Das Rosenkranzfest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das Altarbild Albrecht Dürers. Zum gleichnamigen Festtag siehe Rosenkranzfest.
Albrecht Dürer 099.jpg
Das Rosenkranzfest
Albrecht Dürer, 1506
Öl auf Pappelholz, 162 cm × 194,5 cm
Nationalgalerie Prag

Das Rosenkranzfest, auch Rosenkranzaltar genannt, ist eines der wenigen Altarbilder Albrecht Dürers.

Albrecht Dürer malte dieses großformatige Altarbild 1506 im Auftrag deutscher Kaufleute als Altarbild für die Kirche San Bartolomeo in Venedig. Dieses Bild machte Dürer, der bis zu diesem Zeitpunkt vor allem Grafiken und Zeichnungen schuf, schlagartig berühmt.

Das Gemälde Dürers hat mit dem 1572 eingeführten Rosenkranzfest nichts zu tun. Der Gemäldetitel ist modern. Dargestellt ist vielmehr die Rosenkranzbruderschaft als eine universelle Gebetsbruderschaft.

Beschreibung[Bearbeiten]

Dargestellt ist die Madonna auf einem von Putten gehaltenen Baldachinthron. Zwei weitere Putten lassen eine Krone über ihrem Kopf schweben, ein Engel spielt zu ihren Füßen Laute. Maria, das Christuskind, der heilige Dominikus, dem die Entstehung der Rosenkranzandacht zugeschrieben wird, und weitere Putten verteilen Rosenkränze an eine Menschenmenge, die von Kaiser und Papst angeführt wird.

Die Rosenkranzbruderschaft wurde von Jacob Sprenger 1475 als Gebetsverbrüderung in Köln gegründet. In die erste Rosenkranz-Bruderschaft in Köln schrieb sich an erster Stelle 1475 König Maximilian I. ein, der im selben Jahr die Stadt Neuss befreit hatte, nachdem diese Maria angerufen hatte. Der Papst hätte die Gesichtszüge Julius II. aufweisen müssen, was Dürer jedoch vermied, denn Julius war ein Gegner Venedigs.

Die Gruppe des knienden Papstes und Kaisers mit der Madonna bildet eine Pyramide.

Die Mitglieder der Menge können nicht mehr alle identifiziert werden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Werk verbindet die deutsche Ikonographie der Rosenkranzbruderschaft mit venezianischen Einflüssen wie die Einbettung in eine Landschaft, dem Baldachin über Maria, dem Laute spielenden Engel und den Putten und stellt damit eine Synthese nordischer und italienischer Kunst dar.

Geschichte[Bearbeiten]

Selbstbildnis Dürers am rechten Bildrand
Frühe Kopie von um 1600

Albrecht Dürer war im Sommer 1505 zum zweiten Mal nach Venedig gekommen und erhielt von den beim Fondaco dei Tedeschi (nahe der Rialtobrücke) ansässigen deutschen Kaufleuten den Auftrag, ein Gemälde für ihre Pfarrkirche anzufertigen. Das Bild sollte eine ideale Versammlung der Rosenkranzbruderschaft darstellen.

Dürer machte vor dem Beginn seiner Arbeit zahlreiche Studien und schildert die Umstände der Entstehung des Werks in den Briefen an seinen Freund Willibald Pirckheimer. Aus diesen Briefen geht hervor, dass Dürer die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen musste und mit dem Bild sehr zufrieden war. So schrieb er am 23. September 1506 an Pirckheimer:

Ich teile Ihnen mit, dass es kein besseres Marienbild im ganzen Land gibt als das meine.[1]

Dürers Selbstbewusstsein zeigt sich auch darin, dass er sich selbst am rechten Bildrand darstellte. Er hält ein Stück Papier mit der lateinischen Aufschrift:

Exegit quinque mestri / spatio Albertus / Durer Germanus MDVI / AD

Mit diesem Zettel weist Dürer darauf hin, dass er das Gemälde in nur fünf Monaten des Jahres 1506 (MDVI) geschaffen habe. Das Buchstabenkürzel AD ist Dürers Signatur, die auf fast keinem Bild fehlt.

Wie Briefe belegen, hatte Dürer keine besonders hohe Meinung von der Leistung seiner venezianischen Kollegen. Dieses Urteil beruhte weitgehend auf Gegenseitigkeit. Dürer berichtet immer wieder davon, dass die italienischen Maler behaupteten, seine Bilder seien unmodern und er nicht mit Farben umgehen könne. Erst mit dem „Rosenkranzfest" änderte sich die Meinung der venezianischen Künstler und Dürer schrieb:

Jtz spricht jeder man, sy haben schoner Farben nie gesehen.[2]

Im Jahr 1606 gelangte der Rosenkranzaltar nach Prag. Im Dreißigjährigen Krieg war die Rosenkranzfestmadonna ständig in Bewegung. So kam es dazu, dass das Gemälde beim Transport beschädigt wurde.

Aber es war schon in Venedig beschädigt. Denn Dürer arbeitete in Venedig als Maler aus dem Norden mit nicht erprobtem Material. Dies führte dazu, dass das Bild in der Mitte bald beschädigt war. So verschwand auch ein interessantes Detail, das Kopien des Gemäldes belegen, eine Fliege auf dem Knie der Madonna, die den Eindruck erwecken sollte, dass sie echt sei. Als das Gemälde beschädigt wurde, verschwand die Fliege.

Kaiser Rudolf II. kaufte das Gemälde nach langwierigen Verhandlungen für die enorme Summe von 900 Dukaten. Er ließ 1606 eine Kopie herstellen, die bis ins 19. Jahrhundert erhalten blieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Konrad Eberlein: Albrecht Dürer (= Rororo 50598 Rowohlts Monographien). Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-50598-3.
  • Anja Grebe: Albrecht Dürer. Künstler, Werk und Zeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18788-1.
  • Jaromír Homolka: Rosenkranzfest, Artia, Prag, 1961, DNB 451011325
  • Olga Kotková (Hg.), Albrecht Dürer: The Feast of the Rose Garlands 1505–2006, (Ausst.-Kat.) National Gallery Prague 2006, Prague 2006, ISBN 80-7035-332-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Das Rosenkranzfest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellennachweis[Bearbeiten]

  1. Grebe: „Albrecht Dürer. Künstler, Werk und Zeit“
  2. Grebe: „Albrecht Dürer. Künstler, Werk und Zeit“