Dassow

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Mecklenburg-Vorpommern; zum deutschen Theologen siehe Nicolaus Dassow.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dassow
Dassow
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dassow hervorgehoben
53.90842110.97838512Koordinaten: 53° 55′ N, 10° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Amt: Schönberger Land
Höhe: 12 m ü. NN
Fläche: 66,54 km²
Einwohner:

4028 (31. Dez. 2011)[1]

Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner je km²
Postleitzahl: 23942
Vorwahl: 038826
Kfz-Kennzeichen: NWM, GDB, GVM, WISVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Leerzeichen
Gemeindeschlüssel: 13 0 74 017
Adresse der Amtsverwaltung: Am Markt 15, 23923 Schönberg
Webpräsenz: www.stadt-dassow.de
Bürgermeister: Jörg Ploen
Lage der Stadt Dassow im Landkreis Nordwestmecklenburg
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Rostock Landkreis Rostock Landkreis Ludwigslust-Parchim Landkreis Ludwigslust-Parchim Bad Kleinen Barnekow Bobitz Dorf Mecklenburg Groß Stieten Hohen Viecheln Lübow Metelsdorf Ventschow Dragun Gadebusch Kneese Krembz Mühlen Eichsen Rögnitz Roggendorf (Mecklenburg) Veelböken Bernstorf Börzow Gägelow Mallentin Plüschow Roggenstorf Rüting Testorf-Steinfort Upahl Warnow (bei Grevesmühlen) Damshagen Hohenkirchen (Mecklenburg) Kalkhorst Klütz Zierow Alt Meteln Bad Kleinen Brüsewitz Cramonshagen Dalberg-Wendelstorf Gottesgabe (bei Schwerin) Grambow (bei Schwerin) Klein Trebbow Lübstorf Lützow (Mecklenburg) Perlin Pingelshagen Pokrent Schildetal Seehof (Mecklenburg) Zickhusen Benz (bei Wismar) Blowatz Boiensdorf Hornstorf Krusenhagen Neuburg (Mecklenburg) Bibow Glasin Jesendorf Jesendorf Lübberstorf Neukloster Passee Warin Züsow Zurow Carlow (Mecklenburg) Dechow Groß Molzahn Holdorf (Mecklenburg) Königsfeld (Mecklenburg) Nesow Rehna Rieps Schlagsdorf Thandorf Utecht Vitense Wedendorfersee Dassow Grieben (Mecklenburg) Groß Siemz Lockwisch Lüdersdorf Menzendorf Niendorf (Amt Schönberger Land) Papenhusen Roduchelstorf Schönberg (Mecklenburg) Selmsdorf Boltenhagen Grevesmühlen Poel Poel WismarKarte
Über dieses Bild

Dassow im Landkreis Nordwestmecklenburg ist eine Stadt im Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns (Deutschland). Sie wird vom Amt Schönberger Land mit Sitz in der Stadt Schönberg verwaltet.

Inhaltsverzeichnis

Geografie [Bearbeiten]

Das durch Eingemeindungen gewachsene Gemeindegebiet Dassows erstreckt sich von der Ostseeküste (zwischen Klützer Winkel und Priwall) über die Ufer der Pötenitzer Wiek und des Dassower Sees bis zur Mündung der Maurine in die Stepenitz. Die Kernstadt Dassow selbst befindet sich am Eintritt der Stepenitz in den Dassower See, der als Seitenbucht der Travemündung in die Ostsee bereits auf Meeresspiegelhöhe liegt. Im Nordosten der Gemarkung steigt das hügelige Gelände bis 58 m ü. NN an. Die Ufer des Dassower Sees und der Stepenitz sowie Teile des Küstenabschnittes sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Stadtgliederung [Bearbeiten]

Zur Stadt Dassow gehören

  • der Ortskern Dassow mit Vorwerk und Siedlung

sowie die Ortsteile

  • Barendorf
  • Benckendorf
  • Feldhusen
  • Flechtkrug
  • Groß Voigtshagen
  • Harkensee
  • Holm
  • Johannstorf
  • Kaltenhof
  • Klein Voigtshagen
  • Lütgenhof
  • Pötenitz
  • Prieschendorf
  • Rosenhagen
  • Schwanbeck
  • Tankenhagen
  • Volkstorf
  • Wieschendorf
  • Wilmstorf

Nachbargemeinden [Bearbeiten]

In Uhrzeigerrichtung, beginnend im Norden, grenzen folgende Städte und Gemeinden an Dassow: Kalkhorst, Roggenstorf, Papenhusen, Schönberg, Selmsdorf und Lübeck (Travemünder Ortsteil Priwall).

Geschichte [Bearbeiten]

Nikolaikirche in Dassow: Rechteckchor aus Backstein, dahinter das Kirchenschiff in Granitquadern

Name [Bearbeiten]

Ab 1158 wurde die Landschaft Darrsowe oder Darxowe genannt, 1188 sprach man von Dartzchowe. 1219 wurde der Ort Dassow erstmals als Dartzowe, (altpolabische Bezeichnung für Ort der Dornen oder Gesträuche) urkundlich erwähnt. Die Schreibweise veränderte sich 1415 zu Darsowe und im 15. Jahrhundert zu Dassow.

Mittelalter [Bearbeiten]

Aus der slawischen Burg entstand Mitte des 12. Jahrhunderts eine deutsche Burg mit einer Siedlung, günstig gelegen an der Straße von Lübeck nach Wismar. Die Lübecker gerieten hier in Verteidigung des Barbarossa-Privilegs von 1188 immer wieder in Konflikt mit örtlichem Adel und den mecklenburgischen Herzögen. Der Bischof von Ratzeburg verzichtete 1219 den Lübeckern gegenüber auf seinen Anteil am Brückenzoll der Dassower Brücke über die Stepenitz. Der Herzog seinerseits verzichtete im Folgejahr. 1307 beschlossen die Lübecker mit den Lauenburgern und den Holsteinern im Frieden zu Herrenfähre die Zerstörung der Dassower Burg. Dennoch kehrte kein dauerhafter Friede ein. So kam es 1505 zur Lübecker Fehde zwischen der Hansestadt Lübeck und Mecklenburg sowie den Rittern von Parkenthin in Dassow.

Die frühgotische Nikolaikirche entstand als Granitquaderbau in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert. Sie wird bereits 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften, geordnet nach Kirchspielen, auflistet. Der Kirchturm aus Backstein stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Der nahe gelegene Burgwall Feldhusen stammt aus dem 10.-12. Jahrhundert.

Neuere Zeit [Bearbeiten]

Abbau der Grenzanlagen bei Dassow 1990
Ehemalige Führungsstelle der Grenztruppen der DDR, 2007

Dassow gehörte zu Mecklenburg, mit der Dritten Mecklenburgischen Hauptlandesteilung 1701 zu Mecklenburg-Schwerin.

Der markanteste Punkt ist der im 18. Jahrhundert errichtete Speicher an der Mündung der Stepenitz. Hier wurden die Waren aus der Umgebung gestapelt, die Schiffe ins nahe Lübeck brachten.
Erst 1938 wurde der Ort zur Stadt erhoben.

Dassow wurde Anfang Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt.

Im Mai 1945 gab es eine Explosion von entsorgter Munition auf dem Holmer Feld beim Spezenbruch nahe Dassow, die 28 dort eingesetzte, kriegsgefangene deutsche Soldaten das Leben kostete. Sie wurden auf dem Ortsfriedhof beigesetzt.[2]

Dassow, die nordwestlichste Stadt der DDR, lag bis Ende 1989 inmitten des Sperrgebietes der DDR-Grenze und war ohne spezielle Passierscheine nicht erreichbar. Der zu Lübeck und damit zum Gebiet der Bundesrepublik gehörende Dassower See war durch die DDR-Grenzsperranlagen von der Stadt abgetrennt und von dort aus nicht zugänglich. Das nahe dem Dassower See an der Transitstrecke F 105 gelegene Siechenhaus vor Dassow wurde 1972/73 von den Grenztruppen beseitigt.

Der Stadtkern und der Alte Speicher von Dassow wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 gründlich saniert.

Eingemeindungen [Bearbeiten]

Eingemeindungen nach Dassow erfolgten 1950 (drei Gemeinden)[3], 1957 (Wieschendorf)[3], 1961 (Klein Voigtshagen)[3] und 2004 (Harkensee und Pötenitz)[4].

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Barendorf bei Dassow 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Harkensee
Benckendorf 1. Juli 1961 Eingemeindung nach Pötenitz
Groß Voigtshagen 1. Juli 1950
1. Februar 1974
Eingemeindung nach Roggenstorf,
Umgliederung nach Dassow
Harkensee 13. Juni 2004
Klein Voigtshagen 1. Juli 1961
Lütgenhof 1. Juli 1950
Pötenitz 13. Juni 2004
Prieschendorf 1. Juli 1950
Rosenhagen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Pötenitz
Schwanbeck 1. Juli 1950
Tankenhagen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Klein Voigtshagen
Volkstorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Benckendorf
Wieschendorf 1. Januar 1957
Wilmstorf 1. Juli 1950

Politik [Bearbeiten]

Wappen [Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 1. Oktober 1927 durch das Mecklenburg-Schwerinsche Staatsministerium verliehen und unter der Nr. 176 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden eine rote Burg mit zwei Zinnentürmen mit spitzen Helmen und einem offenen Tor, darin ein grüner Dornstrauch.“

Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Alter Speicher an der Stepenitz
Herrenhaus Lütgenhof
  • St.-Nikolai-Kirche, eine frühgotische Backsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
  • Tigerpark im Gewerbegebiet (Weißer Tiger, zahlreiche andere Tigerarten, Alpakas und Kleintiere)
  • Alter Hafenspeicher
  • Heimatstube und die Altenteilerkate in der Lübecker Straße
  • Schloss Lütgenhof (1839 als Herrenhaus angelegt und 1890 zum Schloss umgebaut)
  • Wasserschloss Johannstorf am Nordufer des Dassower Sees (Drehort des preisgekrönten Films "Das weiße Band")
  • Schloss Pötenitz (verfallenes früheres Gutshaus und Schulgebäude direkt an der Lübecker Bucht in Sichtweite von Travemünde)
  • Grabsteine auf dem Friedhof der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde für sechs namentlich genannte Opfer der Zwangsarbeit aus der Sowjetunion und Polen während des Zweiten Weltkrieges
  • Denkmal für die gefallenen Dassower Bürger im ersten Weltkrieg
  • Das Naturschutzgebiet Küstenlandschaft zwischen Priwall und Barendorf mit Harkenbäkniederung stellt das Nordufer des Dassower Sees, das Ostufer der Pötenitzer Wiek und die Küstenlandschaft der Lübecker Bucht im Gemeindegebiet unter Naturschutz. Dort an der Grenze zum Priwall mit seinem ehemaligen Wasserflughafen befinden sich am Ostufer der Pötenitzer Wiek auch der ehemalige Anleger und Ruinen des Luftzeugamt See aus den 1930er Jahren.

Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]

Dassow hat heute neben Banken, Arztpraxen, einer Apotheke, Kindergarten und Schule sowie einigen Geschäften alle erforderlichen Infrastruktureinrichtungen, die eine moderne Kleinstadt als Zentrum für die umliegenden Orte aufweisen sollte.

Ein umfangreiches Sanierungsprogramm für die historische Altstadt wurde in Angriff genommen. Daneben genießt die Entwicklung des Tourismus große Aufmerksamkeit.

Im Gewerbegebiet Holmer Berg haben sich bereits über 30 Firmen angesiedelt, unter ihnen die europaweit bekannte Popcorn Company und zwei Medizintechnikfirmen, darunter die Lübecker Euroimmun.

Verkehrsanbindung [Bearbeiten]

Die Stadt Dassow liegt an der Bundesstraße 105 (Lübeck–Wismar). Wichtige Verbindungsstraßen führen nach Klütz/Boltenhagen, nach Schönberg und Travemünde-Priwall. Zwölf Kilometer südlich führt die Bundesautobahn 20 (Lübeck–Rostock) vorbei. Der nächste Bahnhof befindet sich in der sieben Kilometer entfernten Nachbarstadt Schönberg (Strecke Lübeck–Bad Kleinen), von der bis Ende der 1940er-Jahre eine Stichbahn nach Dassow führte. Busse fahren nach Grevesmühlen, Schönberg, Travemünde-Priwall und über Klütz nach Boltenhagen.

Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]

  • Christian August von Berkentin (1694–1758), Diplomat in dänischen Diensten
  • Friedrich Wigger (1825–1886), Archivar
  • Meno Rettich (1839–1918), konservativer Reichstagsabgeordneter
  • Ernst Puchmüller (1897–1976), Bäcker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Erster Sekretär einer SED-Kreisleitung, VVN-Landesvorsitzender in Mecklenburg und Direktor einer Landesblindenanstalt.
  • Herbert Freitag (* 1915), Landtagsabgeordneter (CDU)

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Dassow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Mecklenburg-Vorpommern Statistisches Amt – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden am 31.12.2011 (XLS) (Hilfe dazu)
  2. Weiße Fahnen über Dassow: "Unser Mecklenburg" 1965, Nr. 233. Darin angegebene Quelle: "DDR-Zeitung" 1965. Zitiert nach: Joachim Schultz-Naumann: Mecklenburg 1945. Universitas-Verlag, 2. Auflage 1990. ISBN 3-8004-1215-2. S. 283-284
  3. a b c Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004