Darknet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diese Seite beschreibt ein Netzwerk in der Informatik. Zum gleichnamigen Roman siehe Daniel Suarez (Schriftsteller).

Darknet (englisch für „Dunkles Netz“) beschreibt in der Informatik ein Peer-to-Peer-Netzwerk, dessen Teilnehmer ihre Verbindungen untereinander manuell herstellen. Dieses Konzept steht im Gegensatz zu konventionellen Peer-to-Peer-Netzwerken, bei denen zumeist die Verbindungen zu den Clients fremder Personen automatisch und willkürlich initiiert werden. Im Ergebnis bietet ein Darknet ein höheres Maß an Sicherheit, da einem Angreifer der Zugriff auf das Netzwerk nicht ohne weiteres möglich ist – oder er im Idealfall gar nichts von der Existenz des Netzwerks weiß. Um neue Personen in das Darknet zu integrieren, müssen diese gewöhnlich von Teilnehmern eingeladen/akzeptiert werden. Stellenweise ist dies auch nur Teilnehmern möglich, die über höhere Privilegien verfügen.

Überblick[Bearbeiten]

Die Daten werden häufig verschlüsselt übertragen und gespeichert. Ihre Anwendung reicht von normalem Datenaustausch zwischen Privatpersonen über kleine Tauschbörsen-Netzwerke für Musik und Filme bis hin zur Vernetzung von Regimekritikern.[1][2] Um dem Vorwurf der Nutzung beispielsweise zur Urheberrechtsverletzung durch Musiktausch zu entgegnen, wird von Darknet-Betreibern hochgehalten, dass die Meinungsfreiheit, besonders in Zensurländern wie China, durch solche Netzwerke gestärkt werden kann. Allerdings erlaubt ein Darknet auch die anonyme Offenlegung von Identitäten, beispielsweise die Offenlegung, welche Person welche Meinung vertreten würde.

Solche Netze sind normalerweise klein, oft mit weniger als zehn Teilnehmern. Allgemein kann ein Darknet eine beliebige geschlossene Gruppe von kommunizierenden Leuten sein. Je größer die Gruppe allerdings wird, desto unsicherer wird sie. Häufig wird der Begriff aber auch synonym zu Friend-to-friend-Netzwerken verwendet und umfasst dann große Netzwerke, bei denen indirekt Verbindungen über vertraute Knoten hergestellt werden. Größere Netzwerke benötigen allerdings eine höhere Übertragungslatenz als bei direkter Übertragung und Algorithmen zur Erkennung unzuverlässiger Knoten.

Arbeitsweise[Bearbeiten]

Falls das Netz dem Filesharing dient, bezeichnet Darknet eine Art von Friend-to-friend-Netzwerk (F2F). Die meisten Filesharingprogramme sind keine Darknets, da die Knoten (Peers) mit jedem anderen Knoten (öffentliche, ungeprüfte peers) im Netzwerk kommunizieren können.

Ein Freund-zu-Freund-Netzwerk unterscheidet sich von einem Darknet insofern, als das Freund-zu-Freund-Netzwerk die Weiterleitung von Dateien auch an die Freunde der Freunde unterstützt, die IP-Adressen der Freunde jedoch den Freunden nicht ersichtlich sind. Ein F2F-Netzwerk muss daher dezentral organisiert sein (man kennt die IP-Adressen der Freunde, aber deren Freunde nicht), ein Darknet kann auch zentral organisiert sein (das heißt, auch ein Hub mit allen Freunden könnte ein Darknet sein; hier kennen jedoch alle die IP-Adressen von allen).

Die vielleicht bekannteste Darknet-Software ist WASTE von Nullsoft. Ein echtes F2F-Netzwerk kann über den Instant Messenger Turtle F2F errichtet werden, der auch Filesharing über den Klienten giFT erlaubt. Dabei kennt man als Teilnehmer – anders als WASTE im Broadcasting-Modus – die Freunde der Freunde nicht. In Turtle wird somit ein Schildkröten-Netzwerk gegründet, in dem sich nur Verbindungen etablieren lassen, die von geprüften Freunden kommen. Turtle scheint jedoch nicht weiter entwickelt zu werden, ähnliche Ansätze werden aber auch von RetroShare, HybridShare oder Gazzera verfolgt.

Freenet, ein Netz zum anonymen und zensurfreien Informationsaustausch, arbeitet seit Version 0.7 darauf hin, ein globales Darknet zu bilden, das Millionen Teilnehmer haben kann. Solch ein untypisches Darknet soll durch eine Anwendung des Kleine-Welt-Phänomens möglich sein.

Frühere Versionen von Apples iTunes ermöglichten es einem Benutzer, die IP-Adresse eines anderen Subnets anzugeben und ihre Musik mit den Benutzern in diesem Subnet wie in einem Darknet zu teilen. Spätere Versionen bieten diese Funktion nicht mehr, aber der Benutzer kann weiterhin Musik im eigenen Subnet streamen. Es gibt allerdings Hacks, die es Benutzern eines solchen iTunes-Netzwerks erlauben, die Musik voneinander herunterzuladen, ohne Einbußen in der Qualität in Kauf nehmen zu müssen.

Herkunft des Begriffes[Bearbeiten]

Das Wort Darknet stammt von dem Artikel The Darknet and the Future of Content Distribution aus dem Jahr 2002. Vier Microsoft-Angestellte argumentieren darin, das Vorhandensein von Darknets sei das wesentliche Hindernis in der Entwicklung funktionierender Techniken zur digitalen Rechteverwaltung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jessica Wood: A Digital Copyright Revolution. In: Richmond Journal of Law and Technology. 16, Nr. 4, 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2011.
  2. J. D. Lasica: Darknets: Hollywood's War Against the Digital Generation. J. Wiley & Sons, Hoboken, NJ 2005, ISBN 0471683345.