Datsche

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Datsche bei Moskau, Sommer 1917
Datschen in der Umgebung von Sankt Petersburg bei Lomonossow

Eine Datsche (eingedeutscht aus russisch дача, Datscha hören?/i) ist ein Grundstück mit einem Garten- oder Wochenendhaus, das der Freizeit und der Erholung dient und Hobbygärtnerei ermöglicht.

Das Wort stammt aus dem Russischen und gehört zu den wenigen russischen Wörtern, die aus dem DDR-Alltag übernommen wurden und in den deutschen Sprachgebrauch eingegangen sind.[1]

Russland[Bearbeiten]

Leben auf der Datscha nahe Leningrad, 1981

Die ersten Datschen waren Gaben von Fürsten oder Zaren an treue Vasallen. Das Wort ist vom russischen Verb „dat“ abgeleitet und bedeutete ursprünglich „fürstliches Landgeschenk“. In der Zeit nach der Oktoberrevolution, als die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden noch nicht geregelt waren, nahmen Stadtbewohner brachliegende Parzellen in Besitz und erschlossen sie als Zweitwohnsitz. Hier suchten sie neben der Erholung von der Enge der städtischen Kommunalwohnungen auch die Möglichkeit, eigenes Obst und Gemüse anzubauen.

Bis in die 1990er-Jahre war der Zuschnitt der Datschen einheitlich geregelt und betrug 600 m² Land, das mit einem Sommerbungalow bebaut werden durfte. Die Nutzungsformen der Datscha sind im heutigen Russland vielfältiger geworden. Festere Konstruktionen ersetzen oft die Leichtbauweise, so dass die Datscha nicht nur im Sommer und bei schönem Wetter genutzt werden kann. Manche Datschen werden ganzjährig bewohnt. Mittlerweile gibt es aufwendige, mehrstöckige Gebäude mit Banja, Sitztoilette und Dusche oder Bad. Diese neueren Häuser werden oft in jahrelanger Eigenarbeit erstellt und immer weiter ausgebaut.

Die Entfernung zwischen Stadtwohnung und Datscha beträgt in der Regel 20-40 Kilometer, in der Umgebung von Großstädten wie St. Petersburg und Moskau oft auch sehr viel mehr.

DDR[Bearbeiten]

Das beengte Wohnen in den Plattenbauten der Städte, die eingeschränkten Reisemöglichkeiten sowie die Versorgungsmängel an Obst und Gemüse machten die meist relativ großzügigen Datschen auf dem Land genauso begehrt wie kleinere Schrebergärten im urbanen Raum. Die typische DDR-Datsche bestand aus einem Grundstück mit einem in Leichtbauweise errichteten Fertighaus. Auf dieser Basis entstand eine große Anzahl von Siedlungen, insbesondere an Ufern der zahlreichen Seen im Norden der DDR. Die Vergabe wurde vom Staat geregelt. Mit den Datschen wollte man der Unzufriedenheit im Land begegnen und ein Heimatgefühl erzeugen. Die Datschen waren meist innerhalb einer Stunde zu erreichen. Es wird geschätzt, dass es in der DDR etwa 3,4 Millionen Datschen gab – „die weltweit höchste Dichte an Gartengrundstücken“.[2]

Sonstige Verbreitung[Bearbeiten]

Eine ähnlich ausgedehnte Ferienhauskultur gibt es in Tschechien (Chata), Norwegen (Hytte), Schweden (Stuga) und Finnland (Mökki).

Literatur[Bearbeiten]

  • Marina Rumjanzewa: Auf der Datscha. Eine kleine Kulturgeschichte und ein Lesebuch. Dörlemann Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3-908777-35-9

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Datsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Datsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 26: Deutsches Wörterbuch, F. A. Brockhaus, Mannheim 1995
  2. Rheinische Post vom 2. Oktober 2010, Grafik Seite A5. Die Grafik nennt vier Quellen für die dort aufgeführten zehn Zahlen; aus welcher der vier die Zahl stammt ist unbekannt