Daniel Woodrell

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Daniel Woodrell (* 4. März 1953 in Springfield, Missouri) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller von genreübergreifenden Kriminalromanen. Mit seinem Stil begründete er den Country-Noir-Krimi.

Leben[Bearbeiten]

Daniel Woodrell wuchs in West Plains in den Ozarks auf, einer ländlichen Hochlandregion, die sich vom südlichen Missouri nach Arkansas erstreckt. Mit 17 Jahren verließ er die Highschool und musterte bei den Marines an. Nur 18 Monate[1] später wurde er wegen eines Drogendelikts entlassen. Woodrell hielt es längstens sechs Monate in einem Job aus und beschrieb sich als freiberuflich tätig.

Einige Zeit nach seinem Zwischenspiel bei den Marines studierte er an der University of Kansas und schloss mit einem B.A. ab. Anschließend besuchte Woodrell die Iowa Writers School an der University of Iowa und erwarb seinen Master of Fine Arts. In dieser Zeit schrieb er seinen ersten Roman Under the Bright Lights (dt. Cajun Blues).

Daniel Woodrell lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katie Estill, in seiner Heimatstadt West Plains/Missouri.

Werke[Bearbeiten]

Woodrells Romane werden von den Kritikern gelobt, sind aber häufig wirtschaftlich weniger erfolgreich. Der Journalist, Autor und Herausgeber verschiedener Krimireihen Martin Compart [2] beschreibt die Werke von Woodrell in seinem Artikel „Poet des White Trash“ [3] wie folgt:

„...Daniel Woodrell berichtet aus einer Hölle, die Ozarks heißt und im südlichen Missouri liegt. Dort gibt´s reichlich Wälder, Hügel, ein paar stinkreiche Ausbeuter, korrupte Bullen, debile Hillybillys und jede Menge White-Trash-Clans, die sich gegenseitig die Marihuana-Ernten abjagen und die Schädel wegschießen. ‚Die Ozarks sind die perfekte B-Seite eines Großstadtmolochs‘, schreibt der Krimiautor. Mit genügend Bargeld kann man sich hier von allem – selbst einem Haftbefehl – problemlos freikaufen, denn auch in den Ozarks regiert der Mammon. Zwischen den undurchdringlichen Wäldern findet man Herrenhäuser, verkommene Farmen und kleine Städte voller Slums, in denen ‚Schuppen die Gegend überziehen wie Pockennarben und massenhaft Kinder ausbrüten, mit denen der Rest der Welt klarkommen muß‘...“

„...Woodrell schreibt wie ein Bastardsohn von Raymond Chandler und Erskine Caldwell. In seinen Dialogen, Bildern oder Vergleichen wird der Einfluß von Chandler deutlich, ohne daß Woodrell jedoch zum Epigonen wird: ‚Ich sah ihn an und dachte, es stimmt wohl, daß uralte Menschen plötzlich wieder wie Kinder aussehen können, wie wenn bei einem Auto der Kilometerzähler umspringt und wieder bei Null anfängt. Nur daß es inzwischen ein klappriges Vehikel ist‘...“

Romane[Bearbeiten]

  • 1986 Under the Bright Lights
    • Cajun Blues, dt. von Christine Strüh und Adelheid Zöfel, Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07882-9.
  • 1987 Woe to Live On
  • 1988 Muscle for the Wing
    • Zoff für die Bosse, dt. von Christine Strüh und Adelheid Zöfel, Heyne, München 1995, ISBN 3-453-08105-6.
  • 1992 The Ones You Do
  • 1996 Give Us a Kiss
  • 1998 Tomato Red
  • 2001 The Death of Sweet Mister
  • 2006 Winter's Bone
  • 2013 The Maid's Version

Sammlungen[Bearbeiten]

  • 2011 The Bayou Trilogy (beinhaltet: Under the Bright Lights, Muscle for the Wing, The Ones You Do)
  • 2011 The Outlaw Album (Kurzgeschichten)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1999: „PEN West Award“ [6] für Tomato Red
  • 2000: „Harry Award“ [7] für den Film Ride with the Devil
  • 2008: Prix Mystère de la critique in der Kategorie International für Un hiver de glace (dt.: Winters Knochen)
  • 2012: Krimi des Jahres 2011 (Platz 5) in der KrimiZEIT-Bestenliste für Winters Knochen

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Nachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. The Independent vom 6. Juni 2006 (englisch, abgerufen am 26. März 2012)
  2. über Martin Compart
  3. vgl. Biografisches über Daniel Woodrell von Martin Compart
  4. Winters Knochen in Buch und Film auf kriminalakte.de
  5. Auf der anderen Seite des amerikanischen Traums Interview mit Daniel Woodrell von Sebastian Moll zu Winters Knochen
  6. vgl. Info der Hachette Book Group (englisch, abgerufen am 26. März 2012)
  7. vgl. IMDb
  8. Offizielle Seite zum Film (englisch, abgerufen am 26. März 2012)
  9. Die Bilder der Geräusche von Lars-Olav Beier in Der Spiegel, Heft 13/2011.