Danischmenden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Dynastie der Danischmenden, 1097

Die Dynastie der Danischmenden (türk. Danişmendliler) war ein turkmenisches Herrscherhaus in Ostanatolien im 11. und 12. Jahrhundert. Sie waren die Hauptrivalen des Sultanats Rum.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Dynastie wurde von Danischmend Ghazi gegründet, der den persischen Titel Danischmend führte, einen Bezeichnung für einen Gelehrten. Der Danischmenden-Staat war ein Gazi-Staat, eine Söldner/Krieger-Diktatur, und keine Monarchie wie ihre seldschukischen Nachbarn. Sie errichteten ihre Herrschaft in Anatolien nach der Schlacht von Mantzikert 1071, in der die Seldschuken das Byzantinische Reich geschlagen und nach der sie fast ganz Anatolien erobert hatten. Der mythische Ahnherr der Danischmaniden ist Battal Ghazi, der im 9. Jahrhundert gegen Byzanz kämpfte. Seine Taten werden im Battal-nameh beschrieben.

Die Danischmenden regierten das Gebiet zwischen Sivas und Malatya (Melitene). 1097 bekämpfte Kılıç Arslan I. die Danischmenden bei Melitene, während die Kreuzritter seine Abwesenheit ausnutzten, um seine Hauptstadt Nicaä zu erobern. Die Seldschuken und die Danischmenden verbündeten sich daraufhin gegen die Kreuzfahrer, wurden aber in der Schlacht von Doryläum von ihnen geschlagen.

Im Jahr 1100 nahm Danischmend Ghazi Bohemund von Tarent gefangen, der bis 1103 in seiner Gewalt blieb. Eine seldschukisch-danischmendische Allianz war auch für den Abbruch des Kreuzzugs von 1101 verantwortlich, nach dessen Ende Kılıç Arslan seine Residenz in Konya einrichtete und die Kämpfe gegen die Danischmenden wieder aufnahm.

Die Danischmenden waren wohl auch in den Sturz von Kılıç Arslans Sohn Malik Schah I. verwickelt. Sie reduzierten das Sultanat der Rum-Seldschuken auf Konya und seine unmittelbare Umgebung.

1130 wurde Bohemund II. von Antiochia in einer Schlacht gegen den Danischmenden-Emir Gümüştegin getötet. Gümüştegin starb 1134, sein Nachfolger Mohammed war schwach, nach seinem Tod 1140 begann der Niedergang des Danischmendenstaats, der schließlich unter die Kontrolle der wiedererstarkten Seldschuken fiel.

Im Jahr 1155 griff Kılıç Arslan II. Yaghi-Basan an, der bei Nur ad-Din um Hilfe nachsuchte, dem Zengiden-Emir von Mosul. Nur ad-Din eroberte mit Truppen aus Melitene und mit Unterstützung des kleinarmenischen Herrschers Mleh 1173 Maraş, Behesni und schließlich auch Sivas, wo er 'Abd-al-Massih, den ehemaligen Statthalter von Mosul als Verwalter einsetzte. Er kam aber dann scheinbar zu einer Übereinkunft mit Kılıç Arslan II. und zog sich nach Damaskus zurück, wo er Mai 1174 verstarb. Das Gebiet der Danischmenden wurde nach dem seldschukischen Sieg über die Byzantiner in der Schlacht von Myriokephalon (1176) dem Reich der Seldschuken einverleibt.

Kultur[Bearbeiten]

Im 12. Jh tragen danischmanidische Münzen sowohl arabische als auch griechische Inschriften.

Liste der Herrscher[Bearbeiten]

  • Danischmend Ghazi: 1097 - 1104
  • Emir Ghazi Gümüştegin: 1104 - 1134
  • Malik Mehmet Ghazi: 1134 - 1142
  • Malik Yaghi-Basan: 1142 - 1164
  • Malik Mücahid Ghazi: 1164-1166
  • Malik İbrahim: 1166-1166
  • Malik İsmail: 1166-1166
  • Malik Zünnun: 1172-1174
  • Ayn el-Devle: 1142-1152
  • Zülkarneyn: 1152-1162
  • Nasreddin Mohammed: 1162-1170
  • Fahreddin: 1170-1172
  • Afridun: 1172-1175
  • Nasreddin Mohammed: 1175-1178 (Zweites Mal)

Literatur[Bearbeiten]

  • Steven Runciman: A History of the Crusades (S. 320-322), 1987 ISBN 0-521-34770-X
  • Carter Vaughn Findley, The Turks in World history (Oxford 2005).