Akutes Abdomen

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Klassifikation nach ICD-10
R10.0 Akutes Abdomen
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Akutes Abdomen (unter Ärzten auch akuter Bauch genannt) ist ein Begriff aus der Medizin. Er bezeichnet eine meist akut einsetzende Symptomatik bei vielfach lebensbedrohlichen Erkrankungen im Bauchraum. Das akute Abdomen erfordert eine rasche Diagnostik und oft eine notfallmäßige operative Therapie. Typische Leitsymptome sind plötzlich auftretende heftige Bauchschmerzen, Abwehrspannung der Bauchdeckenmuskulatur, Veränderungen der Darmtätigkeit mit Störung der Darmentleerung sowie Fieber und in schweren Fällen Zeichen des Kreislaufschocks.

Der Begriff Akutes Abdomen ist zunächst eine klinisch-deskriptive Bezeichnung. Es muss umgehend geklärt werden, was dem akuten Abdomen als Ursache zugrunde liegt und ob ein chirurgischer Eingriff notwendig ist.

Ursachen[Bearbeiten]

In mehr als 90 Prozent der Fälle wird das akute Abdomen durch eines der folgenden Krankheitsbilder verursacht:

Weitere seltene Ursachen sind einfache Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, Gallenkoliken, Gallenblasen- oder Darmperforation, eingeklemmter Bruch (Hernie), geplatztes (rupturiertes) Aortenaneurysma, Extrauteringravidität, Adnexitis, Ovarialtorsion, Peritonitis und andere Ursachen wie etwa Verletzungen der Bauchorgane und Mesenterialinfarkt. Des Weiteren kann auch stumpfe Gewalteinwirkung auf den Abdominalbereich die Ursache eines akuten Abdomens sein. Es gibt weiterhin eine Vielzahl von Krankheiten, die mit starken Bauchschmerzen einhergehen, deren Ursache aber nicht im Abdomen liegt (Myokardinfarkt etc.).

Symptome[Bearbeiten]

Schmerzlokalisation Anatomisches Korrelat
Epigastrium Magen, Querkolon
Rechter oberer Quadrant Leber, Gallenblase, Pylorus, Duodenum
Hypogastrium Kolon, Nieren
Flanken Nieren, Pankreas
Nabelregion Appendix, Darm
Sakrum, Lendengegend Rektum, Uterus
Rechte Schulter Gallenblase und Gallenwege[2],Leber, Pneumothorax
Linke Schulter Milz, Ösophagus, Herz, Pneumothorax

Schmerzen[Bearbeiten]

Man kann zwischen drei Schmerzcharakteren unterscheiden.

  • Kolikartige Schmerzen weisen auf eine Obstruktion hin.
  • Schmerzen mit leichter bis mittlerer Intensität, bei denen der Patient den Schmerzbeginn nur sehr ungenau benennen kann, sind für entzündliche Prozesse typisch.
  • Heftige und plötzlich einsetzende Schmerzen kommen bei Perforationen und beim Aortenaneurysma vor.

Des weiteren werden Schmerzen, welche ihre Ursache im Bauchraum haben in vielen Fällen in andere Körperregionen projiziert.

Man nennt diese Projektion anatomisches Korrelat.

Spezielle Schmerzformen stellen der Peritonismus und die Peritonitis dar.

Weitere Symptome[Bearbeiten]

Die oben beschriebenen Schmerzen treten häufig mit einem oder mehreren der folgenden Symptome zusammen auf:

  • Übelkeit, Erbrechen
  • aufgetriebenes Abdomen
  • evtl. Durchfall (Diarrhoe) oder Verstopfung (Obstipation)
  • Fieber

Diagnostik und Therapie[Bearbeiten]

Die Untersuchung eines akuten Abdomens ist dringlich. Neben Anamnese und Untersuchung sind Sonografie des Bauches, Labordiagnostik, endoskopische Verfahren (etwa Gastroskopie) und Bildgebung (Computertomografie) wichtige diagnostische Mittel. Je nach Dringlichkeit bleibt allerdings oft keine Zeit dafür, so dass auch ohne diese eine operative Eröffnung des Bauches (Laparotomie) oder ein endoskopischer Eingriff in die Bauchhöhle (Laparoskopie) durchgeführt werden muss. Letzteres dient im Zweifelsfall auch der Diagnosesicherung, wenn erhobene Befunde nicht ausreichend aussagekräftig sind.

Therapeutische Erstmaßnahmen sind die Lagerung in Schonhaltung (angezogene Beine), Sauerstoffgabe, Anlage von großlumigen peripheren venösen Zugängen, Volumensubstitution und Überwachung von Puls, Herzrhythmus, Blutdruck, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung.

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Schmerzmittel dürfen, sollen und müssen gegeben werden. Jedoch muss auf die Wahl und den Zeitpunkt der Gabe geachtet werden, da zu früh verabreichte Schmerzmittel die Ursache bzw. Indikation zu einem chirurgischen Eingriff kaschieren können. Bei Opioiden ist weiterhin Vorsicht geboten, weil sie Spasmen der glatten Muskulatur auslösen können und somit die Symptomatik verschlimmern. Pethidin hingegen darf gegeben werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Hildebrandt (Hrsg.): Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. S. 36. 258. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1998, ISBN 3-11-014824-2.
  • Niklaus E. Gyr, Ronald A. Schoenenberger & Walter E. Haefeli (Hrsg.): Internistische Notfälle. S. 124 - 127. 7. Auflage. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-510607-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Helmut Messmann, Jürgen Barnert (Hrsg.): Lehratlas der Koloskopie: das Referenzwerk zur Untersuchungstechnik und Befundinterpretation. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-13-136441-6, S. 3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. V. Schumpelick, G.-A. Schlosser: Akutes Abdomen in Volker Schumpelick, Niels Bleese, Ulrich Mommsen (Hrsg.): Kurzlehrbuch Chirurgie, 7. Auflage, Stuttgart, 2006 S. 558
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