Darknet
Ein Darknet ist ein privates Peer-to-Peer-Netz, in dem sich die Nutzer nur mit den Menschen verbinden, denen sie vertrauen. Die Daten werden dabei häufig verschlüsselt übertragen und gespeichert. Ihre Anwendung reicht von normalem Datenaustausch zwischen Privatpersonen, über kleine Tauschbörsen-Netzwerke für Musik und Filme bis hin zur Vernetzung von Regimekritikern[1][2]. Um dem Vorwurf der Nutzung beispielsweise zur Urheberrechtsverletzung durch Musiktausch zu entgegnen, wird von Darknet-Betreibern hochgehalten, dass die Meinungsfreiheit, besonders in Zensurländern wie China, durch solche Netzwerke gestärkt werden kann. Allerdings erlaubt ein Darknet auch die anonyme Offenlegung von Identitäten, beispielsweise die Offenlegung, welche Person welche Meinung vertreten würde.
Solche Netze sind normalerweise klein, oft mit weniger als zehn Teilnehmern pro Netz. Allgemein kann ein Darknet eine beliebige geschlossene Gruppe von kommunizierenden Leuten sein. Je größer die Gruppe allerdings wird, desto unsicherer wird sie. Häufig wird der Term aber auch synonym zu Friend-to-friend-Netzwerken verwendet, und umfasst dann große Netzwerke, bei denen indirekt Verbindungen über vertraute Knoten hergestellt werden. Größere Netzwerke benötigen allerdings eine höhere Übertragungslatenz als bei direkter Übertragung und Algorithmen zur Erkennung von unzuverlässigen Knoten.
[Bearbeiten] Funktionsweise
Falls das Netz dem Filesharing dient, ist die Bezeichnung Darknet eine Art von Friend-to-friend-Netzwerk (F2F). Die meisten Filesharingprogramme sind keine Darknets, da die Knoten (Peers) potentiell mit jedem anderen Knoten (öffentliche, ungeprüfte peers) im Netzwerk kommunizieren können.
Ein Freund-zu-Freund-Netzwerk unterscheidet sich von einem Darknet insofern, als das Freund-zu-Freund-Netzwerk die Weiterleitung von Dateien auch an die Freunde der Freunde unterstützt, die IP-Adressen der Freunde jedoch den Freunden nicht ersichtlich sind. Ein F2F-Netzwerk muss daher dezentral organisiert sein (man kennt die IP-Adressen der Freunde, aber deren Freunde nicht), ein Darknet kann auch zentral organisiert sein (das heißt, auch ein Hub mit allen Freunden könnte ein Darknet sein; hier kennen jedoch alle die IP-Adressen von allen).
Das Wort Darknet stammt aus dem Artikel The Darknet and the Future of Content Distribution. Vier Microsoft-Angestellte argumentieren darin, das Vorhandensein von Darknets sei das wesentliche Hindernis in der Entwicklung funktionierender Techniken zur digitalen Rechteverwaltung.
Die vielleicht bekannteste Darknet-Software ist WASTE von Nullsoft. Ein echtes F2F-Netzwerk kann über den Instant Messenger Turtle F2F errichtet werden, der auch Filesharing über den Klienten giFT erlaubt. Dabei kennt man als Teilnehmer – anders als WASTE im Broadcasting-Modus – die Freunde der Freunde nicht. In Turtle wird somit ein Schildkröten-Netzwerk gegründet, in dem sich nur Verbindungen etablieren lassen, die von geprüften Freunden kommen. Turtle scheint jedoch nicht weiter entwickelt zu werden, ähnliche Ansätze werden aber auch von RetroShare, HybridShare oder Gazzera verfolgt.
Freenet, ein Netz zum anonymen und zensurfreien Informationsaustausch, arbeitet seit Version 0.7 darauf hin, ein globales Darknet zu bilden, das potentiell Millionen Teilnehmer haben kann. So ein untypisches Darknet soll durch eine Anwendung des Kleine-Welt-Phänomens möglich sein.
Frühere Versionen von Apples iTunes ermöglichten es einem Benutzer, die IP-Adresse eines anderen Subnets anzugeben, und ihre Musik mit den Benutzern in diesem Subnet wie in einem Darknet zu teilen. Spätere Versionen bieten diese Funktion nicht mehr, aber der Benutzer kann weiterhin Musik im eigenen Subnet streamen. Es gibt allerdings Hacks, die es Benutzern eines solchen iTunes-Netzwerks erlauben, die Musik voneinander herunterzuladen, ohne Einbußen in der Qualität in Kauf nehmen zu müssen.
Die Version 10.10 des Webbrowsers Opera ermöglicht über die neue Funktion „Opera Unite“ die Verbindung von Anwendern und Ihrer Verzeichnisse untereinander mittels eines integrierten Webservers. Die Daten bleiben lokal gespeichert, lediglich der Dienst wird über einen externen Proxy realisiert.[3] Die Dateien können zwischen den Verzeichnissen kopiert werden und auch Benutzer, die einen anderen Browser verwenden, können darauf zugreifen. Wie sicher und anonym die Daten dabei sind, ist nicht bekannt.
[Bearbeiten] Weblinks
- The Darknet and the Future of Content Distribution (PDF-Datei 358 KB, englisch)
- Freenet 0.7 soll globales Darknet schaffen, golem.de
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Jessica Wood: A Digital Copyright Revolution. In: Richmond Journal of Law and Technology. 16, Nr. 4, 2010. Abgerufen am 25 October 2011.
- ↑ J. D. Lasica: Darknets: Hollywood's War Against the Digital Generation. Hoboken, NJ: J. Wiley & Sons 2005, ISBN 0471683345
- ↑ Jo Bager: Opera Unite: Der Browser wird zum Server. Heise online, 16. Juni 2009, abgerufen am 4. September 2010.