Das kleine Gespenst

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Das kleine Gespenst (Begriffsklärung) aufgeführt.

Das kleine Gespenst ist ein Kinderbuch von Otfried Preußler aus dem Jahr 1966 mit Illustrationen von Franz Josef Tripp. Es erschien im Thienemann Verlag und wurde in 32 Sprachen übersetzt.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

Das kleine Gespenst lebt auf der Burg Eulenstein. Sein bester Freund ist ein Uhu namens Schuhu. Mit einem Schlüsselbund mit 13 Schlüsseln kann das kleine Gespenst durch einfaches Schütteln alles, was es will, ohne Berührung öffnen, egal ob Türen, Fenster oder Truhen. Der größte Wunsch des kleinen Gespenstes ist, die Welt einmal bei Tageslicht zu sehen. Doch alle Versuche nach dem Ende der Geisterstunde wach zu bleiben schlagen fehl. Eines Tages, nachdem das kleine Gespenst schon die Hoffnung aufgegeben hat, erwacht es tatsächlich nicht um Mitternacht, sondern mittags. Bei der Erkundung der Burg bei Tageslicht wird das kleine Gespenst während der Flucht vor einer Schulklasse, die das Burgmuseum besucht, von einem Sonnenstrahl getroffen und verfärbt sich schwarz. Das kleine Gespenst springt in den Burgbrunnen und gelangt durch eine kleine Türe in die Kanalisation der Stadt Eulenberg. Da es im Gewirr der Kanalgänge den Weg zur Burg nicht mehr findet, sucht das Gespenst bei jedem Kanalausgang, ob dieser zur Burg zurückführt. Dadurch stiftet es bei den Bewohnern der Stadt, die es Schwarzer Unbekannter nennen, jede Menge Unheil. Schließlich verwandelt das kleine Gespenst auch noch die 325-Jahr-Feier der Belagerung Eulenbergs durch die Schweden in ein Desaster. Es attackiert den Darsteller des schwedischen Generals Torstenson, im Glauben, der General sei zurückgekehrt, nachdem ihn das Gespenst seinerzeit vertrieben hatte, da es sich damals durch den Lärm der Kanonen gestört gefühlt hatte. Schließlich wendet sich das kleine Gespenst in seiner Verzweiflung um Hilfe suchend an die Apothekerkinder. Diese befragen nachts auf der Burg den Uhu Schuhu, der für das Unglück des Gespenstes die falsch gestellte Rathausuhr verantwortlich macht, da jedes Gespenst dem Gang einer bestimmten Uhr gehorchen muss. Nachdem der Uhrmachermeister die Rathausuhr von der Mittagsstunde auf die Mitternachtsstunde gestellt hat, erwacht das kleine Gespenst wieder in der Nacht und kann zur Burg zurückkehren. Als es dann noch von einem Mondstrahl getroffen wird und sich wieder weiß verfärbt, ist das Glück des kleinen Gespenstes vollkommen und es tanzt vor Freude die ganze Geisterstunde auf den Burgzinnen herum.

Entstehung[Bearbeiten]

Als Otfried Preußler ein Kind war, erzählte ihm seine Großmutter Dora oft Geschichten. Eine dieser Geschichten handelte von einer Weißen Frau. Sie kündigte Geburts- und Todesfälle in der Familie ihrer Nachfahren an, beschützte aber auch oft ihr Zuhause. Einmal hat die Weiße Frau den gefürchteten schwedischen General Torstenson aus dem Schloss ihrer Väter verjagt. Die Weiße Frau hat ihn dazu um Mitternacht aus dem Bett gescheucht und ihm eine Standpauke gehalten. Diese Szene, wie der mit einem Nachthemd bekleidete General Torstenson die Weiße Frau um Gnade anfleht, ist Preußler für immer im Gedächtnis geblieben. Nachdem er angefangen hat zu schreiben, ist aus der Geschichte mit der Weißen Frau und dem gefürchteten General Torstenson ein Buch geworden. Nur, dass aus der Weißen Frau ein Gespenst wurde.[2]

Adaptionen[Bearbeiten]

Hörmedien[Bearbeiten]

Die Firma Phonogram brachte in den 1970er Jahren auf ihren Labels Philips und Fontana auf Schallplatten und Kassetten eine sehr erfolgreiche Hörspielfassung des Buches heraus, die heute noch bei der Nachfolgefirma Universal Music auf dem Label Karussell erhältlich ist. Die Stimme des kleinen Gespenstes spricht Christa Häussler, der Erzähler ist Hans Baur. 1996 wurde das Hörspiel mit Gold ausgezeichnet. Eine Neuauflage, die 1984 von Karussell unter dem Label Spectrum Junior veröffentlicht wurde, erhielt 1998 Platinstatus. 2008 erfolgte eine Neuproduktion des Hörspiels mit Michael Habeck als kleines Gespenst und Peter Striebeck als Erzähler.[3]

Der Audio Verlag brachte 2008 ein weiteres Hörspiel des WDR mit Fritzi Haberlandt, Jens Wawrczeck und Friedhelm Ptok als Sprecher heraus.[4] 2011 veröffentlichte derselbe Verlag das Werk als Hörbuch. Die ungekürzte Lesung hält Nora Tschirner.[5] Des Weiteren ist Das kleine Gespenst auch als englisches und französisches Sprach-Hörspiel erhältlich.

Verfilmungen[Bearbeiten]

1969 wurde das kleine Gespenst erstmals für das Fernsehen als Marionetten- und Puppenfilm herausgebracht. Mitwirkende Puppenspieler waren Albrecht Roser und Rudolf Fischer.[6] Im Jahr 1992 produzierte der deutsche Trickzeichner Curt Linda unter dem Titel Das kleine Gespenst einen Zeichentrickfilm mit den Stimmen von Elfriede Kuzmany als kleines Gespenst und Gustl Weishappel als Uhu.

2013 veröffentlichte Universum Film den Spielfilm Das kleine Gespenst unter der Regie von Alain Gsponer. Die Stimme des computeranimierten kleinen Gespenstes spricht Anna Thalbach, die des Uhu Schuhu Wolfgang Hess. Uwe Ochsenknecht ist in einer Doppelrolle als Bürgermeister und General Torstenson zu sehen, Herbert Knaup spielt den Uhrmachermeister Zifferle.[7]

Spiel[Bearbeiten]

Kai Haferkamp brachte unter dem Titel Das kleine Gespenst beim Kosmos-Verlag ein Brettspiel heraus; es wurde zum Kinderspiel des Jahres 2005 gewählt.

Theater[Bearbeiten]

Otfried Preußler schrieb 1989 eine Bühnenfassung für Das kleine Gespenst. Die Uraufführung war im Theater Rosenheim.[8] Weitere Inszenierungen erfolgten u. a. von der Augsburger Puppenkiste[9] und Gerhards Marionettentheater.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ausgaben (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Otfried Preußler, Franz Josef Tripp (Illustrator): Das kleine Gespenst, 52. Auflage, Thienemann, Stuttgart / Wien 2011 (Erstausgabe 1966), ISBN 978-3-522-11080-8.
  • Otfried Preußler; Franz Josef Tripp (Illustrator); Björn Bauch (Hrsg.): Das kleine Gespenst, Schulausgabe, Thienemann, Stuttgart / Wien 2008, ISBN 978-3-522-17937-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ISBN 3522110803
  2. www.preussler.de
  3. www.karussell.de
  4. Otfried Preußler: Das kleine Gespenst, Hörspiel des WDR; Bearbeitung: Ingeborg Tröndle, Regie: Annette Kurth. Der Audio Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-89813-772-0 (2 CDs, 116 Minuten)
  5. Otfried Preußler: Das kleine Gespenst, ungekürzte Lesung mit Nora Tschirner, Der Audio Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-86231-092-0 (2 CDs, 111 Minuten)
  6. swr-media.de
  7. Das kleine Gespenst auf Filmportal.de
  8. www.preussler.de
  9. www.augsburger-puppenkiste.de