Daniel Pennac

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Daniel Pennac

Daniel Pennac, eigentlich Daniel Pennacchioni (* 1. Dezember 1944 in Casablanca, Marokko), ist ein französischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Seine Kindheit verbrachte Pennac in Afrika und Asien. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft in Nizza arbeitete und lebte Pennac als Lehrer in dem Pariser Stadtteil Belleville, wo er noch heute ansässig ist. Im Jahre 1973 publizierte er sein erstes Werk Le service militaire au service de qui?, ein militärkritisches Buch. Um der militärischen Karriere seines Vater, welcher für die französischen Armee arbeitete, jedoch nicht zu schaden, verkürzte er seinen eigentlichen Namen Pennachioni und schrieb unter dem Pseudonym Pennac.

1985 erschien Au Bonheur des ogres (Paradies der Ungeheuer), der erste Kriminalroman über den professionellen, notorischen "Sündenbock" und Freizeitdetektiv Benjamin Malaussène. Aufgrund des Erfolges folgten kurz darauf die Fortsetzungen La fée carabine (1987, Wenn alte Damen schießen) und La petite marchande en prose (1989, dt. Sündenbock im Bücherdschungel), sowie mit etwas Abstand Monsieur Malaussène (1995, dt. Monsieur Malaussène), Des Chrétiens et des Maures (1996, dt. Vorübergehend unsterblich), Aux fruits de la passion (1998, dt. Adel vernichtet) und schließlich im Jahre 2003 Le dictateur et le hamac (Der Diktator und die Hängematte).

Einen weiteren Erfolg erzielte Pennac mit seinen Kinderbüchern, vor allem mit der Buchreihe über den kleinen Abenteurer Kamo.[1] Pennac befasste sich außerdem mit der Kunst des Romanschreibens: Im Jahre 1992 publizierte er mit Comme un roman (Wie ein Roman) ein weiteres seiner Werke, in dem er sich auf die Seite des Lesers schlägt und in zehn Punkten dessen Rechte einfordert. Diese Rechte gehen von dem Recht nicht zu lesen, über das Recht auf wiederholte Lektüre bis hin zum Recht auf das Lesen im stillen Kämmerchen.

Sein Comic Débauche (dt. "Abwärts"), den er zusammen mit Jacques Tardi verfasste, behandelt das Thema der Arbeitslosigkeit. Mit dem Prix Renaudot erhielt Pennac 2007 einen der bedeutenden französischen Literaturpreise.

Bei den Präsidentenwahlen von 2002 war er im Schattenkabinett des Humoristen Dieudonné.

Stil[Bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre etablierte Pennac sich in den französischen zeitgenössischen Bestsellerlisten und errang einige Literaturpreise. Pennac wurde von Sabine Janssen als neues Erzähltalent und als Autor mit Zukunft bezeichnet.[2] Dem literarischen Talent Pennacs wird eine interessante Schreibweise als auch zahlreiche literarische Verwandtschaften zu renommierten Autoren zugeschrieben.

Pennacs Werke schreiten meist in einem rasanten Erzähltempo voran, sind recht komplex konzipiert und erscheinen bei der ersten Lektüre meistens recht verworren: Mehrere Handlungsstränge, in die verschiedene Personen und Charaktere verwickelt sind, spielen sich parallel ab und vermitteln dem Leser unzählige Themen.[3] Obwohl eine solche Vielzahl an Themen quasi allgegenwärtig ist, kann der Leser sie dennoch entwirren, da das stark schematische Genre, das in Pennacs Werken generell auftritt, äußerst vereinheitlichend wirkt und somit die Erzählung zusammenhält und nach vorne treibt.[3] Des Weiteren versteht es Pennac auf vielfältige Weise Sprache und Literatur in seinen Romanen zu reflektieren: Auf konkreter sprachlicher Ebene erstellt er intertextuelle Bezüge zwischen dem kriminalliterarischen Konzept beispielsweise und den sich daraus ergebenden Darstellungen der Charaktere.[3]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Le service militaire au service de qui ? (1973), publiziert unter seinem richtigen Namen Daniel Pennachioni, Essai.
  • Au bonheur des ogres (1985); deutsch unter dem Titel Paradies der Ungeheuer
  • La fée carabine (1987); deutsch unter dem Titel Wenn alte Damen schießen
  • La petite marchande de prose (1989); deutsch unter dem Titel Sündenbock im Bücherdschungel
  • Monsieur Malaussène (1995); deutsch unter dem Titel Monsieur Malaussène
  • Monsieur Malaussène au théâtre (1996)
  • Aux fruits de la passion (1999); deutsch unter dem Titel Adel vernichtet
  • Le Dictateur et le hamac (2003); deutsch unter dem Titel Der Diktator und die Hängematte
  • Comme un roman (1992); deutsch unter dem Titel Wie ein Roman
  • Des Chrétiens et des maures (1996); deutsch unter dem Titel Vorübergehend unsterblich
  • Messieurs les enfants (1997); deutsch unter dem Titel Große Kinder, kleine Eltern
  • Les grandes vacances, (photographies) Pennac und Robert Doisneau (2002); deutsch unter dem Titel Die großen Ferien
  • La vie de famille
  • Cabot-Caboche (1982); deutsch unter dem Titel Der Hund und das Mädchen
  • L’œil du loup (1984); deutsch unter dem Titel Afrika und Blauer Wolf
  • Le sens de la Houppelande
  • La débauche; deutsch unter dem Titel Abwärts
  • Le tour du ciel
  • Qu'est-ce que tu attends, Marie?
  • Vercors d'en haut: La réserve naturelle des hauts-plateaux
  • Le grand Rex
  • Sahara; deutsch unter dem Titel Sahara
  • Kamo: L'agence Babel (1992); deutsch unter dem Titel Kamos gesammelte Abenteuer
  • L'Évasion de Kamo; deutsch unter dem Titel Kamos gesammelte Abenteuer
  • Kamo et moi; deutsch unter dem Titel Kamos gesammelte Abenteuer
  • Kamo: L'idée du siècle; deutsch unter dem Titel Kamos gesammelte Abenteuer
  • Chagrin d'école (2007); deutsch unter dem Titel Schulkummer
  • Lucky Luke contre Pinkerton (2010); Text in Zusammenarbeit mit Tonino Benacquista, Zeichnungen von Achdé; deutsch unter dem Titel Lucky Luke gegen Pinkerton
  • Cavalier seul (2012); Text in Zusammenarbeit mit Tonino Benacquista, Zeichnungen von Achdé; deutsch unter dem Titel Auf eigene Faust
  • Journal D'un Corps (2012); deutsch unter dem Titel Der Körper meines Lebens

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1987: Die alte Fee (La fée carabine)

Hörspiele[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Janssen: Comme un roman policier: Daniel Pennacs Malaussène-Serie als eine Spielart des Kriminalromans, in: Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Gerhard-Mercator-Universität - Gesamthochschule Duisburg 2001
  • Günther Berger: Daniel Pennac, Au bonheur des ogres (1985), in: Der Roman in der Romania: neue Tendenzen nach 1945, Tübingen: Narr, 2005

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Berger: Daniel Pennac, Au bonheur des ogres (1985), in: Der Roman in der Romania: neue Tendenzen nach 1945, Tübingen: Narr, 2005, S. 112-124, hier S. 112. (auch online verfügbar).
  2. Sabine Janssen: Comme un roman policier: Dniel Pennacs Malaussène-Serie als eine Spielart des Kriminalromans, in: Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Gerhard-Mercator-Universität - Gesamthochschule Duisburg (2001), hier S. 4
  3. a b c Sabine Janssen: Comme un roman policier: Dniel Pennacs Malaussène-Serie als eine Spielart des Kriminalromans, in: Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Gerhard-Mercator-Universität - Gesamthochschule Duisburg (2001),hier S. 5
  4. http://www.polars.org/article254.html