Dapagliflozin

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Strukturformel
Strukturformel Dapagliflozin
Allgemeines
Freiname Dapagliflozin
Andere Namen
  • (2S,3R,4R,5S,6R)-2-[4-Chlor-3-[(4-ethoxyphenyl)methyl]phenyl]- 6-(hydroxymethyl)oxane-3,4,5-triol
  • (2S,3R,4R,5S,6R)-2-[4-Chlor-3-(4-ethoxybenzyl)phenyl]- 6-(hydroxymethyl)tetrahydro-2H-pyran-3,4,5-triol
Summenformel C21H25ClO6
CAS-Nummer 461432-26-8
PubChem 9887712
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antidiabetikum

Wirkmechanismus

SGLT-2-Inhibitor

Eigenschaften
Molare Masse 408,87 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Dapagliflozin ist ein oral appliziertes Antidiabetikum zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Dapagliflozin wurde von dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb in Partnerschaft mit dem britischen Pharmaunternehmen AstraZeneca entwickelt.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Wirkmechanismus[Bearbeiten]

Dapagliflozin ist ein selektiver SGLT-2-Hemmer (sodium dependent glucose transporter). SGLT2 ist ein Protein, das im proximalen Tubulus der Niere Natrium und Glucose aus dem Primärharn resorbiert und damit für den größten Teil der Glucose-Resorption der Niere verantwortlich ist. Die Hemmung des SGLT2 bewirkt bei bestehender Hyperglykämie eine verstärkte Ausscheidung von Glucose über den Urin, und diese Glucosurie unterstützt in geringem Ausmaß eine Gewichtsabnahme. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern in der Gruppe der SGLT-2-Inhibitoren, den O-Glykosiden, ist Dapagliflozin gegenüber β-Glykosidasen stabil und hat somit eine längere Plasmahalbwertszeit.

Zulassungsstatus[Bearbeiten]

Dapagliflozin wurde 2012 von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) unter dem Handelsnamen Forxiga zugelassen.[2] 2014 wurde das Kombinationspräparat aus Dapagliflozin und Metformin unter dem Handelsnamen Xigduo zugelassen.[3]

In den USA hatte die Food and Drug Administration (FDA) 2012 die Zulassung für Dapagliflozin aufgrund von Sicherheitsbedenken zunächst verweigert. Weitere Studien sollten klären, ob das Medikament Blasenkrebs, Brustkrebs oder Leberschäden verursachen kann.[4] Im Januar 2014 erfolgte die Zulassung durch die FDA für den US-amerikanischen Markt, da die neuen Daten aus Studien und Anwendungen eine entsprechende Einschätzung erlaubten.[5] Dort wird das Präparat unter dem Handelsnamen Farxiga vertrieben.[6]

Dapagliflozin ist in der EU für den Einsatz bei erwachsenen Typ-2-Diabetespatienten laut aktueller Fachinformation zugelassen für die Monotherapie, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren bei Patienten, bei denen die Anwendung von Metformin aufgrund einer Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird oder in Kombination mit anderen Blutzucker-senkenden Arzneimitteln einschließlich Insulin, wenn diese den Blutzucker, zusammen mit einer Diät und Bewegung, nicht ausreichend kontrollieren.

In Österreich ist laut aktuellem Erstattungskodex eine Erstattung nach dem Regelwerk möglich bei Patienten mit Diabetes Typ II. Zitat: "Die Behandlung darf erst ab einem HbA1c größer 7 begonnen werden. Die Behandlung mit Dapagliflozin hat nur als Second-line-Therapie als Monotherapie bei Metformin-Unverträglichkeit oder -Kontraindikation, wenn mit kostengünstigeren Therapiealternativen aus dem Grünen Bereich (ATC Code A10BB, A10BF, A10BX) nachweislich nicht das Auslangen gefunden werden kann, oder als Kombinationstherapie mit Metformin oder als Kombinationstherapie mit Sulfonylharnstoffen oder als Kombinationstherapie mit Insulin mit oder ohne Metformin zu erfolgen. Dapagliflozin wird in Kombination mit Pioglitazon, Gliniden oder DPP-IV-Hemmern nicht erstattet. Kein Einsatz bei Patienten über 75 Jahren, bei Neoplasien der Harnblase oder bei mittelschwerer und schwerer Nierenfunktionsstörung definiert nach Kreatinin-Clearance kleiner 60 ml/min. Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte gemäß Fachinformation. Alle 6 Monate ist eine HbA1c-Bestimmung durchzuführen. Dapagliflozin eignet sich für eine chef(kontroll)ärztliche Langzeitbewilligung für 6 Monate (L6)."

Bewertung / Frühe Nutzenbewertung[Bearbeiten]

In Deutschland ist Forxiga seit November 2012 entsprechend der Zulassung in Verwendung. Nach vorübergehendem Rückzug vom deutschen Markt im Dezember 2013 wurde das Medikament im Februar 2014 nach einer Einigung über den Preis mit dem GKV-Spitzenverband erneut in den Vertrieb gebracht.[7]

Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung (siehe auch AMNOG) hatte der Gemeinsame Bundesausschuss einen Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Da der Hersteller dazu keine Vergleichsdaten vorgelegt hatte, hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen Zusatznutzen von Dapagliflozin als nicht belegt erkannt.[8] Der G-BA hatte die Bewertung des IQWiGs bestätigt und im Juni 2013 die entsprechende Änderung der Arzneimittelrichtlinie beschlossen.[9] Dieser Beschluss des G-BA wurde von der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) heftig kritisiert, die ihrerseits den klaren Zusatznutzen von Forxiga für Patienten mit Typ-2-Diabetes erkennt.[10] Im Rahmen der Nutzenbewertung der Kombination Dapagliflozin / Metformin (Handelsname Xigduo kritisierte das IQWiG „Zusatznutzen der Fixkombination von Dapagliflozin und Metformin ist nicht belegt“.[11][12]


In den bisherigen Studien traten bei mit Dapagliflozin behandelten Patienten im Vergleich zu Placebo signifikant häufiger Genital- und weniger häufig Harnwegsinfektionen auf. Es fand sich eine nicht signifikant erhöhte Anzahl von malignen Blasen- und Brusttumoren in den Studien. Die Ursache für diese Erkrankungen ist Gegenstand intensiver Nachbeobachtungen in der Phase IV.[13]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. Typ-2-Diabetes: Erster SGLT-2-Hemmer zugelassen. Pharmazeutische Zeitung online, 16. November 2012.
  3. astrazeneca.com: XIGDUO (dapagliflozin and metformin hydrochloride) approved in the European Union for type 2 diabetes
  4. The New York Times: F.D.A. Delays Approval of New Diabetes Drug, 19. Januar 2012.
  5. drugs.com: FDA Advisory Committee Recommends the Investigational SGLT2 Inhibitor Dapagliflozin for Treatment of Type 2 Diabetes in Adults
  6. drugs.com: Farxiga
  7. Sucker-Szet, Kerstin: Erstattungsbetrag vereinbart – Forxiga kehrt auf den Markt zurück, 26. Februar 2014 in: 'Deutsche Apotheker Zeitung'
  8. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Zusatznutzen von Dapagliflozin ist nicht belegt, Pressemitteilung vom 15. März 2013.
  9. Gemeinsamer Bundesausschuss: Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Dapagliflozin.
  10. Deutsche Diabetes Gesellschaft: Stellungnahme der DDG zum IQWiG Bericht zur Nutzenbewertung von Dapagliflozin, 21. März 2013.
  11. Zusatznutzen von Dapagliflozin ist nicht belegt, Pressemitteilung IQWiG vom 15. Mai 2014, abgerufen am 15. Mai 2014.
  12. Kurzfassung Nutzenbewertung, Quelle IQWiG vom 15. Mai 2014, abgerufen am 3. Juni 2014.
  13. Neue Arzneimittel (PDF; 141 kB) Information der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Stand: 28. Februar 2013.

Handelsnamen[Bearbeiten]

Monopräparate

Forxiga® (EU), Farxiga (USA)

Kombinationspräparat

mit Metformin: Xigduo® (EU)