Daniel Johnston

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Johnston im Jahr 2006

Daniel Johnston (* 22. Januar 1961 in Sacramento, Kalifornien, USA) ist ein US-amerikanischer Sänger, Musiker und Künstler.

Leben[Bearbeiten]

Zeichnung von Daniel Johnston auf einer Hauswand in Austin, Texas (von 1994). Siehe auch: Hi, How Are You.

Daniel Johnston kam als jüngstes von fünf Kindern in Kalifornien zur Welt. Er wuchs in Cumberland, West Virginia in einem streng christlichen Elternhaus als Sohn eines Ingenieurs auf. Wesentlich jünger als seine Geschwister zeigte er früh künstlerische Neigungen, denen in seiner Umgebung mit Befremden begegnet wurde. So zeichnete er unter anderem Comics mit absonderlichen Kreaturen, immer wieder taucht der „eyeball“ (Augapfel) auf. Der Widerstand, der ihm, der nicht in das klassische männliche Rollenbild passt, in seiner Umgebung entgegengebracht wurde, wird in zahlreichen Kassetten und auch kurzen Filmen verarbeitet.

In der Pubertät scheitert er daran, den vorgezeichneten Weg zu gehen. Nach einer großen Krise müssen ihn seine Eltern vom anspruchsvollen College nehmen, er besucht dann ein Kunst-College in seiner Heimat. Doch auch hier kann er den Studienanforderungen nicht gerecht werden. Seine Eltern schicken ihn zu seinem älteren Bruder nach Austin, Texas, wo er im Vergnügungspark Astroworld arbeitet. Nach dem Sommer kehrt er nach West Virginia zurück, verschwindet aber nach kurzer Zeit. Er taucht wieder in Austin auf und verdingt sich dort in einem McDonald's-Lokal als Tischabräumer. Seine selbst eingespielten Lieder verschenkt er auf Kassetten, so auch einem Redakteur der Lokalzeitung. 1983 beginnt ein lokales Plattengeschäft seine Demotapes erstmals zu verkaufen und verhilft ihm so zu größerer Bekanntheit. MTV bringt schließlich 1985 einen Beitrag über Daniel Johnston, was die Aufmerksamkeit der amerikanischen Independence-Szene erregt. Bands wie Sonic Youth, Dead Milkmen und andere wollen Songs von ihm aufnehmen. Doch seine Krankheit verhindert die Karriere. Getrieben von dem Wunsch, berühmt zu werden, endet ein Besuch bei Sonic Youth Ende der 1980er Jahre in New York in einem Desaster.

Lediglich die Zusammenarbeit mit Jad Fair von Half Japanese ist erfolgreich. Doch auch sie endet in einem Aussetzer, als er eine Frau, die er vom Teufel besessen glaubt, so ängstigt, dass sie aus dem Fenster springt und sich die Beine bricht. Kurt Cobain, der Sänger von Nirvana, verhilft Daniel Johnston dann zum Höhepunkt seiner Bekanntheit, als er während der Verleihung der MTV-Awards 1992 ein T-Shirt mit dem von Daniel Johnston selbstgezeichneten Cover einer seiner Kassetten („Hi, how are you?“) trägt. Es kommt zu einem Vertrag bei Atlantic Records und in der Folge zu einer CD-Veröffentlichung (Fun, 1994), von der aber nur wenige Tausend Stück verkauft werden. Wieder versandet die auch von ihm selbst erwartete große Karriere schon bei ihrem Start.

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Es ist seine bipolare Störung, die sich besonders dann bemerkbar macht, wenn ihm Aufmerksamkeit und Ruhm und damit psychischer Druck zuteilwerden. In manischen Phasen weigert er sich oftmals, seine Medikamente zu nehmen – Exzesse und Entgleisungen sind die Folge. 1986 muss er sich erstmals in klinische Obhut begeben, 1988 erneut. Er wohnt zwischenzeitlich wieder bei seinen Eltern, zuerst in West Virginia, in den 90er Jahren in Waller, Texas, wohin seine Eltern umziehen. Während einer weiteren manisch-psychotischen Phase zieht er auf der Rückkehr von den Austin Music Awards 1990 den Schlüssel vom Kleinflugzeug seines Vaters und bringt so das Flugzeug zum Absturz. Vater und Sohn überleben den Absturz leicht verletzt. Auch dem erneuten Popularitätshoch nach 1992, das zum Plattenvertrag mit Atlantic führt, folgt eine weitere psychische Krise – es kommt zu keiner weiteren Veröffentlichung bei Atlantic. Seither ist es um Daniel Johnston ruhiger geworden. Johnston komponiert weiterhin Musik, gibt gelegentlich Konzerte und zeichnet – seine (Comic-)Zeichnungen sind mittlerweile weltweit ausgestellt worden.

Viele seiner Fans sehen Daniel Johnston als Genie. In der Tat hat seine schizoaffektive Störung sein künstlerisches Schaffen ebenso stark befördert, wie sie seine große Karriere verhindert hat. Die Texte, Musik und seine wenigen Live-Auftritte repräsentieren nicht nur die Musik eines Künstlers, sondern sie sind der Künstler selbst. Entsprechend stark ist der Eindruck von Authentizität, den sein Schaffen vermittelt und der sicher auch zum großen Hype Anfang der 1990er Jahre beigetragen hat.

Ende 2006 erschien das Album Do It Again: A Tribute To Pet Sounds (Indie-Künstler interpretieren das klassische Album der Beach Boys neu) mit seiner Version von God Only Knows.

Diskographie[Bearbeiten]

  • Songs of Pain (Stress Records, 1981) Kassette
  • Don’t be Scared (Stress Records, 1982) Kassette
  • The What of Whom (Stress Records, 1983) Kassette
  • More Songs of Pain (Stress Records, 1983) Kassette
  • Yip Jump Music (Stress Records, 1983) Kassette
  • Hi, How Are You (Stress Records, 1983) Kassette
  • The Lost Recordings (Stress Records, 1983) Kassette
  • The Lost Recordings II (Stress Records, 1983) Kassette
  • Retired Boxer (Stress Records, 1984) Kassette
  • Respect (Stress Records, 1985) Kassette, 10"
  • with Texas Instruments: Continued Story (Stress Records, 1985) Kassette
  • Merry Christmas (Stress Records, 1988) Kassette
  • New York, CBGBs 04/22/88 (Bootleg Tape, 1988)
  • mit Jad Fair: It’s Spooky (50 Skidillion Watts, 1989)
  • Continued Story/Hi, how are you? (Homestead Records, 1989)
  • Yip/Jump Music (Homestead, 1989)
  • Live at South by Southwest (Stress Records, 1990) Kassette
  • 1990 (Shimmy Disc, 1990)
  • Artistic Vice (Shimmy Disc, 1991)
  • Please Don't Feed The Ego (Eternal Yip Eye Music, 1994)
  • Fun (Atlantic Records, 1994)
  • with Ron English and Jack Medicine: Hyperjinx Tricycle (Important Records, 2000)
  • Why me? live in Berlin, Volksbuehne 06/06/99 (Trikont, 2000) CD
  • Rejected Unknown (Gammon Records, 2001)
  • Live Wien, Flex, 13.10.2001 (Radio Broadcast, 2001)
  • Daniel Johnston & Jad Fair: The Lucky Sperms – Somewhat Humorous (Jagjaguwar, 2001)
  • Fear Yourself (Gammon Records, 2003) CD
  • The Early Recordings of Daniel Johnston Volume 1 (Dualtone, 2003) 2CD
  • The Late Great Daniel Johnston: Discovered Covered (Gammon Records, 2004) CD
  • Lost And Found (Sketchbook, 2006) CD
  • The Devil Has Texas : The Tribute EPs Extended (Little Teddy Recordings, 2008) CD
  • Lost And Found (Little Teddy Recordings, 2008) LP
  • Is and Always Was (Eternal Yip Eye Music, 2009)
  • Beam Me Up (Hazelwood, 2010)
  • Space Ducks (Feraltone/Cargo,2013)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Daniel Johnston – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien