Darcy Ribeiro

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Darcy Ribeiro

Darcy Ribeiro (* 26. Oktober 1922 in Montes Claros, Minas Gerais; † 17. Februar 1997 in Brasília) war ein brasilianischer Ethnologe, Kulturtheoretiker, Politiker, Pädagoge und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Darcy Ribeiro zählte zu den wichtigsten Denkern Lateinamerikas im 20. Jahrhundert. Als Romanautor hat er die kreative Kraft der Literatur genutzt, um seine Einsichten in die Probleme der brasilianischen Gesellschaft komplex zu fiktionalisieren. Als Ethnologe machte er sich durch sein theoretisches Werk über die brasilianischen Indígenas und seine Theorie der langfristigen historischen Entwicklung einen Namen.

Bis zum Militärputsch von 1964 war er jahrelang in der Politik und Verwaltung Brasiliens tätig, unter anderem von 1962 bis 1963 als Bildungsminister; danach ging er ins Exil. Anfang der achtziger Jahre konnte er nach Brasilien zurückkehren, wo er unter anderem Kultusminister in der Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro war.

Den Zustand der lateinamerikanischen Gesellschaften fasste er gegenüber Octavio Paz ironisch zusammen: „Wir sind die, die nicht mehr sind, was sie waren, ohne jene geworden zu sein, die wir sein könnten oder wollten. Da wir nicht wissen, wer wir waren, als wir unschuldig in ihnen [den Indios] waren, wissen wir, nichts über uns selbst wissend, noch weniger, wer wir sein werden.“ (Darcy Ribeiro, Wildes Utopia. Sehnsucht nach der verlorenen Unschuld (Frankfurt am Main 1986) 32)

Positiv formulierte er es so: «In Tat und Wahrheit sind wir das neue Rom. Ein späteres und tropisches Rom. Brasilien ist bereits die größte neolateinische Nation, schon wegen seiner Bevölkerungszahl, und es ist auch im Begriff, dies dank seiner Kreativität in künstlerischer und kultureller Hinsicht zu werden. Notwendig ist nur noch, dies auch auf dem Gebiet der Technologie einer kommenden Zivilisation zu sein, um eine Wirtschaftsmacht von selbst verantwortetem Fortschritt zu werden. Wir befinden uns im Kampf, darauf hinzuwirken, dass eine neue Kultur aufblüht, mestizisch und tropisch, stolz auf sich selber. Heiterer, weil mehr erlitten. Besser, weil diese Kultur mehrere Menschheiten umfasst. Großzügiger, weil offen für ein Zusammenleben mit allen Rassen und allen Kulturen und weil sie sich in der schönsten und lichtvollsten Provinz unserer Erde befindet.»

Zu seiner Theorie über den zivilisatorischen Prozess siehe Zivilisatorischer Prozess nach Darcy Ribeiro.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Sachbücher
  • Amerika und die Zivilisation. Die Ursachen der ungleichen Entwicklung der amerikanischen Völker („As Américas e Civilização“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1985, ISBN 3-518-57903-7.
  • Unterentwicklung, Kultur und Zivilisation. Ungewöhnliche Versuche („Ensaios insólitos“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-518-11018-7.
  • Der zivilisatorische Prozeß („O Processo Civilizatório“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1983, ISBN 3-518-28033-3.
Belletristik
  • Maíra. Roman („Maíra'“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1982, ISBN 3-518-37309-9.
  • Mula. Roman („Mula de O, a aonde você está indo?“). 1992.
  • Mulo. Roman („O Mulo“). Ammann, Zürich 1990, ISBN 3-250-10142-7.
  • Wildes Utopia. Sehnsucht und die verlorene Unschuld; eine Fabel („Utopia selvagem“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1986, ISBN 3-518-11354-2

Literatur[Bearbeiten]

  • Alejandro Mendible Zurita: Darcy Ribeiro y la renovación universitaria en la UCV. UCV, Caracas 2007, ISBN 978-980-002451-5
  • Irvin Stern (Hrsg.): Dictionary of Brazilian literature. Greenwood Press., New York 1988, ISBN 0-313-24932-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Darcy Ribeiro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Darcy Ribeiro – Zitate (Portugiesisch)