. Jahrhunderts handeln sollte, der tatsächlich ein Werk über Apollonios anfertigte, so war dieser Autor jedenfalls für das Leben des Apollonios kein Augenzeuge, sondern hat – ebenso wie später Philostratos – eine weitgehend fiktionale Schilderung verfasst.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ewen Lyall Bowie: Apollonius of Tyana: Tradition and Reality. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Bd. II 16.2. De Gruyter, Berlin 1978, ISBN 3-11-007612-8, S. 1652–1699
  • Ewen Bowie: Philostratus: Writer of Fiction. In: John Robert Morgan, Richard Stoneman (Hrsg.): Greek Fiction: The Greek Novel in Context. Routledge, London 1994, ISBN 0-415-08506-3, S. 181ff.
  • Maria Dzielska: Apollonius of Tyana in Legend and History (= Problemi e ricerche di storia antica 10). „L'Erma“ di Bretschneider, Rom 1986, ISBN 88-7062-599-0
  • Eduard Meyer: Apollonios von Tyana und die Biographie des Philostratos. In: Hermes 52, 1917, S. 371–424.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Mit „das alte Ninos“ (Philostratos, Vita Apollonii 1,19) ist nicht, wie man früher glaubte, Ninive, sondern Hierapolis gemeint; siehe Christopher P. Jones: Apollonius of Tyana’s Passage to India. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies 42, 2001, S. 185–199.
  2. Philostratos, Vita Apollonii 1,3.
  3. So etwa Eduard Zeller: Die Philosophie der Griechen. 3. Teil, 2. Abteilung, 3. Auflage, Leipzig 1881, S. 151 Anm. 3.
  4. Eduard Meyer: Apollonios von Tyana und die Biographie des Philostratos. In: Hermes 52, 1917, S. 371–424, hier: 371ff.
  5. Allerdings keineswegs alle, siehe zusammenfassend Ewen Bowie: Apollonius of Tyana: Tradition and Reality. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Bd. II.16.2, Berlin 1978, S. 1652–1699, hier: 1663ff.
  6. Alan Cameron: Greek Mythography in the Roman World. Oxford 2004, S. 125.