Das kalte Herz (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel: Das kalte Herz
Produktionsland: DDR
Erscheinungsjahr: 1950
Länge: 104 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Wolff von Gordon
Paul Verhoeven
Produktion: Fritz Klotzsch / DEFA
Musik: Herbert Trantow
Kamera: Bruno Mondi
Ernst Kunstmann
Schnitt: Lena Neumann
Besetzung

Das kalte Herz ist eine DEFA-Märchenverfilmung der DDR aus dem Jahr 1950, gedreht vom deutschen Regisseur Paul Verhoeven. Die Handlung beruht auf dem gleichnamigen Märchen Das kalte Herz von Wilhelm Hauff.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Handlung

In den Tiefen des Schwarzwaldes, bei den Kohlenmeilern, lebt Peter Munk, ein junger Köhler, der überall als armer und schmutziger Kohlenmunk-Peter bekannt ist. Zurückgezogen wohnt er mit seiner Mutter in einer kleinen Waldhütte.

Die vielen Feierlichkeiten im Wirtshaus kann er sich nicht leisten. Als er eines Tages, dem Jubel und Getöse folgend, doch hinein geht, wird er von den betrunkenen Gästen verspottet und ausgelacht. So kommt es, dass er immer mehr von Geld und Ansehen träumt. Als er die schöne Lisbeth zur Frau nehmen will, schmerzt ihn seine Armut noch mehr.

Nun hofft er auf eine alte Weise, die besagt, dass ein Glasmännchen tief im Walde haust und jedem Sonntagskind drei Wünsche erfüllt, das folgenden Vers aufsagt:

Schatzhauser im grünen Tannenwald, Bist schon viel hundert Jahre alt,
Dir gehört all Land, wo Tannen stehn, Lässt dich nur Sonntagskindern sehn.

So begibt sich Kohlenmunk-Peter auf die Suche nach dem Schatzhauser. Dieser erfüllt ihn zunächst zwei seiner Wünsche: besser tanzen zu können als der Hannes (der Tanzbodenkönig) und immer genauso viel Geld in den Taschen zu haben wie der Ezechiel im Wirtshaus sowie den Wunsch, eine eigene Glashütte zu besitzen. Jedoch tadelt ihn der Zauberer, seine Wünsche nicht mit Bedacht gewählt zu haben.

Später, bei einem Würfelspiel im Wirtshaus mit dem reichen Geschäftsmann Ezechiel, gewinnt Peter nach einer Weile alles Geld. Als Peter gehen will, fragt Ezechiel, ob er ihm ein paar Taler leihe, damit er weiterspielen könne, denn er kann einfach nicht glauben, von einem Köhler geschlagen worden zu sein. Peter stimmt zu und stellt fest, nachdem er in seine Taschen gegriffen hat, dass diese ebenfalls leer sind. Plötzlich fällt ihm wieder ein, was er sich vom Glasmännlein im Tannenwald gewünscht hat: „genauso viel Geld in den Taschen zu haben wie der Ezechiel im Wirtshaus“. Als er seine Taschen, vor lauter Gelächter, zu Beweis offen zeigt, wird er als Betrüger hinausgeworfen.

Wütend auf den Schatzhauser rennt Peter in den Tannenwald, um diesmal dort den Holländermichel aufzusuchen, einen Riesen mit einem Glasauge und einer großen Narbe darüber, von dem erzählt wird, dass er die Herzen der Menschen stehle und durch einen Stein ersetze. So verspricht er Peter Reichtum und Ansehen im Tausch gegen sein Herz. Peter willigt ein.

Das kalte Herz macht ihn unempfindlich gegen jegliches Gefühl – kein Schmerz, keine Angst, keine Liebe. Nach kurzer Zeit hat er nur noch Geld und das Geschäft im Kopf und verjagt nun selber die Armen, wenn er sie beim Betteln sieht (siehe Weblinks: Filmausschnitt). Immer gieriger werdend erschlägt Peter eines Tages seine Frau Lisbeth, da sie einem alten schwachen Mann (das verkleidete Glasmännlein), der schwer zu tragen hatte und frierend an der Tür stand, aus Gutmütigkeit Einlass gewährte und Wein anbot. Erst in diesem Augenblick wird dem Kohlenmunk-Peter klar, was aus ihm geworden ist. Er besinnt sich daran, wer er einst war und wie sehr er seine Lisbeth geliebt hat.

Wieder sucht er das Glasmännchen im Tannendickicht auf und hofft auf seinen letzten, noch offenen Wunsch. Jedoch verweigert der Schatzhauser ihm diesen, solange er das Herz aus Stein hat und sagt: „Verstand hättest du dir wünschen sollen!“. Mit einer List will Peter nun sein Herz zurückbekommen. Dies gelingt, indem er beim Holländermichel behauptet, sein Herz noch zu haben und somit von ihm betrogen worden zu sein. Als Beweis soll der Riese ihn sein Herz wiedergeben, damit er den Unterschied spüren kann. Empört von diesen Vorwurf stimmt der Holländermichel zu. So bekommt Peter sein eigenes Herz zurück und begibt sich sogleich mit der Hilfe des Zauberers auf die Flucht.

Jetzt, wo Peter wieder fühlen kann, überkommt ihn der Tod seiner Frau mit Schmerz und Reue. Das Glasmännlein lobt diesen guten Kern in ihm und gewährt seinen letzten Wunsch, alles rückgängig zu machen. Kurz danach hört Peter eine bekannte Stimme, die nach ihm ruft. Als er sich umsieht kann er von weiten seine Lisbeth erkennen. Zusammen gehen beide Hand in Hand ihrer Zukunft entgegen.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Internationales Filmfestival Karlovy Vary, 1951 (Preis für den besten Farbfilm)

[Bearbeiten] Hintergrund

  • Bereits Ende der 1940er Jahre verhandelte der Münchner Regisseur Paul Verhoeven mit der DEFA über den Tanzfilm Melanie, eine moderne Aschenputtel-Version, in der er den Aufstieg einer jungen Ballett-Schülerin zu einer gefeierten Primaballerina zeigen wollte. Wegen Ähnlichkeiten zu dem Film Die roten Schuhe bot ihm das Studio, als eine Art Ersatz, Das kalte Herz an. [1]
  • Verhoeven drehte Das kalte Herz im Frühling und Sommer 1950 in den Babelsberger DEFA-Studios. Ein Drehstab von weit mehr als fünfzig Leuten waren an diesem Film beteiligt. Die Produktionskosten lagen mit 3,2 Millionen Mark deutlich über den vorgesehenen Ausgaben. Aufgrund der zu hohen Produktionskosten schloss die DEFA eine weitere Zusammenarbeit mit Verhoeven aus.
  • Das kalte Herz war der erste Farbfilm sowie der erste mit Schauspielern inszenierte Märchenfilm der DEFA und sollte ursprünglich unter der Regie von Erich Engel gedreht werden. [2] [3]
  • Der Film gilt als Auslöser der erfolgreichen Kinderfilm-Produktion in der DDR.

[Bearbeiten] Kritiken

Die meisten lobten den Film, aber manche meinten auch, dass die grausamen Szenen das Fassungsvermögen von Kindern weit übersteigen würde. Als ob das Gute und das Böse nicht schon immer wesentliche Bestandteile der Märchen gewesen wären!

Michael Verhoeven [1]

Die einzelnen Gestalten, die uns hier im Verlauf des Films auf der Leinwand begegnen, kennen wir alle selbst viel zu gut. Das gilt für den reichen Eszechiel und den anmaßenden Amtmann, für die gütige Mutter Peter Munks oder ihn selbst, der zwischen beiden Gewalten Gut und Böse hin und her gerissen, einen Ausweg sucht und ihn schließlich auch im Guten, im Besseren findet. Und das Bessere ist immer das, was die Menschen weiterbringt.

Neue Filmwelt (12/1950) [5]

Paul Verhoeven hat dieses Märchen von Wilhelm Hauff im Glanzbildchenstil umgesetzt. Poesie und Verzauberung werden durch sentimentale Heimatfilmbilder verdrängt. Im Märchenwald mit jenen märchenüblichen guten und bösen Zauberfiguren gelingen einige tricktechnisch brillante und auch sehr schön gespielte Passagen, die sich mit heutigen Märchen à la 'Unendliche Geschichte' durchaus messen können. Doch der Rest der Geschichte wirkt äußerst antiquiert und auch verworren. Schwer vorstellbar, daß Kinder, die direkt erzählte, aktionsreiche Geschichten gewöhnt sind, zu diesem überladenen Biedermeiermärchen noch Zugang finden. Das Tempo des Films ist über weite Strecken fast behäbig, manche Darsteller chargieren und die Kinoqualitäten der Vorlage werden eigentlich kaum ausgespielt. Auch fällt es schwer, hinter dem überbordenden Zeitkolorit die Moral der Geschichte auf unsere Zeit zu übertragen.

Karl Klusen: Film-Dienst [5]

Das kalte Herz zählt zu den international bekanntesten Märchenverfilmungen und den Meilensteinen in der Geschichte des Studios. Dem Streifen kam auch insofern eine solche Bedeutung zu, als es in Deutschland seit der Stummfilmzeit keine herausragenden Produktionen dieses Genres mehr gegeben hatte. Die Adaption greift die wesentlichen Momente des Märchens auf, macht allerdings die Liebesgeschichte, die bei Hauff erst gegen Ende eingeführt wird, zum Handlungsrahmen. In Bildsprache und Spielweise ganz dem Kino der vierziger Jahre und den Traditionen der UFA verpflichtet, erinnert die Charakterisierung der Protagonisten stark an Stereotype klassischer Rollenfächer des Theaters. Die Konventionalität kommt dem Märchenschema entgegen: Alle Mitwirkenden sind von vornherein auf eine bestimmte Seite festgelegt – nur Peter wechselt vom jugendlichen Helden und Liebhaber zum radikalen Bösewicht, um schließlich als geläuterter Charakter in das kitschig-prächtige Schlußbild hineinzuführen. Die Typisierung von gut/böse und reich/arm hebt die auch schon bei Hauff immanenten erzieherischen Absichten hervor. So steht das kalte beziehungsweise steinerne Herz symbolhaft und als scheinbare Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg. Auf die christlichen Elemente wird aber verzichtet. Peter kommt endlich der Forderung des Schatzhauser nach und lernt, seinen Verstand für redliche Zwecke zu nutzen. Die bis in den Tod getreue Lisbeth behält ihre archetypisch weibliche Rolle als Erlöserin. Als Gattin hilft sie dem von seiner klassischen Heldenreise heimkehrenden Peter, zur Einheit von Kopf, Herz und Seele zurückzufinden. Leider geht die eher bieder und breit angelegte Erzählweise über weite Strecken zu Lasten einer temporeicheren Gestaltung. Entschädigend wirken die farbenprächtigen Aufnahmen, die üppige Ausstattung und die hervorragenden schauspielerischen Leistungen von Erwin Geschonneck und Paul Bildt. Der erste DEFA-Farbfilm sollte ein Erfolg ganz nach den traditionellen Vorstellungen des kommerziellen bürgerlichen Kinos werden. […] Doch wider Erwarten geriet der Film wegen der angeblich zu opulent ins Bild gesetzten Grausamkeiten ins Kreuzfeuer der Kritik. Dagegen spielte die Diskussion um die Veränderung der Märchenvorlage, die die Studioleitung bei späteren Produktionen immer wieder beschäftigte, keine Rolle. Die sozialen Gesichtspunkte, die Klassenfrage und anderes mehr waren korrekt: Kohlenpeter stammt aus der werktätigen Bevölkerung, Arbeit segnet und Geld verdirbt den Charakter. Ungeachtet der heute filmtechnisch überholt wirkenden Tricks und trotz der Grausamkeiten gewinnt 'Das kalte Herz' vor allem durch die poetischen Elemente auch über die Jahre hinweg noch immer die Gunst des Publikums.

Ingelore König, Dieter Wiedemann und Lothar Wolf: Zwischen Marx und Muck / DEFA-Filme für Kinder (S. 78-79) [5]

Die DEFA ist auf bestem Weg, an den immensen Publikumserfolg des sowjetischen Märchenfilms Die steinerne Blume (Kamennyi zwetok / 1946 / RE: Alexander Ptuschko) anzuknüpfen; weder Mühen noch Kosten werden gescheut, wenngleich die Schlußbilanz von 3,2 Millionen DM zu harscher Kritik führt. Produktionsleiter Fritz Klotzsch wird keinen Film mehr von der DEFA erhalten. Doch nicht deshalb gerät die Leitung ins Schwanken, sondern vielmehr, weil sich plötzlich aus der Belegschaft Stimmen erheben, die Verhoeven übertriebene optische Grausamkeiten vorwerfen. So läßt die DEFA-Kommission "Das kalte Herz" nur mit Bauchgrimmen in die Kinos: Naturalismus und Mystizismus überstiegen bei weitem das Fassungsvermögen von Kindern und seien im Endeffekt mit den Idealen einer fortschrittlichen Kunst unvereinbar.

Ralf Schenk: Mitten im kalten Krieg [5]

Ein wunderbares, von echtem Humanismus erfülltes Thema. Eine große Aufgabe für den Filmregisseur, die einfache volkstümliche Weisheit des Märchens in schlichter Form herauszuarbeiten. Diese Aufgabe hat der Regisseur Paul Verhoeven sich offenbar nicht gestellt. Seine Regie hat mit dem offenen naiven Charakter des Märchens nichts zu tun. Er benutzt den Märchenrahmen, um seiner eigenen - wie das Ergebnis zeigt! - verworrenen Phantasie die Zügel schießen zu lassen. So kommt es, daß aus der Begegnung Köhler-Peters mit dem Holländer-Michel, aus dem allegorischen Tausch des Herzens, um reich zu werden - ohne daß bei Hauff ein Wort davon steht! -, eine blutrünstige Folterkammergeschichte wird. Kochende Bluttümpel werden gezeigt, scheußlich gurgelnde Geräusche, Bordellszenen -eingelegt-, der Holländer-Michel zu einer Gestalt aus dem Abnormitätenkabinett gemacht. Eine schwüle, blutrünstige Atmosphäre vernebelt ganze Passagen des Films, so daß die auch vorhandenen guten Stellen, herrliche Landschaftsaufnahmen, die Schlußszene, wo der geläuterte Peter seine Lisbeth wiederbekommt und Hand in Hand mit ihr in das neue, bessere Leben schreitet, davon erdrückt werden. […] Wie anders hätte die Aufführung werden können, wenn der Regisseur z.B. von dem herrlichen sowjetischen Märchenfarbfilm "Die steinerne Blume" gelernt hätte, statt bei dem heute amerikanisch zersetzten französischen Film in die Schule zu gehen, der in dem Cocteauschen Märchenfilm 'La belle et la bete' dieselben dekadenten Züge zeigt. […] Es ist schade, daß dieser erste deutsche Märchenfilm, der meisterhaft in Farbe und Fotografie ist, durch die falsche Grundauffassung des Regisseurs weitgehend entwertet wird. Wir schlagen der DEFA vor, erhebliche Teile aus dem Film herauszuschneiden und ihn dadurch zu einer richtigeren Wirkung zu bringen.

Herman Müller: Neues Deutschland (Berlin 12. Dezember 1950) [5]

[Bearbeiten] DVD-Veröffentlichung

  • Das kalte Herz. Reihe Die Welt der Märchen. Icestorm Entertainment 2001

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Quellen

  1. a b SUPERillu
  2. Cinemusic Online
  3. DEFA Stiftung Online
  4. Progress Film-Verleih
  5. a b c d e Interessenverband Filmkommunikation Thüringen e. V.

[Bearbeiten] Weblinks

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