David Foenkinos

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David Foenkinos (2011)

David Foenkinos (* 28. Oktober 1974 in Paris) ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Foenkinos studierte an der Sorbonne Literatur und Musik mit Schwerpunkt Jazzgitarre und arbeitete danach zunächst als Gitarrenlehrer.

Seine frühen Romane (bis einschließlich Größter anzunehmender Glücksfall) zeichnen sich durch so rasante wie absurde Plots und einen reichlich ausgefallenen Stil aus. Die Art des Philosophierens über die Liebe, das beherrschende Thema in Foenkinos’ Romanen, ist erkennbar inspiriert von Albert Cohens Die Schöne des Herrn, das Buch, das Foenkinos in nahezu all seinen Romanen erwähnt. In romantische Schwelgereien mischen sich urplötzlich böse und recht desillusionierende Töne, in denen das menschliche Liebesstreben als lächerlich erscheint.

Seit Unsere schönste Trennung wird das Skurrile und Groteske zunehmend abgelöst von einer melancholischen Grundhaltung und einer psychologisch fundierteren Figurenzeichnung. Die männlichen Hauptfiguren sind dabei stets im Geiste mit der Truffaut-Figur Antoine Doinel verwandt: immer ein wenig ungeschickt und unschlüssig, oftmals fehlen ihnen die Worte, dabei stets sympathisch, nebenbei führen sie ein erstaunlich munteres Sexualleben. Direkte Bezüge auf Doinel finden sich in Unsere schönste Trennung: "Wir beschlossen, in einem Gebäude mit großem Innenhof eine Wohnung zu beziehen [wie das Paar in Tisch und Bett ]. Ich weiß nicht, warum ich mein Leben immer mit dem von Antoine Doinel vergleiche, auf alle Fälle kam es mir vor, als sei ich am Ende der geraubten Küsse angelangt. Alice hatte zudem soviel von Claude Jade, vor allem wenn sie schlief..." Eine Begegnung mit Doinels Film-Ehefrau Claude Jade beschreibt er zudem in seinem Roman Zum Glück Pauline.

Zu den Wesensmerkmalen der Romane gehört auch das Spiel mit der Rekurrenz. Der treue Leser wird etwa das wiederholte Auftauchen zweier Polen, der Schweiz als Sehnsuchtsort oder das innige Verhältnis zur deutschen Sprache vor allem bei den weiblichen Hauptfiguren beobachten. Ein Stilelement, das sich durch alle Romane hindurchzieht, sind zudem die Fußnoten. Als Vorbilder und Einflüsse werden neben Albert Cohen oft Milan Kundera und Woody Allen genannt.

Nathalie küsst, nach Foenkinos’ eigenem Dafürhalten eine „moderne Mischung aus Dornröschen und Die Schöne und das Biest[1], gilt als sein bislang größter kommerzieller Erfolg. Das Buch verkaufte sich in Frankreich über eine Million Mal und wurde von Foenkinos selbst (zusammen mit seinem Bruder Stéphane) mit Audrey Tautou und François Damiens in den Hauptrollen verfilmt.

Seine Romane erscheinen in über vierzig Sprachen.[2]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Romane:

  • Inversion de l'idiotie - De l'influence de deux Polonais. Ed. Gallimard 2002
  • Entre les oreilles. Ed. Gallimard 2002
  • Le potentiel érotique de ma femme. Ed. Gallimard 2004 (dt: Das erotische Potential meiner Frau. Ü: Moshe Kahn. München 2005. ISBN 3-406-53550-X)
  • En cas de bonheur. Ed. Flammarion 2005 (dt: Größter anzunehmender Glücksfall. München 2006. ISBN 3-406-55068-1)
  • Les cœurs autonomes. Ed. Grasset 2006
  • Qui se souvient de David Foenkinos? Ed. Gallimard 2007
  • Nos séparations. Ed. Gallimard 2008 (dt: Unsere schönste Trennung. München 2010. ISBN 978-3-406-59840-1)
  • La délicatesse. Ed. Gallimard 2009 (dt: Nathalie küsst. München 2011. ISBN 978-3-406-62162-8)
  • Lennon. Ed. Plon 2010
  • Les souvenirs. Ed. Gallimard 2011 (dt: Souvenirs. München 2012. ISBN 978-3-406-63947-0)
  • Je vais mieux. Ed. Gallimard 2013 (dt: Zum Glück Pauline. München 2013. ISBN 978-3-406-65420-6)
  • La tête de l'emploi. Ed. J'ai lu 2014 (dt: Zurück auf Los. München 2014. ISBN 978-3-406-67013-8)

Die deutschen Ausgaben sind im Verlag C. H. Beck erschienen, die Übersetzungen stammen (mit der angeführten Ausnahme) von Christian Kolb.

Comics (zusammen mit Benjamin Reiss):

  • Pourquoi tant d’amour? (2 Bde.) Ed. Emmanuel Proust 2004

Theaterstücke:

  • Célibataires. Ed. Flammarion 2008; Uraufführung 2008 am Pariser Studio des Champs-Élysées (Regie: Anouche Setbon, mit Catherine Jacob und Christian Charmetant)

Erzählungen:

  • Bernard. Ed. du Moteur 2010

Kinderbücher (zusammen mit Soledad Bravi):

  • Le petit garçon qui disait toujours non. Ed. Albin Michel Jeunesse 2011
  • Le saule pleureur de bonne humeur. Ed. Albin Michel Jeunesse 2012

Filme (zusammen mit Stéphane Foenkinos):

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Prix François-Mauriac für Inversion de l’idiotie (2001).
  • Stipendium der Fondation Hachette (2003).
  • Prix Roger-Nimier für Das erotische Potential meiner Frau (2004).
  • Prix Jean Giono für Qui se souvient de David Foenkinos? (2007).
  • Prix Conversation, Prix des Dunes, Prix des lecteurs du Télégramme de Brest für Nathalie küsst (2009).
  • 2 Nominierungen (bester Debütfilm, beste Drehbuchadaptation) für den französischen Filmpreis César für die Verfilmung von Nathalie küsst (2012).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. freundin. Geschichten über die Liebe, gesehen am 12. Juni 2013
  2. Aussage Foenkinos anlässlich einer Lesung in Weimar am 13. September 2013.