Dantons Tod

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Dieser Artikel behandelt das Drama von Georg Büchner; zu der Oper von Gottfried von Einem siehe Dantons Tod (Oper).
Daten des Dramas
Titel: Dantons Tod
Originalsprache: Deutsch
Autor: Georg Büchner
Erscheinungsjahr: 1835
Uraufführung: 5. Januar 1902
Ort der Uraufführung: Belle-Alliance-Theater in Berlin
Ort und Zeit der Handlung: 24. März bis 5. April 1794
Personen
Aufführung im Deutschen Theater 1981

Dantons Tod ist ein Drama in vier Akten von Georg Büchner. Es wurde von Mitte Januar bis Mitte Februar 1835 geschrieben. Im selben Jahr erschien eine von Karl Gutzkow herausgegebene Fassung im Literatur-Blatt von Eduard Dullers Phönix. Frühlings-Zeitung für Deutschland und eine Buchfassung mit dem von Duller zur Beschwichtigung der Zensur erdachten Untertitel Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft beim Phönix-Verlag Johann David Sauerländers. Das Stück ist damit das einzige von Büchners Dramen, das noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde – wenn auch in stark zensierter Fassung. Die Uraufführung fand erst am 5. Januar 1902 im Berliner Belle-Alliance-Theater als Produktion des Vereins Neue Freie Volksbühne statt, da das Stück lange Zeit als unspielbar galt. Außerdem gibt es eine von Gottfried von Einem komponierte Opernfassung.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Den historischen Hintergrund des Stückes bildet die Französische Revolution, so dass zumindest eine grobe Übersicht über den Verlauf der Revolution und ein Verständnis der darin handelnden politischen Gruppierungen und der zwischen ihnen auftretenden Konflikte für das Verständnis des Dramas notwendig sind. Der eigentliche Handlungsrahmen des Dramas umfasst dabei nur eine kurze Zeitspanne vom 24. März bis zum 5. April 1794, mithin einen Höhepunkt der so genannten Schreckensherrschaft, in welche die Revolution gemündet war.

Wichtig zum Verständnis des Dramas ist der Konflikt zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen, die sich im Verlauf der Revolution immer mehr verfeindet hatten. In der Nationalversammlung hielten zunächst die eher gemäßigten Girondisten, auch „Talpartei“ genannt, die Mehrheit. Sie waren zur Kooperation mit dem König bereit. Eine andere Fraktion, die Jakobiner, auch „Bergpartei“ genannt, strebte eine weitaus radikalere Veränderung der Gesellschaft an und forderte die Einführung der Republik. Führer der Jakobiner waren vor allem Robespierre, Marat und Danton, wobei letzterer – im Gegensatz zu Robespierre – der jakobinischen Sektion der Cordeliers angehörte, zu deren führenden Köpfen auch Chaumette, Desmoulins und Hébert zählten. Letzterer wiederum stand einer radikal linken Fraktion (den Hébertisten) vor, die eine Abschaffung des Eigentums und der Religion forderten und damit weit über das Ziel der anderen Jakobiner hinausschossen. Trotz ihrer Überzahl konnten sich die girondistischen Abgeordneten nicht gegen die Jakobiner und die öffentliche Meinung durchsetzen; sie konnten weder die Verhaftung des Königs noch das Einsetzen eines „provisorischen Vollzugsrats“ zur Entmachtung der Versammlung verhindern und auch nicht die von Marat angetriebenen und von Danton als Justizminister geduldeten Septembermorde an über tausend politischen Gefangenen (insbesondere Royalisten) aufhalten. Nach der am 21. Januar 1793 auf Veranlassung des Nationalkonvents vollzogenen Hinrichtung Ludwigs XVI. war auf Antrag Dantons am 6. April der so genannte Wohlfahrtsausschuss gebildet worden, der fortan die Exekutivgewalt im Staat ausübte. Ein Revolutionstribunal, das am 10. März 1793 eingerichtet worden war, übernahm die Gerichtsbarkeit insbesondere im Hinblick auf die „politischen Vergehen“ der Beschuldigten. Freispruch oder Tod waren die einzigen Urteilsmöglichkeiten; die Gesamtzahl der während der Schreckensherrschaft Hingerichteten wird auf 40.000 Menschen geschätzt.

Im Frühjahr des Jahres 1793 kam es zu Aufständen der Girondisten in den Départements, die niedergeschlagen wurden und denen die Verhaftung und Hinrichtung von 32 führenden girondistischen Konventsmitgliedern folgte. Innere und äußere Bedrohungen (gravierende wirtschaftliche Probleme, Hungersnöte, Aufstände der Royalisten und Girondisten, innere Zerstrittenheit der revolutionären Kräfte, Krieg gegen Österreich und Preußen) verschärften die Lage der Republik. Die zunächst als provisorisch gegründete Regierung aus Nationalkonvent und Wohlfahrtsausschuss blieb, nach einer Weigerung des Konvents eine demokratische Verfassung zu verabschieden, an der Macht. Im Juli 1793 wurde der Jakobiner Marat von Charlotte Corday ermordet. Im selben Monat war Danton aus dem Wohlfahrtsausschuss abberufen worden, andererseits waren Robespierre und später auch Collot d’Herbois und Billaud-Varenne in den Ausschuss gewählt worden. Wohlfahrtsausschuss und Nationalkonvent bekannten sich nun öffentlich zur „Schreckensherrschaft“, die Welle von Hinrichtungen (unter anderem weiterer Girondisten, aber auch der ehemaligen Königin Marie Antoinette) dauerte an.

Im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre fiel der Verdacht auf mehrere Anhänger Dantons und auch auf ihn selbst. Im November 1793 forderten Danton und der Vieux Cordelier – die Zeitschrift Camille Desmoulins’ – ein Ende der Schreckensherrschaft, was Robespierre aber entschieden ablehnte. Stattdessen ließ Robespierre am 24. März 1794 Hébert und seine Anhänger festnehmen und exekutieren.

Hier setzt nun die Handlung von Büchners Drama ein. Nachdem sowohl die gemäßigten Girondisten als auch die radikalen Hébertisten beseitigt sind, stehen nur noch die - in der neuen politischen Landschaft als gemäßigter zu betrachtenden - Dantonisten (oder Indulgenten) mit ihrem Ruf nach einem Ende der Schreckensherrschaft Robespierre im Weg. Die Konfrontation zwischen diesen beiden Gruppierungen innerhalb der Jakobiner kann auch durch eine Unterredung zwischen Danton und Robespierre am 19. März 1794 nicht mehr beseitigt werden; mit der Zustimmung des Konvents lässt Robespierre in der Nacht vom 30. auf den 31. März Danton und seine Vertrauten (Desmoulins, Lacroix, Philippeau und andere) verhaften und vor das Revolutionstribunal bringen; am 5. April werden sie hingerichtet. Den weiteren Verlauf der Revolution zeigt Büchner nicht mehr; der anschließende Sturz Robespierres und seine am 28. Juli 1794 erfolgte Guillotinierung werden nur in Vorausahnungen Dantons angedeutet.

In weiten Teilen des Dramas hält Büchner sich an historische Vorlagen und Quellen, fast ein Sechstel des Textes besteht aus wörtlichen oder nur leicht veränderten historischen Zitaten, die allerdings durch die Montage in das Drama oft aus dem Kontext gerissen sind: „Insgesamt ist es aber die selektive, kritische Adaption der Quellen und historischen Diskurselemente, die dem Text den Wirklichkeitsanspruch eines ‚geschichtlichen Gemäldes‘ und zugleich seinen Rang als Kontrafaktur der Historiographie verleiht.“[1] Auffälligste Abweichungen von den tatsächlichen historischen Gegebenheiten betreffen die Figuren der Julie (im Drama Dantons Gattin) und Lucile (Camille Desmoulins’ Frau), deren Schicksale Büchner aus Gründen der Dramaturgie, insbesondere im Fall von Julie, radikal umschreibt. Die reale Gattin Dantons (Sebastienne-Louise Gely) beging nicht etwa Selbstmord, sondern überlebte ihren Mann (und auch Georg Büchner selbst) um Jahrzehnte, heiratete 1797 erneut und starb erst 1856.[2]

Literarische Epoche[Bearbeiten]

Büchners Werk ist dem „Vormärz“ zuzurechnen. Das Ziel der politisch liberal orientierten Dichter in dieser Zeit war es, die Literatur von einer wirklichkeitsabgewandten Scheinexistenz wieder zu einem wirksamen Organ des gesellschaftlichen Lebens zu machen, das vor allem der politischen und sozialen Erneuerung zu dienen habe. Sie waren Gegner der Romantik und politischen Restauration. Sie kämpften gegen Konvention, Feudalismus und Absolutismus, traten ein für die Freiheit des Wortes, für die Emanzipation des Individuums, auch der Frauen und der Juden, und für eine demokratische Verfassung. Sie schufen eine Tendenz- und Zeitdichtung, das heißt eine Dichtung, die sich mit den Problemen der damaligen Zeit auseinandersetzt und für liberale politische Ideen engagiert.

Inhalt[Bearbeiten]

1. Akt[Bearbeiten]

Im ersten Akt des Dramas werden drei Interessengruppen innerhalb der Revolution vorgestellt, deren Ziele und Visionen unterschiedlich, oft sogar gegenläufig sind (Dantonisten, Robespierristen und das Volk). Die zwei Revolutionsführer Danton und Robespierre haben verschiedene Ansichten über den Fortgang der Revolution. Danton – der als neureicher und einflussreicher Bürger zu den Gewinnern der Revolution zählt – wird bereits in der ersten Szene als dekadenter Lebemann dargestellt, der seine Zeit mit Kartenspiel und in Bordellen verbringt. Die politischen Vorstellungen der Dantonisten aber sind liberal und tolerant, sie fordern nicht nur ein Ende der Schreckensherrschaft, sondern auch einen liberalen Staat:

„Die Revolution muß aufhören und die Republik muß anfangen. In unsern Staatsgrundsätzen muß das Recht an die Stelle der Pflicht, das Wohlbefinden an die der Tugend und die Notwehr an die der Strafe treten. Jeder muß sich geltend machen und seine Natur durchsetzen können. Er mag nun vernünftig oder unvernünftig, gebildet oder ungebildet, gut oder böse sein, das geht den Staat nichts an.“ (Hérault, Akt 1, Szene 1)

Allerdings wird schon in der darauffolgenden Szene klar, wie utopisch diese Forderungen sind. Der Leser oder Zuschauer wird Zeuge einer tragikomischen Szene, in der ein betrunkener Bürger in Wut und Verzweiflung beklagt, dass sich seine Tochter prostituieren muss, um ihre Familie unterstützen zu können. Hier wird die Lage des einfachen Volkes deutlich, das weit von der „Selbstverwirklichung“ und dem „Genussleben“ der dekadenten Dantonisten entfernt ist und wie eh und je Hunger leidet. In diese Szene tritt die dritte Partei in Form von Robespierre auf, der vom Volk die bewundernden Beinamen „der Tugendhafte“ und „der Unbestechliche“ verliehen bekommt. Anders als die Dantonisten sieht er die Not des Volkes, ohne ihr aber abhelfen zu können; er propagiert die revolutionäre Tugend, das heißt die völlige persönliche Uneigennützigkeit und Hingabe an die Sache der Revolution. Dementsprechend wird bereits in seiner ersten Rede ein beängstigender Fanatismus offenbar; seine Antwort auf den Hunger des Volkes erschöpft sich im Aufruf zu mehr Gewalt und härteren Maßnahmen; er will mit Hilfe der Blutherrschaft durch die Guillotine einen „tugendhaften Staat“ errichten. Unvermeidlich scheint bereits jetzt eine Kollision zwischen den unvereinbaren Positionen der Anhänger Dantons und Robespierres. Hier stoßen nicht nur zwei Staatsentwürfe, sondern auch zwei revolutionäre Forderungen aufeinander: Wie viel Freiheit darf der Gleichheit, wie viel Gleichheit der Freiheit geopfert werden? Nach einer aufpeitschenden Rede Robespierres, durch die er den Nationalkonvent für eine Fortsetzung, gar Verschärfung der „terreur“ gewinnt, fürchten die Dantonisten um ihre Sicherheit. Danton willigt auf Bitten seiner Freunde in ein Treffen mit Robespierre ein, das jedoch ergebnislos verläuft. Robespierre aber, durch Danton moralisch aus der Fassung gebracht, beschließt daraufhin den Tod Dantons und seiner Anhänger, indem er sich einredet, dass nur so die Revolution gerettet werden könne.

2. Akt[Bearbeiten]

Dantons Verbündete drängen ihn zum Handeln oder zumindest zur Flucht vor den Jakobinern. Danton ist aber von Weltmüdigkeit, Fatalismus und Resignation zerfressen und kann sich zu keinem Handeln motivieren; zudem will er Frankreich nicht verlassen [S. 31 / „Nimmt man das Vaterland an den Schuhsohlen mit?“]. Hinter all seiner Resignation besteht darüber hinaus auch der Glaube an seinen Einfluss und seine Popularität; der Glaube, dass der Konvent es nicht wagen würde, Maßnahmen gegen ihn und seine Fraktion zu treffen [„Sie werden’s nicht wagen“]. Danton vertraut seiner Frau Julie seine Gewissensbisse wegen den von ihm als Justizminister untätig tollerierten Septembermorde an, die ihn aber von der Notwendigkeit seines Handelns zumindest oberflächlich überzeugen kann – er verfällt erneut in einen Geschichtsfatalismus; klar tritt in dieser Szene auch eine Parallele zu den Gewissenskonflikten Robespierres zu Tage. Nach Dantons Verhaftung (6. Szene) durch Simon und Bürgersoldaten rechtfertigt Robespierre dessen Verhaftung; diesmal ist es eine radikale Rede von Saint-Just, der rechten Hand Robespierres, die den Nationalkonvent mitreißt und ihn die Verhaftung Dantons billigen lässt. Der 2. Akt endet in einer turbulenten Szene im Konvent, in dem dieser enthusiastisch Saint-Just feiert und die Marseillaise anstimmt.

Im zweiten Akt fließt auch die Kunstkritik Büchners mit in das Drama ein; in einem Dialog zwischen Camille Desmoulins und Danton lässt er die Figuren bespötteln, dass die Leute die flachen, eindimensionalen und hoch artifiziellen Theaterstücke bewundern, während sie die Realität, die meisterliche Schöpfung, in ihrer Komplexität verachten. Diese Sicht der Kunst ist durchaus programmatisch für Büchners Schaffen, in dem er immer wieder bemüht ist, die Welt in all ihrer Vielseitigkeit und all ihren Facetten – den schönen wie den unschönen – darzustellen. Dies zeigt sich unter anderem in der in den Dramen verwendeten Sprache; schon in Dantons Tod lässt er seine Figuren in einer damals als sexuell zu anstößig und moralisch zu unanständig empfundenen Sprache sprechen, die Büchner jedoch als realistisch verteidigt.[3]

3. Akt[Bearbeiten]

In scheinbarem Gegensatz dazu steht die erste Szene des 3. Aktes, die im Kerker des Palais Luxembourg spielt, wo die Gefangenen angesichts ihrer bevorstehenden Hinrichtung über Leben, Tod und Unsterblichkeit philosophieren. Letztlich allerdings drehen sich ihre Gespräche nur im Kreise und karikieren so lediglich die Absurdität einiger damals gängiger Gottesbeweise [S. 46–50]. Fouquier und Herman beschließen nur linientreue Geschworene einzusetzen, die Dantons Argumentation also nicht folgen werden (2. Szene). Danton wird dem Revolutionstribunal vorgeführt. Die Stimmung ist zunächst geteilt, doch Danton erinnert, rhetorisch geschickt, den Konvent und das anwesende Volk an seine revolutionären Verdienste und gewinnt so neue Sympathien (4. Szene). Als Danton dann (9. Szene) in einem letzten leidenschaftlichen Appell für mehr Wahrheit und Gerechtigkeit und gegen Robespierre und sein blutiges Treiben plädiert, kippt die Stimmung zu Dantons Gunsten, sodass man, um seinen Einfluss nicht noch stärker werden zu lassen, die Sitzung kurzerhand auflöst. Die Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses beraten sich über den Verlauf der Verhandlung. Durch die Denunziation eines Gefangenen wird Danton in Zusammenhang mit einem angeblichen Komplott gebracht, was Grund zur raschen Durchführung des Prozesses gibt, ohne Danton weiter anhören zu müssen. Nicht nur Robespierres Beredtheit, sondern auch ein korruptes Tribunal besiegeln also schließlich das Schicksal der Dantonisten.

Bezeichnenderweise fügt Büchner auch hier wieder eine „Volksszene“ in die Handlung ein, die zeigt, wie schwankend die Gunst der Masse ist. Obwohl Dantons Reden viele überzeugen, spricht doch seine luxuriöse und dekadente Lebensweise eine andere Sprache, die sowohl zu der Armut des Volkes wie auch zu der bescheidenen und (scheinbar) moralischen Lebensweise Robespierres in starkem Kontrast steht. So endet der 3. Akt mit Hochrufen auf Robespierre und Forderungen nach der Hinrichtung Dantons.

4. Akt[Bearbeiten]

Danton und seine Anhänger werden zum Tode verurteilt. Danton und sein Freund Camille Desmoulins tauschen Gedanken über Leben und Tod aus [S. 76–78]. Dantons Frau Julie vergiftet sich in ihrem Haus, da sie ihrem Mann ihre Verbundenheit über den Tod hinaus versprochen hat. Das Volk ist schaulustig und spöttisch, als die Verurteilten zum Schafott geführt werden. Als die durch die Stadt irrende Lucile Desmoulins von der Hinrichtung ihres Mannes hört, bricht sie zur Guillotine auf dem Revolutionsplatz auf. Dort angekommen, fasst sie einen verzweifelten Entschluss. Um im Tode bei ihrem Mann zu verbleiben, ruft sie: „Es lebe der König!“ und spricht somit ihr eigenes Todesurteil: Eine herannahende Patrouille der Bürgerwehr nimmt sie fest. Gerade in diesem Akt weicht Büchner am deutlichsten von seinen Quellen ab; Anlehnungen an Shakespeare werden deutlich.

Personenübersicht[Bearbeiten]

Georg Danton: Er wird als Mann dargestellt, der sich seinem Wohlleben, seiner angeborenen Genusssucht ergibt, da er an den bisherigen Erfolgen der französischen Revolution und deren weiteren Zielen zweifelt. Die Atmosphäre in Dantons Nähe ist geprägt durch Wein, Spiel und leicht zu habenden Frauen. Dies steht im Widerspruch zur Revolutionswirklichkeit des Volkes, welche durch Armut, Bettelei, Trunksucht und Prostitution gekennzeichnet ist (Akt 1, Szene 5). Danton selbst war einst arm, seinen jetzigen Reichtum verdankt er einem Geschenk des Herzogs von Orléans, der versuchte sich die Krone durch Bestechungen zu sichern und durch ein Geschenk, welches mit der Forderung, dass Danton das Königtum erhalte, einherging. (S. 74, Z. 1–13) Danton wird aber auch als Held dargestellt, der gegen das unnötige Töten von Robespierre Einspruch erhebt (S. 73, Z. 9–12): Ihr wollt Brot und sie werfen euch Köpfe hin. Ihr durstet und sie machen euch das Blut der Guillotine zu lecken. Des Weiteren nimmt er seinen baldigen Tod als unausweichlich hin, eine gewisse Todessehnsucht wird erkennbar: Das Leben ist mir zur Last, man mag es mir entreißen, ich sehne mich danach, es abzuschütteln. (S. 60, Z. 13–14) Danton verbindet eine starke Liebe mit seiner Gattin Julie, ohne die er nicht sterben will: Oh, Julie! Wenn sie mich einsam ließe! Und wenn ich ganz zerfiele, mich ganz auflöste, ich wäre eine Handvoll gemarterten Staubes, jedes meiner Atome könnte nur Ruhe finden bei ihr. (S. 71, Z. 4–8) Sie ist der Grund für sein letztes Aufbäumen vor dem Tod. Gleichwohl ist er ihr nicht immer treu und umgibt sich in der Abwesenheit seiner Frau mit Prostituierten (Akt 1, Szene 5). Danton präsentiert Klugheit, er reagiert nicht auf die Kampfansagen (Szene I,2 ff) von Robespierre, es kommt lediglich zu einer Unterhaltung (I,6).

Robespierre: Er erkennt die Not des Volkes, wird vom Volk bewundert und als der „Tugendhafte“ und der „Unbestechliche“ bezeichnet. Selbst handelt er jedoch nicht immer tugendhaft, dies wird schon zu Anfang des Dramas in der Unterhaltung zwischen Robespierre und Danton sichtbar. Robespierre wird vorgeworfen, dass er Menschen tötet, um von der bestehenden Not abzulenken. Er stellt sich als Mann mit sozialem Gewissen dar und stellt gleichzeitig Dantons Genusssucht an den Pranger, damit kann er das Volk von sich überzeugen. Andere Revolutionäre, besonders die Anhänger Dantons, bezeichnen die Politik Robespierres als Terror. Er selbst sieht den Schrecken als notwendig an, um der von ihm propagierten Tugend zum Sieg zu verhelfen.

Legendre: Deputierter des Nationalkonvents (Dantonist)

Camille Desmoulins: Deputierter des Nationalkonvents (Dantonist)

Lucile Desmoulins: Frau des Camille Desmoulins

Hérault-Séchelles: Deputierter des Nationalkonvents (Dantonist)

Lacroix: Deputierter des Nationalkonvents (Dantonist)

Philippeau: Deputierter des Nationalkonvents (Dantonist)

St. Just: Mitglied des Wohlfahrtsausschusses

Barère: Mitglied des Wohlfahrtsausschusses

Collot d’Herbois: Mitglied des Wohlfahrtsausschusses

Billaud-Varennes: Mitglied des Wohlfahrtsausschusses

Julie: Dantons Gattin

Marion: Prostituierte

Paris: Dantons Freund

Chaumette: Prokurator des Gemeinderats

Dillon: Ein General

Fouquier-Tinville: Öffentlicher Ankläger

Herman: Präsident des Revolutionstribunals

Dumas: Präsident des Revolutionstribunals

Simon: Souffleur

Rosalie: Prostituierte

Adelaide: Prostituierte

Interpretation[Bearbeiten]

Am Beispiel der Jakobinerdiktatur der Jahre 1793/94 demonstriert Georg Büchner das Umschlagen ursprünglich freiheitlicher Ideale in zynische Mittel einer Willkürherrschaft und „stellt angesichts einer sich verselbständigenden zerstörerischen Geschichtsdynamik die Handlungsmöglichkeiten des Subjekts in Frage“[4] (Geschichtsfatalismus). Während der Arbeit an diesem Werk befürchtet er immer wieder seine Verhaftung. Nur stark gekürzt und von sexuellen Anspielungen bereinigt, kann das Stück 1835 im Druck erscheinen. Auch findet sich lange kein Theater, das es wagt, Büchners Drama auf die Bühne zu bringen. Erst 1902 kommt es in Berlin zur Uraufführung. Durch Verwendung von zahlreichen historischen Quellen und umfangreichen Zitaten aus originalen politischen Reden ist Dantons Tod auch als ein Vorläufer des Dokumentartheaters zu sehen. Bislang wurde seitens der Büchnerforschung der innere Zusammenhang von Eros und Gewalt, der in allen Werken Georg Büchners thematisiert wird, nicht systematisch beleuchtet. Darauf hat der Literaturwissenschaftler Reinhold Grimm erstmals 1979 in text und kritik, Georg Büchner aufmerksam gemacht. Eine Weiterführung dieses Diskurses findet sich im Georg Büchner Jahrbuch 11 (2005–2008).

Rezeption[Bearbeiten]

Gottfried von Einem schrieb eine Oper nach Dantons Tod, die 1947 zu den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde.

Hörspiele, Lesungen, Aufführungsmitschnitte[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Werke und Briefe. Münchner Ausgabe. Hrsg. v. Karl Pörnbacher, Gerhard Schaub, Hans-Joachim Simm, Edda Ziegler. 8. Auflage. Hanser, München 2001 [1. Aufl. 1980], ISBN 3-423-12374-5, S. 67–133. [Leseausgabe mit recht knappem Kommentar; verschiedene Taschenbuchausgaben.]
  • Schriften und Briefe. Dokumente. Hg. von Henri Poschmann unter Mitarb. von Rosemarie Poschmann. Bd. 1. (= Bibliothek Deutscher Klassiker. Band 84). Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-618-60090-9, S. 11–90 (Text), 426–583 (Kommentar). [Leseausgabe mit umfangreichem Kommentar.]
  • Sämtliche Werke und Schriften. Bd. 3 in 4 Teilbänden: Danton’s Tod. Marburger Ausgabe. Hg. von Burghard Dedner und Thomas Michael Mayer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 3-534-14520-8. [Historisch-kritische Ausgabe mit Kommentarband.]
  • Dantons Tod. Ein Drama. (= RUB. Nr. 6060). Reclam, Stuttgart 2002 [u. ö.], ISBN 978-3-15-006060-5. [Schulausgabe in neuer Rechtschreibung auf der Grundlage der historisch-kritischen Ausgabe.]
  • Dantons Tod. Ein Schauspiel, mit Materialien, ausgewählt von Hans Ulrich Staiger. Klett, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-12-352435-6. [Schulausgabe.]
  • Dantons Tod. Ein Drama. [Hg. von F. Bruckner und K. Sternelle.] (= Lesehefte. Band 113). Hamburger Lesehefte Verlag, Husum 2008. [Schulausgabe in neuer Rechtschreibung mit Anmerkungen, einigen Briefen Büchners und einem Nachwort.]

Literatur[Bearbeiten]

Kurze Orientierungen[Bearbeiten]

Lektürehilfen[Bearbeiten]

  • Gerald Funk: Erläuterungen und Dokumente Georg Büchner Dantons Tod, nach der Historisch-kritischen Marburger Ausgabe. (= RUB. Nr. 16034). Reclam, Stuttgart 2000 [u. ö.].
  • Wilhelm Große: Lektüreschlüssel für Schüler Georg Büchner Dantons Tod. (= RUB. Nr. 15344). Reclam, Stuttgart 2005.
  • Arnd Beise: Georg Büchner Dantons Tod. (= Schroedel Interpretationen. Band 17). Schroedel, Braunschweig 2011.
  • Hansjürgen Popp: Lektürehilfen Georg Büchner Dantons Tod. Klett, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-12-923073-2.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Karl Eibl: „Ergo todtgeschlagen“. Erkenntnisgrenzen und Gewalt in Büchners ‚Dantons Tod‘ und ‚Woyzeck‘. In: Euphorion 75 (1981), S. 411–429.
  • Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. 3. Auflage. Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-13159-9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Georg Büchner – Quellen und Volltexte
 Commons: Dantons Tod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard P. Knapp: Georg Büchner. Metzler, Stuttgart 2000, S. 99.
  2. http://books.google.ch/books?id=SjwQ-naf9R4C&pg=PA195&lpg=PA195&dq=Sebastienne-Louise+Gely&source=bl&ots=Opw_mnpED6&sig=a3lvKd7pw4hOT5B93-zDibcv4Zk&hl=de&ei=cJutTZzbN8mAOpat5f8L&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=9&ved=0CGAQ6AEwCA#v=onepage&q=Sebastienne-Louise%20Gely&f=false
  3. Vergleiche dazu den Brief an die Eltern vom 1. Januar 1836 bzw. vom 28. Juli 1835; im Woyzeck ist dieser Zug durch die Wahl der Hauptfiguren und den von ihnen gesprochenen Dialekt noch weitaus stärker zu finden.
  4. Tanja van Hoorn: [Werkartikel] Dantons Tod. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 18 Bde. Metzler, Stuttgart/Weimar 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, Bd. 3, 268f., hier 268.
  5. Danton Tod (1963) in der Internet Movie Database