Danewerk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Querschnitt durch einen Überrest des Danewerks
Übersichtskarte der Lage des Danewerks in Schleswig-Holstein

Das Danewerk (dänisch Dannevirke, altdänisch danæwirchi) ist ein Bodendenkmal aus mehreren Gräben, Wällen, einer Mauer und einem Seesperrwerk [1] an der so genannten Schleswiger Landenge zwischen der über die Eider zur Nordsee entwässernden Treene, der Schlei und der Eckernförder Bucht. In den fränkischen Reichsannalen wird es als eine Befestigungsanlage der Dänen gegen die Sachsen und slawische Stämme beschrieben. Das Danewerk gilt als das größte archäologische Bodendenkmal Nordeuropas.[2][3] Eine besondere Bedeutung als nationales Symbol besitzt es für Dänemark.[4]

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Danewerk verlief von Hollingstedt nach Haithabu (oder dem heutigen Schleswig) auf einer Länge von 30 km. Westlich von Hollingstedt war ein Eindringen nach Dänemark aufgrund des sumpfigen Geländes um Eider und Treene schwierig. Östlich von Haithabu erschwerte die Schlei einen Angriff. Dort befandt sich auch das sogenannte Schlei-Sperrwerk. Ein weiterer Abschnitt des Danewerks verlief als Osterwall zwischen Windebyer Noor bei Eckernförde und dem zur Schlei entwässernden Osterbach und sollte die Halbinsel Schwansen schützen. Dieser Abschnitt des Danewerks wurde nach der Wikingerzeit nicht weiter ausgebaut, und er ist heute nur noch an einigen Stellen zu erkennen.

Das Danewerk besaß nur ein Tor, das Wieglesdor, durch das auch der Ochsenweg passierte. Dieses Tor war im 12. Jahrhundert verfüllt worden[5] und wurde 2010 wiederentdeckt und 2010/11 ausgegraben.[6] Neben der Sicherung der Südgrenze diente das Danewerk auch zur Sicherung des quer über die Halbinsel führenden Verkehrs. Der Abstand zwischen Nordsee und Ostsee ist hier am kürzesten. Waren wurden mit Schiffen auf der Eider und Treene und dann über Land von und nach Haithabu gebracht.

Die Wallzüge sind heute noch zu fast 80 % erhalten. Heutige Besucher müssen in Betracht ziehen, dass ein Erdwall im Laufe der Zeit etwas zusammensinkt, also ist der Wall einmal etwas höher gewesen und das Profil vermutlich steiler.

Geschichte[Bearbeiten]

Fünf exemplarische Bauphasen verschiedener Abschnitte des Danewerks sowie deren lokalgeographische Einordnung
Verlauf des östlich gelegenen Osterwalls

Der Legende nach wurde der Bau des Danewerks von Thyra, Königin Gorms des Alten, verordnet. Allerdings zeigen neuere Analysen, dass die ältesten Wallteile viel älter sind. Der Bau erfolgte in mehreren Phasen von 737[7] bis 1170, in einer Zeit, als der Schwerpunkt des dänischen Reiches in Jütland lag. Ab dem 13. Jahrhundert verfiel es wieder. Es bestand im Wesentlichen aus, mit Holz und später mit Stein, verstärkten Erdwällen und Gräben.

Das Danewerk (Hauptwall) beinhaltet eigentlich acht unterschiedliche Entwicklungsstufen und verläuft gradlinig zwischen zwei Wasserläufen. Die drei ältesten Ausführungen (vor „Danewerk I“) entstanden vor 700 n. Chr. Nach den Ergebnissen der Grabungskampagne 2013 werden sie auf die Jahrzehnte vor 500 datiert.[8] Einige Forscher vermuten, dass erste Vorläufer bereits während der Römischen Kaiserzeit entstanden, doch lässt sich dies bislang nicht belegen. Die Darstellung der neuesten archäologischen Ergebnisse von H. Hellmuth Andersen (2004) zeigt, dass das ursprüngliche Konzept wohl kein Verteidigungswall, sondern ein Graben war, der auf jeder Seite von einem kleinen Wall begrenzt wurde. Eine Behinderung für Fußvolk und Reiter ist für diese Phase schwerlich zu erkennen. Der Begriff „Verteidigungswall“ und „Grenze seines Reiches“ wird aber in den fränkischen Reichsannalen von 804/08 benutzt und dominiert bis heute die Deutung des Bodendenkmals. Die Schilderung in den Annalen ergibt aber nur dann einen Sinn, wenn damals „nationale“ Besitzansprüche auf den Handelsplatz Haithabu konstruiert bzw. geltend gemacht werden sollen. Die Deutung des Bauwerks als Schiffschleifanlage (dän. Dragsted) über die Landenge bei Schleswig, als westlicher Ostseeausgang, ist bislang wenig gebräuchlich.

Bauphase I[Bearbeiten]

Reste des Osterwalls westlich von Kochendorf

Das Danewerk I (Hauptwall, Nordwall, Osterwall), dendrochronologisch datiert auf 737, bestand aus einem ca. 2 m hohen und etwa 12 m breiten Erdwall mit einer starken Holzpalisade als Wallfront, die im anschließenden Bauprofil durch eine Feldsteinmauer ersetzt wurde. Das darauf folgende Profil (Regierungszeit Harald Blauzahn) weist dramatische Veränderungen auf. Der Wallgraben wurde zugeschüttet. Die Steinmauer wurde im oberen Bereich abgetragen und eine Rampe von Süden aufgeschüttet. Somit konnten Reiter von Süden auf die Wallkrone gelangen. Zum weiteren Schutz wurde ein zusätzlicher Wall von ca. 2 m Höhe an der Nordseite aufgeschüttet. Die Front dieser Baumaßnahme zeigt nach Norden. Als spätere Alternative wurde der Kograben errichtet.

Der geschichtliche Anlass für seine Erbauung ist nicht überliefert; es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Anlage der Verteidigung gegen die nordelbischen Sachsen und/oder die im heutigen Ostholstein ansässigen slawischen Stämme dienen sollte.

Bauphase II[Bearbeiten]

Das Danewerk II (Kograben) bestand aus einem etwa 2 m hohen und 7 m breiten Erdwall, dem ein circa 4 m breiter und 3 m tiefer Spitzgraben vorgelagert war. Die Wallfront war auch mit einer Holzpalisade, die über schräge Pfeiler gestützt wurde, verkleidet. Es wurde lange angenommen, dass der Wall im 10. Jahrhundert von den dänischen Königen Sven Gabelbart oder Harald Blauzahn in Auftrag gegeben worden sei. Untersuchungen mittels Radiokohlenstoffdatierung deuten nun jedoch auf eine Bauzeit bereits um das Jahr 800, zur Zeit des Königs Gudfred, hin. Grund für den Bau waren wahrscheinlich die kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den mit dem Frankenreich verbündeten Abodriten unter ihrem Fürsten Drasco und dem Dänenkönig um den Seehandelsplatz Reric im Jahr 808. Die fränkischen Reichsannalen berichten nämlich davon, dass Gudfred nach der Zerstörung Rerics die dort ansässigen Kaufleute nach Haithabu umsiedelte und dort einen großen Schutzwall anlegte. In der Folge kam es zu politischen Spannungen zwischen Karl dem Großen und dem Dänenkönig, die 810 beinahe in einen Krieg mündeten. Nach dem plötzlichen Tod Gudfreds 810 wurde die südlich des Danewerks fließende Eider als Grenze festgelegt.

Der Berliner Historiker Klaus Goldmann favorisiert die Hypothese, dass der Kograben als Schiffahrtskanal angelegt wurde.[9] Das korrespondiert gut mit den 2004 von H. Andersen vorgestellten Befunden zum eigentlichen Danewerk.

Bauphase III[Bearbeiten]

Danewerk östlich des Ortes Dannewerk
Waldemarsmauer
Hauptwall
Hauptwall des Danewerks nordwestlich von Kurburg

Der Hauptwall des Danewerks III (Hauptwall, Verbindungswall, Krummwall, Bogenwall, Doppelwall) erreichte eine Höhe von 5 m und eine Breite von 20–30 m. Der hier „Verbindungswall“ genannte Abschnitt verband den Hauptwall im engeren Sinne mit der landseitigen Umwallung Haithabus und wird auch Margarethenwall genannt, dieselbe Bezeichnung wie für die Befestigung nördlich der Schlei-Enge von Missunde. Später wurde die Wallfront weiter verstärkt: Zuerst durch eine 3 m hohe und 3 m breite Feldsteinmauer, später eine 7 m hohe Backsteinmauer. Der Baubeginn wird dendrochronologisch auf 968 datiert. Grund für den Ausbau waren wahrscheinlich die Auseinandersetzungen zwischen dem ostfränkisch-ottonischen und dem dänischen Reich; der spätere Hauptwall allerdings richtete sich offenbar gegen angreifende Slawen.

Die Endphase bestand im Bau der so genannten Waldemarsmauer um 1170. Die Anlage besaß eine Länge von ca. 3,7 km. Die Wallfront wurde durch eine vermutlich 7 m hohe und etwa 2 m dicke Backsteinmauer gebildet, der dahinter (nach Norden) liegende Wall war ca. 30 m breit. Die Backsteinmauer gilt als das älteste profane Backsteinbauwerk Nordeuropas. Beim Bau der Waldemarsmauer, des ältesten Ziegelbauwerks der Region, wurde auch das Tor verfüllt.[10]

Da die Grenze zwischen Dänen und Deutschen (und zwischen Schleswig und Holstein) seit dem frühen 11. Jahrhundert endgültig durch die südlich des Danewerks gelegene Eider markiert wurde, nahm die Bedeutung der Befestigung ab. Als Holstein dann nach 1201 unter Waldemar II. Reichsteil Dänemarks wurde, verlor das Danewerk seine militärische Funktion ganz und begann zu verfallen. Zwar konnte Holstein die dänische Herrschaft 1227 wieder abschütteln, sodass es bis 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches blieb, doch wurden die Beziehungen zwischen Holstein und Schleswig in der Folgezeit immer enger, weshalb das Danewerk fortan militärisch bedeutungslos blieb.

Neuzeit[Bearbeiten]

Im 19. und im 20. Jahrhundert wurde das Danewerk aber noch einmal militärisch reaktiviert. Im Schleswigschen Krieg 1864 wurde es von dänischen Pionieren als Verteidigungsanlage ausgebaut. Die dänische Armee zog sich erstmals hinter dem Danewerk vor den voranschreitenden Österreichern zurück, aber als die wässrigen Gebiete vor dem Wall zuzufrieren drohten, wurde die 40.000 Mann starke Armee nordwärts nach Flensburg und in die Festung Düppel evakuiert. Das Danewerk hatte für viele als uneinnehmbare Festung gegolten, und der Rückzug im Schneesturm und strengem Frost wurde ein nationales Trauma.

1944 sollte das Danewerk in eine großzügige, nach dem Norden gerichtete Panzersperranlage umgestaltet werden. 9.000 Männer waren vor Ort abkommandiert, um die Bauarbeiten auszuführen. Søren Telling, ein dänischer Archäologe und ehemaliges Stabs-Mitglied der DNSAP von Frits Clausen, wurde 1940 beim damaligen[11] schleswig-holsteinischen Landesmuseum in Kiel angestellt. Er wandte sich an den SS-Reichsführer Heinrich Himmler, der für das „Amt für Ahnenerbe“ zuständig war. Telling vermochte es unter Vorwänden, wie der „Bedeutung des Danewerks für die arische und germanische Kultur“, ihn dazu zu bringen, den Befehl umzustoßen; damit wurde das Danewerk gerettet. Himmler hatte schon 1935 Haithabu den Status „deutsche Kulturstätte“ verliehen und 1937 die Grabungen des Archäologen und späteren SS-Obersturmbannführers Herbert Jankuhn inspiziert. Im November 1942 stellte General Erhard Milch, ebenfalls auf Intervention Himmlers, seine Arbeiten und Eingriffe am Danewerk ein. Telling blieb bis zu seinem Tod 1968 Inspektor des Danewerks.

1950/51 gelang es, die Reste des Danewerks unter Naturschutz zu stellen. 1958 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1990 befindet sich direkt am Wall das Danewerkmuseum. Es gibt auch Bemühungen, das Danewerk und die Wikingersiedlung Haithabu von der Unesco als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henning Hellmuth Andersen: Danevirke. Kopenhagen 1976, ISBN 87-01-53861-6.
  • Henning Hellmuth Andersen: Aktuelle Grabungsergebnisse am Danewerk. In: Archäologie in Deutschland. 4/1992, ISSN 0176-8522, S. 56.
  • H. Hellmuth Andersen: Til hele rigets værn, Danevirkes arkæologi. Moesgård und Wormianum, 2004, ISBN 87-89531-15-9. (dänisch)
  • Jørgen Kühl: Heinrich Himmler, Søren Telling og Danevirke. Museet ved Danevirke, Dansk Generalsekretariat, Sydslesvigsk Forening, Flensborg 1999, OCLC 464223963. (dänisch)
  • J. Reichstein: Aktuelle Grabungsergebnisse am Danewerk. In: Archäologie in Deutschland. 1/1991, ISSN 0176-8522, S. 60.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Danewerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Danewerk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Danewerk. Freiraumkonzept Danewerk-Busdorf, abgerufen am 3. Mai 2014.
  2. Danevirke Museum. Gemeinde Dannewerk, abgerufen am 4. Februar 2011.
  3. Danewerk. Schleswig-Holsteinische Geschichtsgesellschaft, abgerufen am 4. Februar 2011.
  4. I krigens fodspor. Danmarks Radio, abgerufen am 4. Februar 2011.
  5. Astrid Tummuscheit: Das Tor im Dannewerk bei Rothenkrug - Ausgrabungen 2010 und 2011. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Oktober 2012, S. 10.
  6. Danewerk: Archäologen finden das Tor zum Wikingerreich. auf: Spiegel Online. 27. August 2010.
  7. Hildegard Elsner: Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt. Neumünster 2004, OCLC 76766184.
  8. Das Danewerk - älter als gedacht
  9. Klaus Goldmann über frühgeschichtliche Wasserbauten (MS Word; 71 kB)
  10. Astrid Tummuscheit: Das Tor im Dannewerk bei Rothenkrug - Ausgrabungen 2010 und 2011. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Oktober 2012, S. 8.
  11. DB–Eintrag des Hermann von Helmholtz-Zentrums an der HU Berlin

54.47759.4866666666667Koordinaten: 54° 28′ 39″ N, 9° 29′ 12″ O