Das Wasser des Lebens

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Das Wasser des Lebens ist ein Märchen (ATU 551). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 97 (KHM 97).

Inhalt[Bearbeiten]

Der König ist sterbenskrank. Ein alter Mann erzählt seinen trauernden Söhnen vom Wasser des Lebens, das ihn heilen würde. Der Älteste will es finden, damit er das Reich erbt. Unterwegs ist er unhöflich zu einem Zwerg, der ihn deshalb in eine enge Schlucht verwünscht, ebenso den Zweiten, der nach seinem Ausbleiben auszieht. Der Jüngste dagegen kommt durch seinen Rat zu einem verwunschenen Schloss, öffnet das Tor mit einer eisernen Rute und beruhigt zwei Löwen mit zwei Laib Brot. Drinnen findet er verwunschene Prinzen, denen er die Ringe vom Finger zieht, dann ein Schwert und ein Brot und eine erlöste Jungfrau, die ihn in einem Jahr heiraten will. Er schläft in einem Bett ein. Er erwacht erst viertel vor zwölf und nimmt schnell das Lebenswasser aus dem Brunnen mit, bevor das Schlosstor um zwölf zuschlägt. Es schlägt noch seine Ferse ab. Der Zwerg sagt ihm, dass das Schwert ganze Heere schlägt und das Brot nie ausgeht und lässt auf Bitten die Brüder frei. Der Jüngste reitet mit ihnen durch drei Reiche, die er mit dem Brot und dem Schwert aus der Not rettet. Auf einer Schifffahrt vertauschen seine Brüder während er schläft sein Wasser mit Meerwasser. Als er das daheim dem Vater gibt, worauf er noch kränker wird, klagen sie ihn an, er hätte ihn vergiften wollen und heilen ihn mit dem Wasser des Lebens. Sie verspotten den Jüngsten. Der Vater will ihn auf der Jagd erschießen lassen, aber der Jäger gesteht es dem Prinzen, der flieht. Als drei Wagen mit Gold und Edelsteinen aus den geretteten Reichen kommen, ist der König froh zu erfahren, dass sein Befehl nicht ausgeführt wurde. Die Königstochter erkennt ihn daran, dass er, in Gedanken an sie, auf der goldenen Straße zu ihr reitet, während die Brüder die Straße nicht beschädigen wollten. Sie heiraten. Die Brüder schiffen fort.

Herkunft[Bearbeiten]

Grimms fügten ihre Fassung aus einer hessischen und einer unvollkommeneren paderbörnischen Quelle zusammen (laut Anmerkung). In Ersterer kommt keine Prinzessin vor, der König erkennt den unschuldigen Jüngsten, weil er über eine goldene Decke reitet statt einer silbernen und einer gewöhnlichen. In der paderbörnischen müssen die drei auf Rat eines Fischers drei Rabenfedern sammeln und im Schloss vor dem schwarzgekleideten Hofstaat (vgl. KHM 121) einen siebenköpfigen Drachen töten (vgl. KHM 91). Erst der Jüngste siegt und lässt die Prinzessin mit dem Wasser seine versteinerten Brüder heilen (vgl. KHM 62). In einer dritten hanöverischen läuft der Jüngste von Hasen und Riesen zu Feuer und Wind, bis ihn der Nordwind (vgl. KHM 88) zwischen elf und zwölf Uhr zum Schloss bringt. Dort schläft er bei der Prinzessin und holt mit ihren drei Schlüsseln das Lebenswasser aus dem Keller. Er kauft seine heruntergekommenen Brüder frei, die ihn dann verraten, doch die Prinzessin erkennt ihn (wie KHM 57). Grimms stellen weitere Literaturvergleiche an, u.a. KHM 96, 57; Konrad von Würzburgs Trojanerkrieg V. 10651 ff.; Erfurter Sammlung (Wilhelm Christoph Günthers Kindermährchen aus mündlichen Erzählungen gesammlet, 1787) das Märchen von der Königin Wilowitt; Wolfs Hausm. S. 54 die Königstochter im Berge Muntserrat, dänisch bei Etlar S. 1, serbisch bei Wuk Nr. 2, schwedisch bei Cavallius S. 191.

Die Brüder Grimm hörten die paderbörnische Version 1813 bei Familie von Haxthausen, möglicherweise im Zusammenhang mit dem sortengleichen KHM 57 Der goldene Vogel, das bekannter wurde. Hans-Jörg Uther weist darauf hin, dass das Märchen nicht mit dem Handlungsträger, sondern mit dem kranken König beginnt, und ungewöhnlicherweise ohne klare Bestrafung der Bösen endet (fortgeschifft und kamen ihr Lebtag nicht wieder).

Vgl. in Giambattista Basiles Pentameron V,4 Der goldene Stamm. Vgl. Die drei Musikanten in Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch (in der Ausgabe von 1845 auch Fippchen Fäppchen, zur Speisung des Hundes Die hoffärtige Braut).

Interpretation[Bearbeiten]

Der Alte Mann spricht nur von gesund machen, der Älteste dagegen, dass das Wasser allein ihn heilen könnte.

Wilhelm Salber beobachtet bei diesem Märchen paradoxes Durcheinander, insbesondere eine Sprunghaftigkeit zwischen Stau und Ausbrüchen, ein Nebeneinander von Zwängen und Offenheit. Dies finde man oft bei etwa 40-jährigen, in der deutschen Nachkriegskultur oder bei Dostojewski.[1]

Parodie[Bearbeiten]

Janosch schrieb zwei Parodien: In einer hat die Prinzessin eine tödliche Krankheit, ein Prinz heiratet sie für angebliches Wasser des Lebens, dann stirbt sie. In der anderen ist sie verwöhnt und bildet sich die Krankheit nur ein, sagt deshalb jedem Freier ab, bis ihr einer das Wasser bringt, und sie wird über 100 Jahre.[2]

Film[Bearbeiten]

  • Gurimu Meisaku Gekijō, japanische Zeichentrickserie 1987, Folge 15: Das Wasser des Lebens.
  • 1987: Das Wasser des Lebens, Deutschland und Tschechien; Regie: Ivan Balaďa, Drehbuch: Ivan Balaďa, Karel Steigerwald, Kamera: Ján Duris, Musik: Jirí Stivín, Darsteller: Dusan Dorcák, Asunta Almirall, Nikolas Vogel, Michael König, Michele Melega - Symbolistischer Film zum Märchen mit expressiven Farben und leitmotivscher Verwendung des Wassers.
  • 1995: Der Schlüssel zum Glück, Slowakei/Tschechien; Regie: Jozef Holec, Darsteller: Jana Holenová als Alina und Karel Greif als Jannek - nach dem weißrussischen Märchen Die Glücksblume, mit Bezügen zu Grimms Das Wasser des Lebens.

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 486-491. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 188-191, 484. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 221-222. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)
  • Lecouteux, Claude: Lebenswasser. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 8. S. 838-841. Berlin/New York 1996.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Salber: Märchenanalyse (= Werkausgabe Wilhelm Salber. Band 12). 2. Auflage. Bouvier, Bonn 1999, ISBN 3-416-02899-6, S. 118-121, 164.
  2. Janosch: Das Wasser des Lebens. In: Janosch erzählt Grimm's Märchen. Fünfzig ausgewählte Märchen, neu erzählt für Kinder von heute. Mit Zeichnungen von Janosch. 8. Auflage. Beltz und Gelberg, Weinheim und Basel 1983, ISBN 3-407-80213-7, S. 219-221.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Das Wasser des Lebens – Quellen und Volltexte