Dario Fo

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Dario Fo

Dario Fo (* 24. März 1926 in Sangiano) ist ein italienischer Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Komponist, Erzähler, Satiriker und Schauspieler. Er revitalisierte Methoden der Commedia dell’arte. 1997 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.[1][2]

Dario Fo heiratete 1954 die 2013 verstorbene Schauspielerin und spätere politische Aktivistin Franca Rame, mit der er seit damals auch künstlerisch eng zusammenarbeitete.

Leben[Bearbeiten]

Dario Fo in Cesena (2008)

Fos Vater war Bahnhofsvorsteher, Amateurschauspieler und Sozialist. Die Familie musste häufig umziehen, weil er oft versetzt wurde. Das Geschichtenerzählen lernte der junge Dario von seinem Großvater mütterlicherseits, einem Fischer und Glasbläser.

Im Jahre 1940 zog Dario Fo nach Mailand, um an der „Kunsthochschule Brera“ zu studieren. Der Zweite Weltkrieg kam dazwischen. Seine Familie war im antifaschistischen Widerstand aktiv, und er half seinem Vater, Flüchtlinge und Deserteure in die Schweiz zu schmuggeln.

Einer Rekrutierung durch die Truppen von Salò konnte er sich nicht entziehen, sodass er Mitglied des Battalllions Azzuro der Fallschirmjäger der Repubblica Sociale Italiana wurde. Eine Teilnahme an einer „Aktion“ dieser Brigade im Jahre 1944 im Val Cannobina westlich des Lago Maggiore konnte Fo in einem Gerichtsverfahren des Jahres 1979 nicht nachgewiesen werden.

Nach Kriegsende setzte Fo sein Studium der Kunst und Architektur an der Universität Mailand fort. Er begann sich in der Bewegung der „piccoli teatri“ (kleine Bühnen) zu engagieren und präsentierte dem Publikum improvisierte Einpersonenstücke. Ab dem Jahr 1950 band er sich vertraglich an das Theaterensemble Franco Parentis und gab seinen Job als Architekt auf.

Seine spätere Frau, die aus einer Schauspielerfamilie stammende Franca Rame, traf er bei der gemeinsamen Erarbeitung der Revue Sieben Tage 1951. Im gleichen Jahr wurde ihm angeboten, eine Sendung namens Cocorico für das öffentlich-rechtliche nationale Radio RAI zu moderieren. Er schuf achtzehn satirische Monologe, in denen er biblische Themen politisch interpretierte. Empörte Vorgesetzte setzten die Show ab. Auch sein nächstes Theaterstück war beim zahlenden Publikum ein Renner und erlitt dennoch Zensur und Interventionen von Seiten der Kirche und der Staatsbeamten, sodass Auftrittsorte rar wurden.

Die Heirat mit Franca Rame folgte 1954. Die beiden verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem weiterhin populären Piccolo Theater zu Mailand. Im nächsten Jahr ergab sich eine Chance bei den Filmstudios in Rom. Fo wurde Drehbuchautor und arbeitete für zahlreiche Produktionen.

Der Sohn Jacopo kam im März 1955 zur Welt. Seine Frau arbeitete für das Teatro Stabile in Bozen. Fo und Rame hatten 1956 gemeinsam Rollen in dem Film Lo svitato, weitere folgten.

Die Rückkehr nach Mailand 1959 war verbunden mit der Gründung ihres eigenen Ensembles. Fo schrieb Stücke, schauspielerte, führte Regie und entwarf Kostüme und Bühnenbilder. Rame übernahm die Kassenführung und den Papierkrieg. Die Uraufführungen fanden im Piccolo-Theater statt, und sie brachen dann alljährlich zu Tourneen in ganz Italien auf.

Das Stück Erzengel spielen nicht am Flipper (1960) fand große nationale Beachtung. Weitere Bühnenerfolge folgten. Bereits 1961 wurden Fos Stücke in Schweden und Polen adaptiert und auf die Bühnen gebracht.

Für die Fernsehshow Canzonissima im RAI 1962 war Fo Autor und Regisseur. Er bildete dort das Leben gewöhnlicher Menschen ab, was beim Publikum sehr gut ankam. Nur eine Episode, in der ein Journalist von der Mafia ermordet wurde, verärgerte indes die Politiker. Fo und Rame erhielten Morddrohungen und wurden unter Polizeischutz gestellt. Die italienische Schauspielergewerkschaft setzte aus Solidarität bei ihren Mitgliedern durch, dass sie nicht an ihrer Stelle als Ersatz zur Verfügung standen. Beide wurden für fünfzehn Jahre von der RAI gesperrt.

Von 1968 bis 1970 leitete er die Theaterkooperative „Nuova Scena“. 1981 wurde er mit dem Sonning-Preis der Universität Kopenhagen ausgezeichnet. 1997 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Fo hat mehrfach als Opernregisseur gearbeitet, so etwa in Amsterdam (Il barbiere di Siviglia von Gioachino Rossini) oder beim Rossini Opera Festival in Pesaro, wofür er auch jeweils das Bühnenbild entwarf. Dario Fo ist ein prominenter Kritiker der Medienpolitik und Medienentwicklung in Italien. Er beurteilt sie als „Beseitigung jeder kritischen Kultur“ und wirft Silvio Berlusconi vor, eine Kontrolle über alle Kommunikationswege anzustreben.[3]

Fo kandidierte 2006 innerhalb eines Mitte-Links-Bündnisses zur Bürgermeisterwahl in Mailand. Er verlor bei den Vorwahlen, erhielt jedoch 23,4 % der Stimmen. Gegenwärtig ist er prominentes und einflussreiches Mitglied von Beppe Grillos MoVimento 5 Stelle.

Zitate[Bearbeiten]

  • Auf die Frage: Es gibt keine linke oder rechte Satire?
„Satire ist Satire und hat nichts mit Propaganda zu tun. Satire ist das schlechte Gewissen der Macht. Wer auch immer regiert, er wird automatisch zur Zielscheibe der Satire.“
  • Auf die Frage: Dario Fo gegen Silvio Berlusconi – der Kampf der Giganten?
„Ich würde es nüchtern ausdrücken: Wettstreit zweier Berufskomiker.“
  • Dario Fo in seinem Theaterstück „Zufälliger Tod eines Anarchisten“:
„Wenn es keine Skandale gäbe, müsste man sie erfinden, weil sie ein unentbehrliches Mittel sind, die Macht der Mächtigen zu erhalten und den Unmut der Unterdrückten fehlzuleiten. […] Worauf es ankommt, ist der Skandal! […] Damit endlich auch das italienische Volk sozialdemokratisch wird, wie die Völker Englands, Nordamerikas, Deutschlands usw. …moderne Völker! Damit unsere Mitbürger endlich stolz sagen können: »Ja, wir waten bis zum Hals in der Scheiße, aber genau deshalb tragen wir den Kopf hoch erhoben!«“
  • Dario Fo anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1997 in Stockholm:
„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus. Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.“
  • Im Nachwort zu „Der Teufel mit den Titten“:
„Selbstverständlich ist jede Ähnlichkeit mit aktuellen Tagesereignissen gänzlich unbeabsichtigt; es ist ja bekannt, dass die Klassiker stets schamlos die Skandale und Persönlichkeiten der Chronik unserer Tage kopiert haben!“

Verstecktes Theater[Bearbeiten]

Die Idee des versteckten Theaters ist, Stücke/Situationen nicht in einem ausgewiesenen Theater auf einer Bühne aufzuführen, sondern ohne Wissen der Zuschauer an alltäglichen Orten (Supermarkt, Bushaltestelle, Fußgängerzone, …) im mehr oder weniger öffentlichem Raum. Ziel ist, den künstlichen Rahmen des Theaters zu sprengen und die Fragestellungen der Stücke in die Realität zurückzuholen, aus der sie stammen. Stücke von Dario Fo kamen dabei aufgrund ihrer Sozialkritik häufig zum Einsatz. Er selbst wurde mehrere Male von der Bühne weg verhaftet.

Werke[Bearbeiten]

deutsche Titel, Originalerscheinungsjahr bzw. deutscher Buchverlag, soweit bekannt in Klammern

Literatur[Bearbeiten]

  • Concetta D’Angeli – Simone Soriani: Coppia d’arte – Dario Fo e Franca Rame, Edizioni Plus, Pisa, 2006, ISBN 88-8492-338-7 [1]
  • Simone Soriani: Dario Fo. Dalla commedia al monologo (1959–1969), Corazzano (PI), Titivillus, 2007
  • Tom Behan: Dario Fo. Revolutionary Theater, Pluto Press, London 2000, ISBN 0-7453-1357-4
  • Paolo Puppa: Il teatro di Dario Fo, Marsilio, Venedig 1978
  • Joseph Farrell: Dario Fo & Franca Rame. Harlequins of the revolution, Methuen, London 2001, ISBN 0-413-70910-8
  • Tony Mitchell: Dario Fo. People’s court jester, Methuen, London 1999, ISBN 0-413-73320-3
  • Antonio Scuderi: Dario Fo and Popular Performance, Legas 1998
  • Chiara Valentini: La storia di Dario Fo, Milano, Feltrinelli, 1997, ISBN 88-07-81475-7
  • Henning Klüver: Dario Fo. Biographie. Rotbuch-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-88022-669-5
  • Ulrike Seidel: Dario Fo und die italienische Komödientradition. Tectum-Verlag, Marburg 1995, ISBN 3-89608-802-5
  • Birgid Gysi: Dario Fo – Theater-Kultur. Oberbaum Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-928254-95-2
  • Gabriele C. Pfeiffer: Kommt herbei! Eintritt frei. Ich erzähle Euch die Geschichte des Dario Fo-Theater in den Arbeiterbezirken Wien. mandelbaum Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-85476-300-0

Siehe auch[Bearbeiten]

Commedia dell’arte, Satire, Parodie, Farce, Komödie, Theaterkooperative, Antiklerikalismus, Anarchie, Spaßguerilla, Jewgenij Grischkowez

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Nobel Lecture (engl.)
  2. Banquet Speech (englische Übersetzung)
  3. Interview von Boris Sollazzo mit Dario Fo, 5. September 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dario Fo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien