Davíð Oddsson

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Davíð Oddsson

Davíð Oddsson (* 17. Januar 1948 in Reykjavík) ist ein isländischer Politiker.

Er war der 14. isländische Ministerpräsident (forsætisráðherra) seit der Unabhängigkeit am 17. Juni 1944 und war von 2005 bis 2009 Chef der Isländischen Zentralbank. Seit September 2009 ist er Chefredakteur einer großen isländischen Tageszeitung, Morgunblaðið.[1] Er gehört der Unabhängigkeitspartei (Sjálfstæðisflokkur) an.

Leben[Bearbeiten]

Am 27. Mai 1982 wurde er Bürgermeister von Reykjavík und blieb bis zum 16. Juli 1991 in diesem Amt.

Ministerpräsident Islands (1991–2004)[Bearbeiten]

Nach der Parlamentswahl in Island 1991, die den Sieg von Davíðs Unabhängigkeitspartei brachte, bildete er eine Koalition mit der Sozialdemokratischen Partei und löste Steingrímur Hermannsson im Amt des isländischen Ministerpräsidenten ab.

Bei der Parlamentswahl in Island 1995 verlor die Unabhängigkeitspartei einen Parlamentssitz, blieb aber dennoch stärkste Partei; Davíð entschloss sich daraufhin, die Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratischen Partei, die drei Sitze bei der Wahl verloren hatte, zu beenden und eine Regierung mit der erstarkten Fortschrittspartei zu bilden.

Nach der Parlamentswahl in Island 1999, die die Unabhängigkeitspartei gestärkt hervorgehen ließ, führte Davíð diese Koalition weiter.

Nach dem Rücktritt von Þorsteinn Pálsson als Fischereiminister übernahm Davíð dieses Ressort kurzzeitig zwischen dem 11. Mai 1999 und dem 28. Mai 1999.

Nach seiner Wiederwahl im Jahre 2003, die deutliche Verluste für Davíðs Partei einbrachte, wurde ausgehandelt, dass er im Herbst 2004 sein Amt an seinen Stellvertreter Halldór Ásgrímsson des Koalitionspartners der Fortschrittspartei (Framsóknarflokkurinn) abgibt.

Gegen Ende seiner Amtszeit geriet er in politische Schwierigkeiten. Erstmals in der Geschichte Islands verweigerte der Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson seine Unterschrift unter ein Gesetz, das mit der Mehrheit der Koalition des Ministerpräsidenten verabschiedet worden war. Auch seine Gesundheit macht ihm zu schaffen, so dass er sich zwei großen Operationen unterziehen musste. Am 15. September 2004 wechselte er in das Amt des Außenministers. Am 7. September 2005 gab Davíð bekannt, seine politischen Ämter aufgeben und an die Spitze der Isländischen Zentralbank wechseln zu wollen. Sein Nachfolger im Außenministeramt, als Parteivorsitzender und schließlich als Ministerpräsident wurde Geir Haarde.

Zentralbankchef[Bearbeiten]

Als Zentralbankchef geriet er während der Finanzkrise im Jahr 2008 massiv in die Kritik, nachdem sich der Wert der isländischen Krone innerhalb weniger Tage im Oktober 2008 mehr als halbiert hatte und Island am Rande des Staatsbankrotts stand.[2] Auf mehreren Demonstrationen wurde sein Rücktritt sowie der des Regierungschefs Geir Haarde gefordert.[3] Die neue Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir forderte am 2. Februar 2009, einen Tag nach ihrem Amtsantritt, Oddsson zum Rücktritt auf. Dieser weigerte sich jedoch entschieden.[4] Die neue Regierung sah sich deshalb gezwungen, die Gesetze zur isländischen Zentralbank zu ändern, um Oddsson aus dem Amt zu entfernen. So wurde unter anderem die Zahl der "Gouverneure" von drei auf einen plus Stellvertreter begrenzt und der Chef der Zentralbank Islands muss künftig einen Universitätsabschluss in einem wirtschaftswissenschaftlichen Fach vorweisen können. Am 26. Februar 2009 wurde Oddsson seines Amtes enthoben und am Folgetag der norwegische Wirtschaftswissenschaftler Svein Harald Øygard als neuer Zentralbankchef eingesetzt.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Davíð Oddsson zu Besuch bei George W. Bush

Davið Oddsson hat die USA bei ihren Einsätzen in Afghanistan und im Irak trotz Kritik aus der isländischen Bevölkerung unterstützt. Der EU steht er kritisch gegenüber.

Autor[Bearbeiten]

Neben seiner politischen Arbeit hat Davíð Bühnenstücke, Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben. So zum Beispiel das Buch Nokkrir góðir dagar án Guðnýjar 1996. Es ist 2001 in deutscher Übersetzung als Schöne Tage ohne Gudny erschienen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Nokkrir góðir dagar án Guðnýjar, Kurzgeschichten, 1996 (deutsch: Schöne Tage ohne Gudny, Steidl, 2001, ISBN 3-88243-784-7)

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. z.B.http://www.grapevine.is/News/ReadArticle/David-Oddsson-coeditor-of-Morgunbladid Zugriffr: 12. Februar 2011
  2. Spiegel Online: Proteste in Island: "David raus!"
  3. NZZ online: Rücktritt des isländischen Regierungschefs verlangt: Grossdemonstration wegen der Finanzkrise in Reykjavik
  4. http://www.icenews.is/index.php/2009/02/09/david-oddsson-just-will-not-quit/
Island Anmerkung zu isländischen Personennamen: Isländer werden mit dem Vornamen oder mit Vor- und Nachnamen, jedoch nicht allein mit dem Nachnamen bezeichnet. Weiterführende Informationen finden sich unter Isländischer Personenname.