Daulatabad

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Daulatabad
Daulatabad (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Maharashtra
Distrikt: Aurangabad
Lage: 19° 57′ N, 75° 13′ O19.94583333333375.218055555556735Koordinaten: 19° 57′ N, 75° 13′ O
Höhe: 735 m
Einwohner: 3.000
Daulatabad Fort und Chand Minar
Daulatabad Fort und Chand Minar

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Daulatabad – auch Devagiri oder Deogiri (Marathi: देवगिरी = „Götterberg“) genannt – ist eine Kleinstadt mit etwa 3000 Einwohnern im Herzen des indischen Bundesstaats Maharashtra.

Lage[Bearbeiten]

Daulatabad liegt in einer Höhe von etwa 735 Metern ü. d. M. und etwa 17 Kilometer (Fahrtstrecke) nordwestlich von Aurangabad bzw. etwa 13 Kilometer südöstlich von Ellora. Die indische Hauptstadt Delhi liegt etwa 1100 Kilometer (Luftlinie) nördlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Spärliche Überreste eines – an einem alten Handelsweg gelegenen – buddhistischen Höhlenklosters deuten an, dass der Platz (damals Deogiri genannt) bereits um 100 v. Chr. besiedelt war. Da die Rashtrakutas Mitte des 8. Jahrhunderts aus Südindien bis nach Ellora vordrangen und dort den Kailasa-Tempel aus dem Felsgestein herausarbeiteten, wird ihnen von einigen Forschern auch die enorme Steinmetzarbeit am Berg von Daulatabad zugeschrieben. Der Überlieferung zufolge geht die Geschichte der Festung Daulatabad jedoch auf die Yadava-Dynastie zurück, deren Prinz Bhillama V. sich im Jahre 1187 sich aus den Gefolgschaftsverpflichtungen gegenüber den Chalukyas löste. Bereits im Jahre 1296 eroberte der damalige Sultan von Delhi Ala ud-Din Khalji (reg. 1296–1316) den Ort, beließ aber den damaligen Yadava-Herrscher Ramachandradeva als tributpflichtigen Vasallen an der Macht.

Ein einschneidendes Ereignis war die Eroberung der Stadt und ihres Festungsbergs durch Muhammad Shah II. (reg. 1325–1351) aus der über das Sultanat von Delhi herrschenden Tughluq-Dynastie im Jahre 1327 – er benannte die Stadt in Daulatabad („Ort des Wohlstands“) um und erwählte sie zu seiner neuen Hauptstadt. Infolgedessen sollte der gesamte Hof – ja sogar die gesamte Einwohnerschaft – von Delhi hierhin umziehen, was mit enormen Kosten und Widerständen in der Beamtenschaft und in der Bevölkerung verbunden war, so dass das ganze Vorhaben 17 Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. In der Mitte des 15. Jahrhunderts geriet Daulatabad für einige Zeit unter die Kontrolle des Bahmani-Sultanats; danach wechselte die Stadt noch mehrfach ihren Herrn bis sie im Jahr 1633 nach mehrmonatiger Belagerung von den Truppen des Mogulreichs unter Shah Jahan (reg. 1627–1658) eingenommen wurde. Der letzte bedeutende Mogulherrscher, Aurangzeb (reg. 1658–1707), führte mehrere Kriegszüge auf dem Dekkan von Daulatabad aus bis er seine Hauptstadt in das benachbarte Fatehnagar verlegte, das kurze Zeit später in Aurangabad umbenannt wurde. Im Jahr 1724 geriet die Region unter die Kontrolle der Nizams von Hyderabad, die sie auch unter der Herrschaft der Briten bis zu Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947 behielten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ort[Bearbeiten]

ehemaliger Palast im Fort
Fort
Die nahezu uneinnehmbare Festungsanlage von Daulatabad hat eine lange Geschichte, die eventuell von den Rashtrakutas über die Yadava-Dynastie bis zu den Mogulherrschern reicht. Markantester Teil ist der etwa 185 Meter hohe und seitlich bis in eine Höhe von ca. 50 Metern rundum abgefaste Festungsberg (Devagiri = „Götterberg“), der zusätzlich noch von einem Wassergraben und einer knapp 4,5 Kilometer langen Festungsmauer umgeben war, innerhalb derer sich die Stadt, die Moschee und mehrere Palastbauten befanden. Durch Tore und über Treppen, die teilweise tunnelartig in den Fels gehauen sind, kann man bis zur Spitze hinaufsteigen, wo sich ein Aussichts- bzw. Wachpavillon aus der Mogulzeit befindet.
Chand-Minar
Chand Minar
Das in hellroten bis ockerfarbigen Tönen leuchtende und von drei umlaufenden Balkonen unterteilte Minarett ist etwa 64 Meter hoch und hat einen Basisumfang von 21 Metern. Es stammt aus den Jahren um 1445 und wurde von Ala-ud-din Bahmani als Siegesturm anlässlich der Einnahme der Stadt errichtet. Seine Architektur ist eine bescheidene Kopie des Qutb Minar in Delhi.
Jamaa Masjid
Die in Teilen erhaltene Freitagsmoschee (jamaa masjid) folgt in ihrer Architektur weitgehend den frühen Hofmoscheen von Delhi (Quwwat-ul-Islam-Moschee) und Ajmer (Adhai-din-ka-Jhonpra-Moschee), die ebenfalls in Teilen mit Spolien von zerstörten Hindutempeln errichtet wurden.

Umgebung[Bearbeiten]

Aurangabad
Die Millionenstadt Aurangabad bietet einige Sehenswürdigkeiten, allen voran das Bibi-Ka-Maqbara-Mausoleum.
Khuldabad
Im etwa 12 Kilometer nordwestlich an der Straße nach Ellora gelegenen Ort befinden sich zahlreiche Grabstätten bedeutender muslimischer Persönlichkeiten, darunter auch die von Malik Ambar und Aurangzeb.
Ellora
Etwas abseits des Dorfes Ellora befinden sich insgesamt 34 buddhistische, hinduistische und jainistische Höhlentempel aus dem 5.–10. Jahrhundert, darunter auch der Kailasa-Tempel.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Daulatabad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien