Das kurze glückliche Leben von Francis Macomber

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Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber ist eine Kurzgeschichte von Ernest Hemingway, die 1936 unter dem englischen Titel The Short and Happy Life of Francis Macomber erschien.

Handlung[Bearbeiten]

Robert Wilson veranstaltet im ostafrikanischen Kenia Großwildjagden für Englisch sprechende Sonntagsjäger. Als Requisiten dienen ihm neben den entsprechenden Jagdwaffen ein doppelt breites Feldbett und ein geländegängiges Fahrzeug. Letzteres benutzen Wilson und Kundschaft zum bequemen Aufsuchen des Wilds, obwohl Nairobi motorisierte Pirsch verboten hat. Die reichen schießwütigen Kunden werden manchmal von Damen begleitet. Die suchen mitunter ein nächtliches Intermezzo mit Wilson im Doppelbett.

Francis Macomber erlegt einen Löwen nicht sehr waidmännisch. Wilson soll dem übel zugerichteten Tier den Rest geben. Da greift das Ungetüm an. Der „Jäger“ nimmt Reißaus. Wilson erledigt die Arbeit routiniert. Margot Macomber wird Augenzeugin der Flucht. Sie verachtet ihren feigen Ehemann und gibt auf der Rückfahrt Wilson im Beisein Macombers demonstrativ einen Dankeskuss auf den Mund.

Zu allem Überfluss geht sie in der darauffolgenden Nacht zu Wilson ins Doppelbett. Macomber ertappt seine Gattin bei der Rückkehr und stellt sie erzürnt zur Rede. Margot reagiert uneinsichtig. Ihr Ehebruch sei schon in Ordnung, „beruhigt“ sie den Gehörnten. Am nächsten Morgen, als es auf Büffeljagd gehen soll, hält Macombers Wut auf Margot und Wilson an. Das Automobil wird wieder benutzt. Margot fährt natürlich mit. Macomber – wutentbrannt, durch die „Löwenjagd“ abgehärtet – kennt überraschenderweise keine Angst mehr. Jetzt beginnt sein glückliches Leben. Es dauert nicht einmal einen halben Tag. Macomber schießt mutig auf Büffel. Einer bleibt im Gebüsch liegen. Als Wilson nachschauen will, folgt ihm Macomber beherzt und lässt sich nicht abweisen. Margot bleibt mit den restlichen Jagdwaffen im Auto. Als der angeschossene Büffel angreift, springt Wilson seitwärts in eine günstige Schussposition und erlegt das Tier. Fast gleichzeitig gibt Macomber frontal und mannhaft – aber ziemlich wirkungslos – Schüsse auf den Büffel ab. Etwa zwei Meter vor dem erlegten Koloss stehend, wird Macomber von seiner Frau aus dem Auto heraus erschossen.

Interpretation[Bearbeiten]

Die Kurzgeschichte gehört heute zu den bekanntesten Werken Hemingways. Typische Merkmale sind die klare, lebensbejahende und den Tod nicht fürchtende Einstellung des Protagonisten, die er allerdings erst nach und nach gewinnt. Macomber macht also eine Wandlung durch, vom ungeschickten und schwächlichen Mann hin zu einem selbstbestimmten und mutigen Individuum. Eine mögliche Interpretation ist, dass seine Frau ihn mit Absicht erschießt, da sie weiß, dass er nun ein eigenständigeres Leben führt. Macomber wird also auf dem Höhepunkt seines Lebens gewaltsam umgebracht. Der Zeitraum zwischen dem Morgen und seinem Tod ist das „wahre Leben“ Macombers, insofern der einzig glückliche Teil, weil er selbstbestimmt und furchtlos handelt. Diese Einstellung spiegelt deutlich die Sicht Hemingways auf das Leben wider. Nur wer frei und ohne Angst auf die Gefahren zugeht, kann sie besiegen. Nicht zuletzt dieses Weltbild „klassischer Männlichkeit“ sichert ihm bis heute eine große Fangemeinde.

Erzähltechnik[Bearbeiten]

Besonders deutlich wird in dieser Geschichte Hemingways typischer Schreibstil, die sogenannte "Eisberg-Methode" (engl.: Iceberg Theory). Hemingway geht davon aus, dass bei einem Eisberg nur ein geringer Teil über dem Wasser ist - man kann ihn also sehen, den Rest muss man sich aber selbst dazudenken. Ebenso soll es bei Erzählungen sein. Der Autor liefert die wichtigsten Informationen, das Entscheidende liegt aber zwischen den Zeilen verborgen. Als allwissender (auktorialer) Erzähler werden zwar die Gefühle der Protagonisten wiedergegeben, die eigentliche Dramatik spielt sich aber nicht in der Jagd, sondern in den zwischenmenschlichen Beziehungen wieder. Die spannende Handlung spiegelt also sozusagen nur die viel brisantere, innere Gefühlswelt wider. Francis Macombers äußerer Kampf ist die Jagd, der innere Kampf behandelt seine Identitätsfindung als tapferes Individuum.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben
  • Ernest Hemingway: Der Unbesiegte. Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber. R. Piper, München 1954. Piper-Bücherei Nr. 52, 80 Seiten
  • Ernest Hemingway: Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber. Stories. Rowohlt 1996. 124 Seiten, ISBN 3499220202

In englischer Sprache:

  • Ernest Hemingway: Selected short stories of Ernest Hemingway. Armed Services Edition, New York 1945. Containing 12 of his best known stories, starting with The Short, Happy Life of Francis Macomber.

Hörspiele[Bearbeiten]

Ernest Hemingway: Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber. Abspieldauer: 75 Minuten. Sprecher:

Eine Produktion des NWDR aus dem Jahre 1951.

Erschienen als Audio-CD im Verlag Airlift im August 2002, ISBN 978-3-89849-647-6

Im selben Jahr entstand ein weiteres Hörspiel, welches der Südwestfunk in Zusammenarbeit mit Radio Bremen produzierte. Die Regie führte Gert Westphal. Die Abspieldauer beträgt 59 Minuten und ist somit deutlich kürzer als die NWDR-Fassung. Die wichtigsten Sprecher waren:

Das Tondokument ist erhalten geblieben.

Verfilmung[Bearbeiten]