Davensberg

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Wappen

Davensberg ist ein Ort in der Gemeinde Ascheberg, die wiederum dem Kreis Coesfeld und dem Regierungsbezirk Münster angehört. Er ist der kleinste Ortsteil Aschebergs.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort ist Teil der münsterländischen Parklandschaft und liegt am Rande eines ausgedehnten Waldgebietes namens Davert. Die Entfernung nach Münster beträgt rund 20 Kilometer.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Davensberg im Jahr 1256. Bei dem Dokument handelt es sich um eine Urkunde des Bischofs von Münster, in der Hermann von Meinhövel "von Daverenberg" als Zeuge genannt wird. Davensberg war nie eine selbständige Gemeinde, sondern hat seit seinen Anfängen zu Ascheberg gehört. Der Ort ist als befestigte Freiheit bei der gleichnamigen Burg im Waldgebiet der Davert entstanden. Für 1498 sind elf Häuser bezeugt.[1]

1985 wurde der Ort als "Golddorf" bei dem Landeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" ausgezeichnet.

Hexenprozesse Davensberg[Bearbeiten]

Verbrennung von drei Hexen in Derneburg, 1555, Flugblatt, 16. Jahrhundert

Das adelige Gericht Davensberg-Nordkirchen, das sich über große Teile des münsterischen Amtes Werne erstreckte, zeigte eine große Bereitschaft zur Hexenverfolgung. Insgesamt wurden 55 Hexenprozessee bekannt. Der erste bekannte Hexenprozess auf dem Davensberg fand 1593 statt. Die damalige Gerichtsherrin zu Davensberg, Anna Sophia von Limburg-Styrum, Witwe des Johann von Morrien, verurteilte in ihren Schreiben vom Dezember 1629 und Januar 1630 mit drastischen Worten jene "bößhafte(n) leuthe", die dermaßen viele "unthadten", "sonderlich" der "zauberey", begangen hätten, daß sie dagegen mit der "heilige(n) justitz" habe einschreiten müssen. Die letzten überlieferten Hexenprozesse wurden 1647 durchgeführt (nach anderen Quellen 1657).[2]

Besonders bekannt wurde das Schicksal der achtzigjährigen Angeklagten Anna Walboem, die aus Ottmarsbocholt stammte. Das Davensberger Gericht ließ die "alte persohn" so schrecklich foltern, dass sie wie tot liegen blieb. Die Familie prozessierte gegen ihre Folterung und forderte ihre Entlassung. Die münsterischen Räte entschieden am 18. Dezember 1629, dass sie so bald wie möglich in bessere Räumlichkeiten transportiert werden müsse, da man aufgrund der kalten Witterung den Tod der Frau im Gefängnis befürchtete. Die Richter Johann Ascheberg und Engelbert Langenhorst im Davensberger Gericht weigerten sich, diese Entscheidung der münsterischen Räte zu befolgen und verwiesen auf die Anordnungen der Gerichtsherrin Anna Sophia von Morrien.[3] Nach dem Tod der angeklagten Anna Walboem im Januar 1630 entbrannte ein Streit zwischen der Familie Walboem und dem Gericht Davensberg über das Schicksal des Leichnams. Das Gericht ließ durch einen Scharfrichter eine Bestätigung anfertigen, dass der Teufel der alten Walboem den Hals zerbrochen habe, und konsultierte dazu ausgerechnet den berüchtigten Hexenkommissar Heinrich von Schultheiß. Die Familie war empört über diesen Befund, der sie selbst als Blutsverwandte einer Hexe gebrandmarkt und unter Umständen in Gefahr gebracht hätte. Die Familie beauftragte im Gegenzug einen Anwalt mit einer Klage gegen die verantwortlichen Gerichtsvertreter, weil kein Geständnis der Zauberei durch die Verstorbene vorlag. Dieser Prozess zeigte, wie im Gericht Davensberg alle sonst geltenden Verfahrensrichtlinien in Hexenprozessen missachtet wurden.


Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Um das Jahr 1500 lebten auf der Burgfreiheit von Davensberg bis zu 60 Menschen. Im Jahr 1790 waren es 190, ein Jahrhundert darauf waren es 340 Einwohner. Heute leben in Davensberg, das inzwischen Ortsteil von Ascheberg ist, über 1700 Menschen.[4] "Höhepunkt" der Bevölkerungsentwicklung war bislang der 31. Dezember 2005: Damals lebten in der Ortschaft 1914 Personen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die politischen Vertreter für Davensberg sind Teil des Gemeinderats von Ascheberg. In Davensberg gibt es zwei Wahlbezirke, die Wahlbezirke 9 (Grundschule Davensberg) und 10 (Burgschule Davensberg). Bei der Kommunalwahl am 30. August 2009 hat in beiden Bezirken die CDU die Mehrheit errungen.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Davensberg zeigt einen schwarzen Löwen auf gelbem Grund.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Rundturm in Davensberg

Museen[Bearbeiten]

Im Turm der Burg Davensberg befindet sich ein Museum, das vom Heimatverein Davensberg betrieben wird. Der Ausstellungsschwerpunkt liegt auf alten bäuerlichen Kulturgeräten.

Burg Davensberg[Bearbeiten]

Der Rundturm aus Ziegeln und Bruchsteinmauerwerk war Teil der Ritterburg Davensberg und wurde vermutlich um 1530 errichtet, um 1750 verfiel er zunächst. Erbaut wurde die Burg wahrscheinlich durch die Herren von Büren, einem mächtigen Adelsgeschlecht aus dem Fürstbistum Paderborn. 1599 wurde die Burg aufgeteilt und ging in den Besitz der Herren von Morrien auf Nordkirchen sowie Wolf von Füchteln über[5]. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage schweren Zerstörungen ausgesetzt. 1634 wurden die Burg und die angrenzende Freiheit von lüneburgischen Truppen in Brand gesteckt. In der oberen Etage des letztmals 1971 restaurierten Turms befindet sich ein Kaminzimmer, darunter ein Gefängnis und ganz unten ein Verlies. Im Burgturm befand sich auch das Atelier des Bildhauers und Ehrenbürger der Gemeinde Davensberg Friedrich Press.[6]

Haus Byink[Bearbeiten]

Blick auf Haus Byink

1558 wurde Haus Byink von Heinrich von Ascheberg als westfälisches Bauernhaus im Renaissance-Stil in der heutigen Form erbaut. Allerdings gab es einen Vorgängerbau, der schon um 1400 im Besitz der Herren von Ascheberg war. Angelegt wurde die Anlage als zweiinselige Wasserburg. Bestandteil ist unter anderem ein mächtiges zweigeschossiges Torhaus (erbaut 1561) mit zwei halbrunden turmartigen Vorbauten. Der Bau mit den anderthalb Meter starken Mauern nahe dem Rittersitz Romberg besteht aus Ziegelmosaik. Im Jahr 1698 kam das Haus durch ein Vermächtnis in den Besitz des Christoph Engelbert von Beverförde-Werries. Die Geschichte dieses Familienstammes endete 1780. Haus Byink wurde nun Eigentum von Friedrich Clemens von Elverfeld. Seit 1984 ist das Haus Wohnstätte von Ida Freifrau von Elverfeld. Das Herrenhaus, das auf einer gesonderten Insel gestanden hat, existiert heute nicht mehr[7].

Haus Romberg[Bearbeiten]

In Davensberg liegt auch der kleine Rittersitz Haus Romberg. Schießscharten am Torhaus sowie Gräben und Wälle zeugen noch von dieser Vergangenheit. Das im Renaissancestil erbaute Herrenhaus liegt gegenüber dem Torhaus-Durchgang. An das Herrenhaus schließt sich ein achteckiger Turm mit Eckquaderungen aus Sandstein an.

Katholische Pfarrkirche St. Anna[Bearbeiten]

Die Katholische Pfarrkirche St. Anna wurde zwischen 1497 und 1510 erbaut. Der spätgotische einschiffige Backsteinbau geht auf Balthasar von Büren zurück. Im Inneren des Gotteshauses ist ein von Johann Brabender 1566 geschaffenes Retabel zu sehen, das mit Flügelgemälden Hermann tom Rings ausgestattet ist.

Papst-Denkmal[Bearbeiten]

Am 24. Februar 1995 wurde auf Anregung des Heimatvereins Davensberg neben der Kirche ein Denkmal für Papst Innozenz VIII. eingeweiht. In der Urkunde vom 26. August 1490 erteilte dieser die Genehmigung für die Errichtung der St. Anna-Kirche. Darüber entbrannte eine kontroverse Diskussion, weil das Lebenswerk dieses Papstes mit dem Beginn der Hexenverfolgungen verknüpft ist.

Sport[Bearbeiten]

Ein wichtiger Sportverein in Davensberg ist der SV Davaria Davensberg. Er wurde im Jahr 1949 gegründet. Das Vereinsheim Waldstadion mit der 1999 erbauten Tribüne befindet sich am Rinkeroder Weg. Der 1. Vorsitzende ist Wolfgang Lübke. Die Hauptsportart ist Fußball, angeboten werden aber auch der Breitensport und Judo.[8]

Seit 2010 besteht im Ort eine privat betriebene 5 Hektar große Swingolfanlage.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Davensberg

Der Ort liegt in der Nähe der Bundesautobahn 1, der „Hansalinie“ Köln-Bremen, bis zur Anschlussstelle in Ascheberg sind es vier Kilometer. Die unmittelbare durch den Ort führende Hauptverkehrsachse ist die L 844, die Ottmarsbocholt mit Ascheberg verbindet. Weiterhin verfügt Davensberg über einen Bahnhof an der Strecke Münster – Lünen – Dortmund; die Züge der Eurobahn (RB 50, „Der Lüner“) halten in Davensberg (zwischen 5 Uhr und 24 Uhr) im Stundentakt.

Zwischen 1915 und 1925 gab es eine Materialkleinbahn der Philipp Holzmann AG von Ascheberg nach Rinkerode über Davensberg, die von 1917 bis 1925 planmäßig auch Personen beförderte, die Kleinbahn Rinkerode-Ascheberg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Jahr 1985 hat Davensberg die Goldmedaille im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" (heute: "Unser Dorf hat Zukunft") errungen.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dehio, Georg, Unter Wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 35
  2. Gudrun Gersmann: Konflikte, Krisen, Provokationen im Fürstbistum Münster. Kriminalgerichtsbarkeit im Spannungsfeld zwischen adeliger und landesherrlicher Justiz, in: Delinquenz, Justiz und soziale Kontrolle (1300 - 1800). Beiträge der Historischen Kriminalitätsforschung zu einer Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne, hg. von Andreas Blauert und Gerd Schwerhoff, Konstanz 1999. H.J. Wolf: Geschichte der Hexenprozesse, Nikol Verlag Hamburg, 1995, S. 677
  3. Archiv Nordkirchen 12219, Protocollum criminale, Bl. 86b, 89b, 92 und 95. Staatsarchiv Münster, Altertumsverein 317b, Bl. 37b, Schreiben vom 18. Dezember 1629
  4. Gemeinde Ascheberg – Davensberg
  5. Burgenwelt: Burg Davensberg in Ascheberg, unter Bezugnahme auf den HB-Bildatlas Spezial 13 - Wasserschlösser im Münsterland. Hamburg, 1984
  6. Atelier im Burgturm: Friedrich Press, abgerufen am 3. Juni 2012
  7. Haus Byink - Sitz der Ritter von Ascheberg, aufgerufen am 17. November 2009
  8. http://www.sv-davaria.de/index.php SV Davaria Davensberg, aufgerufen am 4. November 2009
  9. Swingolfanlage Davensberg

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Davensberg – Sammlung von Bildern

51.81757.5916666666667Koordinaten: 51° 49′ N, 7° 36′ O