Dampfbier

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Dampfbier

Dampfbier zählt zu den obergärigen Biersorten. Es wird bei höheren Umgebungstemperaturen bei 18 bis 20 °C gebraut. Der Name wird auf den stark schäumenden Gärvorgang zurückgeführt, bei dem die Schaumbläschen schnell platzen und eine dampfartige Zone über dem Gärschaum entwickeln. Einige Brauer der Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts titulierten ihr Bier ebenfalls als "Dampfbier", da sie eine Dampfmaschine bei der Bierherstellung benutzen. Sie drückten mit dem Namensbestandteil Fortschritt und Modernität aus.[1]

Herkunft und Brauart[Bearbeiten]

Dampfbier war im Rheinland, in Westfalen und Bayern bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und wurde wegen der kostengünstigen Brauweise als „Arme-Leute-Bier“ bezeichnet.[2]

Zum Brauen wurde vorwiegend Gerste genutzt, nur wenig karamellisierter Malz wurde zugesetzt. Der Gärprozess wurde mit überschüssiger Hefe aus Weißbierbrauereien gestartet. Aus Kostengründen wurde meist selbstangebauter Hopfen („Hinterhofhopfen“) zugesetzt. Das Bier wurde nicht pasteurisiert und in tiefgelegenen Kellern oder Felsenkellern gelagert. Der geringe Hopfengehalt führte zu einem phenolischen (an Gewürznelken erinnernden), mitunter leicht rauchigen Geschmack.[3]

Niedergang und Wiederbelebung[Bearbeiten]

Das Dampfbier hat sich am längsten im Bereich des bayerischen Waldes erhalten, starb aber auch dort Anfang des 20. Jahrhunderts aus. In den 1980er und 1990er Jahren haben einige Brauereien in Bayern und Nordrhein-Westfalen diese Biersorte erfolgreich wiederbelebt (s. weblinks).

In Amerika hat sich unabhängig vom deutschen Dampfbier eine vergleichbare Brauart in der Region von San Francisco entwickelt. Auch hierbei wurden Gerste und selbstgezogener Hopfen als regional verfügbare Ausgangsstoffe eingesetzt und obergärig gebraut. Das heutige amerikanische „Steam Beer“ der Anchor Brewing Company of San Francisco wird weiterhin obergärig („at warmer ale temperatures“) unter Einsatz von „Lager Beer“-Hefe gebraut. Auf Grund dieser kombinierten Brauweise wird amerikanisches Dampfbier mitunter als „Lager Beer“ eingeordnet.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Erste Oberländische Dampfbierbrauerei BadLobenstein: Chronik der Brauerei, abgerufen am 28. April 2013
  2. Kölner Brauerei-Verband e. V.: Bier in Köln, abgerufen am 28. April 2013
  3. 1. Dampfbierbrauerei Zwiesel: Dampfbier, abgerufen am 28. April 2013
  4. German Beer Institute: Dampfbier, abgerufen 28. April 2013