David Cooper (Psychiater)

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David Graham Cooper (* 1931 in Kapstadt; † 1986 in Paris) war ein südafrikanischer Psychiater, der als Theoretiker und führender Kopf der Anti-Psychiatrie-Bewegung bekannt wurde – gemeinsam mit beziehungsweise parallel zu Ronald D. Laing, Thomas Szasz und Michel Foucault. Cooper war Direktor des Institute of Phenomenological Studies.

Leben[Bearbeiten]

David Cooper schloss sein Medizinstudium an der University of Cape Town im Jahr 1955 ab und zog nach London. Dort arbeitete er in verschiedenen Spitälern und leitete eine Forschungsstation für junge Schizophrene, die Villa 21 im Shenley Hospital in Hertfordshire. Dort setzte er ab 1962 bis zu seiner Entlassung und dem Stop des Experiments 1966 seine Ideen einer antiautoritären Psychiatrie durch - die Patienten konnten ihre Behandlung weitgehend selbst bestimmen[1][2]. 1965 war er – mit Laing und anderen – am Aufbau der Philadelphia Association beteiligt. Cooper bezeichnete sich selbst als einen existentialistischen Marxisten und trennte sich folgerichtig in den 1970er Jahren wiederum von der Philadelphia Association, der er vorwarf, Spiritualität gegenüber der politischen Arbeit den Vorzug einzuräumen.

Cooper war der festen Überzeugung, dass Wahnsinn und Psychose gesellschaftliche Erzeugnisse seien und es zu deren Lösung einer Revolution bedürfe. Aus diesem Grund hielt er sich einige Jahre in Argentinien auf, weil er dachte, das revolutionäre Potential dort sei reif. Desillusioniert kehrte er nach England zurück und ließ sich schließlich in Frankreich nieder, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Er prägte 1967 den Begriff Anti-Psychiatrie, der die Gegnerschaft zur orthodoxen Psychiatrie seiner Zeit beschreiben sollte, vgl. Klassische deutsche Psychiatrie. Cooper plante den im selben Jahr im Londoner Roundhouse abgehaltenen Kongress Dialectics of Liberation, an dem unter anderem R. D. Laing, Paul Goodman, Allen Ginsberg, Herbert Marcuse und Stokely Carmichael von den Black Panthers teilnahmen. Jean-Paul Sartre sagte seine Teilnahme in letzter Minute ab.

Wichtige Werke[Bearbeiten]

In englischer Sprache[Bearbeiten]

  •  (gemeinsam R. D. Laing): Reason and Violence: a decade of Sartre’s philosophy. Tavistock, 1964.
  •  Psychiatry and Anti-Psychiatry. Tavistock/Paladin, London 1967.
  •  (Hrsg.): The Dialectics of Liberation. Penguin, 1968.
  •  The Death of the Family. Penguin, 1971.
  •  Grammar of Living. Penguin, 1974.
  •  The Language of Madness. Penguin, 1978.

In deutscher Sprache[Bearbeiten]

  •  Dialektik der Befreiung. 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1970.
  •  Psychiatrie und Anti-Psychiatrie. 1. bis 6. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971, 1984.
  •  Der Tod der Familie. 1. bis 10. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972-1981, 1989.
  •  Vernunft und Gewalt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973.
  •  Von der Notwendigkeit der Freiheit. 1. und 2. Auflage. Verlag Roter Stern, Frankfurt am Main 1976, [1977].
  •  Die Sprache der Verrücktheit. Rotbuch-Verlag, Berlin 1978.
  •  Wer ist Dissident. Rotbuch-Verlag, Berlin 1978.
  •  Der eingekreiste Wahnsinn. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979.
  •  Von der Notwendigkeit der Freiheit. 3. Auflage. Stroemfeld, Basel 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oisin Wall The birth and death of Villa 21, History of Psychiatry, Band 24, 2013, Nr. 3, S. 326-340, Abstract
  2. Frank Thadeusz Kommune der Irren, Der Spiegel, Nr. 33, 2014, S. 124